{"id":286063,"date":"2025-07-22T21:47:20","date_gmt":"2025-07-22T21:47:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/286063\/"},"modified":"2025-07-22T21:47:20","modified_gmt":"2025-07-22T21:47:20","slug":"tim-raue-ich-kaure-an-der-wand-und-versuche-nicht-rauszugucken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/286063\/","title":{"rendered":"Tim Raue: &#8222;Ich kaure an der Wand und versuche, nicht rauszugucken&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>        Tim Raue<br \/>\n      &#8222;Ich kauere an der Wand und versuche, nicht rauszugucken&#8220;<\/p>\n<p>            Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>            Kopiere den aktuellen Link<\/p>\n<p>          Zur Merkliste hinzuf\u00fcgen<\/p>\n<p>Im Interview erz\u00e4hlt Tim Raue von seinem neuen Restaurant im Berliner Fernsehturm, seiner H\u00f6henangst und warum Deutsche ein Problem mit ihrer kulinarischen Identit\u00e4t haben.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\">203 Meter \u00fcber Berlin, zwischen DDR-Nostalgie und Sternek\u00fcche: Tim Raue hat Spektakul\u00e4res gewagt und ein Restaurant im rotierenden Fernsehturm er\u00f6ffnet. &#8222;Sphere&#8220; hei\u00dft das Projekt, das deutsche K\u00fcche neu definieren soll \u2013 mit K\u00f6nigsberger Klopsen f\u00fcr 28 Euro und einer spektakul\u00e4ren Aussicht. Das Paradoxe: Der Sternekoch leidet unter H\u00f6henangst und traut sich nicht, in seinem eigenen Restaurant zu essen. Die K\u00fcche ist nur 22 Quadratmeter gro\u00df, in ihr darf nicht einmal gebraten werden \u2013 und dennoch schafft es Raue, hier t\u00e4glich im Schnitt 850 G\u00e4ste zu bewirten. Wie das funktioniert und warum deutsche K\u00fcche mehr als nur Touristenspektakel sein sollte, erkl\u00e4rt Raue im stern-Interview.<\/p>\n<p><strong>Herr Raue, Sie haben massive H\u00f6henangst \u2013 und er\u00f6ffnen trotzdem ein Restaurant in 207 Metern H\u00f6he. Das ist schon ziemlich paradox, oder?<\/strong><br \/>Ich verf\u00fcge, wie meine Frau so liebevoll sagt, \u00fcber eine unfassbare Naivit\u00e4t. Ich klammere viele Dinge in Entscheidungsprozessen v\u00f6llig aus. Beim Fernsehturm dachte ich nur daran, was das f\u00fcr ein Wahrzeichen f\u00fcr Berlin ist, was wir kulinarisch zeigen k\u00f6nnen. Beim ersten Besuch lief es gut. Beim zweiten knickten mir die Beine weg \u2013 das kann ich nicht kontrollieren. Dann kauere ich mit Schiss an der Wand und versuche, nicht rauszugucken. Das ist jetzt der Fifty-Fifty-Joker bei jedem Besuch.<\/p>\n<p>    09. Juli 2025,09:02<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/tim-raue--nilshasenfotografie-1-1-.jpg\"   loading=\"lazy\" fetchpriority=\"auto\" alt=\"Tim Raue ist stolz auf sein Schnitzel in 200 Metern H\u00f6he\" title=\"&quot;Sphere&quot;: Tim Raue ist stolz auf sein Schnitzel in 200 Metern H\u00f6he\"\/><\/p>\n<p>      <a class=\"teaser__link\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/genuss\/tim-raue-im-berliner-fernsehturm--wie-gut-schmeckt-es-im--sphere---35873948.html\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>            &#8222;Sphere&#8220;<br \/>\n                    Tim Raue verkauft Essen in 200 Metern H\u00f6he. Ist das mehr als Touri-Spektakel?<\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Bei der Er\u00f6ffnung ist das Kassensystem zusammengebrochen. Schlechte Vorbereitung oder mangelhafte deutsche <\/strong><a class=\"taxonomy-entity keyword\" data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/digital\/computer\/themen\/digitalisierung-4128622.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Digitalisierung<\/strong><\/a><strong>?<\/strong><br \/>Das war ein franz\u00f6sisches Unternehmen! Die haben ein Kassensystem f\u00fcr eine Attraktion installiert, aber nicht f\u00fcr Gastronomie. Ein Bondrucker f\u00fcr die K\u00fcche war in einer Bar versteckt und hat tausende Bons ausgespuckt, die nie ankamen. \u00dcber eine Woche hatten wir keinen Support, mussten auf Papier arbeiten und der H\u00e4lfte der G\u00e4ste absagen. Aber man lernt am schnellsten durch Schmerz \u2013 heute schaffen wir 850 G\u00e4ste am Tag.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Zehn Restaurants, TV-Shows, Kreuzfahrtschiffe. War der Fernsehturm ein strategischer Schachzug f\u00fcr Ihr Business-Imperium?\u00a0<\/strong><br \/>H\u00e4tten Sie mich das vor anderthalb Jahren gefragt, h\u00e4tte ich sofort gesagt, ja, auf jeden Fall. Heute frage ich mich: Ist es das wert? Wenn du 850 G\u00e4ste am Tag hast und 15 bis 20 sich aufregen, ist das eine Quote, mit der du leben musst. Was die Nachfrage angeht, k\u00f6nnen wir uns aber null beschweren.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Wie viele G\u00e4ste m\u00fcssen denn t\u00e4glich bei Ihnen essen, damit sich das rechnet?<\/strong><br \/>Das Restaurant im Fernsehturm funktioniert als Attraktion sehr, sehr gut. Der Laden lief vor meiner Zeit bombastisch, l\u00e4uft jetzt bombastisch und wird auch nach mir bombastisch laufen. Es geht eher darum, so wenig wie m\u00f6glich Beschwerden zu haben.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Ihr K\u00fcchenchef ist Ostberliner, Sie selbst stammen aus Westberlin. Kochen Sie anders?<\/strong><br \/>Nein, aber die Erinnerungsgeschichten sind andere. Er spricht von Soljanka und Broiler, ich von K\u00f6nigsberger Klopsen. Von Anfang an war klar: Der Turm steht im Osten, f\u00fcr die Menschen dort war er ein Ort, an dem sie gr\u00f6\u00dfer, h\u00f6her, schneller waren als der Westen. Das respektvoll einzubinden war vom ersten Moment an wichtig.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Sind Sie hier das erste Mal mit der ostdeutschen K\u00fcche konfrontiert worden?<\/strong><br \/>Eigentlich keine, weil ich schon vor zehn, zw\u00f6lf Jahren das Restaurant &#8222;La Soupe Populaire&#8220; in der B\u00f6tzow Brauerei im Osten aufgemacht habe und dann die &#8222;Villa Kellermann&#8220; in Potsdam hatte. Da bekam ich schon Zugang dazu. Deshalb wollte ich auch keine Burger oder Aperol Spritz, sondern eine strikt herkunftsbezogene K\u00fcche aus <a class=\"taxonomy-entity place\" data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/themen\/berlin-4151912.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a> und Brandenburg. Gute deutsche K\u00fcche gibt es viel zu wenig.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>28 Euro f\u00fcr ein Schnitzel, 10,50 Euro f\u00fcr den Brotkorb \u2013 wie rechtfertigen Sie das?<\/strong><br \/>Wir haben einen Logistikaufschlag \u2013 jede Fahrstuhlfahrt muss bezahlt werden. Daf\u00fcr hast du einen Ausblick, den es kein zweites Mal in Berlin gibt. Wir haben eine Gewinnmarge von maximal zehn Prozent und kalkulieren fair. Ich habe ein reines Gewissen und schlafe wie ein Baby.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>K\u00f6nigsberger Klopse: hier 28 Euro, in Ihrem Sternerestaurant 44 Euro. Schmeckt man 16 Euro Unterschied?<\/strong><br \/>Hier ist es eine Geschmacksmarinade mit Kalbfleisch. Im Restaurant &#8222;<a class=\"\" data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/kultur\/tv\/themen\/tim-raue-4191010.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tim Raue<\/a>&#8220; setzen wir Kalbskopf an, marinieren Kalbsbries und Kalbszunge einzeln, nehmen das feinste R\u00fcckenfleisch, d\u00e4mpfen zweimal. Das ist vom Wareneinsatz das Dreieinhalbfache.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Markenzeichen Ihrer K\u00fcche sind die intensiven Aromen. Essen Sie privat auch so scharf?<\/strong><br \/>Viel sch\u00e4rfer! Wenn ich so abschmecken w\u00fcrde, wie ich es f\u00fcr richtig halte, h\u00e4tten wir ein Problem. Wenn du <a class=\"taxonomy-entity keyword\" data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/themen\/restaurant-4193732.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Restaurant<\/a> &#8222;Tim Raue&#8220; sitzt, und es ist sch\u00e4rfer als sonst, dann bin ich da.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Sie kontrollieren in der K\u00fcche \u2013 aber wer kontrolliert den Service, wenn Sie nie als Gast da sind?<\/strong><br \/>Ich setze mich nicht hin, aber ich stehe im Restaurant. Ich esse immer im Stehen. Mich von den Mitarbeitern bedienen zu lassen, das geht gar nicht \u2013 das finde ich unversch\u00e4mt.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Die K\u00fcche dort oben ist winzig, misst gerade 22 Quadratmeter, man darf nicht braten. Ist das \u00fcberhaupt noch Restaurantk\u00fcche?<\/strong><br \/>Selbst Kochen ist verboten, Du darfst nur bis zum Siedepunkt erw\u00e4rmen. Das ist eine Herausforderung, aber ich liebe Herausforderungen. Ein Schnitzel braucht exakt drei Minuten 30 \u2013 zwei Minuten ist zu feucht, vier Minuten zu hart. Diese Konstanz bei 14 Stunden Service zu erreichen, ist schwierig, aber macht Spa\u00df.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Merken die G\u00e4ste, dass sich das Restaurant dreht?<\/strong><br \/>Das habe ich noch nicht geh\u00f6rt. Ich bin da der Schlimmste \u2013 ich traue mir nicht zu, da oben zu essen. Das w\u00e4re mir zu peinlich, wenn mir die Beine wegknicken w\u00fcrden. Und ich esse generell nicht in meinen Restaurants \u2013 das geh\u00f6rt sich nicht.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Was antworten Sie Berlinern, die sagen: Der Fernsehturm wird zur Touristenfalle?<\/strong><br \/>Er war die Touristenfalle \u2013 deshalb hat man mich geholt. Der Berliner neigt zum Jammern, der Deutsche n\u00f6rgelt an allem rum. F\u00fcr mich bedeutet der Fernsehturm, gelassener mit Kritik umzugehen und zu \u00fcberlegen: Was muss ich \u00e4ndern, was ist Teil des Konzepts?<\/p>\n<p>    09. Juni 2025,12:57<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/tim-raue-bild-1.jpg\"   loading=\"lazy\" fetchpriority=\"auto\" alt=\"Tim Raue setzt in seinem neuen Restaurant auf heimische K\u00fcche\" title=\"Tim Raue: Promi-Koch verr\u00e4t, welches deutsche Essen er gar nicht mag\"\/><\/p>\n<p>      <a class=\"teaser__link\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/lifestyle\/leute\/tim-raue--promi-koch-verraet--welches-deutsche-essen-er-gar-nicht-mag-35793530.html\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>            Promi-Koch<br \/>\n                    Mit welchem deutschen Essen man Tim Raue &#8222;jagen&#8220; kann<\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Sie sagen, Deutsche haben ein Problem mit ihrer kulinarischen Identit\u00e4t?<\/strong><br \/>Wir gehen eher zum Chinesen oder Griechen, als Deutsch essen. In Berlin einen Metzger zu finden, der Wurst noch selbst macht \u2013 da musst du lange suchen. Wir haben ein Problem mit unserer Herkunft, mit den Gr\u00e4ueln des Zweiten Weltkriegs. Ich m\u00f6chte Nationalstolz nicht den Rechten \u00fcberlassen \u2013 wir k\u00f6nnen stolz sein auf unser demokratisches Land, wo alle Hautfarben, Religionen und Sexualit\u00e4ten gleich sind.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Ihre Frau sagt, Sie seien 10 bis 15 Prozent zu viel f\u00fcr die Menschen.<\/strong><br \/>Ich glaube, f\u00fcr die K\u00fcche ist das am wenigsten ein Problem. (lacht) Was sie damit meint, ist mein extremer Antrieb, zu leisten. Wer nicht leistet, gibt der Gesellschaft nichts wieder. Wenn ich mit jungen Menschen \u00fcber die Vier-Tage-Woche spreche und diese Sechs-Stunden-Geschichte h\u00f6re, sage ich immer: Wenn wir alle so arbeiten w\u00fcrden, w\u00fcrden unsere Sozialleistungen nicht mehr funktionieren. Unser Staat w\u00fcrde so nicht mehr funktionieren.<\/p>\n<p class=\"typo-body-default\"><strong>Wann ist das &#8222;Sphere&#8220; in Ihren Augen ein Erfolg?<\/strong><br \/>Wenn ich mit unserer Leistung zufrieden bin. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich, dass Berliner ihre Feste dort feiern, aber das schaffen wir nicht am ersten Tag. Es muss ein Ort sein, wo du sagst: Nirgendwo gibt es bessere Soljanka oder einen leckereren Broiler. Das Sch\u00f6nste w\u00e4re, wenn ich mich nicht mehr \u00fcber Kritik \u00e4rgern muss, bei der ich wei\u00df, ich h\u00e4tte es besser machen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tim Raue &#8222;Ich kauere an der Wand und versuche, nicht rauszugucken&#8220; Artikel anh\u00f6ren Kopiere den aktuellen Link Zur&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":286064,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,30,1940,1938],"class_list":{"0":"post-286063","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-nachrichten-aus-berlin","15":"tag-news-aus-berlin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114899087875575830","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286063","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=286063"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286063\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/286064"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=286063"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=286063"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=286063"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}