{"id":28179,"date":"2025-04-13T08:52:17","date_gmt":"2025-04-13T08:52:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28179\/"},"modified":"2025-04-13T08:52:17","modified_gmt":"2025-04-13T08:52:17","slug":"maya-stadt-tikal-auf-diesem-altar-wurden-kleine-kinder-geopfert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28179\/","title":{"rendered":"Maya-Stadt Tikal: Auf diesem Altar wurden kleine Kinder geopfert"},"content":{"rendered":"<p>In den Ruinen des Maya-Zentrums Tikal in Guatemala haben Arch\u00e4ologen einen Altar entdeckt. Er diente offenbar einem entsetzlichen Kult, der auch in der 1200 Kilometer entfernten Metropole Teotihuac\u00e1n gepflegt wurde. Das deutet auf enge Beziehungen hin.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Stadt Tikal geh\u00f6rte zu den gro\u00dfen Metropolen der Maya. Im Zentrum des Tieflandes Guatemalas gelegen, war der Stadtstaat, der sich selbst Motul nannte, in der sogenannten Fr\u00fchen Klassik (250\u2013600) eine Gro\u00dfmacht, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article118848983\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article118848983&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die wiederholt in Kriege mit ihren Nachbarn<\/a> verwickelt war. Im Zuge der Entzifferung der Maya-Schrift wurde eine durchlaufende Herrscherlinie seit dem sp\u00e4ten 3. Jahrhundert ermittelt.<\/p>\n<p>Nach einer These beruhte Tikals Macht auf Fernhandel mit Luxusg\u00fctern und Rohstoffen wie Obsidian, aus dem Messer und Waffen hergestellt wurden. Ein wichtiger Partner war dabei offenbar die Stadt Teotihuac\u00e1n, rund 45 Kilometer nord\u00f6stlich von Mexiko-Stadt. Das macht ein Fund plausibel, den Arch\u00e4ologen jetzt in den Ruinen von Tikal gemacht haben. Bei Grabungen in einem Wohnkomplex entdeckten sie einen Altar aus Kalkstein. Das Geb\u00e4ude, in dem er gefunden wurde, zeigt Figuren mit menschlichen Z\u00fcgen und Quasten in Rott\u00f6nen \u2013 ein Detail aus der Teotihuac\u00e1n-Kultur. Deren Zentrum lag mehr als 1200 Kilometer von Tikal entfernt.<\/p>\n<p>Der Fund im Tikal-Nationalpark zeige, dass es <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article196046283\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article196046283&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Zusammenspiel zwischen den Gesellschaften der Maya und Teotihuac\u00e1ns<\/a> gegeben habe, teilte das guatemaltekische Kulturministerium mit. \u201eDie Wohnkomplexe in Teotihuac\u00e1n waren H\u00e4user mit Zimmern und in der Mitte Alt\u00e4re\u201c, erkl\u00e4rt die leitende Arch\u00e4ologin <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Lorena-Paiz\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Lorena-Paiz&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Lorena Paiz<\/a>: \u201eSo sieht auch das gefundene Haus aus, mit einem Altar, der die Figur der Sturmg\u00f6ttin darstellt.\u201c<\/p>\n<p>Teotihuac\u00e1n war nicht irgendeine Stadt, sondern <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article155109462\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article155109462&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gilt als Urmutter der pr\u00e4kolumbischen Kulturen Mittelamerikas<\/a>. Als \u201eOrt, an dem die Menschen zu G\u00f6ttern werden\u201c, deuteten die Azteken die riesigen Ruinen, als sie Jahrhunderte sp\u00e4ter ihre eigene Metropole auf dem Gebiet des heutigen Mexiko-Stadt erbauten. Forscher sch\u00e4tzen die Einwohnerzahl Teotihuac\u00e1ns auf 100.000 bis 200.000, was die Stadt zur gr\u00f6\u00dften ihrer Zeit auf der Welt gemacht haben d\u00fcrfte. In eigenen Vierteln lebten auch Angeh\u00f6rige fremder V\u00f6lker, darunter Maya. Umgekehrt fanden sich in deren Siedlungsgebiet auf der Halbinsel Yucatan und in Guatemala zahlreiche Einfl\u00fcsse von Teotihuac\u00e1n, nicht zuletzt in Tikal.<\/p>\n<p>Dort hat es offenbar eine Art Kolonie der Teotihuac\u00e1n-Bewohner gegeben. \u201eSie waren H\u00e4ndler, die durch das ganze Land reisten\u201c, f\u00fchrt Lorena Paiz aus. Und sie pflegten einen Kult, der pr\u00e4gend f\u00fcr die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article119883590\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article119883590&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">indigenen Zivilisationen Mittelamerikas war: Menschenopfer<\/a>. Solche wurden den G\u00f6ttern auch in dem ergrabenen Haus gebracht, allerdings von einer besonderen Art: \u201eDie \u00dcberreste von drei Kindern, die nicht \u00e4lter als vier Jahre waren, wurden auf drei Seiten des Altars gefunden\u201c, berichtet Paiz. Dieser misst ein mal zwei Meter und ist etwa einen Meter hoch. <\/p>\n<p>Die nicht an dem Projekt beteiligte Arch\u00e4ologin Mar\u00eda Bel\u00e9n M\u00e9ndez sagt, die Entdeckung best\u00e4tige, \u201edass es eine Verbindung zwischen den beiden Kulturen gab und wie ihre Beziehungen zu ihren G\u00f6ttern und Himmelsk\u00f6rpern aussahen &#8230; Wir sehen, dass das Thema der Opferung in beiden Kulturen existiert. Das war ihre Art, sich mit den Himmelsk\u00f6rpern zu verbinden.\u201c Erstaunlich nur, dass daf\u00fcr Kinder sterben mussten. Wie zahlreiche Funde zeigen, dienten vor allem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article154416448\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article154416448&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kriegsgefangene und Angeh\u00f6rige von konkurrierenden Eliten<\/a> als Menschenopfer. <\/p>\n<p>In der Mitte des 6. Jahrhunderts verlor Tikal die Gunst der G\u00f6tter. Hieroglyphen und Stelen, mit denen die Herrscher ihre Macht repr\u00e4sentierten, verschwanden in zahlreichen Maya-St\u00e4dten. Dieser Hiatus (lat.: L\u00fccke) wird besonders in Tikal deutlich. Man hat ihn zum einen mit milit\u00e4rischen Niederlagen und Konflikten innerhalb der herrschenden Dynastie erkl\u00e4rt. Zum anderen durch den Niedergang Teotihuac\u00e1ns, das um 750 sogar verlassen wurde. Diese Katastrophe habe zum Einbruch des Fernhandels gef\u00fchrt, dessen Routen an Tikal vorbeigelaufen seien. <\/p>\n<p>\u201eWenn die Maya-Dynastien im Tiefland ihre Entstehung dem Vorbild oder sogar dem direkten Einsetzen theotihuakanischer Herrscher verdankten, ist einsichtig, dass der Zusammenbruch dieser Gro\u00dfmacht auch die epigonalen Maya-F\u00fcrstent\u00fcmer ersch\u00fctterte\u201c, schreibt der Bonner Altamerikanist <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berthold_Riese\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berthold_Riese&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Berthold Riese<\/a>. Ende des 7. Jahrhunderts, erstaunlicherweise vor dem endg\u00fcltigen Untergang Teotihuac\u00e1ns, kehrte Tikal wieder auf die politische B\u00fchne der Maya zur\u00fcck. Neue Bauwerke zeugten von wiedergewonnenem Wohlstand. Aber der Einfluss Teotihuac\u00e1ns war vollst\u00e4ndig verschwunden.<\/p>\n<p><b>Schon in seiner Geschichts-Promotion besch\u00e4ftigte sich <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/berthold-seewald\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/autor\/berthold-seewald\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Berthold Seewald<\/b><\/a><b> mit Br\u00fcckenschl\u00e4gen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur geh\u00f6rte die Arch\u00e4ologie zu seinem Arbeitsgebiet.<\/b><\/p>\n<p>mit AP<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den Ruinen des Maya-Zentrums Tikal in Guatemala haben Arch\u00e4ologen einen Altar entdeckt. Er diente offenbar einem entsetzlichen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28180,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[6425,15981,15983,13,11005,15982,14,15,12,15980,45,10,8,9,11,103,104],"class_list":{"0":"post-28179","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-archaeologie","9":"tag-azteken","10":"tag-guatemala","11":"tag-headlines","12":"tag-maya","13":"tag-mexiko-stadt","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-seewald-berthold","18":"tag-texttospeech","19":"tag-top-news","20":"tag-top-meldungen","21":"tag-topmeldungen","22":"tag-topnews","23":"tag-welt","24":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114329809305976820","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28179"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28179\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28180"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}