{"id":28265,"date":"2025-04-13T09:43:32","date_gmt":"2025-04-13T09:43:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28265\/"},"modified":"2025-04-13T09:43:32","modified_gmt":"2025-04-13T09:43:32","slug":"toedliches-unglueck-mit-schuelern-aus-schwerin-zu-ddr-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28265\/","title":{"rendered":"T\u00f6dliches Ungl\u00fcck mit Sch\u00fclern aus Schwerin zu DDR-Zeiten"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eDas Buch von Matthias Baerens hat f\u00fcr mich nach 38 Jahren den letzten Schlusspunkt gesetzt und mir Antworten auf letzte offene Fragen gegeben\u201c, sagt Frank Scheffka. Er hatte bei dem <a target=\"_blank\" data-li-document-ref=\"3157689\" href=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/regional\/schwerin\/flugzeugabsturz-zerstoert-zarte-liebe-zwischen-zwei-schuelern-aus-der-ddr-3157689\" rel=\"noopener\">Ungl\u00fcck am 12. Dezember 1986<\/a> seinen Bruder Andre verloren. Der Absturz der Aeroflot-Maschine kurz vor Berlin-Sch\u00f6nefeld forderte 72 Tote.<\/p>\n<p>Die Klasse 10A gab es nach dem Ungl\u00fcck so nicht mehr<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Besonders betroffen war die Stadt Schwerin, denn eine Schulklasse vom Gro\u00dfen Dreesch war mit an Bord. Die Klasse 10A der Ernst-Schneller-Schule gab es nach dem Flugzeugabsturz so nicht mehr. 20 Sch\u00fcler, ihre Klassenleiterin und zwei Betreuer starben, nur sieben Kinder \u00fcberlebten schwerverletzt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/e7416c13-5da7-4209-86a6-719cfe5c3891.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Die Maschine aus Minsk war beim Landeanflug auf Berlin-Scho\u0308nefeld in ein Waldstu\u0308ck in der Na\u0308he des Ortes Bohnsdorf gestu\u0308rzt.\"\/><\/p>\n<p>Die Maschine aus Minsk war beim Landeanflug auf Berlin-Scho\u0308nefeld in ein Waldstu\u0308ck in der Na\u0308he des Ortes Bohnsdorf gestu\u0308rzt. (Foto: Chris Hoffmann)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Zwei weitere Schlusspunkte in seiner pers\u00f6nlichen Trauer und Aufarbeitung des Verlustes seines f\u00fcnf Jahre j\u00fcngeren Bruders konnte Frank Scheffka zuvor bereits setzen, wie er bekannte. Zum einen habe er die Schweriner M\u00e4dchen besucht, die den Flugzeugabsturz \u00fcberlebt hatten. Der andere pers\u00f6nliche Schlusspunkt liegt noch weiter zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Junger Medizinstudent besuchte seinen Bruder in Minsk<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Frank Scheffka hatte 1986 in der damaligen Sowjetunion Medizin studiert. Als die 10A der Ernst-Schneller-Schule zur Abschlussfahrt nach Minsk flog, schaffte es Frank Scheffka, sich ein paar studienfreie Tage zu organisieren und flog von Wolgograd, wo er studierte, nach Minsk. Er wollte seinen Bruder Andre treffen und ihm und seinen Klassenkameraden sprachlich und organisatorisch helfen, damit die Abschlussfahrt ein beeindruckendes Erlebnis w\u00fcrde. \u201eAu\u00dferdem hatte ich meinen Bruder lange nicht mehr gesehen\u201c, erkl\u00e4rt Frank Scheffka.<\/p>\n<p>Die letzten Tage mit der Klasse 10A<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Im Minsker Hotel \u201eYubileiny\u201c quartierte er sich f\u00fcr drei N\u00e4chte kurzerhand bei seinem Bruder mit ein. \u201eWir haben wundersch\u00f6ne Tage erlebt\u201c, berichtet Frank Scheffka. Er begleitete die 10A auch zu einem Treffen mit Gleichaltrigen aus Minsk. Zwischen den Schwerinern und den Komsomolzen bahnten sich erste Freundschaften an, Kontaktdaten wurden ausgetauscht, ein Briefverkehr vereinbart.<\/p>\n<p>Briefe aus Minsk blieben ohne Antwort<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Zwei Tage nach seiner R\u00fcckkehr nach Wolgograd erfuhr Frank Scheffka durch eine DDR-Studiengruppe von dem Flugzeugabsturz. Sein 16 Jahre alter Bruder Andre war dabei ums Leben gekommen. \u201eMonate sp\u00e4ter hatte ich Kontakt mit den Jugendlichen aus Minsk. Sie fragten verwundert nach, warum denn die Schweriner nicht auf ihre Briefe geantwortet haben\u201c, berichtet Frank Scheffka. \u201eIch musste ihnen von dem tragischen Ungl\u00fcck und dem Tod der Sch\u00fcler berichten.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/15483c0d-13e1-4032-8b23-58a153e1332b.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Am 15. Dezember 1986 erschien eine Liste mit den Namen der Todesopfer in allen DDR-Tageszeitungen.\"\/><\/p>\n<p>Am 15. Dezember 1986 erschien eine Liste mit den Namen der Todesopfer in allen DDR-Tageszeitungen. (Foto: Repro Matthias Baerens)<\/p>\n<p>Sprachprobleme f\u00fchrten zum tragischen Ungl\u00fcck<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der Absturz des Aeroflot-Fluges 892 ist bis heute das zweitschwerste Flugzeugungl\u00fcck auf deutschem Boden. Ursache daf\u00fcr war menschliches Versagen. Das f\u00fcr den Funkverkehr zust\u00e4ndige Mitglied der sowjetischen Besatzung hatte beim Endanflug auf Berlin-Sch\u00f6nefeld eine englischsprachige Ansage der DDR-Flugaufsicht nicht richtig verstanden.<\/p>\n<p>Rettungskr\u00e4fte brauchten 20 Minuten bis zur Unfallstelle<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die TU 134-A st\u00fcrzte kurz vor dem Flughafen Berlin-Sch\u00f6nefeld in ein Waldgebiet. Nur 100\u2009\u2009Meter von der Absturzstelle entfernt befindet sich die Autobahn, nur 200 Meter weiter liegt der Ortsteil Berlin-Bohnsdorf. Anwohner und spontan anhaltende Autofahrer waren die ersten Helfer, die sich zum brennenden Flugzeugwrack wagten. Haupts\u00e4chlich ihnen ist es zu verdanken, dass zehn Menschen den Absturz \u00fcberlebten. Es dauerte fast 20 Minuten, bevor Rettungskr\u00e4fte und die Feuerwehr an der Unfallstelle eintrafen.<\/p>\n<p>Staatssicherheitsdienst der DDR wurde schnell aktiv<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eNoch bevor die Schweriner Eltern offiziell per Staatstelegramm vom Tod ihrer Kinder erfuhren, hatten Mitarbeiter der Stasi bereits am n\u00e4chsten Vormittag, einem Sonnabend, alle Kaderakten der betroffenen Eltern in Schweriner Betrieben durchsucht. F\u00fcr alle wurden Gef\u00e4hrder-Profile erstellt, mit Einsch\u00e4tzungen, wer sich antisowjetisch \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnte\u201c, berichtet Autor Matthias Baerens.<\/p>\n<p>Buchpr\u00e4sentation vor 300 Besuchern im Wichernsaal<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eTrauer unter Kontrolle. Der Flugzeugabsturz vom 12. Dezember 1986 bei Berlin-Bohnsdorf und die Folgen.\u201c hei\u00dft das Buch, das der Schweriner Journalist \u00fcber das Ungl\u00fcck und die Folgen geschrieben hat. Am 24. M\u00e4rz 2025 hat er es im restlos gef\u00fcllten Wichernsaal der Diakonie den rund 300 Besuchern erstmals vorgestellt. Es war eine eindrucksvolle, emotionale Pr\u00e4sentation, keine Lesung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/4cd74757-6a33-4b4b-91f3-b7fadd8ae481.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Im vollbesetzten Wichernsaal stellte Matthias Baerens sein Buch vor, unterst\u00fctzt von Moderatorin Michaela Skott.\"\/><\/p>\n<p>Im vollbesetzten Wichernsaal stellte Matthias Baerens sein Buch vor, unterst\u00fctzt von Moderatorin Michaela Skott. (Foto: Timo Weber)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Matthias Baerens stellte das Buch in einer Multimedia-Pr\u00e4sentation vor, berichtete, wie er die zehn Kapitel, mehr als 200 Fotos und Abbildungen und 320 Seiten strukturiert hat und dass er \u201ebesonders stolz\u201c ist, im Vorfeld nicht nur mehr als 100 Gespr\u00e4che mit Zeitzeugen gef\u00fchrt zu haben, sondern auch 28 Texte von direkt Betroffenen ins Buch mit aufnehmen konnte.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der Autor geizte trotz des bewusst f\u00fcr diesen Abend gew\u00e4hlten Verzichts \u201eauf das Vorlesen einzelner Fragmente des Buches\u201c nicht mit Anekdoten seiner umfangreichen jahrelangen Recherchen zu der Katastrophe.<\/p>\n<p>Schweriner EOS-Sch\u00fcler zur Trauerfeier \u201edelegiert\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dazu geh\u00f6rte beispielsweise die von der Trauerfeier in Schwerin sechs Tage nach dem Ungl\u00fcck in der Halle am Fernsehturm. Nicht etwa Sch\u00fcler der Ernst-Schneller-Schule zeigte die \u201eAktuelle Kamera\u201c, die DDR-Nachrichtensendung, sondern eigens in Blauhemden der FDJ hingeschickte Jugendliche der Goethe-Oberschule. Da passte es, dass Musiksch\u00fcler des heutigen Goethe-Gymnasiums bei der Buchpr\u00e4sentation f\u00fcr den musikalischen Rahmen sorgten.<\/p>\n<p>Unfallopfer unterst\u00fctzten sowjetische R\u00fcstungsindustrie<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Oder die Anekdote, dass zu den Opfern des Absturzes neben den Schwerinern, einem Passagier aus \u00d6sterreich und einer Reiseb\u00fcrogruppe aus Frankfurt\/Oder auch Monteure aus den Bezirken Dresden und Karl-Marx-Stadt geh\u00f6rten, die auf dem Heimflug waren von ihrer Arbeit in der sowjetischen R\u00fcstungsindustrie. \u201eSie hatten an der Herstellung der Fahrwerke f\u00fcr sowjetische Atomraketen mitgearbeitet\u201c, berichtet Matthias Baerens.<\/p>\n<p>Landesbeauftragter Burkhard Bley: \u201eEin wichtiges Buch\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eDas Buch ist wichtig f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen, aber auch f\u00fcr alle anderen, um aus der Vergangenheit zu lernen\u201c, sagt Burkhard Bley, MV-Landesbeauftragter f\u00fcr die Aufarbeitung der SED-Diktatur. \u201eEs zeigt am Einfluss der DDR-Funktion\u00e4re auf die Trauer der Angeh\u00f6rigen, dass es der SED nur um ihre Macht, nicht um die Menschen ging.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/e4f7f8d0-afcb-4053-8741-1a8aad2e33d1.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Sein Buch \u00fcber das verheerende Ungl\u00fcck 1986 will Matthias Baerens jetzt auch auf der Leipziger Buchmesse vom 27. bis 30. M\u00e4rz 2025 vorstellen.\"\/><\/p>\n<p>Sein Buch \u00fcber das verheerende Ungl\u00fcck 1986 will Matthias Baerens jetzt auch auf der Leipziger Buchmesse vom 27. bis 30. M\u00e4rz 2025 vorstellen. (Foto: Repro Matthias Baerens)<\/p>\n<p>Stasi in Angst vor Kritik am gro\u00dfen Bruder Sowjetunion<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Denn 1986, kurz nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl im April, hatte ein F\u00e4hrungl\u00fcck im Schwarzen Meer im September mehr als 400 Tote gefordert, auch andere Aeroflot-Maschinen waren abgest\u00fcrzt. Die Staatssicherheit und die SED waren in Sorge \u00fcber m\u00f6gliche antisowjetische Reaktionen in der DDR, besonders in Schwerin.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Auch der Leiter des Schweriner Stadtarchivs, Dr. Bernd Kasten, lobt das Buch: \u201eMatthias Baerens hat Akten\u00fcberlieferungen und Zeitzeugenerinnerungen schulbuchm\u00e4\u00dfig zusammengef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eTrauer unter Kontrolle. Der Flugzeugabsturz vom 12. Dezember 1986 bei Berlin-Bohnsdorf und die Folgen.\u201c ist f\u00fcr 38,60 Euro im Buchhandel erh\u00e4ltlich (ISBN\/EAN: 978-3935046862).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDas Buch von Matthias Baerens hat f\u00fcr mich nach 38 Jahren den letzten Schlusspunkt gesetzt und mir Antworten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28266,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[16010,1784,1785,29,214,16012,321,30,16011,14844,215],"class_list":{"0":"post-28265","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-aeroflot","9":"tag-books","10":"tag-buecher","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-ernst-schneller-schule","14":"tag-flugzeugabsturz","15":"tag-germany","16":"tag-matthias-baerens","17":"tag-schwerin","18":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114330009999790880","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28265"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28265\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}