{"id":28197,"date":"2025-04-13T09:03:09","date_gmt":"2025-04-13T09:03:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28197\/"},"modified":"2025-04-13T09:03:09","modified_gmt":"2025-04-13T09:03:09","slug":"gefluechtete-in-deutschland-umzug-zurueck-nach-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28197\/","title":{"rendered":"Gefl\u00fcchtete in Deutschland: Umzug zur\u00fcck nach Syrien?"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 13.04.2025 09:12 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Wenn es nach dem Koalitionsvertrag von Union und SPD geht, sollen Gefl\u00fcchtete freiwillig nach Syrien zur\u00fcckkehren. Ist ein Ankn\u00fcpfen an das Leben dort wieder m\u00f6glich? Ein Familienvater geht auf Erkundung.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/kristin-becker-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Kristin Becker\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/becker-kristin-103.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Koffer ist voll. So voll, dass er kurz vor dem Losfahren kaputtgeht und Ahmad Abo Gdi umpacken muss. Geschenke, Kleiderspenden, Schuhe f\u00fcr die Verwandten zu Hause. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren kann Ahmad zur\u00fcck in die alte Heimat reisen: nach Syrien. Er will nach Hause, &#8222;weil dort mein Leben ist&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n2014 war er wegen des B\u00fcrgerkriegs und vor dem Milit\u00e4rdienst gefl\u00fcchtet, weil er nicht auf die eigenen Leute schie\u00dfen wollte. &#8222;Nun ist der Krieg vorbei, ich habe keinen Grund mehr, in Deutschland zu bleiben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHier sind allerdings seine drei kleinen Kinder geboren. Ahmads Frau Aiat ist deshalb mehr als skeptisch, was eine R\u00fcckkehr angeht. Sicherheit, Schule, Krankenversorgung, ihr Minijob: &#8222;Alles ist in Deutschland besser, in Syrien habe ich nichts.&#8220;<\/p>\n<p>    Langer Weg in die alte Heimat<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit Diktator Baschar al-Assad gest\u00fcrzt wurde, ringen sie mit der Frage, ob die Familie zur\u00fcckgehen soll &#8211; jetzt schon. Aiat hat gro\u00dfe Zweifel, Ahmad ist hoffnungsfroh. In T\u00fcbingen hat er in Caf\u00e9s gearbeitet, scheiterte mit einem eigenen Snack-Shop, gerade ist er in Elternzeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSyrien k\u00f6nnte neue Chancen bieten: Eine seiner Ideen ist, in Damaskus einen Coffee-Shop aufmachen mit schw\u00e4bischen Brezeln. Aber erst muss er die Lage checken &#8211; auch f\u00fcr seine zwei Br\u00fcder und seine Mutter, die ebenfalls in T\u00fcbingen wohnen. Ahmad Abo Gdi f\u00e4hrt alleine, weil er bisher als Einziger aus der Familie den deutschen Pass hat und daher ohne Schwierigkeiten hin und her reisen darf.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs ist ein langer Weg in die alte Heimat: Mit dem Flieger von Stuttgart \u00fcber Istanbul nach Beirut, von dort geht es mit dem Auto dann weiter Richtung Syrien. An der Grenze l\u00e4uft es reibungslos &#8211; fast. Von den syrischen Beamten erf\u00e4hrt Abo Gdi, dass er seit 2020 wegen eines angeblichen Vergehens auf einer Fahndungsliste steht, offenbar eine letzte Schikane des alten Regimes. Denn der 32-J\u00e4hrige ist seit 2014 nicht mehr in Syrien gewesen.<\/p>\n<p>    Freude und Sprachlosigkeit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEr darf problemlos einreisen. Abo Gdi, der bislang redselig, ein bisschen aufgeregt und immer gut gelaunt war, wird pl\u00f6tzlich still. &#8222;Welcome to Syria&#8220; steht auf einem der Grenzschilder. Abo Gdi fl\u00fcstert die Worte mehr, als dass er sie spricht. In den Augen hat er Tr\u00e4nen. Dieser Moment bewegt ihn mehr, als er erwartet hat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAls er sich wieder gefangen hat, ruft er seine Mutter und seine Frau in Deutschland an. Das Netz ist schlecht, aber die wichtigste Botschaft l\u00e4sst sich trotzdem \u00fcbermitteln: Abo Gdi ist zur\u00fcck in Syrien, die Freude ist unbeschreiblich. Bei der Fahrt nach Damaskus kommt ihm vieles bekannt vor: &#8222;Da ist meine alte Berufsschule.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer erste Stopp gilt der Familie. In einem der Altstadtviertel warten sie seit Stunden: Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen &#8211; vor allem aber: seine Oma, die den Enkel nach so vielen Jahren endlich wieder in die Arme schlie\u00dfen kann. Und sprachlos ist. Sie will ihn gar nicht mehr loslassen.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ein Schriftzug, der Abo Gdi bei seiner R\u00fcckkehr begr\u00fc\u00dft: &#8222;Welcome to Syria&#8220;.\n                    <\/p>\n<p>    Harter Schock<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAbo Gdi aber ist rastlos. Er will gleich weiter, das Viertel sehen, in dem er aufgewachsen ist. Yarmouk liegt im S\u00fcden der Stadt und ist pal\u00e4stinensisch gepr\u00e4gt. Seine Kindheit und Jugend hat er hier verbracht: &#8222;Gute Zeiten&#8220;, sagt Abo Gdi.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEr wei\u00df, dass das Haus, in dem er aufgewachsen ist, durch Assads Bomben zerst\u00f6rt wurde. Und doch: Der Schock, dass da einfach gar nichts mehr ist, trifft ihn h\u00e4rter als gedacht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVor der Reise gab es die Hoffnung, dass er hier vielleicht was aufbauen, mit seiner Frau und den Kindern wieder hier leben k\u00f6nnte. Aber nun erkennt er seine Heimat kaum wieder. &#8222;Ich bin einfach traurig. In diesem Viertel kann ich nicht mehr leben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVerloren steht er auf dem leeren Platz, links und rechts Ruinen, H\u00e4userreste mit Einschussl\u00f6chern, Schutt. Und dann pl\u00f6tzlich ein bekanntes Gesicht. Mit Fouad Bouzu ist er aufgewachsen. Nat\u00fcrlich w\u00fcnscht sich der Nachbar, dass Ahmad zur\u00fcckkommt, aber er warnt auch: &#8222;Wenn er das Geld hat, um hier ein Gesch\u00e4ft aufzubauen, dann kann er wiederkommen. Ansonsten w\u00fcrde ich es eher nicht empfehlen.&#8220;<\/p>\n<p>    \u00dcberleben in den Tr\u00fcmmern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFouad baut gerade sein Haus wieder auf. Er hat nur das N\u00f6tigste, die Zukunft ist ungewiss. Gewiss ist aber, dass nicht nur Ahmads altes Haus zerst\u00f6rt ist, sondern auch seine Schule. Das wusste er bisher noch nicht, und es ist ein R\u00fcckschlag. &#8222;Ich habe mir immer gew\u00fcnscht, dass meine Kinder auf die gleiche Schule gehen, wo ich auch gelernt habe&#8220;, sagt er inmitten der Tr\u00fcmmer. &#8222;Aber dieser Wunsch ist nun weg.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch Abo Gdi will nicht aufgeben. Es gebe andere Schulen und andere Viertel. In der Altstadt beispielsweise ist vieles intakt geblieben. Die K\u00e4mpfe haben vor allem in den Randbezirken stattgefunden. Da, wo sie schon vorher nicht reich waren und jetzt fast gar nichts mehr haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber selbst in den Tr\u00fcmmern leben Menschen &#8211; genauer gesagt, sie \u00fcberleben: kein flie\u00dfendes Wasser, keine richtige Stromversorgung. Wer Geld hat, leistet sich Elektrizit\u00e4t per Generator, an jeder Stra\u00dfenecke werden Benzin und Diesel in Wasserkanistern verkauft. Auch Solarpanele sieht man an manchen H\u00e4usern &#8211; offenbar ein Privileg der Elite zu Assad-Zeiten. Die meisten aber hangeln sich von Stromausfall zu Stromausfall.<\/p>\n<p>    Zwischen Ern\u00fcchterung und Hoffnung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNach den ersten Tagen schwankt Abo Gdi zwischen Ern\u00fcchterung und Hoffnung. Er strahlt, wenn er durch das Zentrum l\u00e4uft &#8211; so frei und unbeschwert habe er sich hier noch nie gef\u00fchlt. \u00dcberall sch\u00fcttelt er H\u00e4nde, umarmt Bekannte, genie\u00dft seine Stadt und denkt \u00fcber Gesch\u00e4ftsideen nach.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass Assad weg ist, habe alles ver\u00e4ndert. Gern w\u00fcrde er in einem der besseren Viertel eine Wohnung kaufen. In Damaskus ist das g\u00fcnstiger als in Deutschland, rechnet er vor: Es k\u00f6nnte eine Gelegenheit sein, eine Investition in die Zukunft und ein Weg, um seine Frau Aiat zu \u00fcberzeugen, dass sich ein Umzug lohnt. Aber derzeit hat er die Mittel nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Schwiegermutter wohnt \u00f6stlich der Stadt. In ihrem Dorf haben sie zwischen ausgebrannten Autos und Ruinenresten angefangen, wieder Gem\u00fcse anzubauen. Auch hier ist die Freude \u00fcber das Wiedersehen riesig. Nadia Masada vermisst ihre Tochter; die Enkelkinder hat sie noch nie pers\u00f6nlich getroffen. Aber sie warnt: &#8222;Sie w\u00fcrden sich hier nicht zurechtfinden, hier ist vieles immer noch chaotisch und nicht gut organisiert.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Abo Gdi beim Essen mit der Familie seiner Schwiegermutter.\n                    <\/p>\n<p>    Seine Frau bleibt beim Nein<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie r\u00e4t davon ab, jetzt schon wieder her zu ziehen. Vielleicht in ein, zwei Jahren, da k\u00f6nne man noch einmal schauen. Zusammen rufen sie die Familie in T\u00fcbingen an. Aiat w\u00fcrde gern zu Besuch kommen, aber ganz zur\u00fcck nach Syrien? Sie bleibt bei ihrem klaren Nein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAbo Gdi ist nachdenklich geworden. Wenn er allein w\u00e4re, w\u00fcrde er sofort zur\u00fcckkehren, sagt er. Aber er will nicht einfach so f\u00fcr Frau und Kinder entscheiden. Und die Herausforderungen vor Ort sind gr\u00f6\u00dfer, als er dachte: &#8222;Es gibt zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder ich komme mit viel Geld oder ich warte, bis das Land wieder etwas ges\u00fcnder wird.&#8220; Beim n\u00e4chsten Mal, vielleicht im Sommer, w\u00fcrde Ahmad die Familie gern mitnehmen &#8211; und schauen, ob er sie doch noch \u00fcberzeugen kann.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr zu diesem Thema sehen Sie im <a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/politik-weltgeschehen\/weltspiegel\/sendung\/weltspiegel-4762.html\" title=\"Weltspiegel zu Syrien\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weltspiegel<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 13.04.2025 09:12 Uhr Wenn es nach dem Koalitionsvertrag von Union und SPD geht, sollen Gefl\u00fcchtete freiwillig nach&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28198,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,5249,30,13,14,15,15985,12,58],"class_list":{"0":"post-28197","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-fluechtlinge","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-rueckkehrer","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-syrien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114329852563755634","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28197"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28197\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28198"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}