{"id":282640,"date":"2025-07-21T12:21:10","date_gmt":"2025-07-21T12:21:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/282640\/"},"modified":"2025-07-21T12:21:10","modified_gmt":"2025-07-21T12:21:10","slug":"trump-stoesst-an-die-grenzen-seiner-unberechenbaren-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/282640\/","title":{"rendered":"Trump st\u00f6\u00dft an die Grenzen seiner unberechenbaren Politik"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBisher war ich von Pr\u00e4sident Putin sehr entt\u00e4uscht. Ich habe in den letzten drei Monaten viele Kriege beendet, aber diesen noch nicht. Das ist Bidens Krieg, nicht Trumps Krieg. Ich bin hier, um zu versuchen, uns aus dieser Misere herauszuholen\u201d, erkl\u00e4rte US-Pr\u00e4sident Donald Trump diese Woche im Wei\u00dfen Haus. Diese Worte stehen im Gegensatz zu Trumps \u00c4u\u00dferungen und seiner angeblich \u201epro-russischen\u201d Haltung bei seinem Amtsantritt. Aber eigentlich sind sie nicht \u00fcberraschend.<\/p>\n<p>Die von seiner Regierung gepriesene \u201eFriedenspolitik\u201c ist gescheitert. Trump kam mit dem Versprechen, die Kriege zu beenden. Stattdessen hat er den von Israel in Gaza ver\u00fcbten V\u00f6lkermord gef\u00f6rdert und war nicht in der Lage, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Schlimmer noch, er hat eine neue Front gegen Iran er\u00f6ffnet, den er an der Seite von Netanjahu bombardierte. Die Kriege, die Trump \u201egel\u00f6st\u201c haben soll, sind der Krieg im Kongo, wo trotz des<a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/africa\/great-lakes\/democratic-republic-congo-rwanda\/dr-congo-rwanda-deal-now-comes-hard-part\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Ende Juni<\/a> in Washington unterzeichneten Abkommens zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9ap1Mj00wM8\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> die K\u00e4mpfe zwischen den von den beiden Lagern unterst\u00fctzten paramilit\u00e4rischen Gruppen<\/a> weitergehen, und der Krieg im Sudan, wo ein Abkommen zwischen den USA, Saudi-Arabien, \u00c4gypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgehandelt wird. Ein Schritt, der<a href=\"https:\/\/worldpeacefoundation.org\/blog\/only-the-sudanese-can-save-sudan-even-if-trump-stops-the-war\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> laut den Forschern Abdul Mohammed und Alex de Waal<\/a> \u201ezu einer Einstellung der Feindseligkeiten f\u00fchren k\u00f6nnte (\u2026) Aber was auf ein solches Abkommen folgen w\u00fcrde, w\u00e4re kein Frieden im eigentlichen Sinne. Es handelt sich um einen Waffenstillstand, der auf wirtschaftlichen Anreizen und strategischen Vereinbarungen beruht\u201c. In anderen Worten: sehr fragile \u201eKonfliktl\u00f6sungen\u201c.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund und angesichts seiner begrenzten M\u00f6glichkeiten, den Krieg in der Ukraine zu beenden, scheint Trump beschlossen zu haben, den Druck auf Moskau auszu\u00fcben, indem er Kiew Waffen anbietet. Gleichzeitig hat Trump Putin 50 Tage Zeit gegeben, um eine Einigung zu finden, andernfalls<a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/05009e09-cadc-41ce-b9e6-d53d6e33c5ec\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> wird er sekund\u00e4re Sanktionen gegen Russland<\/a> verh\u00e4ngen (das hei\u00dft, er wird Staaten, die Handelsbeziehungen zu Moskau unterhalten, mit schweren Sanktionen belegen). Diese Politik entspricht jedoch mehr oder weniger der von Biden, den er so sehr kritisiert und die sich als unf\u00e4hig erwiesen hat, die Pl\u00e4ne Moskaus zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Entgegen Trumps Behauptungen war der Krieg in der Ukraine nie nur \u201eBidens Krieg\u201d. Trump hat die Ukraine w\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit massiv bewaffnet und damit den Boden f\u00fcr den aktuellen Krieg bereitet. Mit der aktuellen \u201eWende\u201d best\u00e4tigt Trump nur, dass dieser Krieg auch sein Krieg ist. Wie wir in einem<a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Trump-et-Harris-Politique-etrangere-et-declin-de-l-hegemonie-etasunienne\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Artikel vom Oktober 2024<\/a> \u00fcber seine zuk\u00fcnftige Au\u00dfenpolitik geschrieben haben, \u201eist Trumps \u201epazifistische\u201c Politik nur eine Illusion. Er hat bereits angedeutet, dass er die ukrainischen Streitkr\u00e4fte weiter aufr\u00fcsten k\u00f6nnte, sollte Putin Verhandlungen ablehnen. Weit entfernt von Trumps \u201epro-russischem\u201c Auftreten hat der Pr\u00e4sident w\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit eine ebenso feindselige und aggressive Politik gegen\u00fcber Russland betrieben (\u2026) Trumps Plan f\u00fcr die Ukraine besteht darin, dieses Problem \u201eloszuwerden\u201c und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Last auf den europ\u00e4ischen M\u00e4chten lastet. Die Folge dieser Politik ist, dass seine NATO-Verb\u00fcndeten unter Druck gesetzt werden, ihre Milit\u00e4rausgaben zu erh\u00f6hen\u201d.<\/p>\n<p>Dieser letzte Punkt wird in Trumps neuerer Politik gegen\u00fcber der Ukraine sehr deutlich. Am vergangenen Samstag erkl\u00e4rte er: \u201eWir werden ihnen verschiedene hochentwickelte Milit\u00e4rraketen liefern, und sie werden uns daf\u00fcr zu 100 Prozent bezahlen, und so wollen wir es haben.\u201c Dabei sprach er nicht wirklich von den Ukrainer:innen, sondern von den europ\u00e4ischen M\u00e4chten. Denn es werden die europ\u00e4ischen Staaten sein, die die Waffen f\u00fcr die Ukraine von den USA kaufen werden. Dieser Aspekt ist f\u00fcr die innenpolitisch geschw\u00e4chte Trump-Administration von zentraler Bedeutung. So kann er die milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine, die von seiner sozialen Basis abgelehnt wird, fortsetzen und gleichzeitig sicherstellen, dass dies die Staatskasse nichts kostet, sondern im Gegenteil eine Chance f\u00fcr die US-R\u00fcstungsindustrie darstellt. Auf geopolitischer Ebene ist es,<a href=\"https:\/\/nationalsecurityjournal.org\/europeanize-the-war-trumps-new-master-plan-for-ukraine\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> wie der Politikwissenschaftler Robert E. Kelly<\/a> erkl\u00e4rt, \u201eebenfalls von entscheidender Bedeutung, die strategische Herausforderung auf Europa zu verlagern. Wenn ein tiefgreifender Schlag gegen die Ukraine mit NATO-Waffen zu Vergeltungsma\u00dfnahmen Russlands f\u00fchrt, muss Europa dar\u00fcber diskutieren und mit eigenen Mitteln reagieren. Indem Trump darauf besteht, dass Europa die Waffen kauft, erh\u00f6ht er die Verantwortung Europas f\u00fcr alle Kosten und Gegenma\u00dfnahmen\u201c.<\/p>\n<p>Diese Politik wird von den wichtigsten europ\u00e4ischen M\u00e4chten nicht abgelehnt. Sie kann ihnen einen hervorragenden Vorwand liefern, um gegen\u00fcber ihrer Bev\u00f6lkerung h\u00f6here Milit\u00e4rausgaben und eine zunehmend autorit\u00e4re Politik zu legitimieren. Allerdings kann sie mittel- bis langfristig zu gewissen Widerspr\u00fcchen zwischen den Interessen der verschiedenen Bourgeoisien des Kontinents f\u00fchren, die nicht alle die gleichen Motive haben, die Ukraine zu unterst\u00fctzen. Ein weiterer Wermutstropfen f\u00fcr die europ\u00e4ischen Staats- und Regierungschefs ist Trump selbst.<a href=\"https:\/\/www.economist.com\/leaders\/2025\/07\/16\/trumps-u-turn-on-russia-is-utterly-cynical-and-welcome\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> The Economist<\/a> weist in einem ansonsten sehr enthusiastischen Artikel \u00fcber Waffenlieferungen darauf hin, dass \u201eer theoretisch Sanktionen verh\u00e4ngen k\u00f6nnte, die die Exporteinnahmen Russlands verringern w\u00fcrden, ohne den \u00d6lpreis wesentlich zu beeinflussen. Wenn diese jedoch streng genug w\u00e4ren, um die Energieexporte des Kremls zu drosseln, w\u00fcrde der \u00d6lpreis in die H\u00f6he schnellen und einen Inflationsschock ausl\u00f6sen, den Trump als unertr\u00e4glich empfinden k\u00f6nnte. Die wichtigsten Abnehmer russischen \u00d6ls sind China (47 Prozent) und Indien (38 Prozent). Trump hat auf einen totalen Handelskrieg mit China verzichtet und verhandelt mit Indien. Es ist bezeichnend, dass die Investoren nicht an Trumps Politik des harten Durchgreifens glauben. Nachdem er damit gedroht hatte, Russland den Geldhahn zuzudrehen, sind die \u00d6lpreise gefallen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Eine Wende, die das Misstrauen Russlands st\u00e4rkt<\/strong><\/p>\n<p>Aber nicht nur die europ\u00e4ischen Imperialisten misstrauen Trump, auch Putin selbst wei\u00df, dass er ihm nicht trauen kann. Der Kreml hatte bereits Erfahrungen mit Trumps erster Amtszeit gemacht. Seitdem hat die russische F\u00fchrung wie der Rest der Welt gesehen, wie die Trump-Regierung den Iran verraten hat, der mitten in Verhandlungen von Israel und anschlie\u00dfend von den USA selbst bombardiert wurde. Diese Kehrtwende Trumps verst\u00e4rkt nur das Misstrauen Russlands (und aller Rivalen Washingtons). Denn auch wenn Trump Putin zun\u00e4chst sehr g\u00fcnstige Bedingungen in Bezug auf die Ukraine angeboten hatte, um ihn zu einem Waffenstillstandsabkommen zu bewegen, war dies f\u00fcr den Kreml nicht genug. Seit Beginn des Krieges wiederholt Putin, dass er eine entmilitarisierte Ukraine will und dass deren Integration in die NATO \u201eendg\u00fcltig\u201c aufgegeben werden muss. Hinzu kommen heute territoriale Forderungen, die im Laufe des Krieges gestellt wurden. Trump kann Russland dies nicht bieten, da dies eine vollst\u00e4ndige Kapitulation der Ukraine und eine Niederlage f\u00fcr die NATO und damit auch f\u00fcr die USA bedeuten w\u00fcrde. Selbst wenn er es wollte, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die europ\u00e4ischen Staaten ihm folgen w\u00fcrden. Diese Situation zwingt ihn, Druck auf alle Seiten auszu\u00fcben und mehr oder weniger abrupte Kurswechsel vorzunehmen, die den Eindruck einer v\u00f6lligen Inkoh\u00e4renz in der Au\u00dfenpolitik erwecken.<\/p>\n<p>In den letzten Tagen gab es Meldungen, die darauf hindeuteten, dass Trump die ukrainische Armee dazu ermutigte, Moskau und Petersburg anzugreifen, dann eine Meldung, dass er die Ukraine davor warnte. Worte aus Trumps Mund haben keinen Wert. Aber konkret bewegt er sich Schritt f\u00fcr Schritt in Richtung des russisch-ukrainischen Sumpfes, in Richtung einer Verstrickung. Die Optionen scheinen sich zu verringern. Zudem versucht die europ\u00e4ische Kriegstreiberei, der bereit ist, \u201ebis zum letzten Ukrainer\u201c zu k\u00e4mpfen, die USA in diesem reaktion\u00e4ren Krieg zu halten.<\/p>\n<p>Russland ist seinerseits nicht frei von Widerspr\u00fcchen. Die Ukraine befindet sich zwar in einer sehr komplizierten Lage, und die neuen Waffen werden ihr nicht zum Sieg verhelfen, aber auch die russische Armee ist nicht wirklich auf dem Weg zum Sieg. Zumindest aus strategischer Sicht. Putin ist es bisher nicht gelungen, die Ukraine von den westlichen M\u00e4chten zu entfernen, er schafft es derzeit auch nicht, wichtige St\u00e4dte einzunehmen, und es ist keineswegs sicher, dass die Ukraine am Ende des Krieges entmilitarisiert sein wird. Die Ukraine ist f\u00fcr Russland strategisch wichtiger als f\u00fcr die USA, und Putin muss einen Sieg erringen. Auch f\u00fcr Selenskyj steht viel auf dem Spiel: die territoriale Integrit\u00e4t seines Landes, aber auch sein politisches \u00dcberleben. In diesem Sinne sind Verhandlungen \u00fcber ein Friedensabkommen sehr kompliziert, solange eine der Parteien nicht kapituliert. Mit anderen Worten: Alle scheinen auf eine \u201eL\u00f6sung\u201d vor Ort zu setzen. Allerdings scheint keine der beiden Seiten in der Lage zu sein, den Widerstand der anderen zu brechen. Der Krieg wird also weitergehen und weitere Menschenleben, materielle Zerst\u00f6rung und m\u00f6glicherweise das \u00dcberleben von Regierungen kosten.<\/p>\n<p>Dieser Artikel erschien zun\u00e4chst am 19. Juli in unserer franz\u00f6sischen Schwesterzeitung R\u00e9volution Permanente.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eBisher war ich von Pr\u00e4sident Putin sehr entt\u00e4uscht. 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