{"id":283132,"date":"2025-07-21T16:53:10","date_gmt":"2025-07-21T16:53:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/283132\/"},"modified":"2025-07-21T16:53:10","modified_gmt":"2025-07-21T16:53:10","slug":"turbulenzen-im-rathaus-ohrfeigen-und-goldener-handschlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/283132\/","title":{"rendered":"Turbulenzen im Rathaus: Ohrfeigen und Goldener Handschlag"},"content":{"rendered":"<p>Das Stuttgarter <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Rathaus\" title=\"Rathaus\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rathaus<\/a> gilt gemeinhin als ein friedlicher Ort, in dem sich seri\u00f6se Verwaltungsarbeit und engagierte Kommunalpolitik meist wunderbar erg\u00e4nzen. Sinnbildlich f\u00fcr Konstanz und Gem\u00e4chlichkeit rotiert tagaus, tagein der denkmalgesch\u00fctzte Paternoster. Meist reiht sich ein ereignisloser Tag an den anderen. Kein Wunder, dass die Ausnahmen davon ewig in Erinnerung bleiben. <\/p>\n<p>So etwa die ber\u00fchmtesten (und folgenreichsten) <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgart-album-zur-historie-des-ratskellers-zwei-ohrfeigen-schreiben-stadtgeschichte.607b4ee1-4bb7-41a1-85f8-766e5b927ffc.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ohrfeigen der j\u00fcngeren Landesgeschichte,<\/a> die im Untergeschoss des Rathauses verteilt worden waren. Es war der Abend des 24. Oktober 2004, gerade hatte der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster mit Ach und Krach seine Wiederwahl geschafft \u2013 das hatten ihm nicht einmal die engsten Parteifreunde zugetraut. Ausgenommen der damalige CDU-Kreisvorsitzende Christoph Palmer, damals 42 Jahre jung, Minister im Staatsministerium und enger Vertrauter des <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/gallery.grosse-skandale-in-baden-wuerttemberg-worum-ging-es-in-der-stuttgarter-ohrfeigenaffaere.7f81b4c7-5bcf-4a90-97ea-c6ebdf29c2dd.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ministerpr\u00e4sidenten Erwin Teufel<\/a>. Palmer wirkte wie aufgedreht, als die ersten Ergebnisse den Sieg seines Protagonisten \u00fcber die SPD-Kandidatin Ute Kumpf auf der Leinwand des Sitzungssaals signalisierten. Seine innige Umarmung der konsternierten Gr\u00fcnen-Chefin Ursula Marx deutete die Ausnahmesituation an, in der Palmer sich befand. <\/p>\n<p>Live und in Farbe: Die Ohrfeigen <\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Abend, die Stuttgarter Zeitung mit Schusters Sieg auf der Titelseite war gedruckt, fand im Ratskeller, wohin sich die CDU traditionell zum Feiern zur\u00fcckzieht, Palmers Karriere ein j\u00e4hes Ende. Vor den Augen des Schreibers dieser Zeilen ging er auf seinen Parteifreund, den Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer, los und verpasste ihm zwei Ohrfeigen, die es in sich hatten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Palmer fl\u00fcchtete, versuchten Parteifreunde, die Augenzeugen geworden waren, wie auch Pfeiffer so zu tun, als ob nichts geschehen w\u00e4re. Bei der CDU war man sich sicher, dass kein Pressevertreter den Eklat beobachtet hatte. Zu sp\u00e4ter Stunde versuchten der mittlerweile an den Tatort zur\u00fcckgekehrte Palmer und Pfeiffer im kurzfristig anberaumten Pressegespr\u00e4ch die aufgekommenen Ger\u00fcchte \u00fcber einen handfesten Streit zu zerstreuen: Man habe sich nur \u201egeknufft\u201c.<\/p>\n<p>Am Sonntag passiert \u2013 am Montag in der Zeitung <\/p>\n<p> Jedoch vergeblich: Die Titelseite der Stuttgarter Zeitung war schon aktualisiert. Die Ohrfeigen-Aff\u00e4re pr\u00e4gte am Montag die Titelseite der Stuttgarter Zeitung \u2013 auf den Konjunktiv konnte getrost verzichtet werden. Christoph Palmer, der Pfeiffer im Verdacht hatte, als Mitglied einer gegen Ministerpr\u00e4sident Erwin Teufel k\u00e4mpfenden Gruppe zu intrigieren, trat sofort zur\u00fcck. Teufel erkl\u00e4rte, nicht erneut zu kandidieren.<\/p>\n<p>Kein Ereignis besch\u00e4ftigt die Stuttgarter Kommunalpolitik aber so lange wie der Stuttgarter Klinikum-Skandal. 2015 war der Vorwurf laut geworden, die Behandlung von 370 libyschen Kriegsversehrten seit 2013 sei ebenso wie ein Beratungsprojekt mit einem Krankenhaus in Kuwait wegen Betr\u00fcgereien aus dem Ruder gelaufen. Drei Dienstleister wurden vom Landgericht <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> zu teils langen Haftstrafen verurteilt. Der ehemalige Leiter der zust\u00e4ndigen Internationalen Abteilung muss wom\u00f6glich f\u00fcr fast f\u00fcnf Jahre ins Gef\u00e4ngnis. Die Verhandlungen gegen die ehemaligen F\u00fchrungskr\u00e4fte stehen noch aus. Mehr als au\u00dfergew\u00f6hnlich ist, dass mit Werner W\u00f6lfle auch der ehemalige Krankenhausb\u00fcrgermeister auf der Anklagebank sitzen wird. Ein Untreueverdacht lastet schwer auf ihm. Er sah sich deshalb veranlasst, seine berufliche Karriere vorzeitig zu beenden. <\/p>\n<p>Vergiftetes Klima im Rathaus <\/p>\n<p>Das w\u00e4re sicher nicht passiert, h\u00e4tte er sich 2010 als <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.fezer-gegen-woelfle-wer-wird-neuer-sozialbuergermeister.c7d0862e-6af0-4889-a8aa-d0f747c67bfc.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fraktionschef der Gr\u00fcnen bei der Wahl des Sozialb\u00fcrgermeisters durchgesetzt<\/a>. Seine berufliche Vita hatte ihn f\u00fcr den Posten pr\u00e4destiniert, die Mehrheit schien sicher. Am Ende fehlte ihm gegen die FDP-Kandidatin Isabel Fezer aber eine Stimme. W\u00f6lfle wechselte sp\u00e4ter doch noch auf die B\u00fcrgermeisterbank, war dann \u2013 ungl\u00fccklich f\u00fcr ihn \u2013 auch f\u00fcr Krankenh\u00e4user zust\u00e4ndig. <\/p>\n<p>Lange bevor der Klinikum-Skandal vor dem Landgericht verhandelt wurde, hatte der Fall das Klima im Rathaus vergiftet. Fast alle gegen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-klinikumskandal-ob-kuhn-in-der-bredouille.51345493-145b-4dfc-979c-970dfaa39d71.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OB Fritz Kuhn (Gr\u00fcne)<\/a> hie\u00df es pl\u00f6tzlich, weil aus Sicht der Ratsmehrheit W\u00f6lfles Parteifreund von den Merkw\u00fcrdigkeiten etwas mitbekommen haben musste. Der Gemeinderat bildete einen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.klinikum-skandal-ausschuss-behaelt-kuhn-und-foell-im-visier.4bdddb04-860b-4d1d-8a90-dafae232f8fa.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Akteneinsichtsausschuss,<\/a> um sich anhand interner Unterlagen ein Bild von den Ereignissen zu machen. Heute wei\u00df man, dass eine Handvoll Mails, aus dem Zusammenhang gerissene Whats-App-Kommunikation und die Lekt\u00fcre einiger Akten nicht geeignet waren, sich ein Bild vom Ablauf zu machen und Fritz Kuhn eine Mitverantwortung zuzuschreiben. Zum Vergleich: Der 20. Kammer des Landgerichts stehen Unterlagen im Umfang von 16 Terabyte zur Verf\u00fcgung, die systematisch geordnet und gesichtet wurden. <\/p>\n<p> Streit um Goldenen Handschlag <\/p>\n<p>Die Unschuldsvermutung gilt f\u00fcr Ex-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ralf-Michael Schmitz, der die Gesamtverantwortung trug, wie f\u00fcr Werner W\u00f6lfle. Was sich die Rathausspitze vorhalten lassen muss, war die dilettantische Vorgehensweise bei der Aufl\u00f6sung von Schmitz\u2019 Vertrag. Der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.klinikum-stuttgart-goldener-handschlag-fuer-schmitz.7f5cf614-2188-4b06-be1c-792ed9ace4cf.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eGoldene Handschlag\u201c<\/a>, mit dem man den damals 55-J\u00e4hrigen in den Ruhestand verabschiedete, war ohne den Gemeinderat vereinbart worden. Die Heimlichtuerei, durch die eine au\u00dferordentliche K\u00fcndigung unm\u00f6glich wurde, sorgte f\u00fcr erhebliche Missstimmung im Gemeinderat. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Stuttgarter Rathaus gilt gemeinhin als ein friedlicher Ort, in dem sich seri\u00f6se Verwaltungsarbeit und engagierte Kommunalpolitik meist&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":283133,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[83772,1634,47556,3364,29,30,2218,1441],"class_list":{"0":"post-283132","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-80-jahre-stz","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-beilage","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-rathaus","15":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114892269497359018","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=283132"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283132\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/283133"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=283132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=283132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=283132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}