{"id":285656,"date":"2025-07-22T17:59:10","date_gmt":"2025-07-22T17:59:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/285656\/"},"modified":"2025-07-22T17:59:10","modified_gmt":"2025-07-22T17:59:10","slug":"pharmakonzern-will-geheimpreis-vereinbaren-bei-abnehmspritzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/285656\/","title":{"rendered":"Pharmakonzern will Geheimpreis vereinbaren &#8211; bei Abnehmspritzen"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 22.07.2025 17:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Zum ersten Mal nutzt ein Pharmakonzern ein neues Gesetz, um mit den Krankenkassen einen geheimen Rabatt f\u00fcr ein neues Medikament zu verhandeln. Dabei handelt es sich laut NDR, WDR und SZ um das Diabetes-Medikament Mounjaro von Eli Lilly.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Markus Grill, NDR\/WDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEines der letzten Gesetze, das die Ampelregierung unter Olaf Scholz (SPD) gemacht hat, ging auf einen besonderen Wunsch des Pharmakonzerns Eli Lilly zur\u00fcck: Das Unternehmen hatte sich gew\u00fcnscht, dass Arzneimittelhersteller k\u00fcnftig den Preis geheim halten d\u00fcrfen, den sie f\u00fcr ein neues Medikament von den Krankenkassen verlangen. Die Regelung hat es ins Medizinforschungsgesetz geschafft, das vor gerade mal neun Monaten in Kraft getreten ist und wegen des Lobbyeinsatzes von Eli Lilly auch &#8222;Lex Lilly&#8220; genannt wird.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nJetzt wird offenbar wiederum Eli Lilly als erster Konzern dieses Recht in Anspruch nehmen. Laut einem Schreiben, das der Konzern Anfang Juli an \u00c4rzte in Deutschland verschickt hat und das NDR, WDR und S\u00fcddeutscher Zeitung (SZ) vorliegt, hat Lilly nach eigener Darstellung &#8222;als erstes Unternehmen in Deutschland nach dem Medizinforschungsgesetz einen Preis verhandelt, der wirtschaftlich ist und nicht ver\u00f6ffentlicht wird&#8220;.<\/p>\n<p>    Geheimer Preis f\u00fcr Abnehmspritzen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei dem Pr\u00e4parat, dessen Preis nun erstmals geheim bleiben soll, handelt es sich um Mounjaro, eine Spritze, die sowohl f\u00fcr Diabetiker als auch zur Behandlung von Fettleibigkeit zugelassen ist. Auf Anfrage best\u00e4tigt Eli Lilly, dass man sich mit den Vertretern der gesetzlichen Kassen auf &#8222;die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Vertrag zum Erstattungsbetrag&#8220; geeinigt habe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch ein Vertreter des Interessenverbandes der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen GKV best\u00e4tigt die laufenden Verhandlungen.\u00a0Nach Informationen von NDR, WDR und SZ k\u00f6nnte der Vertrag schon in den kommenden Wochen unterschrieben werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nArzneimittelpreise in Deutschland sind eine komplizierte Sache: Wenn ein Pharmaunternehmen ein neues Pr\u00e4parat auf den Markt bringt, darf es zun\u00e4chst einen x-beliebigen Preis verlangen. Die Regelung f\u00fchrt dazu, dass in Deutschland so schnell neue Medikamente verf\u00fcgbar sind wie in keinem anderen Land in Europa.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSobald das Mittel aber auf dem Markt ist, bewertet das unabh\u00e4ngige Institut f\u00fcr Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wie gro\u00df der Zusatznutzen des neuen Pr\u00e4parats im Vergleich zu bisherigen Pr\u00e4paraten ist. Mit diesem Pr\u00fcfergebnis in der Hand verhandeln die Krankenkassen dann mit dem Konzern \u00fcber einen Erstattungspreis. Als Faustregel gilt: Je gr\u00f6\u00dfer der Zusatznutzen des neuen Medikaments ist, desto teurer darf es sein.<\/p>\n<p>    Geringer Zusatznutzen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei Mounjaro fiel die Bewertung des IQWIG allerdings ern\u00fcchternd aus: Nur bei einer von acht Anwendungen erkannten die Pr\u00fcfer einen geringen Zusatznutzen. Bei sieben anderen Patientengruppen sei der Zusatznutzen nicht belegt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Logisch w\u00e4re es nun, dass der Preis von Mounjaro deutlich abgesenkt wird in die N\u00e4he eines Vergleichspr\u00e4parats&#8220;, sagt der Diabetologe Andreas Klinge vom Vorstand der Arzneimittelkommission der Deutschen \u00c4rzteschaft &#8211; etwa auf das Preisniveau des Konkurrenzprodukts Ozempic.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn seinem Schreiben an die \u00c4rzte betont Eli Lilly hingegen die angebliche \u00dcberlegenheit seiner Abnehmspritze gegen\u00fcber dem Konkurrenzprodukt Ozempic. Mounjaro senke das Gewicht und den Blutzuckerspiegel deutlicher, schreibt Lilly.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAllerdings sei damit nicht gesagt, &#8222;ob Patienten unter diesem Pr\u00e4parat auch weniger Schlaganf\u00e4lle oder Herzinfarkte haben, ob sie also l\u00e4nger leben mit diesem Medikament&#8220;, sagt Andreas Klinge von der Arzneimittelkommission. Doch dazu hat Lilly bislang keine Studien vorgelegt. Im Schreiben an die \u00c4rzte hei\u00dft es nur, man erwarte dazu &#8222;im Verlauf des Jahres \u2026 weitere Langzeitdaten&#8220;. Auf Anfrage entgegnet Lilly, dass Gewichts- und Blutzuckerreduktion &#8222;entscheidende Therapieziele in der Behandlung von Typ-2-Diabetes&#8220; seien.<\/p>\n<p>    Wie viel Rabatt muss Eli Lilly gew\u00e4hren?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLaut dem Listenpreis, den jeder Apotheker einsehen kann, kostet die Drei-Monats-Packung Mounjaro in der 10 Milligramm-Dosis 1.126 Euro. Ein Vergleichspr\u00e4parat in der Anwendungsgruppe f\u00fcr Typ-2-Diabetiker w\u00e4re nach Angaben von Diabetologe Klinge Ozempic. Eine Drei-Monats-Packung Ozempic in der vergleichbaren Dosierung kostet allerdings nur 291 Euro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Preisverhandlungen zwischen Lilly und den Krankenkassen sind laut dem internen Schreiben des Pharmakonzerns abgeschlossen. Aber wie viel Rabatt musste Eli Lilly auf sein Mounjaro gew\u00e4hren? 50 Prozent? 60 Prozent? 70 Prozent? Genau das soll k\u00fcnftig geheim bleiben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn der Liste f\u00fcr die Apotheker ist weiterhin nur der Preis von 1.126 Euro sichtbar und auch \u00c4rzte kennen den f\u00fcr die Kassen rabattierten Preis nicht. &#8222;Ich wei\u00df nicht, ob Mounjaro f\u00fcr die Krankenkassen teurer oder billiger als zum Beispiel Ozempic ist&#8220;, sagt Andreas Klinge von der Arzneimittelkommission, &#8222;wie soll ich da wirtschaftlich verordnen?&#8220; Dazu ist er aber nach dem Sozialgesetzbuch verpflichtet. Dieses schreibt vor, dass eine Therapie\u00a0 &#8222;ausreichend, zweckm\u00e4\u00dfig und wirtschaftlich&#8220; sein muss.<\/p>\n<p>    &#8222;Vertrauliche Erstattungsbetr\u00e4ge&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Antwort auf die Frage, warum Eli Lilly sich einen Geheimpreis w\u00fcnscht, findet sich, etwas verklausuliert, ebenfalls in dem Schreiben des Unternehmens an die \u00c4rzte. Dort hei\u00dft es, dass die M\u00f6glichkeit &#8222;vertrauliche Erstattungsbeitr\u00e4ge&#8220; zu vereinbaren, einen &#8222;Verhandlungsspielraum&#8220; schaffe, &#8222;ohne damit die Preisstellung in anderen L\u00e4ndern zu beeinflussen&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHintergrund ist, dass Deutschland f\u00fcr viele andere L\u00e4nder ein so genanntes Referenzpreisland ist. Wenn zum Beispiel die Griechen, Spanier oder Polen sehen, dass in Deutschland die gesetzlichen Krankenkassen f\u00fcr ein neues Pr\u00e4parat 50 Prozent Rabatt erhalten, dann wollen sie auch einen mindestens so hohen Rabatt bekommen. Denn jedes Land in Europa muss seine Preise mit einem Pharmakonzern einzeln verhandeln.<\/p>\n<p>    Abnehmwillige m\u00fcssen vollen Preis zahlen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nK\u00fcnftig k\u00f6nnten die anderen EU-L\u00e4nder deshalb nicht mehr erfahren, wie hoch der Rabatt ist, den in Deutschland die gesetzlichen Krankenkassen auf den Listenpreis bekommen. Im Fall Mounjaro sehen sie also nur noch den Listenpreis von 1.126 Euro. Ob die Kassen tats\u00e4chlich 500, 400 oder 300 Euro zahlen, bleibt geheim.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGeheim bleibt der Rabatt der Kassen somit auch f\u00fcr die Menschen, die das Pr\u00e4parat zum Abnehmen nutzen wollen. Denn sie m\u00fcssen die Abnehmspritze aus eigener Tasche finanzieren &#8211; zum offiziellen Listenpreis. Das Sozialgesetzbuch verbietet es den Krankenkassen grunds\u00e4tzlich, Medikamente zur Gewichtsreduktion zu bezahlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Menschen mit Adipositas gilt also der deutlich h\u00f6here Listenpreis. Auch beim Hersteller des Konkurrenten Ozempic m\u00fcssen Selbstzahler deutlich mehr f\u00fcr die Abnehmspritze bezahlen, die unter dem Namen Wegovy vermarktet wird: N\u00e4mlich etwa das Doppelte. Gleichwohl ist Wegovy f\u00fcr abnehmwillge Selbstzahler damit immer noch halb so teuer wie das Eli Lilly Pr\u00e4parat.<\/p>\n<p>    H\u00f6here Gewinne f\u00fcr Pharmaindustrie<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMehrere Fragen zum Geheimpreis und zu den Zweifeln am Zusatznutzen des neuen Pr\u00e4parates beantwortet Eli Lilly NDR, WDR und SZ nicht konkret. Nur allgemein teilt der Pharmakonzern mit, dass Eli Lilly von der im Medizinforschungsgesetz geschaffenen M\u00f6glichkeit, &#8222;Erstattungsbetr\u00e4ge vertraulich zu gestalten \u2026 Gebrauch machen&#8220; werde. Das habe man &#8222;fr\u00fchzeitig den relevanten Gremien der Selbstverwaltung mitgeteilt&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Spitzenverband der Krankenkassen lehnt die Geheimpreise ab. Sie &#8222;verteuern die Versorgung zugunsten h\u00f6herer Gewinne der Pharmaindustrie und ohne die Versorgung zu verbessern&#8220;, sagt Kassen-Sprecher Jens Ofiera. Der Pharmaindustrie sei mit der M\u00f6glichkeit zu Geheimpreisen ein Geschenk f\u00fcr Gewinnsteigerungen gemacht worden. &#8222;Die Beitragszahler werden daf\u00fcr voraussichtlich jedes Jahr Mehrkosten in Milliardenh\u00f6he bezahlen, ohne dass sich dadurch auch nur im Geringsten ihre Versorgung verbessert.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Bundesgesundheitsministerium hat die Regelung in der Vergangenheit verteidigt. Auf eine aktuelle Anfrage schreibt das Ministerium, es sei &#8222;an den Preisverhandlungen zwischen einzelnen pharmazeutischen Unternehmern und dem GKV-Spitzenverband nicht beteiligt.&#8220; Eine Meldung der Wahl eines vertraulichen Erstattungsbetrags sei bislang nicht erfolgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 22.07.2025 17:00 Uhr Zum ersten Mal nutzt ein Pharmakonzern ein neues Gesetz, um mit den Krankenkassen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":285657,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[84353,29,30,13,40971,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-285656","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-abnehmspritzen","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-headlines","12":"tag-medikamentenpreise","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-top-news","17":"tag-top-meldungen","18":"tag-topmeldungen","19":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114898191415225309","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/285656","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=285656"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/285656\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/285657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=285656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=285656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=285656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}