{"id":280597,"date":"2025-07-20T16:54:10","date_gmt":"2025-07-20T16:54:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/280597\/"},"modified":"2025-07-20T16:54:10","modified_gmt":"2025-07-20T16:54:10","slug":"da-schliesst-sich-ein-kreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/280597\/","title":{"rendered":"Da schlie\u00dft sich ein Kreis"},"content":{"rendered":"<p>Judith Neuwald-Tasbach, die Ehrenvorsitzende der J\u00fcdischen Gemeinde Gelsenkirchen, ist sichtlich aufgeregt. Jetzt ist es schon 15 Uhr, und gemeinsam mit Kathrin Pieren, der Leiterin des J\u00fcdischen Museums im benachbarten Dorsten, wartet sie an der Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die ehemalige Synagoge in Buer am Gustav-B\u00e4r-Platz auf zehn Besucher aus den Vereinigten Staaten. Es sind die Nachfahren von Gustav B\u00e4r, dem fr\u00fcheren Vorbeter der J\u00fcdischen Gemeinde in Buer, der nach der Pogromnacht im November 1938 mit seiner Frau Hilde und den beiden Kindern Felix und Dina \u00fcber den Atlantik hatte fliehen k\u00f6nnen und damit auch den Synagogenschmuck rettete.<\/p>\n<p>Das Bethaus selbst wurde niedergebrannt, die Feuerwehr sah tatenlos zu. An seiner Stelle steht heute ein Hallenbad. Immerhin \u2013 ein Gedenkstein erinnert seit 1992 an die Zerst\u00f6rung. B\u00e4r hatte vielen j\u00fcdischen Familien bei der Flucht vor den Nationalsozialisten geholfen.<\/p>\n<p>Das Bethaus selbst wurde niedergebrannt, die Feuerwehr sah tatenlos zu<\/p>\n<p>Schmuck Neuwald-Tasbach telefoniert, h\u00e4lt Ausschau \u2013 und dann kommen sie mit zwei Autos vorgefahren: Joyce Susskind Hancock, die Enkelin von Gustav B\u00e4r, und ihr Ehemann Jim Hancock sowie die beiden S\u00f6hne von Joyce und Jim und deren Familien: Bradley Hancock mit Freundin Chaunsey Regan und den Kindern Abby Hancock (13) und Ben Hancock (16) sowie Russell Hancock (48) mit Ehefrau Erika Carlson und den beiden S\u00f6hnen Sawyer (13) und Grady (10).<\/p>\n<p>Judith Neuwald-Tasbach und Joyce Susskind Hancock fallen einander in die Arme. Joyce Susskind Hancock hat den Synagogenschmuck dabei, den ihr Gro\u00dfvater einst gerettet hat. Heute wird sie ihn der Gelsenkirchener Synagoge \u00fcbergeben. Alle steigen aus, betrachten den Gedenkstein f\u00fcr die niedergebrannte Synagoge.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Ben Hancock findet es \u00bbspannend, das alles zu sehen \u2013 auch wenn es nat\u00fcrlich traurig ist, was damals passiert ist\u00ab. Der Amerikaner bedauert, dass von der alten Synagoge nichts mehr erhalten ist. \u00bbAber es ist sch\u00f6n zu sehen, dass es ein Denkmal gibt und dass dem Ganzen Wertsch\u00e4tzung entgegengebracht wird.\u00ab<\/p>\n<p>Bedauern, dass von der alten Synagoge nichts mehr erhalten ist<\/p>\n<p>Dass seine Gro\u00dfmutter die geretteten Ritualgegenst\u00e4nde zur\u00fcck nach Gelsenkirchen bringt, findet der 16-J\u00e4hrige richtig. \u00bbEs war gut, dass die Sachen damals nach Amerika gebracht wurden. Und es ist auch gut, dass sie jetzt zur\u00fcckkehren. Es ist etwas aus unserer Familiengeschichte \u2013 und es f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrde sich ein Kreis schlie\u00dfen.\u00ab<\/p>\n<p>Viel Zeit bleibt allerdings nicht, die Gastgeber dr\u00e4ngen. Es geht weiter zur Synagoge in der Gelsenkirchener Innenstadt. Judith Neuwald-Tasbach erkl\u00e4rt den Besuchern, dass die Fahrt l\u00e4nger dauern k\u00f6nne. Iron Maiden spiele heute in der Schalke-Arena, die Anreise der Fans der Heavy-Metal-Band habe bereits begonnen. Die Stra\u00dfen seien m\u00f6glicherweise voll.<\/p>\n<p>Waren sie aber nicht. P\u00fcnktlich um kurz vor 15 Uhr treffen sie alle in der 2007 er\u00f6ffneten Synagoge in der Georgstra\u00dfe ein, die heute das einzige j\u00fcdische Bethaus der Stadt ist. Hier \u00fcbergibt Joyce Susskind Hancock die geretteten Ritualgegenst\u00e4nde der alten Synagogengemeinde der neuen. \u00bbWir sind tief ber\u00fchrt, dass Sie alle heute hier sind\u00ab, sagt Slava Pasku, die Vorsitzende der J\u00fcdischen Gemeinde Gelsenkirchen, sichtlich bewegt. \u00bbSchon allein dass Sie die weite Reise auf sich genommen haben, bedeutet uns an diesem besonderen Tag sehr viel.\u00ab<\/p>\n<p>Joyce Susskind Hancock glaubt, dass das Erbe ihres Gro\u00dfvaters in Deutschland sicher ist.<\/p>\n<p>Die Gemeinde freue sich von Herzen \u00fcber das Kommen und die Offenheit der Nachfahren von Gustav B\u00e4r \u2013 und ganz besonders \u00fcber das kostbare Geschenk, das sie mitgebracht haben: den Synagogenschmuck, darunter ein wundersch\u00f6ner Toraschild sowie eine Etrog-Dose aus der ehemaligen Synagoge in Buer.<\/p>\n<p>\u00bbDiese Gegenst\u00e4nde sind nicht nur bedeutende Zeugnisse unserer gemeinsamen Geschichte \u2013 sie sind auch ein Zeichen der R\u00fcckkehr, des Vertrauens und eine Br\u00fccke zwischen Vergangenheit und Zukunft.\u00ab<br \/>Joyce Susskind Hancock sagt der J\u00fcdischen Allgemeinen, dass es ihr sehr viel bedeute, den Toraschmuck nach Gelsenkirchen zur\u00fcckzubringen. \u00bbIch wollte das bereits seit vielen Jahren tun. Ich bin eine von nur zwei \u00dcberlebenden aus meiner Familie \u2013 von meinen Urgro\u00dfeltern, meinen Gro\u00dfeltern. Es war mir sehr wichtig, dass diese Gegenst\u00e4nde an ihren Ursprungsort zur\u00fcckkehren.\u00ab<\/p>\n<p>Sie glaubt, dass das Erbe ihres Gro\u00dfvaters in Deutschland sicher ist. \u00bbWir haben \u00fcber Hitler gesiegt.\u00ab Der Toraschmuck sei nicht geraubt oder zerst\u00f6rt worden, sondern nun wieder an seinem Platz in Gelsenkirchen.<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeisterin Martina Rudowitz schenkt den G\u00e4sten eine Kopie der Geburtsurkunde von Dina<\/p>\n<p>Gelsenkirchens B\u00fcrgermeisterin Martina Rudowitz (SPD) schenkt den G\u00e4sten eine Kopie der Geburtsurkunde von Dina, der Tochter Gustav B\u00e4rs und Mutter von Joyce Susskind Hancock. In ihrer Rede sagt Rudowitz, sie freue sich sehr, gemeinsam mit der Gemeinde und den Nachfahren von Gustav B\u00e4r diesen einzigartigen Anlass begehen zu k\u00f6nnen. \u00bbWir danken Ihnen von Herzen, dass Sie diese wertvollen Kultgegenst\u00e4nde der Stadt und der Gemeinde anvertrauen.\u00ab<\/p>\n<p>Solche R\u00fcckgaben seien \u00e4u\u00dferst selten. \u00bbDas verstehen wir als gro\u00dfes Zeichen des Vertrauens in die j\u00fcdische Gemeinschaft von heute. Ich kann Ihnen versichern: Die Stadt Gelsenkirchen wird sich bestm\u00f6glich um diese liturgischen Objekte k\u00fcmmern und daf\u00fcr sorgen, dass sie w\u00fcrdig pr\u00e4sentiert und bewahrt werden.\u00ab<\/p>\n<p>Der Nachmittag in der Neuen Synagoge endet f\u00fcr die Besucher mit einem Eintrag ins Gedenkbuch der Gemeinde Sachor, einem gemeinsamen Gebet zum Beginn des Schabbats und einem abschlie\u00dfenden Kiddusch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Judith Neuwald-Tasbach, die Ehrenvorsitzende der J\u00fcdischen Gemeinde Gelsenkirchen, ist sichtlich aufgeregt. 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