{"id":286788,"date":"2025-07-23T04:44:16","date_gmt":"2025-07-23T04:44:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/286788\/"},"modified":"2025-07-23T04:44:16","modified_gmt":"2025-07-23T04:44:16","slug":"elefantenplage-in-berlin-gaea-schoeters-bissige-politsatire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/286788\/","title":{"rendered":"Elefantenplage in Berlin: Gaea Schoeters&#8216; bissige Politsatire"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/coverschoeters-100.webp\" alt=\"Gaea Schoeters, &quot;Das Geschenk&quot;\" title=\"Gaea Schoeters, &quot;Das Geschenk&quot; | Zsolnay\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\n            Stand: 23.07.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Nach ihrem Roman &#8222;Troph\u00e4e&#8220; \u00fcber Gro\u00dfwildjagd widmet sich Gaea Schoeters erneut dem Afrika-Bild der Europ\u00e4er mit einer Parabel \u00fcber 20.000 Elefanten mitten in Berlin.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/katja-weise,weise130.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katja Weise<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\nEigentlich hatte Gaea Schoeters genug von dem <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/tipps\/Trophaee-Radikaler-wuchtiger-Afrika-Roman,schoeters100.html\" title=\"&quot;Troph\u00e4e&quot;: Radikaler, wuchtiger Afrika-Roman\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Troph\u00e4en-Thema<\/a>. Doch dann lag in einem Bordbistro der Deutschen Bahn im April 2024 eine Zeitung herum: &#8222;In dieser Zeitung war ein kleiner Bericht, in dem stand, dass der Pr\u00e4sident von Botswana Deutschland 20.000 Elefanten angeboten hat, weil Deutschland das Importgesetz von Elfenbein stringenter gemacht hat&#8220;, erz\u00e4hlt Schoeters. &#8222;Kurz danach hatte ich ein Radiointerview, und ich habe mich selbst sagen h\u00f6ren: Das w\u00e4re doch eine gro\u00dfartige Er\u00f6ffnungsszene: Der Bundeskanzler wacht auf, und da stehen tats\u00e4chlich 20.000 Elefanten in Berlin &#8211; und die Wahl steht bevor.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">\nGesagt getan:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Mitten in der Spree badet ein Elefantenbulle. Gem\u00e4chlich l\u00e4sst er seinen beh\u00e4bigen K\u00f6rper ins Wasser sacken, geht in die Knie und verschwindet unter der Wasseroberfl\u00e4che. (&#8230;) Dann erscheint neben ihm aus dem Nichts ein weiterer R\u00fcssel, wie ein Periskop. Ein zweiter Elefant hebt sich aus dem Fluss. Leise grollend begr\u00fc\u00dfen sich die beiden Kolosse und schlingen ihre R\u00fcssel umeinander.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Alles f\u00fcr die Elefanten<\/p>\n<p class=\"\">\nDas Video, das ein vorbeikommender Fahrradfahrer ins Netz stellt, geht sofort viral, und Bundeskanzler Hans Christian Winkler hat ein massives Problem. Nicht nur, dass viele Elefanten an verschiedenen Orten in Berlin auftauchen, der Pr\u00e4sident von Botswana macht in einem Telefonat zudem unmissverst\u00e4ndlich klar:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Jeder Elefant, dem auch nur ein einziger Stein in den Weg gelegt wird, wird sich verdoppeln. Sie m\u00fcssen sich frei bewegen k\u00f6nnen und so viel Platz bekommen, wie sie brauchen. Die Bev\u00f6lkerung muss sich eben anpassen. Alles f\u00fcr die Elefanten.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">\nSo, wie die Europ\u00e4er das von seinem Land erwarteten. Es entwickelt sich eine rasante Politsatire: bissig, witzig, surreal. Hektisch wird ein Krisenstab einberufen, Verantwortung hin- und her geschoben und nach einer immer dramatischeren Zuspitzung der Lage eine Ministerin f\u00fcr Elefantenangelegenheiten berufen. Gaea Schoeters beschreibt die im Politikbetrieb \u00fcblichen Prozesse genau, ihr Vater ist Politiker: &#8222;Mein Vater ist eigentlich ein sehr konsequenter Mensch, aber musste in diesem Raum \u00fcberleben und deshalb auch diese Spielchen mitspielen. Wenn ich jetzt sehe, wie das Spiel gespielt wird, irritiert es mich, dass man nicht einfach ernsthaft \u00fcber die echten Probleme nachdenkt, sondern immer wieder versucht, in diesem Spiel zu \u00fcberleben.&#8220;<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/gaeaschoeters100.webp\" alt=\"Eine Frau mit schwarzen kurzen Haaren und einem schwarzen Oberteil, dar\u00fcber tr\u00e4gt sie eine schwarze Jacke. \" title=\"Schriftstellerin und Journalistin Gaea Schoeters im Portr\u00e4t. | Anna Weise\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>In ihrem neuen Roman &#8222;Das Geschenk&#8220; beleuchtet die Schriftstellerin erneut das globale Zusammenspiel von Afrika und Europa.<\/p>\n<p>    Ein kritischer Blick auf europ\u00e4ische Herausforderungen<\/p>\n<p class=\"\">\nIn &#8222;Das Geschenk&#8220; geht es wie in &#8222;Troph\u00e4e&#8220; um die Frage, wie die Europ\u00e4er auf die von ihnen mitverantworteten Probleme auf dem afrikanischen Kontinent schauen, wie stark der Blick immer noch durch die Kolonialzeit gepr\u00e4gt ist. Au\u00dferdem dekliniert die Autorin gnadenlos die Hilflosigkeit der europ\u00e4ischen Demokratien angesichts des erstarkenden Rechtspopulismus durch. Bundeskanzler Winkler steht kurz vor den Wahlen, der rechtsextreme Kandidat Fuchs feiert die sensationellen Umfragezahlen seiner Partei, die angesichts der Elefantenkrise immer weiter in die H\u00f6he schie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"\">\n&#8222;Wenn ich die Politik dieser Tage anschaue, dann sehe ich, dass wir immer wieder reagieren&#8220;, sagt Schoeters. &#8222;Wir warten, bis das Problem so gro\u00df geworden ist, dass wir etwas machen m\u00fcssen. Wir versuchen es dann kurzfristig zu l\u00f6sen, am liebsten, dass es gleich ein Resultat zeigt, dass wir daf\u00fcr eine politische Belohnung kriegen. Man k\u00f6nnte auch ein bisschen fr\u00fcher anfangen und vorausdenken: Kann man das auch anders angehen?&#8220;<\/p>\n<p>    &#8222;Das Geschenk&#8220;: Ein kluger, bissiger Roman<\/p>\n<p class=\"\">\n&#8222;Das Geschenk&#8220; hat nicht die existentielle Wucht und Tiefe von &#8222;Troph\u00e4e&#8220;. Doch wirft auch dieser Roman brisante Fragen auf &#8211; zum Leben in Zeiten des Klimawandels und der Erosion der westlichen Demokratien. Er liest sich leicht, wenngleich ein befreiendes Lachen sich nicht einstellen will. Ein kluges, bissiges Buch und, wie jede gute Kom\u00f6die, bitter im Abgang.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/coverschoeters100.webp\" alt=\"Buchcover: Gaea Schoeters - &quot;Troph\u00e4e\u201c\" title=\"Buchcover: Gaea Schoeters - &quot;Troph\u00e4e\u201c | Zsolnay\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Troph\u00e4e&#8220; ist schmerzhaft zu lesen, aber ein Roman, der zu den wichtigen Neuerscheinungen dieses Fr\u00fchjahrs z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/coverschoeters-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/coverschoeters-100.webp\" alt=\"Gaea Schoeters, &quot;Das Geschenk&quot;\" title=\"Gaea Schoeters, &quot;Das Geschenk&quot; | Zsolnay\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>        <\/a><\/p>\n<p>      Das Geschenk<\/p>\n<p>von Gaea \u00a0Schoeters<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>144 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Roman<\/dd>\n<dt>Zusatzinfo:<\/dt>\n<dd>\u00dcbersetzt von Lisa Mensing<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Zsolnay<\/dd>\n<dt>ISBN:<\/dt>\n<dd>978-3-552-07574-0<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>22 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romane<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 23.07.2025 06:00 Uhr Nach ihrem Roman &#8222;Troph\u00e4e&#8220; \u00fcber Gro\u00dfwildjagd widmet sich Gaea Schoeters erneut dem Afrika-Bild der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":286789,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,1797,1796,84618,29,84617,30,1795,1800],"class_list":{"0":"post-286788","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-buch","10":"tag-buchtipps","11":"tag-das-geschenk","12":"tag-deutschland","13":"tag-gaea-schoeters","14":"tag-germany","15":"tag-roman","16":"tag-romane"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114900727686402575","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286788","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=286788"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286788\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/286789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=286788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=286788"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=286788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}