{"id":284256,"date":"2025-07-22T05:05:15","date_gmt":"2025-07-22T05:05:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/284256\/"},"modified":"2025-07-22T05:05:15","modified_gmt":"2025-07-22T05:05:15","slug":"gedenktag-an-drogentote-in-bonn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/284256\/","title":{"rendered":"Gedenktag an Drogentote in Bonn"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit 1990 sind in Deutschland \u00fcber 50.000 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum gestorben \u2013 allein 2.137 im vergangenen Jahr. In Bonn waren es 2024 laut Polizei 19 Todesf\u00e4lle. Zum \u201eInternationalen Gedenktag f\u00fcr verstorbene Drogengebrauchende\u201c am 21. Juli veranstalteten die AIDS-Initiative Bonn und der Elternkreis Arwed am Kaiserbrunnen einen Aktions- und Gedenktag mit Infostand.<\/p>\n<p>\u201eEin Ort f\u00fcr Trauer \u2013 und ein Zeichen gegen das Schweigen\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zentraler Bestandteil der Veranstaltung war eine Gedenkinstallation in Form eines symbolischen schwarzen Sargs. Hinterbliebene und Freunde konnten dort Namen, Botschaften oder Erinnerungen hinterlassen. \u201eWenn jemand an einer \u00dcberdosis stirbt, sch\u00e4men sich viele Angeh\u00f6rige und es gibt oft nur ein stilles Begr\u00e4bnis im kleinen Kreis. Die Freunde aus der Szene werden meist nicht eingeladen\u201c, sagt J\u00fcrgen Repschl\u00e4ger von der AIDS-Initiative Bonn. \u201eGenau deshalb braucht es diesen Ort.\u201c Der Gedenktag sei nicht nur ein politischer Aktionstag, sondern ein Raum f\u00fcr W\u00fcrde, Anerkennung und stille Anteilnahme, gerade f\u00fcr jene, die sonst vergessen werden.<\/p>\n<p>Wenn das eigene Kind abh\u00e4ngig ist      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Horst-Dieter M\u00fcller vom Elternkreis Bonn\/Arwed kennt diese K\u00e4mpfe aus eigener Erfahrung. Eines seiner Kinder wurde mit Anfang 20 heroinabh\u00e4ngig. \u201eDas hat uns wie ein Hammerschlag getroffen\u201c, sagt er. \u201eWir wussten nicht, wohin. Es gab kaum passende Angebote. Am Ende haben wir selbst eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen.\u201c Der Elternkreis begleitet derzeit rund 30 betroffene Familien in Bonn. Die Schicksale \u00e4hneln sich: psychische Erkrankungen, lange Wartezeiten auf Therapiepl\u00e4tze, soziale Isolation \u2013 und oft der Vorwurf, selbst schuld zu sein. \u201eWir wollen keine Mitleidsgeschichten erz\u00e4hlen\u201c, sagt M\u00fcller. \u201eAber wir fordern mehr Aufkl\u00e4rung, mehr Ursachenforschung f\u00fcr Sucht, und vor allem: weniger Stigma. Sucht ist eine Erkrankung, und so muss sie auch behandelt werden.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der diesj\u00e4hrige Gedenktag stand unter dem Motto: \u201e\u00dcberdosierung und Drogentod k\u00f6nnen alle Menschen (be)treffen.\u201c Damit soll deutlich gemacht werden, dass Drogenkonsum l\u00e4ngst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr Heino St\u00f6ver, Suchtforscher und Schirmherr der Gedenkaktion, ist dieser Tag auch mit Protest verbunden: \u201eWir m\u00fcssen der \u00d6ffentlichkeit zeigen, warum Menschen \u00fcberhaupt an Drogen sterben. Die Risiken des Schwarzmarkts, verunreinigte Substanzen, synthetische Opioide: Das sind reale Gefahren.\u201c St\u00f6ver kritisiert, dass Deutschland trotz klarer Erkenntnisse kaum Fortschritte mache. \u201eWir haben die Daten. Wir haben die Konzepte. Aber wir machen keinen Gebrauch davon. Stattdessen haben wir 2024 einen neuen traurigen H\u00f6chststand an Drogentoten erlebt.\u201c<\/p>\n<p>Ein besonders alarmierender Trend: die zunehmende Crack-Szene      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eIch bin heute Morgen in Bremen in den Zug gestiegen. Direkt am Bahnhof: Crack-Szene. Crack ist ein Abstieg mit Ansage. Und wir schauen weiter weg\u201c, sagt der Suchtexperte. Er fordert deshalb ein entschlossenes politisches Handeln auf allen Ebenen. Dazu geh\u00f6rt etwa der Ausbau kommunaler Fr\u00fchwarnsysteme, bei denen Gesundheits\u00e4mter, Polizei und soziale Einrichtungen eng zusammenarbeiten, um Trends im Drogenkonsum fr\u00fchzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Auch Drugchecking, also die Analyse von Substanzen auf gef\u00e4hrliche Inhaltsstoffe, k\u00f6nne laut St\u00f6ver \u00dcberdosierungen und Vergiftungen verhindern und gleichzeitig einen niedrigschwelligen Zugang zu Beratung bieten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein zentrales Instrument seien zudem Drogenkonsumr\u00e4ume, in denen unter medizinischer Aufsicht konsumiert wird. Sie senken das Risiko von Infektionen und Todesf\u00e4llen dem Suchtexperten zufolge drastisch und erm\u00f6glichen den Weg in weiterf\u00fchrende Hilfe. Lebenswichtig sei auch die fl\u00e4chendeckende Verf\u00fcgbarkeit von Naloxon, einem Notfallmedikament, das bei \u00dcberdosierungen sofort wirkt \u2013 inklusive Schulungen f\u00fcr Angeh\u00f6rige und Fachkr\u00e4fte. Und schlie\u00dflich m\u00fcsse die Substitutionstherapie ausgebaut werden: \u201eDie Substitution hilft Menschen aus der Illegalit\u00e4t und ist f\u00fcr viele der erste Schritt zur\u00fcck in ein w\u00fcrdevolles, stabiles Leben\u201c, sagt St\u00f6ver.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein Positivbeispiel sieht er in Bonn: \u201eDer Drogenkonsumraum hier ist vorbildlich. Ebenerdig, modern, getrennte R\u00e4ume f\u00fcr Injektion und Inhalation \u2013 das ist genau das, was wir \u00fcberall brauchen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit 1990 sind in Deutschland \u00fcber 50.000 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum gestorben \u2013 allein 2.137 im&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":284257,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1842],"tags":[1741,3364,29,30,1209],"class_list":{"0":"post-284256","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bonn","8":"tag-bonn","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114895147751343639","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/284256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=284256"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/284256\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/284257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=284256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=284256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=284256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}