{"id":282646,"date":"2025-07-21T12:24:19","date_gmt":"2025-07-21T12:24:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/282646\/"},"modified":"2025-07-21T12:24:19","modified_gmt":"2025-07-21T12:24:19","slug":"forscher-raetseln-ueber-haarige-buecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/282646\/","title":{"rendered":"Forscher r\u00e4tseln \u00fcber haarige B\u00fccher"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-sans font-medium\">Essen. Eine Untersuchung mittelalterlicher B\u00fccher aus Frankreich und deren Materialien hat eine verbl\u00fcffende Erkenntnis hervorgebracht.<\/p>\n<p>Eine wissenschaftliche Untersuchung zahlreicher B\u00fccher aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die in europ\u00e4ischen Kl\u00f6stern aufgefunden wurden, hat bemerkenswerte Erkenntnisse hervorgebracht. Besonders \u00fcberraschend f\u00fcr die Forscherinnen und Forscher war die Analyse der verwendeten Stoffe: Es zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der Schriften in <strong>ungew\u00f6hnlich haarigen Materialien<\/strong> gebunden war, die von einem Tier stammten.<\/p>\n<p>  Verbl\u00fcffende Studie: Diese \u00fcberraschenden Materialien wurden als Buchschutz benutzt  <\/p>\n<p>In einer in der Fachzeitschrift \u201eRoyal Society Open Science\u201c ver\u00f6ffentlichten Studie unterzog ein Forscherteam 32 mittelalterliche B\u00fccher einer sogenannten biokodikologischen Analyse \u2013 einer Methodenkombination, die darauf abzielt, biologische Informationen aus historischen Buchmaterialien zu gewinnen. Im Fokus standen insbesondere die \u00e4u\u00dferen Schutzh\u00fcllen, sogenannte Chemisen, die traditionell aus Tierh\u00e4uten wie Wildschwein- oder Hirschleder gefertigt wurden. Die aktuelle Untersuchung ergab jedoch, dass einige dieser Bucheinb\u00e4nde aus der Haut von Robben bestanden \u2013 ein bis dato kaum dokumentiertes Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/panorama\/karpaty-graebt-aus-geheimnisse-der-archaeologie\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><br \/>\n        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/407714937_1732003643_v16_9_1200.webp.webp\" alt=\"Hier klicken und alle Folgen der Arch\u00e4ologie-Kolumne lesen\" style=\"width: 100%;\"\/><br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Studie war die Bibliothek der Zisterzienserabtei Clairvaux in der Champagne (<a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/panorama\/frankreich\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/panorama\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1656498979\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a>), in der sich rund 1450 mittelalterliche Handschriften befinden. Die Forscher konzentrierten sich auf 19 Manuskripte aus der Zeit zwischen 1140 und 1275, die von den Schreibern der Abtei selbst verfasst wurden. Mittels Massenspektrometrie \u2013 einer Technik zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung \u2013 sowie durch die Analyse alter DNA konnten sie feststellen, dass s\u00e4mtliche untersuchten B\u00e4nde mit H\u00e4uten von Flossentieren, insbesondere Robben, eingebunden waren.<\/p>\n<p>   Ein FUNKE Liebe<\/p>\n<p class=\"text-body2 mt-2\">Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen \u2013 ehrlich, nah und alltagstauglich.<\/p>\n<p class=\"text-caption text-copy-secondary\">\n          Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der<br \/>\n          <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/service\/newsletter-adconsent\" class=\"text-overline text-copy-accent-negative dark:underline\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Werbevereinbarung<\/a><br \/>\n          zu.\n        <\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus identifizierte das Team 13 weitere sogenannte \u201ehaarige B\u00fccher\u201c aus Tochterabteien in Frankreich, <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/panorama\/grossbritannien\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/panorama\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1631887237\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">England<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/politik\/belgien\/\" data-category-full-path=\"\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1656498439\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Belgien<\/a>, die zwischen 1150 und 1250 entstanden waren. Auch diese Manuskripte wiesen Einb\u00e4nde aus Robbenhaut auf.<\/p>\n<p>  Bucheinband aus Robbenfellen: Woher haben die Kl\u00f6ster die Buchmaterialien bekommen?  <\/p>\n<p>Durch die Analyse alter DNA konnten die Forscher acht der Bucheinb\u00e4nde pr\u00e4zise Tierarten zuordnen, darunter Hafen-, Sattel- und Bartrobben. Die H\u00e4ute stammten aus einem bemerkenswert weiten geografischen Spektrum, das Skandinavien, <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/panorama\/daenemark\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/panorama\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1656496890\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">D\u00e4nemark<\/a>, Schottland sowie Gr\u00f6nland oder Island umfasste. Laut Studienleiterin \u00c9lodie L\u00e9v\u00eaque von der Universit\u00e9 Paris 1 Panth\u00e9on-Sorbonne gelangten die Felle vermutlich \u00fcber Handelswege oder als kirchlicher Zehnt (einer Art Steuer) in die Kl\u00f6ster. Ohne den Zugang zu nordischen Quellen seien solche Einb\u00e4nde kaum denkbar gewesen.<\/p>\n<p>Alle analysierten Robbenfellb\u00fccher stammten aus Abteien entlang bedeutender mittelalterlicher Handelsrouten, die auch mit dem nordischen Fell- und Walross-Elfenbeinhandel verkn\u00fcpft waren. Die Zisterzienser, so L\u00e9v\u00eaque, bevorzugten helle, schlichte Luxusmaterialien \u2013 ein \u00e4sthetisches Ideal, dem Robbenhaut entsprach. Benediktiner hingegen neigten zu dunkleren T\u00f6nen. Es ist zudem m\u00f6glich, dass den M\u00f6nchen die tierische Herkunft ihrer Buchh\u00fcllen unbekannt blieb, da es im Altfranz\u00f6sischen keinen Begriff f\u00fcr Robben gab.<\/p>\n<p>  Kein Zusammenhang zwischen Inhalt und Materialien: \u00e4sthetische und funktionale Eigenschaften \u00fcberzeugten  <\/p>\n<p>Die Entdeckung von Robbenfelleinb\u00e4nden in mittelalterlichen Handschriften stellt bisherige Annahmen \u00fcber die bei der Buchbindung verwendeten Tierarten infrage. Die Studie weist zudem auf ein weitreichendes und stabiles Handelsnetz zwischen <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/politik\/groenland\/\" data-category-full-path=\"\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1736353443\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gr\u00f6nl\u00e4ndischen<\/a> Nordm\u00e4nnern und franz\u00f6sischen Abteien hin. <\/p>\n<p>Ein Zusammenhang zwischen dem Inhalt der B\u00fccher und dem verwendeten Material ist nicht ersichtlich; schriftliche Hinweise auf die bewusste Wahl von Robbenhaut fehlen. Laut \u00c9lodie L\u00e9v\u00eaque wurden die wei\u00dfen, pelzartigen Einb\u00e4nde vermutlich aufgrund ihrer \u00e4sthetischen und funktionalen Eigenschaften gesch\u00e4tzt \u2013 insbesondere wegen ihrer wasserabweisenden Oberfl\u00e4che \u2013 und weniger aufgrund ihres zoologischen Ursprungs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Essen. 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