{"id":282795,"date":"2025-07-21T13:46:14","date_gmt":"2025-07-21T13:46:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/282795\/"},"modified":"2025-07-21T13:46:14","modified_gmt":"2025-07-21T13:46:14","slug":"wie-daenemark-europa-inspirieren-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/282795\/","title":{"rendered":"Wie D\u00e4nemark Europa inspirieren will"},"content":{"rendered":"<p>Es ist l\u00e4ngst klar: Die Klimakrise ist ohne einen Wandel des Ern\u00e4hrungssystems nicht zu l\u00f6sen. Vor allem die Tierhaltung ist daf\u00fcr verantwortlich. Doch politisch tut sich wenig bis nichts\u00a0\u2013 <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/weniger-tiere-mehr-klimaschutz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nicht\u00a0erst<\/a> seit mit <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/soeders-kulturkaempfer-im-landwirtschaftsministerium\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alois\u00a0Rainer<\/a> ein Metzgermeister das Bundeslandwirtschaftsministerium leitet. Zu gro\u00df das Konfliktpotenzial, zu m\u00e4chtig <a href=\"https:\/\/taz.de\/Neuer-Bundesagrarminister-Alois-Rainer\/!6093249\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die\u00a0Lobbys<\/a>, zu laut die Proteste.<\/p>\n<p>Doch die Tierzahlen m\u00fcssen runter. Fachleute wie Johan Rockstr\u00f6m, Direktor des Potsdam-Instituts f\u00fcr Klimafolgenforschung, wiederholen sich <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/erdsystem\/klimapolitik-ist-der-welt-nicht-genug\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">st\u00e4ndig<\/a>: Ohne diesen Wandel k\u00f6nnen wir das 1,5-Grad-Ziel nicht erreichen.<\/p>\n<p class=\"add-placeholder-rectangle\">\u00a0<\/p>\n<p>In Deutschland gehen 83\u202fProzent der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft auf das Konto der Tierhaltung. Mehr pflanzenbasierte Ern\u00e4hrung <a href=\"https:\/\/www.oeko.de\/fileadmin\/oekodoc\/Planetary_Health_Diet_-Landwirtschaft.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bedeutet<\/a>: weniger Emissionen, weniger Fl\u00e4chenverbrauch, mehr Aufforstung und Wiedervern\u00e4ssung.<\/p>\n<p>Einzig D\u00e4nemark hat eine Strategie. <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2025\/jan\/31\/more-carrot-less-stick-how-meat-loving-danes-were-sold-a-plant-led-world-first\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mit einem &#8222;Plant Based Action Plan&#8220;<\/a> baut das Land Alternativen auf.<\/p>\n<p>D\u00e4nemark hat es inzwischen geschafft, seine ganzheitliche Strategie auf den Weg zu bringen. Der &#8222;pflanzenbasierte Aktionsplan&#8220; f\u00f6rdert dort seit 2023 sowohl die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln als auch die Nachfrage. Die D\u00e4ninnen und D\u00e4nen haben verstanden: Ohne einen Wandel im Ern\u00e4hrungssystem lassen sich die Klimaziele des Landes nicht erreichen.<\/p>\n<p>Dem gef\u00fcrchteten <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/protest\/blockieren-nach-niederlaendischem-drehbuch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kulturkampf<\/a> begegnet man dort mit Diplomatie\u00a0\u2013 breite B\u00fcndnisse und positive Anreize machten das Konzept mehrheitsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Diese d\u00e4nische Diplomatie k\u00f6nnte jetzt auch au\u00dferhalb des Landes Bewegung in die Sache bringen. Denn D\u00e4nemark hat seit Anfang Juli den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vorsitz_im_Rat_der_Europ%C3%A4ischen_Union\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU\u2011Ratsvorsitz<\/a> inne\u00a0\u2013 und nutzt diese Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr nachhaltige Ern\u00e4hrungspolitik. Auf der <a href=\"https:\/\/danish-presidency.consilium.europa.eu\/en\/programme-for-the-danish-eu-presidency\/programme-of-the-danish-eu-presidency\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tagesordnung<\/a> steht die Diskussion \u00fcber einen gemeinsamen EU-Aktionsplan. Die Devise: d\u00e4nische L\u00f6sungen f\u00fcr europ\u00e4ische Probleme.<\/p>\n<p>Mehr Nachfrage und Produktion durch Kulturwandel<\/p>\n<p>Die Logik des d\u00e4nischen Aktionsplans: Wenn pflanzliche Gerichte lecker, leicht zug\u00e4nglich und bezahlbar sind, greifen mehr Menschen zu\u00a0\u2013 nicht nur im Supermarkt, sondern auch in Schulen, Kantinen und \u00f6ffentlichen Einrichtungen.<\/p>\n<p>Durch Studien ist <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/mehr-gemuese-in-mensen-und-kantinen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gut belegt<\/a>: Die Gestaltung der &#8222;Ern\u00e4hrungsumgebung&#8220; beeinflusst pers\u00f6nliche Konsumentscheidungen ma\u00dfgeblich. Wer das <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/gesellschaft\/die-strukturen-aendern-nicht-die-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Angebot verbessert<\/a>, ver\u00e4ndert auch Gewohnheiten\u00a0\u2013 und kann gleichzeitig gesunde Lebensweisen f\u00f6rdern und Emissionen senken.<\/p>\n<p>Leckeres Angebot statt Kulturkampf: In Kantinen und Mensen l\u00e4sst sich eine Ern\u00e4hrungswende organisieren. (Bild: <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/image-photo\/students-being-served-meal-school-canteen-2187007745\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dragan Mujan\/\u200bShutterstock<\/a>)<\/p>\n<p>Besonders gro\u00df ist die Chance dort, wo viele Menschen gemeinsam essen. In D\u00e4nemark werden t\u00e4glich <a href=\"https:\/\/www.agora-agriculture.org\/fileadmin\/Projects\/2024\/2024-03_national_food_strategies_SWu\/A-AGR_Demand-side_food_policies_Case_studies_from_11_European_countries_WEB.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">650.000 Gerichte<\/a> in \u00f6ffentlichen Kantinen serviert. Deshalb wurden im vergangenen Jahr nicht nur die offiziellen Ern\u00e4hrungsempfehlungen \u00fcberarbeitet\u00a0\u2013 sie raten nun ausdr\u00fccklich zu weniger Fleisch\u00a0\u2013, es gibt auch verbesserte Nachhaltigkeits-Richtlinien f\u00fcr die \u00f6ffentlich getragene Gemeinschaftsverpflegung sowie Schulungen in den K\u00fcchen, wie sich leckere pflanzenbasierte Gerichte zubereiten lassen.<\/p>\n<p>Der Wandel f\u00e4llt vielen Menschen jedoch noch schwer. Damit pflanzenbasierte Gerichte besser den Geschmack der D\u00e4n:innen treffen, f\u00f6rdert die Regierung auch gezielt innovative <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/gesellschaft\/die-einstiegsdroge-fuer-karnivoren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Produktentwicklung<\/a>.<\/p>\n<p>Zudem soll ein Klima-Label im Einzelhandel f\u00fcr mehr Klarheit sorgen. Denn w\u00fcrden sich alle an die Ern\u00e4hrungsempfehlungen halten, k\u00f6nnte der <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/tag\/co2-fussabdruck\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klimaabdruck<\/a> der Ern\u00e4hrung um nicht weniger als 45 Prozent <a href=\"https:\/\/klimaraadet.dk\/en\/analyser\/climate-friendly-food-and-consumer-behaviour\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sinken<\/a>.<\/p>\n<p>Steigt die Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln\u00a0\u2013 etwa durch bessere Angebote in Schulen, Kantinen oder im Einzelhandel\u00a0\u2013 entstehen theoretisch auch neue Anreize f\u00fcr Landwirt:innen, von tierischer auf pflanzliche Produktion umzustellen. Verl\u00e4ssliche Absatzm\u00e4rkte k\u00f6nnten so den wirtschaftlichen Wandel unterst\u00fctzen. Das Ziel des Aktionsplans ist es, einen erfolgreichen pflanzenbasierten Sektor aufzubauen.<\/p>\n<p>D\u00e4nemark l\u00e4sst sich die Ern\u00e4hrungswende etwas kosten<\/p>\n<p>Im d\u00e4nischen Aktionsplan gibt es konkrete finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr einen Wandel in Nachfrage und Produktion. \u00dcber einen sogenannten <a href=\"https:\/\/plantefonden.dk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pflanzenfonds<\/a> wurden seit 2023 in zwei Runden 24 Millionen Euro bereitgestellt, und in diesem Jahr sollen \u00fcber 28 Millionen an <a href=\"https:\/\/plantdiplomacy.eu\/funding-development\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Projekte<\/a> vergeben werden. Aus dem Fonds wurden zum Beispiel die Entwicklung von Fleischersatzprodukten <a href=\"https:\/\/plantefonden.dk\/hvad-har-vi-stoettet\/projektbank\/oversigt\/2024\/craveable-fungi-futures\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aus Pilzfermenten<\/a>, Lupinenforschung vom Acker bis ins Supermarktregal sowie kreative Gem\u00fcsekompetenz f\u00fcr Kinder gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber den Pflanzenfonds hinaus werden im Rahmen des Aktionsplans gezielt staatliche Mittel bereitgestellt. So finanzierte die Regierung ein branchen\u00fcbergreifendes Innovationsforum, das Fachleute aus Forschung, Industrie und Verwaltung zusammenbringt, um entscheidende H\u00fcrden im Innovationsprozess zu erkennen, etwa bei der Zulassung neuer Produkte.<\/p>\n<p>Ein Teil der Finanzierung kommt auch aus EU-Mitteln. So wurden im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gemeinsame_Agrarpolitik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GAP<\/a>) \u00fcber die d\u00e4nische GAP-Strategie gezielt Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung des heimischen Pflanzenanbaus unterst\u00fctzt. Die Regierung setzt sich auch daf\u00fcr ein, bestehende EU-Programme st\u00e4rker f\u00fcr pflanzenbasierte Ern\u00e4hrung zu nutzen\u00a0\u2013 etwa die EU-Schulprogrammf\u00f6rderung f\u00fcr Obst und Gem\u00fcse.<\/p>\n<p>Die Motivation, den Aktionsplan gemeinsam umzusetzen, scheint in D\u00e4nemark gro\u00df\u00a0\u2013 doch ein echter Kulturwandel braucht Zeit. Als bisher gr\u00f6\u00dfter Teilerfolg gilt die Verstetigung des Pflanzenfonds, dessen Mittel seit der ersten Runde aufgestockt wurden. D\u00e4nemark setzt nun mit seiner <a href=\"https:\/\/vegconomist.de\/politik-gesellschaft\/politik\/daenemark-ernaerung-eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Plant-Based Diplomacy&#8220;<\/a> darauf, andere EU-Mitgliedsstaaten zu inspirieren, und nutzt daf\u00fcr den Ratsvorsitz.<\/p>\n<p>Bewegung in Br\u00fcssel\u00a0\u2013 oder nur Lippenbekenntnisse?<\/p>\n<p>Dabei hat politische Vorarbeit in der EU durchaus stattgefunden. Ein europ\u00e4ischer Aktionsplan f\u00fcr pflanzenbasierte Ern\u00e4hrung wurde bereits im Konsens-Schlussdokument des <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/topics\/agriculture-and-rural-development\/future-agriculture_de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">strategischen Dialogs<\/a> zur Zukunft der EU-Landwirtschaft im vergangenen September gefordert.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Prozess hatte EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen 29 zentrale Akteure aus Landwirtschaft, Umwelt, Zivilgesellschaft, l\u00e4ndlichen Regionen und Wissenschaft zusammengebracht. Sie sollten eine gemeinsame Vision f\u00fcr die Zukunft der europ\u00e4ischen Agrar- und Ern\u00e4hrungssysteme formulieren.<\/p>\n<p>Lisa Elena Kettemer<\/p>\n<p>ist promovierte Meeres\u00adbiologin und erforschte bislang die Verhaltens\u00admuster von Wildtieren. Bei der Denkfabrik <a href=\"https:\/\/faba-konzepte.de\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Faba Konzepte<\/a> engagiert sie sich f\u00fcr die klima\u00adgerechte Trans\u00adformation des Ern\u00e4hrungs\u00adsystems, mit Schwerpunkt auf dem Abbau der Tierhaltung und der F\u00f6rderung pflanzen\u00adbasierter Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Doch der frisch angetretene EU-Kommissar f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christophe_Hansen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christophe Hansen<\/a>, scheint bisher nicht \u00fcberzeugt. In der politischen <a href=\"https:\/\/agriculture.ec.europa.eu\/overview-vision-agriculture-food\/vision-agriculture-and-food_de?prefLang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Vision&#8220;<\/a> des christlich-konservativen Luxemburgers kommt der Aktionsplan mit keinem Wort vor.<\/p>\n<p>Immerhin er\u00f6ffnete Hansen im Juni per Videobotschaft eine Veranstaltung, bei der Abgeordnete aus f\u00fcnf Fraktionen des Europ\u00e4ischen Parlaments \u00f6ffentlich \u00fcber den Plan diskutierten. Neben Sozialdemokraten, Gr\u00fcnen und Linken beteiligten sich auch Christdemokraten und Liberale\u00a0\u2013 so viel Einigkeit ist in der EU-Agrarpolitik \u00e4u\u00dferst selten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tilly_Metz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tilly Metz<\/a>, luxemburgische Gr\u00fcnen-Abgeordnete im Europaparlament, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/tilly-metz-21288b126_we-need-a-plant-based-action-plan-for-europe-activity-7336055707970023424-iFN6\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">betonte<\/a>: &#8222;Die F\u00f6rderung einer st\u00e4rker pflanzlichen Ern\u00e4hrung bedeutet nicht, Fleisch zu verbieten\u00a0\u2013 es geht darum, unsere Auswahlm\u00f6glichkeiten zu erweitern und zu ges\u00fcnderen, ausgewogeneren Essgewohnheiten \u00fcberzugehen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch mehr als 130 zivilgesellschaftliche Organisationen <a href=\"https:\/\/www.beuc.eu\/tools\/eu-action-plan-plant-based-foods\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unterst\u00fctzen<\/a> die Initiative. Darunter sind einflussreiche Dachverb\u00e4nde wie das Europ\u00e4ische Umweltb\u00fcro <a href=\"https:\/\/eeb.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EEB<\/a> und der Bioverband <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internationale_Vereinigung_der_%C3%B6kologischen_Landbaubewegungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IFOAM<\/a>.<\/p>\n<p>Stellvertretend pr\u00e4sentierte der Verbraucher-Dachverband <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bureau_Europ\u00e9en_des_Unions_de_Consommateurs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BEUC<\/a> bei der Veranstaltung einen <a href=\"https:\/\/www.beuc.eu\/reports\/blueprint-eu-action-plan-plant-based-foods-proposed-measures-unlock-full-potential-plant\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Blueprint&#8220;<\/a> f\u00fcr den Aktionsplan mit konkreten Vorschl\u00e4gen: von verbindlichen Richtlinien f\u00fcr nachhaltige Schulverpflegung \u00fcber innovationsfreundliche F\u00f6rderprogramme bis hin zu mehr Agrarbildung mit Fokus auf <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/soja-runter-lupine-rauf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">H\u00fclsenfr\u00fcchte<\/a>.<\/p>\n<p>Diese &#8222;Blaupause&#8220; ist mehr als eine Ideensammlung. Angelehnt an das d\u00e4nische Modell soll sie Mitgliedsstaaten helfen, die vorgeschlagenen Einzelma\u00dfnahmen zu b\u00fcndeln. Genau das fordern auch Denkfabriken wie <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/wir-brauchen-umfassende-nachhaltigkeit-nicht-nur-klimaneutralitaet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Agora Agrar<\/a> in einem <a href=\"https:\/\/www.agora-agrar.de\/aktuelles\/ernaehrungspolitik-neu-ausrichten-nachhaltige-entscheidungen-erleichtern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuellen Report<\/a>. Ern\u00e4hrungspolitik brauche koordinierte Strategien, die Klima, Gesundheit und Versorgungssicherheit zusammendenken.<\/p>\n<p>Der Plan k\u00f6nnte \u00fcber gr\u00fcne Kreise hinaus \u00fcberzeugen<\/p>\n<p>&#8222;So breite Unterst\u00fctzung sehen wir hier in Br\u00fcssel fast nie&#8220;, sagt <a href=\"https:\/\/be.linkedin.com\/in\/rafaelpintoeu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rafael Pinto<\/a> vom europ\u00e4ischen vegetarischen Dachverband <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4ische_Vegetarier-Union\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EVU<\/a>, der die Ern\u00e4hrungspolitik in Br\u00fcssel begleitet\u00a0\u2013 und derzeit ungew\u00f6hnlich hoffnungsfroh ist.<\/p>\n<p>Eine positive Erz\u00e4hlung der Ern\u00e4hrungswende\u00a0\u2013 \u00fcber Innovation, regionale Wertsch\u00f6pfung und wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit\u00a0\u2013 k\u00f6nnte politische Mehrheiten gewinnen, weil sie klassische Konfliktlinien um Verzicht meidet und Unterst\u00fctzung aus Gesundheit und Wirtschaft mobilisiert.<\/p>\n<p>Der Vorschlag bietet L\u00f6sungen f\u00fcr mehrere Probleme zugleich: Klimakrise, <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/ammoniak-als-saettigungsbeilage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nitratbelastung<\/a>, Wassermangel und Gesundheitsrisiken durch Fleischkonsum. Zugleich er\u00f6ffnen sich wirtschaftliche Chancen f\u00fcr Landwirt:innen, die auf neue pflanzliche M\u00e4rkte setzen\u00a0\u2013 das k\u00f6nnte Schnittmengen zur konservativen Agenda schaffen.<\/p>\n<p>Und die Finanzierung? Neue Milliardenprogramme braucht es nicht unbedingt, sagen die Verb\u00e4nde. Es reiche, bestehende EU-Mittel umzulenken\u00a0\u2013 vor allem in der Gemeinsamen Agrarpolitik. In der GAP flie\u00dft bisher ein Gro\u00dfteil der Gelder <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/viel-flaeche-viel-geld-viel-treibhausgas\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in die Tierhaltung<\/a>. Auch Programme wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Horizont_Europa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Horizon Europe<\/a> oder der Green-Deal-Fonds k\u00f6nnten gezielt Projekte zur pflanzenbasierten Ern\u00e4hrung f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Doch genau hier zeigt sich das Dilemma: Die Neuverhandlung der GAP wird derzeit von rechten und konservativen Kr\u00e4ften dominiert, die <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/eu-verlaengert-klimaschaedliche-agrarfoerderung-um-sieben-jahre\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hart erk\u00e4mpfte<\/a> \u00f6kologische Standards r\u00fcckabwickeln wollen. Zudem steht eine grundlegende Umstrukturierung des Agrarhaushalts ab 2028 im Raum\u00a0\u2013 am 16. Juli will Kommissar Hansen dazu erste Pl\u00e4ne vorlegen. Dann beginnt in der EU-Kommission auch die Debatte \u00fcber den mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen, der das Budget daf\u00fcr festlegt.<\/p>\n<p>Eins ist klar: Solange zentrale Hebel wie die EU-Agrarpolitik ungebremst die Tierindustrie subventionieren, wird es selbst mit einem gut durchdachter Aktionsplan schwer, ernstzunehmende Klimaerfolge zu erzielen.<\/p>\n<p>Symbolpolitik oder echter Wandel?<\/p>\n<p>Auch in D\u00e4nemark gibt es durchaus Kritik am dortigen Aktionsplan. Zwar wird der Plan durch andere Ma\u00dfnahmen flankiert, etwa durch eine <a href=\"https:\/\/www.brandeins.de\/magazine\/brand-eins-wirtschaftsmagazin\/2025\/wert-der-natur\/co2-steuer-in-daenemark-geht-doch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Steuer auf Agrar-Emissionen<\/a> und Initiativen zur Renaturierung landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Doch die Abgabe ist so gering bemessen, dass sie kaum eine Abkehr von der Tierhaltung bewirken d\u00fcrfte. So werden nur die theoretisch durch Technologie einzusparenden 40 Prozent der Treibhausgasemissionen besteuert\u00a0\u2013 das entspricht 2030 effektiv 16 Euro pro Tonne <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/lexikon\/co2-aequivalent\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CO2\u2011\u00c4quivalent<\/a> und soll bis 2035 auf 40 Euro erh\u00f6ht werden.<\/p>\n<p>Zudem fehlen in der Strategie messbare Ziele und echte Anreize f\u00fcr Landwirt:innen, tats\u00e4chlich <a href=\"https:\/\/www.arc2020.eu\/the-green-tripartite-agreement-locks-in-industrial-ag-and-biotech-solutionism\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">umzusteigen<\/a>. In der Tat ist dies auch nicht das erkl\u00e4rte Ziel des d\u00e4nischen Modells. Die Emissionseinsparungen sollen durch technologische L\u00f6sungen erzielt werden, nicht durch einen Abbau der Tierhaltung.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: D\u00e4nemark produziert enorme Mengen Schweinefleisch <a href=\"https:\/\/www.bauernstimme.de\/news\/details\/etwas-ist-faul-im-staate-daenemark-schweinehaltung-zwischen-exporteinbruch-strukturkrise-und-tierwohlversprechen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">f\u00fcr das Ausland<\/a>. Gegen diese Exportorientierung hilft ein reduzierter Inlandsverbrauch wenig.<\/p>\n<p>Kritik kommt auch aus der d\u00e4nischen Klimabewegung. Die Kosten f\u00fcr den Aktionsplan zahle nicht die Tierindustrie, sondern die \u00d6ffentlichkeit, <a href=\"https:\/\/www.klimabevaegelsen.dk\/nyhedsblog\/blindgyde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bem\u00e4ngelt<\/a> ein d\u00e4nisches Klimab\u00fcndnis. Das Verursacherprinzip werde verletzt. Dieses Prinzip geh\u00f6rt zu den zentralen Grunds\u00e4tzen der EU-Umweltpolitik und <a href=\"https:\/\/www.eca.europa.eu\/lists\/ecadocuments\/sr21_12\/sr_polluter_pays_principle_de.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">besagt<\/a>, dass Kosten f\u00fcr Umweltfolgen von den Verursachern selbst getragen werden sollen.<\/p>\n<p class=\"placeholder-article-bottom\">\u00a0<\/p>\n<p>Trotz dieser Bedenken ist die Initiative f\u00fcr einen EU-weiten pflanzenbasierten Aktionsplan eine vielversprechende Chance. Denn der Kulturwandel zu mehr pflanzlicher Ern\u00e4hrung ist entscheidend, und eine positive Erz\u00e4hlung k\u00f6nnte hier den Weg ebnen f\u00fcr weitere, konkrete Ma\u00dfnahmen zum Abbau der Tierzahlen. F\u00fcr das Klima w\u00e4re das unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>Ob die d\u00e4nische Diplomatie zun\u00e4chst politische Mehrheiten f\u00fcr einen pflanzenbasierten Aktionsplan in der EU gewinnen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Vielleicht \u00fcberzeugen die guten Argumente ja sogar einen Metzgermeister.<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/component\/banners\/click\/97\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" title=\"Rabe Ralf Umweltzeitung\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753105574_504_300x250rr_25_5-14_1.jpg\" alt=\"Rabe Ralf. Nicht nur f\u00fcr Gro\u00dfstadtv\u00f6gel\" width=\"300\" height=\"250\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist l\u00e4ngst klar: Die Klimakrise ist ohne einen Wandel des Ern\u00e4hrungssystems nicht zu l\u00f6sen. Vor allem die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":282796,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[83697,331,332,83698,36426,548,663,158,3934,3935,15262,13,36427,4615,14,15,12],"class_list":{"0":"post-282795","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-agrarwende","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-du00e4nemark","12":"tag-ernu00e4hrung","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europaeische-union","16":"tag-europe","17":"tag-european-union","18":"tag-gastbeitrag","19":"tag-headlines","20":"tag-klimakommunikation","21":"tag-landwirtschaft","22":"tag-nachrichten","23":"tag-news","24":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114891534107825670","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/282795","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=282795"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/282795\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/282796"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=282795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=282795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=282795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}