{"id":287109,"date":"2025-07-23T07:36:12","date_gmt":"2025-07-23T07:36:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/287109\/"},"modified":"2025-07-23T07:36:12","modified_gmt":"2025-07-23T07:36:12","slug":"computer-geschichte-40-jahre-commodore-amiga-seiner-zeit-weit-voraus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/287109\/","title":{"rendered":"Computer-Geschichte: 40 Jahre Commodore Amiga: Seiner Zeit weit voraus"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspAQhe tspAQhf\">Die Premiere des Commodore Amiga vor 40 Jahren in einem Theater des piekfeinen Lincoln Center in New York sollte unbedingt die Vorstellung des ersten Apple Macintosh anderthalb Jahre zuvor \u00fcbertreffen. Der charismatische Apple-Mitbegr\u00fcnder Steve Jobs hatte damals die Pr\u00e4sentation des ersten Macs als gro\u00dfen Moment inszeniert und das Publikum durch den neuartigen W\u00fcrfelrechner mit synthetischer Stimme begr\u00fc\u00dfen lassen. Das wollte Commodore am 23. Juli 1985 toppen.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Um die Macintosh-Premiere von Apple zu \u00fcberbieten, hatte Commodore den Pop-Art-K\u00fcnstler Andy Warhol und Debbie Harry, S\u00e4ngerin und Songwriterin der New-Wave-Band \u201eBlondie\u201c engagiert. Warhol verwandelte auf der B\u00fchne mit dem Amiga ein schnell geknipstes Digitalfoto der S\u00e4ngerin in ein Kunstwerk &#8211; und demonstrierte damit die zu jener Zeit \u00fcberw\u00e4ltigenden Multimedia-F\u00e4higkeiten des neuen Commodore-Spitzenmodells.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Commodore hatte Anfang der 80er Jahre vor allem Erfolge mit Heimcomputern feiern k\u00f6nnen. Der 1980 eingef\u00fchrte VC20 war der erste Heimrechner, der als \u201eVolkscomputer\u201c in gro\u00dfen St\u00fcckzahlen international verkauft wurde. Legend\u00e4r wurde aber vor allem der Commodore 64, der 1982 auf den Markt kam: Mit mehr als 17 Millionen verkauften Ger\u00e4ten ist er bis heute der erfolgreichste Heimcomputer aller Zeiten.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Die guten Verkaufszahlen des C64 konnten allerdings nicht \u00fcber firmeninterne Probleme hinwegt\u00e4uschen. W\u00e4hrend Apple im Januar 1984 f\u00fcr die aufsehenerregende Premiere des Macintosh gefeiert wurde, verlie\u00df der legend\u00e4re Commodore-Gr\u00fcnder Jack Tramiel das Unternehmen im Streit und \u00fcbernahm den Wettbewerber Atari. Mit oder ohne Tramiel: Commodore ben\u00f6tigte dringend einen neuen Verkaufsschlager.<\/p>\n<p> Amiga das n\u00e4chste gro\u00dfe Ding <\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Auf der Suche nach dem \u201enext big thing\u201c prallten im Sommer 1984 das Commodore-Management und Ex-Chef Tramiel erstmals aufeinander. Beide Seiten lieferten sich einen Bieterstreit bei der \u00dcbernahme des Start-ups Amiga &#8211; bei dem der neue Atari-Chef Tramiel den K\u00fcrzeren zog.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Das kleine Amiga-Team hatte einen Prototyp eines neuartigen 32-Bit-Rechners entwickelt, der als Fundament f\u00fcr eine neue Erfolgsgeschichte taugen konnte. \u201eEr besa\u00df ph\u00e4nomenale Multimedia-Kapazit\u00e4ten, besonders verbl\u00fcffte die Animation eines springenden Balls\u201c, sagt Andreas Stolte vom Computermuseum HNF in Paderborn. Nach der \u00dcbernahme der kleinen Firma sollte aus dem Amiga-Prototyp bei Commodore ein verkaufsfertiger Rechner werden. Tramiel orientierte sich nach der Schlappe um und fokussierte sich auf die Entwicklung des ewigen Amiga-Konkurrenten Atari ST.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Der neue Rechner von Commodore verbl\u00fcffte die Branche: Zu einer Zeit, als Nutzer eines IBM PCs sich mit einer Grafikdarstellung von 16 Farben begn\u00fcgen mussten und Mac-User vor einem Schwarz-Wei\u00df-Bildschirm sa\u00dfen, konnte der Amiga bereits 4096 Farben darstellen. Der Rechner verf\u00fcgte au\u00dferdem \u00fcber spezielle Chips zur Beschleunigung der Videowiedergabe. Er hatte integrierte Videoausg\u00e4nge f\u00fcr Fernseher. Der Amiga konnte zudem einen vierstimmigen Stereosound erzeugen, w\u00e4hrend viele Rechner von der Konkurrenz nur Piept\u00f6ne von sich gaben.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Voller Innovationen steckte auch das Betriebssystem des Amiga. \u00c4hnlich wie der Apple Macintosh bot die \u201eAmiga Workbench\u201c eine grafische Benutzungsoberfl\u00e4che, die mit einer Maus bedient wurde. Das hatten Mac und Amiga dem IBM PC und seinem DOS-System von Microsoft voraus. Im Maschinenraum des Betriebssystems verf\u00fcgte der Amiga aber obendrein schon \u00fcber eine modernere Variante des Multitaskings, also der F\u00e4higkeit, mehrere Programme parallel laufen zu lassen. Sie war viel robuster als das \u00e4ltere Verfahren (\u201ekooperatives Multitasking\u201c), das damals noch im Mac oder dem IBM PC genutzt wurde.<\/p>\n<p> Durchbruch mit dem Amiga 500 und Games <\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Der Verkauf des Amiga lief zun\u00e4chst schleppend an. Auch wegen des hohen Preises hielten sich potenzielle Kunden aber zur\u00fcck. Der erste Amiga kostete immerhin damals noch 5.595 D-Mark. Das entspricht inflationsbereinigt heute knapp 6.300 Euro. Den Durchbruch brachte 1987 das deutlich g\u00fcnstigere Modell Amiga 500, das ab 1.100 D-Mark zu haben war (inflationsbereinigt heute rund 1200 Euro).<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Die technischen Eigenschaften sorgten daf\u00fcr, dass der Commodore Amiga schnell von der Gaming-Szene entdeckt wurde. Die \u00fcberlegene Grafik und seine Soundoptionen erm\u00f6glichten viele innovative Spiele, die die Amiga-User begeisterten. Einer der ersten Titel, die f\u00fcr den Amiga erschienen, war \u201eDefender of the Crown\u201c (1986), ein Rollenspiel, das mit einer beeindruckenden Grafik und seinem Gameplay, bei dem man England erobert, \u00fcberzeugte.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Das popul\u00e4rste Spiel aller Zeiten f\u00fcr den Commodore Amiga ist \u201eLemmings\u201c, ein Puzzle-Spiel, das 1991 erschien. Es gilt als der ikonische Amiga-Titel schlechthin und nimmt in Bestenlisten regelm\u00e4\u00dfig den Spitzenplatz ein. \u201eLemmings\u201c \u00fcberzeugte durch sein innovatives Spielprinzip, in dem der Spieler eine Gruppe kleiner Figuren mit verschiedenen F\u00e4higkeiten sicher durch t\u00f6dliche Levels leiten musste. Es wurde millionenfach verkauft sowie auf zahlreiche Plattformen portiert. Zu Klassikern wurden auch Amiga-Games wie \u201eSpeedball 2\u201c, \u201eAlien Breed\u201c, \u201ePinball Dreams\u201c und \u201eWorms &#8211; The Director\u2019s Cut\u201c.<\/p>\n<p> Verpasste Chancen <\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Der Commodore Amiga h\u00e4tte mit seinem modernen Betriebssystem und seinen \u00fcberragenden Grafikf\u00e4higkeiten auch B\u00fcros erobern k\u00f6nnen. Er war n\u00e4mlich in der Textverarbeitung vielen Konkurrenzprodukten ebenfalls seiner Zeit weit voraus. W\u00e4hrend monochrome Monitore Standard waren und Textprogramme ihre Benutzer mit langen Steuerzeichen und Sonderbefehlen verwirrten, bot der Amiga bereits eine grafische Darstellung des gesamten Dokuments. Der Bildschirm zeigte den Text in der passenden Typographie und dem Layout, wie er sp\u00e4ter auf dem Papier erscheinen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Das Management von Commodore vers\u00e4umte es allerdings, die bahnbrechenden Multimedia-F\u00e4higkeiten in ihrem Marketing hervorzuheben, um den Amiga aus der Videospiel-Ecke herauszuholen. Zum Fall des Amiga trug auch eine undurchsichtige Modell-Politik bei. Ein Paradebeispiel daf\u00fcr war 1992 der Amiga 600, der als kosteng\u00fcnstigere Konstruktion gedacht war, aber letztendlich ein teurerer Ersatz f\u00fcr den Amiga 500 wurde. Commodore hat weltweit etwa 7,2 Millionen Amiga-Computer verkauft, darunter knapp 1,7 Millionen in Deutschland. Das sollte aber nicht reichen.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Mit dem Absturz des Amiga ging die ganze Firma unter: Commodore meldete am 29. April 1994 offiziell Insolvenz an. Das Aus war aber nicht nur auf Managementfehler zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern auch auf Ver\u00e4nderungen im Markt. Der IBM PC und Klone von Compaq und anderen Herstellern eroberten den Markt, auch weil g\u00fcnstige Grafik- und Soundkarten die PCs multimedia-tauglich machten. Apple hatte mit den gleichen Problemen wie Commodore zu k\u00e4mpfen und stand angesichts des Vormarschs der Windows-PCs zwei Jahre sp\u00e4ter auch kurz vor der Pleite. Doch im Gegensatz zu Commodore gab es bei Apple mit Steve Jobs einen Retter, der die Firma 1997 vor dem Absturz bewahrte und sp\u00e4ter zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt machte.<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:250723-930-829283\/1<\/p>\n<p class=\"tspAQhe\">Das ist eine Nachricht direkt aus dem dpa-Newskanal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Premiere des Commodore Amiga vor 40 Jahren in einem Theater des piekfeinen Lincoln Center in New York&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":287110,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[135],"tags":[29,30,190,189,194,191,193,192],"class_list":{"0":"post-287109","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-science","11":"tag-science-technology","12":"tag-technik","13":"tag-technology","14":"tag-wissenschaft","15":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114901403798544693","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/287109","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=287109"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/287109\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/287110"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=287109"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=287109"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=287109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}