{"id":282644,"date":"2025-07-21T12:23:10","date_gmt":"2025-07-21T12:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/282644\/"},"modified":"2025-07-21T12:23:10","modified_gmt":"2025-07-21T12:23:10","slug":"kensington-vertrag-deutschland-und-grossbritannien-ruecken-enger-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/282644\/","title":{"rendered":"\u00bbKensington-Vertrag\u00ab: Deutschland und Gro\u00dfbritannien r\u00fccken enger zusammen"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcnf Jahre nach dem britischen EU-Austritt haben Deutschland und das Vereinigte K\u00f6nigreich einen umfassenden Freundschaftsvertrag unterzeichnet \u2013 den sogenannten<a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/service\/laender\/grossbritannien-node\/2727344-2727344\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer noopener\"> Kensington-Vertrag<\/a>. Dieser stellt vor allem eine erhebliche Aufwertung der bilateralen Beziehungen dar.\u00a0<\/p>\n<p>Der Vertrag baut auf einer bereits l\u00e4nger andauernden Normalisierung der Beziehungen nach dem Brexit auf. So entspannte das Windsor-Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten K\u00f6nigreich im Jahr 2023 die zuvor festgefahrenen Streitigkeiten um Nordirland. Im Zuge des russischen Kriegs gegen die Ukraine erfolgte \u00fcber ad-hoc-Kooperationen eine sicherheitspolitische Ann\u00e4herung. Parallele Entwicklungen auf deutsch-britischer Ebene waren seit 2021 die Einberufung eines <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/en\/newsroom\/news\/gbr-joint-declaration-2468908\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer noopener\">strategischen Dialogs<\/a> zwischen den Au\u00dfenministerien oder die Kooperation im Energiebereich. Eine engere bilaterale Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik vereinbarten beide Seiten bereits im Oktober 2024 als <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/news\/landmark-uk-germany-defence-agreement-to-strengthen-our-security-and-prosperity\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bbTrinity House\u00ab-Vereinbarung<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Kernpunkte des Freundschaftsvertrags\u00a0<\/p>\n<p>Aus dieser Genese heraus verfolgt der neue Vertrag zwei zentrale Ziele. Zum einen schafft er eine politische Struktur f\u00fcr tiefere bilaterale Koordination, beispielsweise durch Gipfeltreffen alle zwei Jahre. Er umfasst sechs Kooperationss\u00e4ulen: diplomatische Zusammenarbeit bei geopolitischen Themen; Verteidigung; innere Sicherheit und Migration; wirtschaftliche Beziehungen, einschlie\u00dflich Kooperation in Wissenschaft und Forschung; F\u00f6rderung pers\u00f6nlicher Kontakte sowie Zusammenarbeit bei Energie- und Klimapolitik. Insbesondere in den letzten vier Bereichen haben das Windsor-Abkommen und die Beschl\u00fcsse des EU-UK-Gipfels im Mai 2025 daf\u00fcr gesorgt, dass durch das<a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publikation\/das-vereinigte-koenigreich-und-die-eu-neue-moeglichkeiten-alte-hindernisse\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noopener\"> entspannte Verh\u00e4ltnis zwischen der EU und dem Vereinigten K\u00f6nigreich<\/a> auch mehr Spielr\u00e4ume f\u00fcr die deutsch-britischen Beziehungen entstanden sind.<\/p>\n<p>Zum anderen liegt der eindeutige Schwerpunkt des Vertrags auf der au\u00dfen-, sicherheits- und verteidigungspolitischen Zusammenarbeit. Neben regelm\u00e4\u00dfigen Gipfeltreffen verpflichten sich beide Regierungen zu einer engen Abstimmung in multilateralen Foren wie der NATO, UN und G7. Die Verteidigungss\u00e4ule, welche die Trinity-House-Vereinbarung integriert und erweitert, bildet den substanziellsten Teil des Vertrags. Sie beinhaltet eine strukturierte Zusammenarbeit bei R\u00fcstungsprojekten \u2013 etwa bei der gemeinsamen Entwicklung einer Langstreckenrakete \u2013, eine Koordination bei R\u00fcstungsexporten und eine Zusammenarbeit bei der Unterst\u00fctzung der Ukraine. Zus\u00e4tzlich zu den bestehenden NATO-Verpflichtungen enth\u00e4lt sie eine bilaterale Beistandsklausel. Die Verteidigungsprojekte stechen unter den in einem begleitenden Aktionsplan festgelegten \u00bb<a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/resource\/blob\/2727406\/6c6acf31760ab5fb4f38c44bdc081b66\/deu-gbr-leuchtturmprojekte-data.pdf\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer noopener\">Leuchtturmprojekten<\/a>\u00ab besonders konkret hervor.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Wiederbelebung der E3 als zentrale S\u00e4ule europ\u00e4ischer Sicherheit\u00a0<\/p>\n<p>Der Vertrag f\u00f6rdert zudem die Wiederbelebung des E3-Formats, also der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Frankreich und Gro\u00dfbritannien. So findet sich im Text, was f\u00fcr einen bilateralen Vertrag ungew\u00f6hnlich ist, das klare Ziel, die trilaterale Zusammenarbeit zwischen Gro\u00dfbritannien, Deutschland und Frankreich zu intensivieren. Damit komplettiert die Vereinbarung ein europ\u00e4isches Vertragsdreieck: Neben dem verteidigungspolitisch gepr\u00e4gten Lancaster-House-Vertrag zwischen Gro\u00dfbritannien und Frankreich sowie den deutsch-franz\u00f6sischen \u00c9ly\u00e9e- und Aachener Vertr\u00e4gen bildet der Kensington-Vertrag nun eine dritte bilaterale Verbindung.<\/p>\n<p>Das E3-Format erlebt derzeit eine Renaissance als zentraler Rahmen f\u00fcr die europ\u00e4ische Sicherheit au\u00dferhalb traditioneller Institutionen. In einer Zeit geopolitischer Turbulenzen, in der die Regierung unter Trump alte Gewissheiten \u00fcber die transatlantische Allianz infrage stellt, bietet das E3-Format eine stabile Plattform. So koordinierten Macron, Merz und Starmer <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/gemeinsames-statement-der-e3-staaten-zu-den-entwicklungen-im-iran-2355872\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer noopener\">ihre Positionen zum Israel\/USA-Iran-Krieg<\/a>. In Bezug auf Russland und die Ukraine wurde das Format erweitert um \u00bbWeimar Plus\u00ab (Frankreich, Deutschland, Polen, Italien und Gro\u00dfbritannien sowie die EU und gelegentlich NATO). Gro\u00dfbritannien und Frankreich f\u00fchren zudem eine \u00bbKoalition der Willigen\u00ab f\u00fcr eine Absicherungsmission f\u00fcr einen m\u00f6glichen Waffenstillstand in der Ukraine an. Deutschland und Gro\u00dfbritannien leiten nun gemeinsam das Ramstein-Format zur Koordination von Waffenlieferungen an die Ukraine, wobei Letztere von den USA \u00fcbernommen haben.\u00a0<\/p>\n<p>Innerhalb der komplexen europ\u00e4ischen Sicherheitsarchitektur sind die Flexibilit\u00e4t des E3-Formats und das Dreieck bilateraler Vertr\u00e4ge zwischen Frankreich, Deutschland und Gro\u00dfbritannien zugleich St\u00e4rke und Schw\u00e4che, denn zur Umsetzung vieler Beschl\u00fcsse braucht es weitere Partner wie Polen sowie die Strukturen der EU und NATO. Will Deutschland das E3-Format zur zentralen Schaltstelle europ\u00e4ischer Sicherheit entwickeln, sollte es darauf achten, dieses eng mit den europ\u00e4ischen Partnern und Institutionen zu verzahnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fcnf Jahre nach dem britischen EU-Austritt haben Deutschland und das Vereinigte K\u00f6nigreich einen umfassenden Freundschaftsvertrag unterzeichnet \u2013 den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":282645,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,1157,31267,13,14,15,12,6473,31266,31265,3992,31269,3993,3994,3995,3996,3997,31268],"class_list":{"0":"post-282644","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-aussenpolitik","11":"tag-deutsches-institut-fuer-internationale-politik-und-sicherheit","12":"tag-headlines","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-sicherheitspolitik","17":"tag-stiftung-wissenschaft-und-politik","18":"tag-swp","19":"tag-uk","20":"tag-unabhaengiges-forschungsinstitut","21":"tag-united-kingdom","22":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","23":"tag-vereinigtes-koenigreich","24":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","25":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland","26":"tag-wissenschaftliche-politikberatung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/282644","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=282644"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/282644\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/282645"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=282644"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=282644"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=282644"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}