{"id":28274,"date":"2025-04-13T09:48:14","date_gmt":"2025-04-13T09:48:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28274\/"},"modified":"2025-04-13T09:48:14","modified_gmt":"2025-04-13T09:48:14","slug":"reizfigur-moeller-hob-ab-als-der-groesste-fussball-betrueger-die-bundesliga-verhoehnte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28274\/","title":{"rendered":"&#8222;Reizfigur&#8220; M\u00f6ller hob ab: Als der &#8222;gr\u00f6\u00dfte Fu\u00dfball-Betr\u00fcger&#8220; die Bundesliga verh\u00f6hnte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es eine dieser legend\u00e4ren Szenen, die Fu\u00dfball-Deutschland nie vergessen wird. Als vor 30 Jahren der BVB-Spieler Andreas M\u00f6ller im Strafraum ohne jeden Kontakt abhob, wurde die &#8222;Schutzschwalbe&#8220; geboren. Ganz nebenbei erfand ein Trainer den Videobeweis.<\/strong><\/p>\n<p>Als Weltmeister Andreas M\u00f6ller am Abend des 13. April 1995 im Strafraum des Karlsruher SC zu einer der imposantesten Schwalben der Fu\u00dfballgeschichte abhob, konnte er noch nicht einmal im Ansatz erahnen, was diese fiese Tat so alles nach sich ziehen sollte. Am n\u00e4chsten Morgen w\u00e4re M\u00f6ller auf jeden Fall lieber im Bett liegengeblieben. Denn am Kiosk wartete bereits die Zeitung mit den vier Buchstaben auf ihn, die sein Konterfei mit einem neuen Titel versehen hatte: der &#8222;gr\u00f6\u00dfte Fu\u00dfball-Betr\u00fcger&#8220; aller Zeiten!<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist die Szene an diesem unvergesslichen Abend Mitte April vor 30 Jahren bis heute den Fu\u00dfballfans pr\u00e4sent. Es war der 26. Spieltag der Saison 1994\/95, als der Karlsruher SC an einem Donnerstagabend zu einer Partie im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion antrat. Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar: Der BVB und sein Verfolger aus Bremen standen punktgleich in der Tabelle an der Spitze. Jede eigene Schw\u00e4che h\u00e4tte also zur Folge gehabt, dass der SV Werder bei einem Erfolg in K\u00f6ln an den Borussen h\u00e4tte vorbeiziehen k\u00f6nnen. Und so schauten 42.800 Zuschauer gebannt und nerv\u00f6s auf den gr\u00fcnen Rasen &#8211; und sahen einen KSC, der begeistern konnte und nach einem Tor von Gunther Metz v\u00f6llig verdient mit 1:0 f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&#8222;Das war eine Schutzschwalbe&#8220;<\/p>\n<p>Lange Zeit sah es nicht mehr so aus, als ob der BVB w\u00fcrde reagieren k\u00f6nnen. Es dauerte bis zur 75. Minute, bis die &#8222;Reizfigur der Bundesliga&#8220; (Andreas M\u00f6ller \u00fcber sich selbst) eine Idee hatte. Es war ein \u00e4u\u00dferst verwegener Einfall, den der Nationalspieler da an diesem Abend verfolgte. Als M\u00f6ller in den Strafraum des KSC lief, hob er pl\u00f6tzlich ab &#8211; obwohl sein Gegenspieler Dirk Schuster meterweit von ihm entfernt war. Doch der Nationalspieler hatte Gl\u00fcck. Denn der Schiedsrichter stand ung\u00fcnstig. Und so zeigte G\u00fcnther Habermann trotz einer &#8222;dilettantischen Schwalbe&#8220; (laut &#8222;Sport Bild&#8220;) auf den Elfmeterpunkt. Den anschlie\u00dfenden Strafsto\u00df verwandelte Michael Zorc sicher. Das Spiel, das bis dahin auf einen Sieg der Karlsruher hinausgelaufen war, wurde komplett gedreht, als Matthias Sammer in der 86. Minute den BVB in F\u00fchrung schoss.<\/p>\n<p>Die Aufregung im Anschluss an die Partie war verst\u00e4ndlicherweise riesengro\u00df &#8211; und wurde noch gesteigert, als Andreas M\u00f6ller in einer ersten Reaktion einen bis heute unvergessenen Satz \u00fcber sein allzu offensichtliches Vergehen sagte: &#8222;Das war eine Schutzschwalbe. Ich dachte, dass Dirk Schuster mich voll umhauen w\u00fcrde.&#8220; Und als er dann auch noch den gegnerischen Coach Winfried Sch\u00e4fer mit einer weiteren legend\u00e4ren Aussage direkt mit ins Geschehen zog, war das Fass bereits \u00fcbergelaufen: &#8222;Bei jedem anderen Trainer w\u00e4re ich zum Schiedsrichter gegangen und h\u00e4tte gesagt: Okay, das war kein Foul. Nicht aber bei Winfried Sch\u00e4fer.&#8220; <\/p>\n<p>Hansch emp\u00f6rt: &#8222;Sehen Sie diesen Blick?&#8220;<\/p>\n<p>Die TV-Bilder, die einen zufrieden l\u00e4chelnden Andreas M\u00f6ller nach dem Elfmeterpfiff zeigten (&#8222;Sehen Sie diesen Blick?&#8220;, Sat1-Kommentator Werner Hansch) waren anschlie\u00dfend nur noch das i-T\u00fcpfelchen, um ganz Fu\u00dfball-Deutschland kollektiv auf die Palme zu bringen. Kein Wunder, dass sofort von verschiedenen Stellen eine Sperre f\u00fcr M\u00f6ller gefordert wurde. Doch das war gar kein so leichtes Unterfangen, schlie\u00dflich galt erst einmal die Tatsachenentscheidung. Doch der Fall kam dem DFB-Chefankl\u00e4ger Horst Hilpert &#8211; einem ausgewiesenen Feind der &#8222;Schwalbe&#8220; &#8211; gerade recht. Endlich hatte er einmal eine &#8222;breite Allianz&#8220; hinter sich, die dieses Vergehen bestrafen wollte. Und so meinte Hilpert schlie\u00dflich auch fest entschlossen: &#8222;Wenn ich diese exorbitante &#8218;Schwalbe&#8216; nicht zur Anklage bringe, muss ich meinen Hut nehmen.&#8220;<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich war der Prozess f\u00fcr den Mann aus Bexbach im Saarland ein voller Erfolg. Da Schiri Habermann schriftlich best\u00e4tigte, dass er die Handlung von M\u00f6ller im Spiel nicht habe sehen k\u00f6nnen und es deshalb wegen des verzerrten Winkels zu dieser Fehleinsch\u00e4tzung gekommen sei, konnte die eigentliche Tatsachenentscheidung aufgehoben werden. M\u00f6ller wurde f\u00fcr zwei Spiele gesperrt (&#8222;Ich bin auch nur ein Mensch&#8220;) und musste 10.000 Mark Geldstrafe zahlen. Hilpert sprach anschlie\u00dfend davon, dass der Prozess ein &#8222;Meilenstein im Kampf gegen die &#8218;Schwalbe'&#8220; gewesen sei.<\/p>\n<p> &#8222;Als Schwalbe w\u00fcrde ich es mir verbitten, mit M\u00f6ller verglichen zu werden&#8220;<\/p>\n<p>Interessant aus heutiger Sicht ist aber auch noch etwas anderes. Werder-Trainer Otto Rehhagel, der direkt ein Leidtragender des &#8222;Fu\u00dfball-Betr\u00fcgers&#8220; war, da nur wenige Wochen sp\u00e4ter die Borussia mit nur einem Punkt Vorsprung vor Werder Bremen Meister wurde, regte damals an, dass die Bundesliga einen &#8222;Oberschiedsrichter&#8220; br\u00e4uchte, der die Kollegen auf dem Platz zu Hause am Fernsehschirm unterst\u00fctzen sollte. Quasi also der Videoschiedsrichter von heute. <\/p>\n<p>Doch WM-Schiri Hellmut Krug aus Gelsenkirchen konnte damals dieser Idee \u00fcberhaupt nichts Gutes abgewinnen: &#8222;Wie soll das in der Praxis aussehen? Wann ist eine Situation so klar, dass der Oberschiedsrichter einstreiten muss? Wenn der Pfiff ausbleibt, darf der Oberschiedsrichter dann unterbrechen? Wie lange darf er die Fernsehbilder pr\u00fcfen? Sogar die TV-Sender streiten \u00fcber Szenen. Im Grunde bliebe trotz eines Oberschiedsrichters alles beim Alten. Es w\u00fcrde weiter diskutiert: War der Pfiff richtig oder nicht?&#8220;<\/p>\n<p>Eine interessante Sichtweise, die Hellmut Krug damals nach dem kuriosen Fall der &#8222;Schutzschwalbe&#8220; auf die Zukunft hatte. 30 Jahre sp\u00e4ter ist nur eins sicher: Andreas M\u00f6ller w\u00e4re im Zeitalter des VAR wohl gar nicht erst auf die Idee gekommen, so \u00fcbertrieben im Strafraum des Gegners abzuheben. Wenigstens darf man das hoffen! Einer bewies \u00fcbrigens damals einen besonders trockenen Galgenhumor. Dirk Schuster, der vermeintliche Gegenspieler des BVB-Stars, meinte mit ein wenig Abstand zu der Szene: &#8222;Als Schwalbe w\u00fcrde ich es mir verbitten, mit M\u00f6ller verglichen zu werden.&#8220; Das ist doch ein sch\u00f6nes Schlusswort zu einem Fall, der auch drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter immer noch das Potenzial besitzt, die Gem\u00fcter t\u00fcchtig zu erhitzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es eine dieser legend\u00e4ren Szenen, die Fu\u00dfball-Deutschland nie vergessen wird. 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