{"id":285360,"date":"2025-07-22T15:19:10","date_gmt":"2025-07-22T15:19:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/285360\/"},"modified":"2025-07-22T15:19:10","modified_gmt":"2025-07-22T15:19:10","slug":"reportage-aus-schleswig-holstein-zu-migranten-an-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/285360\/","title":{"rendered":"Reportage aus Schleswig-Holstein zu Migranten an Schulen"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Reportage<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 22.07.2025 15:11 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Bundesbildungsministerin Prien hat k\u00fcrzlich eine Migrationsquote an Schulen als &#8222;denkbares Modell&#8220; bezeichnet. Doch das ist keine L\u00f6sung, sagen Lehrerinnen. Schulen in Schleswig-Holstein gehen andere Wege. <\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Das ist einfach f\u00fcr mich&#8220;, sagt Aahil, &#8222;Ja, easy!&#8220; schiebt er noch hinterher und l\u00e4chelt schelmisch dabei. Gerade hat der acht Jahre alte Junge mit etwas M\u00fche einen Text \u00fcber Otto Lilienthal und die Anf\u00e4nge des Fliegens vorgelesen. Es ist 9:30 Uhr an der Astrid-Lindgren-Grundschule in Elmshorn, n\u00f6rdlich von Hamburg.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAahil ist bei Susanne Peters in der Klasse 2b. &#8222;Vor ungef\u00e4hr sechs Jahren&#8220; ist er mit seinen Eltern aus Pakistan nach Schleswig-Holstein gekommen. Die Eltern sprechen kaum Deutsch, das ist bei etwa 40 Prozent der Kinder an dieser Schule so. Das macht das Lesen lernen zum Problem. &#8222;Spracharmut&#8220; nennt die Klassenlehrerin Susanne Peters das. Aber davon seien l\u00e4ngst nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund betroffen.<\/p>\n<p>    Auch in deutschen Familien wird zu wenig gelesen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Spracharmut hat nicht nur etwas damit zu tun, ob ich aus Deutschland komme, oder ob Deutsch meine Muttersprache ist oder nicht,&#8220; sagt Susanne Peters. Auch in vielen deutschen Familien spr\u00e4chen Eltern zu wenig mit ihren Kindern und lesen nicht vor. &#8222;Und das w\u00e4re so wichtig f\u00fcr die Kinder, denn dann k\u00f6nnen sie W\u00f6rter und ihre Bedeutung schon einmal kennenlernen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMittlerweile haben ein Viertel aller Viertkl\u00e4ssler in Schleswig-Holstein massive Probleme, richtig zu lesen und zu schreiben. Das gef\u00e4hrdet ihren Erfolg auf dem weiteren Bildungsweg.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Spracharmut betrifft nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund, erkl\u00e4rt Lehrerin Peters.\n                    <\/p>\n<p>    &#8222;W\u00fcrfellesen&#8220; gegen die Spracharmut<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit den Osterferien erprobt Susanne Peters in ihrer Klasse deswegen das &#8222;Leseband&#8220;, ein Konzept, um Kinder systematisch Freude am Lesen zu vermitteln. Jeden Tag \u00fcbt sie mit ihrer Klasse 20 Minuten, einen Text zu lesen. Die Kinder arbeiten in Gruppen, mit einem W\u00fcrfel bestimmen sie, ob sie gemeinsam im Chor lesen oder allein. &#8222;Gerade bei den leistungsschw\u00e4cheren Kindern bemerke ich schon einen deutlichen Fortschritt, das sind auch die Kinder, die zu Hause wenig lesen. Die haben jetzt jeden Tag 20 Minuten Lesezeit, das zahlt sich schon aus.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVon einer Obergrenze f\u00fcr Kinder mit Migrationshintergrund h\u00e4lt sie nichts: &#8222;Wo kommen die Kinder dann hin? Schicken wir sie dann 20 Kilometer weiter, wo eine Schule dann vielleicht Kapazit\u00e4ten hat?&#8220; Au\u00dferdem h\u00e4tten die Kinder dann keine Spielkameraden am Nachmittag, und das sei wieder schlecht f\u00fcr die Sprachentwicklung und Integration.<\/p>\n<p>    Fachkr\u00e4ftemangel an Grundschulen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir nehmen die Kinder, wie sie kommen&#8220; &#8211; die Leiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule, B\u00e4rbel Blieske, ist \u00fcberzeugt von ihrer Arbeit, von einer Migrationsquote h\u00e4lt auch sie nichts. Ihre Schule ist eine von 135 sogenannten &#8222;Startchancen Schulen&#8220; in Schleswig-Holstein. Das bedeutet, dass Schulen in einem sozial belasteten Umfeld mehr Geld von Land und Bund gerade f\u00fcr die Sprachf\u00f6rderung bekommen. Das ist auch n\u00f6tig, findet Blieske, denn: &#8222;In vielen Elternh\u00e4usern findet Sprache nicht mehr statt.&#8220; Doch Geld allein hilft ihr nicht weiter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;30 Prozent unserer Lehrerkr\u00e4fte sind noch im Studium, oder sie kommen aus anderen Berufen.&#8220; \u00dcberall im Land werden Lehrerinnen und Lehrer gesucht. Und gerade der Unterricht f\u00fcr Deutsch als Zweitsprache braucht besonders qualifizierte Menschen.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Schulen brauchen Mittel f\u00fcr Sprachf\u00f6rderung, sagt Schulleiterin Blieske.\n                    <\/p>\n<p>    Sprachbad &#8211; Lernen mit allen Sinnen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Schau-fel, Re-gen-schirm, M\u00f6-we.&#8220; Susanne Muxfeld setzt sich zu David, der vor Kurzem aus der Ukraine gekommen ist. In der DaZ-Klasse bringt sie Kindern, die gar kein oder kaum Deutsch sprechen, die Sprache mit allen Sinnen bei. DaZ steht f\u00fcr Deutsch als Zweitsprache.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSusanne Muxfeld arbeitet mit Ger\u00e4uschen, Musik, Bildern und mitgebrachten Alltagsgegenst\u00e4nden. &#8222;Plansch-Becken, Ba-de-hos-se.&#8220; Noch verzieht David etwas hilflos das Gesicht, aber Frau Muxfeld l\u00e4sst nicht locker. Immer wieder \u00fcbt sie, bis er ein Wort gelernt hat. Das ist ein z\u00e4hes Gesch\u00e4ft, aber es lohnt sich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Sprachbad&#8220; nennen das die Lehrerinnen hier. Sie wollen die Kinder mit so viel richtiger Sprache wie m\u00f6glich umgeben. Davids Sitznachbar Mesut ist vor ein paar Monaten aus der T\u00fcrkei gekommen, jetzt hat er es geschafft. Er wird nach den Ferien in die Regelklasse gehen und mit den anderen Kindern lernen, mit Aahil. &#8222;Easy.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Reportage Stand: 22.07.2025 15:11 Uhr Bundesbildungsministerin Prien hat k\u00fcrzlich eine Migrationsquote an Schulen als &#8222;denkbares Modell&#8220; bezeichnet. 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