{"id":280863,"date":"2025-07-20T19:17:11","date_gmt":"2025-07-20T19:17:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/280863\/"},"modified":"2025-07-20T19:17:11","modified_gmt":"2025-07-20T19:17:11","slug":"wie-die-burgenlaenderin-zum-krimi-star-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/280863\/","title":{"rendered":"Wie die Burgenl\u00e4nderin zum Krimi-Star wurde"},"content":{"rendered":"<p>Ihr <strong>Gartenkrimi \u201eZuagroast\u201c <\/strong>war 2021 ein \u00dcberraschungserfolg, aber keine Eintagsfliege. 2026 wird der sechste Band dieser Serie erscheinen, w\u00e4hrend der erste gerade mit <strong>Manuel Rubey und Hilde Dalik<\/strong> verfilmt wurde. Dem nicht genug: <a href=\"https:\/\/www.martinaparker.com\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Krimi-Autorin Martina Parker<\/strong><\/a> hat eine neue Ermittlerin ins Leben gerufen.\u00a0<br \/>Parker hat viel Energie, nicht erst seit heute. Sonst h\u00e4tte sie nicht den Mut gehabt, 2020 nach vielen Jahren ihren Job zu k\u00fcndigen, um ihre zweite Karriere als Autorin zu starten: Ein fertiges Buch hatte sie da noch nicht in der Schublade, aber viele Ideen im Kopf. \u201eShootingstar\u201c wurde Martina Parker damals genannt, als sie mit \u201eZuagroast\u201c herauskam. L\u00e4ngst hat sie sich mit ihren \u201eGartenkrimis\u201c namens \u201eHamdraht\u201c, \u201eAufgblattelt\u201c &amp; Co. eine eigene Leser-Community geschaffen. Und damit es \u00a0nicht fad wird, hat sie mit <strong>&#8222;Miss Vergn\u00fcgen&#8220;<\/strong> eine neue Ermittlerin ins Leben gerufen. Schauplatz: diesmal Wien statt Burgenland. Was bleibt, ist der Hang zu skurrilen Figuren und eine Sprache, die den Dialekt liebt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Wollen Sie uns etwas \u00fcber das Sexleben von Nacktschnecken erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Martina Parker: (Lacht) Die kleben ewig aneinander und verhaken sich so richtig zu einem schleimigen Etwas \u2013 das ist ekelhaft, wenn man das im Garten beobachtet.<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">In Ihrem ersten Krimi \u201eZuagroast\u201c erf\u00e4hrt man auch, dass Nacktschnecken sich bis zu 24 Stunden lang streicheln, bevor es zur Sache geht. Kuriose Fakten ziehen sich, als kleine Einleitungen vor jedem Kapitel, durch alle Ihre B\u00fccher.<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Ich lese unheimlich gern Studien \u2013 aus Psychologie, Verhaltensbiologie, Soziologie. Und ich finde, man kann viel \u00fcber Menschen lernen, wenn man auch \u00fcber Tiere liest. Au\u00dferdem lockert es auf und gibt einen zus\u00e4tzlichen Blickwinkel auf das, was im Kapitel passiert.\u00a0<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">\u201eZuagroast\u201c wurde gerade verfilmt. Ihr sechster \u201eGartenkrimi\u201c \u00a0kommt 2026 in den Handel. Woher dieser Erfolg?<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Offenbar hab ich einen Nerv getroffen. Vielleicht, weil ich kein typisches Krimischema bediene, sondern Figuren entwickle, die man glaubt, zu kennen. Aber es war auch sehr viel harte Arbeit. Ich war nicht zu stolz, mir die Hacken abzulaufen. Du musst die Leute kennenlernen, damit sie dich weiterempfehlen: Ich war bei gr\u00f6\u00dfter Hitze auf Gartenmessen und hab mich den Buchh\u00e4ndlern selbst vorgestellt: \u201eHallo, ich bin Martina und habe einen Gartenkrimi geschrieben\u201c. Dass das alles aufgeht, hat aber auch \u00a0sehr viel mit meinen Leserinnen und Lesern zu tun. Die schenken das Buch weiter, weil sie wollen, dass andere das auch lesen, damit sie dar\u00fcber reden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Jetzt haben Sie eine neue Krimireihe ins Leben gerufen. Hier ist einiges anders als in Ihren Gartenkrimis &#8230;<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Ich hab mich bewusst entschieden, dass ich mal raus aus dem Burgenland will. Nicht, weil ich es nicht mehr mag, sondern weil ich ein neues Setting wollte. Schon allein der Wiener Humor \u00a0ergibt eine v\u00f6llig andere Tonalit\u00e4t und andere Energie.<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Ihr neuer Krimi \u201eMiss Vergn\u00fcgen\u201c spielt in der Beauty-Branche. Sie waren ja, bevor Sie Buch-Autorin wurden, Journalistin in dieser Branche. K\u00f6nnten sich Menschen darin unvermutet wiedererkennen?<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Reale Menschen, die in meinen B\u00fcchern vorkommen, werden immer gefragt. Also nein. Aber nat\u00fcrlich sind die Figuren das Wichtigste, sie m\u00fcssen immer echt wirken. Ich habe auch versucht, die Branche realistisch zu zeichnen, mit allen ihren Problemen zwischen Tradition, Luxusanspruch, Sch\u00f6nheit und modernem Kapitalismus und Kommerzdenken. Ich habe auch versucht, zu zeigen, dass etwa der Konzernchef nicht nur B\u00f6sewicht ist, sondern auch Probleme hat. \u00a0F\u00fcr seine Frau ist er Ern\u00e4hrer und Hassobjekt, f\u00fcr die Mitarbeiter der gemeine Restrukturierer, \u00a0f\u00fcr die Schw\u00e4gerin ein netter, lieber Mensch. Und das trifft auf alle Figuren zu. Keiner ist nur b\u00f6se und keiner nur lieb.<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Sie sind auch f\u00fcr Ihre Lesungen bekannt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Ja, eigentlich ist es schon Comedy, ich lass mir immer etwas einfallen. Man \u201eerliest\u201c sich sein Publikum. Ich hatte Gl\u00fcck, habe bei \u201eZuagroast\u201c gleich am Anfang Anfragen bekommen. Aber: Man \u00fcbersch\u00e4tzt \u00a0die eigene Kraft. Ich bin ja kein Superstar mit Chauffeur, sondern fahre oft selbst mit dem Auto durch ganz \u00d6sterreich, weil es oft keine Zugverbindung gibt. Ich musste erst lernen, wie viel geht \u2013 und was mich vom Schreiben abh\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Sind diese Touren manchmal auch einsam?<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Wenn es unter zwei Stunden entfernt ist, versuche ich heimzufahren. Wenn es weiter weg ist, sind das meist Krimifestivals\u2005\u2013 da trifft man viele liebe Kolleginnen. Da gibt es auch viel Hilfe und wenig Neid. Es ist irgendwie ein gesch\u00fctzter Raum.<\/p>\n<blockquote class=\"h4\">\n<p>Fr\u00fcher \u2013 in den Nullerjahren \u2013 hat man st\u00e4ndig auf dem Gewicht von Frauen herumgeritten. Da gab es Artikel dar\u00fcber, wie viel Victoria Beckham nach der Geburt ihres Kindes wiegt. Oder dieses Idealma\u00df 90-60-90. Frauen wurden zu oft auf Zahlen reduziert. Das geh\u00f6rt abgeschafft!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"interview-question-text\">Was glauben Sie: Warum sind Krimis so beliebt bei den Lesern?<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Na ja, Krimi ist nicht gleich Krimi. Es gibt harte Thriller \u2013 das ist nicht meins. Ich bin zartbesaitet, ich k\u00f6nnte das nicht schreiben. Ich mache Kriminalromane mit ernsten, sozialkritischen, gesellschaftlichen Themen, wie h\u00e4usliche Gewalt in \u201eZuagroast\u201c oder in \u201eMiss Vergn\u00fcgen\u201c die Konzernkritik. Ich glaub, Krimis sind \u00a0beliebt, weil es meistens gut ausgeht, weil die Gerechtigkeit siegt.<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Sie wurden auch zur \u201eBurgenl\u00e4nderin des Jahres 2024\u201c gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Ja, aber nicht nur wegen der Krimis. Es ging vor allem darum, dass ich so viele Frauen unterst\u00fctze und inspiriere. Das war jedenfalls ein zentraler Punkt in der Rede.<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Wie machen Sie das?<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Ich zwinge andere zu ihrem Gl\u00fcck (lacht). Ich versuche, die Angst zu nehmen, wenn etwa jemand mit dem Gedanken spielt, sich selbstst\u00e4ndig zu machen und dann zum Beispiel sagt: \u201eAber ich bin doch schon 50\u201c, dann sage ich: Lass das Alter raus. Diese Altersschubladen bewirken oft v\u00f6llig falsche Reaktionen. Ich finde das seltsam, wie wichtig das manchen ist. Und ich hoffe, dass das aufh\u00f6rt. Fr\u00fcher \u2013 in den Nullerjahren \u2013 hat man st\u00e4ndig auf dem Gewicht von Frauen herumgeritten. Da gab es Artikel dar\u00fcber, wie viel Victoria Beckham nach der Geburt ihres Kindes wiegt. Oder dieses Idealma\u00df 90-60-90. Frauen wurden zu oft auf Zahlen reduziert. Das geh\u00f6rt abgeschafft!<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">\u00a0Sie haben Ihren Traum, ein Buch zu schreiben, \u00a0in der zweiten Lebensh\u00e4lfte verwirklicht. War das der richtige Zeitpunkt?\u00a0<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Auf jeden Fall. Ich glaube, man kann erst dann einen Roman schreiben, wenn man etwas erlebt und zu erz\u00e4hlen hat. Aber ich hab schon mit zehn ein Buch geschrieben \u2013 \u00fcber das Pony Wotan. Ich habe es sogar dem Ueberreuter Verlag geschickt. Die Antwort war: \u201eDu schreibst lieb und lebendig, das wird sicher was \u2013 aber noch nicht jetzt.\u201c Was ich lange nicht wusste. Ich bin Legasthenikerin. Das wurde mir erst klar, als mein Sohn die Diagnose bekam. Bei mir hie\u00df es fr\u00fcher immer: schlampig, faul und bl\u00f6d.\u00a0<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Hat Sie das jemals entmutigt?<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Nat\u00fcrlich hat es mich verletzt, aber entmutigt hat es mich nicht. Ich habe mein Leben lang geschrieben. Lesen habe ich mir selbst beigebracht \u2013 mit vier oder f\u00fcnf. Ich habe schon mit sieben die Karl-May-B\u00fccher vom Opa gelesen, in Kurrentschrift. Ich wollte einfach lesen, auch wenn\u2019s nicht viele B\u00fccher gab. Sp\u00e4ter habe ich alles verschlungen, was mir unterkam \u2013 auch Konsalik und Simmel. \u201eEs muss nicht immer Kaviar sein\u201c \u2013 ein gro\u00dfartiges Buch (lacht).<\/p>\n<p class=\"interview-question-text\">Und Ihre Eltern hatten ein Hotel?\u00a0<\/p>\n<p class=\"interview-answer-text\">Ja, in Bad Tatzmannsdorf. Das klingt mond\u00e4ner, als es war \u2013 ein typischer Familienbetrieb. Meine Mama war an der Rezeption, mein Papa hat gekocht. Meine Eltern hatten wenig Zeit, wie das bei Gastronomen eben ist. Aber rundherum gab es viele Pensionen \u2013 also auch viele andere Kinder, die unbeaufsichtigt im Kurpark oder Wald unterwegs waren. Ich habe gelesen, Abenteuer erlebt \u2013 und dar\u00fcber geschrieben. Ich habe sogar mal dem Kreisky einen Brief geschrieben \u2013 er war gerade im Kurpark. Was drinstand, wei\u00df ich nicht mehr. Zu schreiben ist f\u00fcr mich Teil meines Lebens. Selbst wenn die KI k\u00fcnftig alle k\u00fcnstlerischen Arbeiten \u00fcbernehmen sollte und die Menschen nur mehr als Sklaven in einer dystopischen Zukunft leben \u2013 w\u00fcrde ich weiterschreiben.\u00a0<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" class=\"lazyload \" title=\"Kriminalroman in Wien\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/46-216575798.jpg\"  data- alt=\"46-216575798\"\/><\/p>\n<p>\u201eMiss Vergn\u00fcgen\u201c. Ein Miss-Brooks-Krimi von Martina Parker. 400 S.,<br \/>19,95 EUR<\/p>\n<p>            \u00a9Gmeiner Verlag        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ihr Gartenkrimi \u201eZuagroast\u201c war 2021 ein \u00dcberraschungserfolg, aber keine Eintagsfliege. 2026 wird der sechste Band dieser Serie erscheinen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":280864,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-280863","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114887173452300727","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/280863","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=280863"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/280863\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/280864"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=280863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=280863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=280863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}