{"id":283164,"date":"2025-07-21T17:10:19","date_gmt":"2025-07-21T17:10:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/283164\/"},"modified":"2025-07-21T17:10:19","modified_gmt":"2025-07-21T17:10:19","slug":"ausstellung-bernhard-heiliger-im-kunsthaus-dahlem-weiblicher-kopf-und-maennlicher-kragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/283164\/","title":{"rendered":"Ausstellung | Bernhard Heiliger im Kunsthaus Dahlem: Weiblicher Kopf und m\u00e4nnlicher Kragen"},"content":{"rendered":"<p>\tAusstellung | Bernhard Heiliger im Kunsthaus Dahlem<br \/>\n\t &#8211; <\/p>\n<p>\t\tWeiblicher Kopf und m\u00e4nnlicher Kragen<\/p>\n<p>\n        Mo 21.07.25 | 14:23 Uhr  | Von Julia Sie-Yong Fischer\n    <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753117818_300_size=708x398.jpg\" alt=\"Bernhard Heiliger arbeitet an der Skulptur \u201eFrauenkopf\u201c von 1949, Foto: Pressebild Verlag Schirner.\" title=\"Bernhard Heiliger arbeitet an der Skulptur \u201eFrauenkopf\u201c von 1949, Foto: Pressebild Verlag Schirner.\" id=\"473803210\"\/>Bild: Pressebild Verlag Schirner.<\/p>\n<p>In der Kunst von Bildhauer Bernhard Heiliger dienten Frauen als &#8222;menschliche&#8220; K\u00f6rper zur abstrakten Formfindung. Die Ausstellung &#8222;Weibliche K\u00f6pfe&#8220; reproduziert mit ihrem Fokus alte Geschlechterklischees. Von Julia Sie-Yong Fischer<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_0\"\/><\/p>\n<p>Gleich beim Betreten der Ausstellung &#8222;Weibliche K\u00f6pfe&#8220; im riesigen Raum des Kunsthauses Dahlem begr\u00fc\u00dft der &#8222;Kopf der Mutter&#8220; (1935) des K\u00fcnstlers, Anna Helene Heiliger, die Besucherinnen und Besucher. Als erste Frau seines Lebens und eine der ersten Arbeiten Bernhard Heiligers chronologisch passend am Anfang.<\/p>\n<p>Die aus Gips gearbeitete Plastik ist an ihrer Oberfl\u00e4che voller Spuren von Arbeitsprozessen, Schlieren setzen sich von hellen Fl\u00e4chen in unregelm\u00e4\u00dfigen Auftrag ab. Der Gesichtsausdruck strahlt weniger Autorit\u00e4t als Leere und M\u00fcdigkeit aus. Durchaus nachvollziehbar, denn in ihrem Entstehungsjahr war Heiligers Mutter mit den Umst\u00e4nden ihrer Scheidung und ihrem Auszug mit den j\u00fcngsten Kindern Bernhard und Lieselotte konfrontiert. Als Alleinerziehende erfuhr sie finanzielle Engp\u00e4sse und einen gesellschaftlichen Abstieg.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1300599970\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tUnsichtbare Dokumentaristinnen <\/p>\n<p>Doch um die Frauen aus Heiligers pers\u00f6nlichem Umfeld soll es in dieser Ausstellung eigentlich gar nicht gehen. Auch wenn dieser schon allein mit insgesamt vier Ehen und zwei T\u00f6chtern sicherlich viel Anlass b\u00f6te. Der seit 1938 in Berlin lebende Bildhauer war Sch\u00fcler des Hitlerlieblings Arno Breker und konnte \u00fcber vierzig Jahre das f\u00fcr seinen Professor extra von den Nazis erbaute Atelier nutzen &#8211; das heutige Kunsthaus Dahlem. Seine Plastiken sind auch heute noch in ganz Berlin pr\u00e4sent: So steht die &#8222;Flamme&#8220; (1962-62) am Ernst-Reuter-Platz, die Aluminiumfreiplastik &#8222;Kosmos 70&#8220; (1970) h\u00e4ngt im Bundestag. Dennoch ist die Bernhard-Heiliger-Stiftung besorgt, sein Werk k\u00f6nnte in Vergessenheit geraten. Daher bem\u00fcht sie sich nun, andere neue Aspekte in Bezug auf sein Wirken vorzustellen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang finden nun die Fotografinnen, die sein Werk und Leben dokumentierten, sowie seine Galeristinnen erstmals Erw\u00e4hnung. So werden die Bilder der noch lebenden Fotografinnen Britta Lauer, Natalja Struve, Karin Gaa, Deidi von Schaewen und Angelika Platen in Gruppen zusammen gezeigt. Aber auch die Abz\u00fcge der bereits verstorbenen Charlotte Rohrbach, Liselotte Orgel-K\u00f6hne, Gerda Schimpf, Susann Harder und Alexandra Gr\u00e4fin zu Dohna sind zu sehen. Der Fokus dabei ist ganz klar auf den Bildhauer gelegt, die Dokumentaristinnen bleiben fast ausschlie\u00dflich unsichtbar.<\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufiges Bildmotiv: Heiliger, im Gespr\u00e4ch mit wichtigen Herren der Kulturszene wie Hans Scharoun oder Henry Moore in Anz\u00fcgen und Zigarren bei Er\u00f6ffnungen. Andere Bildnisse halten Ausstellungen als Installationsaufnahmen wie im Wilhelm-Lehmbruck-Museum fest. Mehrere Aufnahmen zeigen unterschiedliche Blickwinkel einzelner Werke im Atelier. Und einige wenige geben den K\u00fcnstler in lockerer Stimmung und Fellweste privat wieder.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753117818_197_size=708x398.jpg\" alt=\"Die Galeristin Anja Bremer und der Bildhauer Bernhard Heiliger in der Ausstellung \u00bbBernhard Heiliger, Plastik und Zeichnungen\u00ab, Berlin 1948, (Quelle: Hans-J\u00fcrgen Conda)\" title=\"Die Galeristin Anja Bremer und der Bildhauer Bernhard Heiliger in der Ausstellung \u00bbBernhard Heiliger, Plastik und Zeichnungen\u00ab, Berlin 1948, (Quelle: Hans-J\u00fcrgen Conda)\" id=\"articlesContList_picture_682356147\"\/>Die Galeristin Anja Bremer und der Bildhauer Bernhard Heiliger in der Ausstellung &#8222;Bernhard Heiliger, Plastik und Zeichnungen&#8220;, Berlin 1948<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1519469432\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tFrauen als menschliche Formen<\/p>\n<p>Aber auch als Sujets in seiner Kunst halfen Frauen Heiliger, seinen klassischen Weg der Figuration zur Abstraktion zu finden. So begann er mit menschlichen Bildnissen, die er in seinen Darstellungen immer weiter reduzierte. &#8222;Kopf Gerda Schimpf (Kopf G. S., Frauenkopf)&#8220; (1948) besteht aus gro\u00dfen Fl\u00e4chen mit wenig Erhebungen und Vertiefungen. Die Augen sind eingeritzte kurze Linien, die Haare der Fotografin werden zu einer pilzf\u00f6rmigen Glocke.<\/p>\n<p>Stellte er in seinen K\u00f6pfen h\u00e4ufig ihm real bekannte T\u00e4nzerinnen, Freundinnen und M\u00e4zeninnen dar, k\u00f6nnen seine K\u00f6rperplastiken wie die &#8222;Gelagerte (Liegende) Figur&#8220; (1949) eher mit anonymen Formspielen verglichen werden. Angeblich sollen Heiligers k\u00fcnstlerische Darstellung von Frauen nicht als geschlechtsspezifisch sondern universal &#8222;als Plastiken von Menschen&#8220; (laut Katalog) verstanden werden. W\u00e4hrend in der Realit\u00e4t K\u00fcnstlerinnen oft der Zugang zu Ressourcen und Aufmerksamkeit verwehrt wurde und wird, waren weibliche K\u00f6rper als Sujet in der Kunst \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Darauf machten sp\u00e4testens feministische Gruppen wie die Guerilla Girls in den 1980er Jahren mit der Plakataktion &#8222;Do women have to be naked to get into the Met.Museum?&#8220; (deutsch: &#8222;M\u00fcssen Frauen nackt sein, um in das Met.Museum reinzukommen?&#8220;) bis in die Gegenwart aufmerksam.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox_1141304480\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tMittel zum Zweck<\/p>\n<p>Die Idee der Ausstellung, unterschiedliche Biografien im Zusammenhang mit der Arbeit im Hintergrund der Kunst, sichtbar zu machen, ist an sich nicht verkehrt. Auch im Sinne der oft versteckten Care Arbeit, die \u00fcberwiegend von Frauen \u00fcbernommen wird. Jedoch zeigt bereits das Ausstellungsplakat, dass Frauen weniger als professionell ernstzunehmende Gesch\u00e4ftspartnerinnen Heiligers erw\u00e4hnt werden. Eine scheinbar endlose Liste von Vornamen mischt echte Personen mit Titeln wie dem der Siegesg\u00f6ttin Nike.<\/p>\n<p>Wenn es einerseits um Frauen aus dem beruflichen Umfeld und au\u00dferdem um die Frau als Form im Werk gehen soll, w\u00e4re es dann durchaus konsequenter gewesen, Heiligers Werk auch im Kontext von \u00e4hnlich arbeitenden Bildhauerinnen wie Katharina Szelinski-Singer oder Ren\u00e9 Sintenis zu zeigen. Der Ausstellung ist es nicht anzumerken, dass Heiliger als Unterst\u00fctzer besonders uneigenn\u00fctzig engagiert war. Es ist bekannt, dass seine Karriere durch viele Privilegien, nicht nur durch die Unterst\u00fctzung Arno Brekers, Professuren, Preise oder auch dem angeblich h\u00f6chsten K\u00fcnstlerhonorar der Bundesgeschichte f\u00fcr &#8222;Kosmo 70&#8220; begleitet wurde. Dass ihn Frauen auch fotografierten oder seine Werke in Galerien verkauften, beweist noch kein emanzipatorisches Potential. Im Gegenteil: Dass K\u00f6rperdarstellungen f\u00fcr ihn vor allem Frauenk\u00f6rper waren, l\u00e4sst auf ein sehr konventionell r\u00fcckst\u00e4ndiges Frauenbild schlie\u00dfen. So bleibt der Fokus der Ausstellung eine seltsame Farce, die Geschlechterkarte nur deshalb zu spielen um den m\u00e4nnlichen K\u00fcnstler als Genie zu manifestieren.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753117819_468_size=708x398.jpg\" alt=\"Bernhard Heiligers Atelier im Schadow-Haus mit &quot;Gro\u00dfer stehender Frau&quot;, Berlin 1948. (Quelle: Gerda Schimpf)\" title=\"Bernhard Heiligers Atelier im Schadow-Haus mit &quot;Gro\u00dfer stehender Frau&quot;, Berlin 1948. (Quelle: Gerda Schimpf)\" id=\"articlesContList_picture_2068508439_922639815\"\/>Bernhard Heiligers Atelier im Schadow-Haus mit &#8222;Gro\u00dfer stehender Frau&#8220;, Berlin 1948. (Quelle: Gerda Schimpf)<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1\"\/><\/p>\n<p>Bernhard Heiliger: &#8222;Die weiblichen K\u00f6pfe&#8220; vom 21.07. bis 26.10.2025 im Kunsthaus Dahlem, K\u00e4uzchensteig 12 in 14195 Berlin<\/p>\n<p class=\"textblock\">Beitrag von Julia Sie-Yong Fischer<\/p>\n<p><a class=\"ico ico_arrow_wide_up\" title=\"An den Anfang\" href=\"#top\">  <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ausstellung | Bernhard Heiliger im Kunsthaus Dahlem &#8211; Weiblicher Kopf und m\u00e4nnlicher Kragen Mo 21.07.25 | 14:23 Uhr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":283165,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-283164","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114892336545457436","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=283164"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283164\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/283165"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=283164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=283164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=283164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}