{"id":283016,"date":"2025-07-21T15:51:11","date_gmt":"2025-07-21T15:51:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/283016\/"},"modified":"2025-07-21T15:51:11","modified_gmt":"2025-07-21T15:51:11","slug":"theodor-plieviers-stalingrad-kommt-neu-heraus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/283016\/","title":{"rendered":"Theodor Plieviers \u201eStalingrad\u201c kommt neu heraus"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Berlin. Kriegst\u00fcchtig marschierten sie nach Osten. \u00dcber den Don. Bis nach Stalingrad. 280.000 Mann. Die 6. Armee. Als die Stadt nur noch ein qualmendes Ruinenmeer war, schloss sich am 22. November 1942 der sowjetische Ring um die Wehrmacht. Ein Angebot zur Kapitulation vom 8. Januar 1943 wurde abgelehnt. Das gro\u00dfe Sterben begann. Einen endlosen eisig kalten Monat lang.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Bereits im September 1943 beginnt Theodor Plievier in Moskau seine Chronik eines bitteren Untergangs. Er kannte viele deutsche Soldatenbriefe, er sprach im Lager mit \u00fcber 100 Offizieren und Landsern. Bis September 1944 erschien \u201eStalingrad\u201c, der Roman, in Fortsetzungen in der Sowjetunion im Magazin \u201eInternationale Literatur\u201c, schon im Sommer 1945 im gerade gegr\u00fcndeten Aufbau Verlag in Ost-Berlin \u2013 und wurde ein Bestseller. In Ost und West.<\/p>\n<p>Zum 80. Jahrestag des Erstdrucks<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Doch was seither lieferbar ist, war immer die Urfassung. Nun hat der Aufbau Verlag, zum 80. Jahrestag des Erstdrucks, wieder jene Ausgabe zug\u00e4nglich gemacht, die Plievier \u00fcberarbeitet 1948 vorlegte. Da war der Autor bereits im Westen, abgesto\u00dfen von stalinistischen Tendenzen im Osten. Die kannte der von den Nazis verbotene Schriftsteller aus seiner Sowjetzeit seit 1934.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die DDR ignorierte ihn nicht, attackierte Plievier aber heftig ideologisch und verschwieg \u201eStalingrad\u201c (Exil Sowjetunion in der siebenb\u00e4ndigen Exil-Edition, Reclam Verlag, 1979). Im Westen hingegen galt er als kommunistisch beeinflusst. 1963 warnte der Generalinspekteur der Bundeswehr Foertsch ausdr\u00fccklich vor der TV-Adaption von \u201eStalingrad\u201c.<\/p>\n<p>\u201eStalingrad\u201c erz\u00e4hlt gnadenlos, wie Krieg wirklich ist<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Also ein gef\u00e4hrlicher Roman? In Bildern, die an Hieronymus Bosch erinnern, malt Theodor Plievier eine Apokalypse. K\u00e4lte, Typhus, Ruhr, Hunger, L\u00e4use, Eiter, abgerissene Glieder, zerst\u00fcckelte, \u00fcberfahrene K\u00f6rper, \u00c4rzte, die nicht mehr helfen k\u00f6nnen, dreinhalb Stunden Artilleriedr\u00f6hnen \u00fcber Ebenen, brennende Krankenstationen \u2013 ein Inferno. Wie h\u00e4lt man so etwas nur aus?<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eStalingrad\u201c erz\u00e4hlt gnadenlos, wie Krieg wirklich ist. Kein Computerspiel. Kein Action-Kino. Theodor Plievier ist in der vordersten Feuerlinie und im Stabsbunker, beim m\u00f6rderischen Kampf um einen Platz in den wenigen Fliegern raus aus dem Kessel, in Sanit\u00e4tskellern und Erdh\u00f6hlen. Ein blutiges Panorama mit rasch wechselnden Schaupl\u00e4tzen in Parallelmontage, hart getrennt zwischen Soldat und St\u00e4ben. <\/p>\n<p>Die einen leiden, die anderen tafeln<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Zwei Welten, die nichts verbindet. W\u00e4hrend bei den einen gelitten wird, tafeln die anderen \u2013 und \u00fcben sich in Kadavergehorsam. Auch der Oberbefehlshaber Paulus tritt auf. Als m\u00fcder Kommandeur, der dem fernen Hitler nicht widerspricht und nichts von Ausbruch wissen will. In einer gespenstischen Szene wird G\u00f6rings verlogene Berliner Toten-Rede auf die untergehende 6. Armee in Stalingrads Theaterruine voll Sterbender und Leidender \u00fcbertragen. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Das Bittere f\u00fcr Plievier: Die Soldaten gehen lieber drauf als sich zu ergeben. Auch Unteroffizier Gnotke und Oberst, dann General Vilshofen, die beiden Hauptfiguren, halten durch. Da bleibt Plievier illusionslos und n\u00fcchtern. \u201eStalingrad\u201c ist ein Dokumentarroman (so wie es bereits \u201eDes Kaisers Kulis\u201c \u00fcber den Matrosenaufstand 1918 war), eine moralische Anklage, die fr\u00fch schon Wehrmachts-Verbrechen an der Zivilbev\u00f6lkerung anspricht \u2013 und Fragen stellt: \u201eWar dieser Krieg notwendig, war dieser Krieg uns aufgezwungen, und geht es um eine gro\u00dfe und heilige Sache, ist dieser Krieg gerecht, und geht es um Deutschland? Verteidigen wir Deutschland am Njeschegol, am Oskol, am Don, an der Wolga, General?\u201c Es geht um sinnlose Opfer und die Flucht von Gener\u00e4len, um das Grauen von Infanterie-, Panzer- und Artillerieangriffen. Harte, blutige, unter die Haut gehenden \u201eSzenen eines Kriegstheaters im Moment des herabgehenden Vorhangs\u201c.<\/p>\n<p>Langfassung eines Weltbestsellers<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Etwa 100 Seiten mehr als die Urfassung hat die \u201eStalingrad\u201c-Version von 1948. Herausgeber Carsten Gansel schreibt im Nachwort, was alles ver\u00e4ndert wurde, angefangen bei der Ansprache eines Generalstabsoffiziers, der auflistet, warum logistisch die Einigelung schiefgehen musste. In der Taschenbuchausgabe von Kiepenheuer &amp; Witsch (die Urfassung) ist es nachzulesen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eStalingrad\u201c war Ende der 40er Jahre \u2013 neben Thomas Manns \u201eDoktor Faustus\u201c \u2013 der meistrezensierte Roman, wurde in \u00fcber 20 Sprachen \u00fcbersetzt und in mehr als zwei Millionen Exemplaren weltweit verkauft. Vielleicht, weil er so genau und detailliert erz\u00e4hlt \u2013 und ideologiefrei bleibt. Was dann in der DDR Theodor Plievier lange Zeit angekreidet wurde, zumal er in seinen dokumentarischen Folgeromanen \u201eMoskau\u201c und \u201eBerlin\u201c vom Leben im Krieg und vom Untergang der Reichshauptstadt frei und ohne jede politische Beschr\u00e4nkung erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"> Auch 80 Jahre nach seinem Erscheinen in Deutschland (Rowohlts RoRoRo druckte sofort 100.000, Aufbau 30.000 Exemplare) ist \u201eStalingrad\u201c geblieben, was es sein sollte: ein Menetekel. Ein Buch gegen den Krieg. Ein Buch f\u00fcr den Frieden. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Info:<\/b> Theodor Plievier: Stalingrad. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Carsten Gansel. Aufbau Verlag Berlin; 624 Seiten, 30 Euro <\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-5u8rgl-0 cBUuy\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin. 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