{"id":28204,"date":"2025-04-13T09:08:35","date_gmt":"2025-04-13T09:08:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28204\/"},"modified":"2025-04-13T09:08:35","modified_gmt":"2025-04-13T09:08:35","slug":"duisburger-schulen-warum-sollte-man-sonst-nazi-parolen-benutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28204\/","title":{"rendered":"Duisburger Schulen: &#8222;Warum sollte man sonst Nazi-Parolen benutzen?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">In Duisburg blieben am Montag viele Schulen <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/schule\/2025-04\/schulen-duisburg-wegen-bedrohungslage-geschlossen\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">geschlossen<\/a>,<br \/>\nnachdem einer Gesamtschule in anonymen E-Mails von einem mutma\u00dflich<br \/>\nrechtsradikalen Absender mit Gewalt und S\u00e4uberungen gedroht wurde. Etwa 18.000<br \/>\nSch\u00fcler blieben Sch\u00e4tzungen zufolge zu Hause. Am Mittwochabend folgte eine<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2025-04\/10\/polizeieinsatz-an-gymnasium-wegen-rechtsradikalem-schreiben\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">weitere Mail<\/a>, nun an das Max-Planck-Gymnasium, die &#8222;subtil bedrohliche und<br \/>\nrechtsradikale \u00c4u\u00dferungen&#8220; enthielt, wie die Polizei mitteilte. Ob die<br \/>\nMails zusammenh\u00e4ngen, ist unklar, auch die Ernsthaftigkeit der Drohungen. Der nordrhein-westf\u00e4lische Innenminister Herbert Reul von der CDU gab am Donnerstag<br \/>\nvor dem Innenausschuss im Landtag an, der anonyme Autor der Mails habe sich<br \/>\nmittlerweile dazu bekannt, blo\u00df <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2025-04\/schulen-duisburg-drohschreiben-rechtsextremismus-reul\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Aufmerksamkeit f\u00fcr das Schulsystem<\/a> schaffen zu<br \/>\nwollen. Wie f\u00fchlen sich die Duisburger Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in dieser Lage?<br \/>\nZEIT ONLINE sprach mit drei von ihnen \u00fcber die vergangenen Tage.\n<\/p>\n<p>                Wir leben hier und gehen hier zur Schule, aber wir sind ein Ziel        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen Schulen keine Sicherheit garantieren, wenn ein rechtsradikaler Amokl\u00e4ufer Migranten angreifen will. Unser Gymnasium liegt in Duisburg-Mitte, etwa vier Gehminuten von der Gesamtschule, bei der am letzten Wochenende die Drohungen eingegangen sind. Dass das Schuldezernat und Bildungsministerium es nicht f\u00fcr n\u00f6tig gehalten haben, es zu schlie\u00dfen, finde ich fahrl\u00e4ssig, zumal auch an den Gymnasien hier die meisten einen Migrationshintergrund haben. Unsere Schulleitung hat zum Gl\u00fcck sehr beherzt reagiert und den Eltern und Sch\u00fclern am Sonntagnachmittag geschrieben: Es gibt eine Bedrohungslage, wer aus Sicherheitsgr\u00fcnden zu Hause bleiben will, solle das bitte tun. F\u00fcr mich stand sofort fest, dass ich am Montag nicht hingehe. Ich habe einen kongolesischen Background, und die Drohungen, von denen in den Medien berichtet wurde, klangen nicht blo\u00df nach Hetze, sondern nach einem gezielten und geplanten Angriff auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Es geht offenbar darum, unter ihnen Angst zu verbreiten. Wir sollen das Gef\u00fchl haben, hier falsch zu sein, und uns nicht sicher f\u00fchlen. Wir leben hier und gehen hier zur Schule, aber wir sind ein Target, ein Ziel, das war die Botschaft. Warum sollte man sonst Nazi-Parolen benutzen? F\u00fcr mich ist die Schule bislang immer ein sicherer Ort gewesen. Am Dienstag bin ich aber mit einem mauen Gef\u00fchl hingegangen. Im Hinterkopf hatte ich die Frage: Was, wenn die T\u00e4ter die Drohung f\u00fcr Montag verschickt haben, nur um dann am Dienstag zuzuschlagen? Unsere Schule hat alles daf\u00fcr getan, dass wir uns wieder sicher f\u00fchlen, Durchsagen gemacht, Gespr\u00e4che angeboten, sich in den Klassen die Sorgen angeh\u00f6rt. Aber als am Donnerstag die Nachricht rumging, dass das Max-Planck-Gymnasium gest\u00fcrmt worden sei \u2013 was sich als falsch herausgestellt hat \u2013, kamen die Sorgen zur\u00fcck.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Miriam, 17, Elftkl\u00e4sslerin und Sch\u00fclersprecherin am Duisburger Landfermann-Gymnasium\n<\/p>\n<p>        Allein, dass von S\u00e4uberungen die Rede ist, w\u00e4re doch einen Aufschrei wert        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Wir hatten alle Schiss. Ich gehe auf ein Gymnasium, an dem locker 70 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Migrationshintergrund haben. Die ideale Zielscheibe f\u00fcr Rechtsterroristen. Aber als die Drohmails eingingen, hat man nur Gesamtschulen geschlossen, nicht die Gymnasien. Es hie\u00df: Der Unterricht findet statt. Kommt zur Schule, Punkt. Da haben wir uns schon gefragt: Geht&#8217;s euch noch gut? Wir haben uns nicht ernst genommen gef\u00fchlt. Ich und viele andere sind am Montag trotzdem zu Hause geblieben, aus Vorsicht. Das Risiko war es mir nicht wert. Dass Gesamtschulen mit Gewalt bedroht wurden, ist f\u00fcr mich gezielt ein Anschlag auf migrantisierte Personen oder auch Menschen mit Behinderung, die Gesamtschule ist ja ein Symbol f\u00fcr Vielfalt. Am Montag war noch von S\u00e4uberungen die Rede, am Dienstag war dann wieder ganz normal Schule. In den ersten beiden Stunden hatten wir Sozialkunde, also Politik, es h\u00e4tte sehr gut gepasst, \u00fcber das Thema zu reden. Aber wir haben ganz normalen Unterricht gemacht. Auch sonst wurde nicht gro\u00df auf das Thema eingegangen, das hat mich sehr \u00fcberrascht und auch entt\u00e4uscht. Unter uns Sch\u00fclern gibt es zwei Lager. Die einen sagen: Ach, das passiert \u00f6fter, jemand k\u00fcndigt einen Amoklauf an, es gibt &#8217;ne Terrordrohung. Und am Ende passiert ja doch nichts. Die anderen, zu denen ich und auch die Mehrheit meiner Freunde z\u00e4hlen, sehen das anders. Wir glauben, dass wir eine Diskussion \u00fcber die Normalisierung rechter Gewalt brauchen. Man nimmt es mal wieder nicht ernst. Wir gehen jetzt auf das Abitur zu. <\/p>\n<p>            Rechtextremismus an Schulen        <\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/familie\/2025-02\/rechtsruck-schulen-rassismus-gefluechtete-lehrer\" data-ct-label=\"Rechtsruck an Schulen: &quot;Im Lehrerzimmer machen sie Stimmung gegen Migranten&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Rechtsruck an Schulen:<br \/>\n                        &#8222;Im Lehrerzimmer machen sie Stimmung gegen Migranten&#8220;<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/arbeit\/2023-04\/rechtsextremismus-schule-brandenburg-schuelerschaft\" data-ct-label=\"Rechtsextremismus an Schulen: Hitlergr\u00fc\u00dfe auf dem Pausenhof\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Rechtsextremismus an Schulen:<br \/>\n                        Hitlergr\u00fc\u00dfe auf dem Pausenhof<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2024\/18\/rechtsextremismus-schulen-ostdeutschland-lehrer\" data-ct-label=\"Rechtsextremismus an Schulen: Wo Demokraten &quot;Zecken&quot; hei\u00dfen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (registrierungspflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Rechtsextremismus an Schulen:<br \/>\n                        Wo Demokraten &#8222;Zecken&#8220; hei\u00dfen<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Als die Morde in einer Shishabar in Hanau passierten, waren<br \/>\n wir in der Mittelstufe. Am n\u00e4chsten Tag hat man in Deutschland ganz<br \/>\nnormal Karneval gefeiert. Das hat meine Generation noch im Kopf. Da<br \/>\nkommt schon eine Resignation auf, wir haben das Gef\u00fchl: Die Beh\u00f6rden<br \/>\njucken sich null um unsere Sicherheit. Und die Gesellschaft scheint sich<br \/>\n auch nicht wirklich darum zu k\u00fcmmern. Allein, dass mit S\u00e4uberungen<br \/>\ngedroht wird, w\u00e4re doch schon einen Aufschrei wert. Dass der<br \/>\nausgeblieben ist, das macht den Rechtsruck f\u00fcr mich sp\u00fcrbar. In einem<br \/>\nanderen gesellschaftlichen Klima w\u00e4ren die Drohschreiben nicht so<br \/>\nnormalisiert worden. Im Duisburger Norden w\u00e4re die AfD fast st\u00e4rkste<br \/>\nKraft geworden. Wir brauchen eine Debatte in unserer Stadt dar\u00fcber, wie<br \/>\nsich Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sicher f\u00fchlen<br \/>\nk\u00f6nnen. Und wie wir die Pr\u00e4vention gegen Rechtsextremismus verbessern<br \/>\nk\u00f6nnen.&#8220; <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Florim, 18, Elftkl\u00e4ssler und Sch\u00fclersprecher am Duisburger Mercator-Gymnasium\n<\/p>\n<p>        Die Ger\u00fcchte haben be\u00e4ngstigend gewirkt        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Wie bekannt ist, ist am Freitag eine Drohmail an unserer Schule eingegangen. Wir wurden von der Schulleitung nachmittags dar\u00fcber informiert, dass daher am Montag wegen der Gefahrenlage Distanzunterricht stattfinden soll. Unserer Schule war es wichtig, unsere Sorgen ernst zu nehmen und uns zu beruhigen. Wir fanden es in Ordnung, keine Details zu bekommen, solche Situationen sind schwierig zu l\u00f6sen. Das Wichtigste war einfach, dass so keine Panik oder Angst entsteht. Man hofft in solchen Situationen nat\u00fcrlich immer, dass es sich nur um eine leere Drohung handelt. Am Sonntag ver\u00e4nderte sich die Situation, da pl\u00f6tzlich viele Schulen betroffen waren. Die Ger\u00fcchte und Behauptungen, die anschlie\u00dfend \u00fcber Social Media verbreitet wurden, haben schon be\u00e4ngstigend gewirkt. Dass in dem Zusammenhang auch das Wort S\u00e4uberung auftauchte, wirkte bedrohlich, da das Wort von den Nationalsozialisten missbraucht wurde.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZEIT ONLINE<\/p>\n<p>\n                    Newsletter<\/p>\n<p>                    Familienzeit<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Erhalten Sie jeden Mittwoch Artikelempfehlungen f\u00fcr und \u00fcber Familien.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a><br \/>\n     zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Insgesamt empfinde ich es als bedr\u00fcckend, dass die Stimmung in der<br \/>\nGesellschaft momentan anscheinend nach rechts r\u00fcckt. Wenn es dann an<br \/>\neiner Schule mit vielen Kulturen, die f\u00fcr Toleranz und gegenseitigen<br \/>\nRespekt steht, pr\u00e4sent wird, ist das etwas anderes. Es wird pers\u00f6nlich.<br \/>\nAm Dienstag kam es dann zu verschiedenen Gespr\u00e4chen zwischen der<br \/>\nLehrerschaft und Sch\u00fclerschaft, in der \u00c4ngste und Sorgen thematisiert<br \/>\nwurden und Fakten besprochen wurden. In den j\u00fcngeren Klassen gab es<br \/>\nnat\u00fcrlich mehr Gespr\u00e4chsbedarf. Gerade deswegen haben wir uns entschieden, unsere schon vorher geplante Osteraktion durchzuf\u00fchren, denn<br \/>\n wir wollten uns daf\u00fcr einsetzen, dass unsere Schule ein sicherer und<br \/>\nfr\u00f6hlicher Ort sein soll.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Emily, 18, Zw\u00f6lftkl\u00e4sslerin und Schulsprecherin an der Gesamtschule<br \/>\nDuisburg-Mitte. Wie die beiden anderen engagiert sie sich im Vorstand der Duisburger Bezirkssch\u00fclervertretung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Duisburg blieben am Montag viele Schulen geschlossen, nachdem einer Gesamtschule in anonymen E-Mails von einem mutma\u00dflich rechtsradikalen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28205,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1838],"tags":[3364,29,3715,15990,553,30,1209,770,966,1978,7560,15991],"class_list":{"0":"post-28204","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duisburg","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-duisburg","11":"tag-duisburger-schulen","12":"tag-familie","13":"tag-germany","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-rechtsextremismus","16":"tag-schule","17":"tag-schueler","18":"tag-schulsystem","19":"tag-terrorwarnung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114329872230524666","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28204","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28204"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28204\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}