{"id":285107,"date":"2025-07-22T13:02:16","date_gmt":"2025-07-22T13:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/285107\/"},"modified":"2025-07-22T13:02:16","modified_gmt":"2025-07-22T13:02:16","slug":"steuer-fuer-rueckueberweisungen-aus-den-usa-weniger-dollartransfers-an-familien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/285107\/","title":{"rendered":"Steuer f\u00fcr R\u00fcck\u00fcberweisungen aus den USA: Weniger Dollartransfers an Familien"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Hamburg\/Kampala taz | Das \u201eOne big, beautiful Bill\u201c \u2013 gro\u00dfes, wundersch\u00f6nes Gesetz \u2013 von US-Pr\u00e4sident Donald Trump, hat weitreichende Folgen \u2013 auch f\u00fcr Menschen im Globalen S\u00fcden. Denn <a href=\"https:\/\/taz.de\/Trumps-Steuerpaket-knapp-verabschiedet\/!6097694\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das neue Steuergesetz, das die USA Anfang Juli verabschiedet haben<\/a>, sieht eine Besteuerung von Geld-\u00dcberweisungen ins Ausland vor. Also auf alle internationalen Geldtransfers \u2013 \u00fcberwiesen durch Banken oder Geld-Transfers-Services wie WesternUnion oder MoneyGram.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Ein Prozent des \u00dcberweisungsbetrags zieht die US-Steuerbeh\u00f6rde ab Januar 2026 nun ein. Dies bedeutet konkret: die Empf\u00e4nger dieser \u00dcberweisungen erhalten ein Prozent weniger. Immerhin, der urspr\u00fcngliche Gesetzesentwurf sah noch 5 Prozent vor, bei den Lesungen im Senat und House of Representatives wurde der Steuersatz reduziert.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Die afrikanische Diaspora in den USA ist gleichwohl entsetzt. \u201eEs ist gut, dass der Steuersatz reduziert wurde, aber es wird uns dennoch treffen\u201c, so Chem Ochuodho, Vorsitzender der weltweiten kenianischen Diaspora (KDA) sowie Vorsitzender der Afrikanischen Diaspora-Verbandes. \u201eDie US-Administration ist eine Gefahr f\u00fcr den Multilateralismus \u2013 wir leben in heiklen Zeiten\u201c, so Ochuodho.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">F\u00fcr die Kenianer bedeutet dies in konkreten Zahlen: Die rund 100.000 Kenianer, die in den USA Geld verdienen, senden rund 2,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr nach Hause an Angeh\u00f6rige und Gesch\u00e4ftspartner in Kenia. Dies ist rund die H\u00e4lfte aller R\u00fcck\u00fcberweisungen von insgesamt rund f\u00fcnf Milliarden, die j\u00e4hrlich von der kenianischen Diaspora weltweit zur\u00fcckgeschickt werden, so die offiziellen Angaben der Zentralbank Kenias.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Davon streicht sich nun die US-Steuerbeh\u00f6rde rund 26 Millionen US-Dollar ein. Damit sollen die verst\u00e4rkten Grenzkontrollen und der sogenannte Kampf gegen illegale Migranten finanziert werden, so Trump.<\/p>\n<p>      Folgen der US-Migrationspolitik<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">\u201eDie US-Migrationspolitik trifft uns doppelt und dreifach\u201c, sagt der Geistliche Ismael Moreno Soto aus El Progreso in Honduras. \u201eWir werden den kursierenden Zahlen zufolge 55.000 Menschen reintegrieren m\u00fcssen. Doch damit nicht genug. Auch die Geld\u00fcberweisungen aus den USA werden einbrechen\u201c, prognostiziert der 66-j\u00e4hrige.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Der als Padre Melo landesweit bekannte Geistliche leitet ein jesuitisches Forschungszentrum in El Progreso. Dem ist eine lokale Entwicklungsagentur angeschlossen, die Kleinbauern ber\u00e4t, bei Bedarf Nothilfe leistet und nah dran ist an denen, die traditionell auswandern: der einfachen Landbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Jedes Jahr verlassen mehr als hunderttausend Menschen Honduras in Richtung USA und dieses Ventil wird zuk\u00fcnftig fehlen, meint Padre Melo. \u201eHinzu kommt, dass viele honduranische Familien zuk\u00fcnftig weniger Geld von den Verwandten in den USA erhalten werden. Das und auch die Besteuerung der Transfers durch den US-Fiskus werden wir negativ zu sp\u00fcren bekommen\u201c, meint der Geistliche. F\u00fcr das kleine Honduras, mit seiner labilen, auf dem Kaffeeexport basierenden Wirtschaft, sind das d\u00fcstere Aussichten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">9,7 Milliarden US-Dollar flossen 2024 \u00fcber Geldtransfer, die sogenannten remesas, aus den USA, Spanien, Mexiko oder Kanada nach Honduras. Das sind knapp 27 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und die Geldsendungen sorgen in vielen Haushalten nicht nur f\u00fcr die Tortillas auf den Tellern, sondern auch f\u00fcr das n\u00f6tige Investitionskapital. Das ist in Honduras, wo die Banken mit Zinss\u00e4tzen von bis zu 20 Prozent aufwarten, chronisch knapp. Auch ein Grund, weshalb die linke Pr\u00e4sidentin Xiomara Castro schon im Januar ein Programm ank\u00fcndigte, das den R\u00fcckkehrenden Essen, Beratung und Kredite garantieren soll.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">Das begr\u00fc\u00dft Padre Melo, es brauche jedoch eine qualifizierte Beratung: \u201eViele der R\u00fcckkehrenden sind Menschen mit geringer Qualifikation, oft Kleinbauern und da fehlt es in Honduras an Konzepten, Strategien und oftmals auch an Land\u201c.<\/p>\n<p>      R\u00fcck\u00fcberweisungen \u00fcber 20 Prozent des BIP<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">Die Frage ist auch, ob die Programme, sinkende Geld\u00fcberweisungen aus dem Ausland auffangen k\u00f6nnen. Honduras ist, wie die gesamte Region, extrem abh\u00e4ngig von den remesas. 26 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) entfallen in Nicaragua auf die remesas, 24 Prozent sind es in El Salvador und immerhin 20 Prozent in Guatemala. In kaum einer anderen Region weltweit ist die Abh\u00e4ngigkeit von den Devisentransfers aus dem Ausland gr\u00f6\u00dfer als in Mittelamerika.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">Das Gros wird konsumiert, laut <a href=\"https:\/\/thedialogue.org\/analysis-remittances-migration-development\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Analysen von Manuel Orozco von der Denkfabrik Interamerican Dialog<\/a>. Orozco mahnt seit Jahren, die Dollar-Transfers so zu kanalisieren, dass sie produktiv investiert werden. Das gelinge laut dem Experten in Honduras nur bei etwa zehn Prozent der transferierten Devisen. Das ist ein Grund, weshalb die Wirtschaft in Honduras, aber auch in den Nachbarl\u00e4ndern nicht auf die Beine kommt und Auswanderung ein soziales Ventil ist.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">Die gro\u00dfe Wirkung und das Potenzial der R\u00fcck\u00fcberweisungen wird <a href=\"https:\/\/taz.de\/Wichtige-Geldquelle-fuer-Entwicklung\/!6096713\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Entwicklungsdiskurs schon lange anerkannt<\/a>. Auch der Kenianer Ochuodho mahnt in einem Interview mit Kenias Tageszeitung The Nation an, dass diese Entscheidung der USA sie zu besteuern, den UN-Entwicklungszielen widersprechen. Diese sehen die Reduzierung der Armut weltweit vor.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"16\">Konkret soll die Kosten f\u00fcr die \u00dcberweisungen ins Ausland bis 2030 auf mindestens 3 von derzeit durchschnittlich 6,4 Prozent reduziert werden. Viele Familien in Kenia und anderen L\u00e4ndern Afrikas sind auf die \u00dcberweisungen ihrer Angeh\u00f6rigen, die im Ausland leben, angewiesen \u2013 viel mehr als auf die sogenannte Entwicklungshilfe, die westliche Staaten leisten.<\/p>\n<p>      Doppelt so viel wie Entwicklungsgelder<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"18\">Sch\u00e4tzungen zufolge belaufen sich die R\u00fcck\u00fcberweisungen weltweit auf das Drei- bis Vierfache der gesamten, globalen Entwicklungshilfe: Im Jahr 2023 beliefen sich die <a href=\"https:\/\/www.devex.com\/news\/remittances-outstrip-aid-3-times-over-can-they-transform-development-107952\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">\u00dcberweisungen in die Entwicklungsl\u00e4nder auf sch\u00e4tzungsweise 656 Milliarden US-Dollar, w\u00e4hrend sich die Entwicklungshilfe auf rund 224 Milliarden US-Dollar<\/a> belief.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"19\">\u201eDies wird die kenianische Diaspora dazu zwingen, andere Wege der Geld\u00fcberweisungen auszuprobieren\u201c, mahnt Ochuodho an, zum Beispiel Kryptow\u00e4hrungen. Doch damit bewegen sich noch viel mehr L\u00e4nder weg vom US-Dollar als Transaktionsw\u00e4hrung, hin zu alternativen W\u00e4hrungen \u2013 ein Fakt, den US-Pr\u00e4sident Trump bereits angekreidet hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg\/Kampala taz | Das \u201eOne big, beautiful Bill\u201c \u2013 gro\u00dfes, wundersch\u00f6nes Gesetz \u2013 von US-Pr\u00e4sident Donald Trump, hat&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":285108,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-285107","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114897023366698142","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/285107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=285107"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/285107\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/285108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=285107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=285107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=285107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}