{"id":288036,"date":"2025-07-23T16:10:18","date_gmt":"2025-07-23T16:10:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/288036\/"},"modified":"2025-07-23T16:10:18","modified_gmt":"2025-07-23T16:10:18","slug":"1-246-tage-krieg-in-der-ukraine-die-liebe-in-zeiten-des-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/288036\/","title":{"rendered":"1.246 Tage Krieg in der Ukraine: Die Liebe in Zeiten des Krieges"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">D ie M\u00e4nner in der Ukraine lassen sich meiner Meinung nach aktuell grob in zwei Kategorien einteilen: diejenigen, die sich zur Armee gemeldet haben und die anderen, die versuchen, sich vor dem Milit\u00e4rdienst zu dr\u00fccken. Das ist keine soziologische Studie, sondern meine pers\u00f6nliche Beobachtung.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">W\u00e4hrend der ersten zwei Kriegsjahre habe ich im Ausland gelebt. Vor anderthalb Jahren bin ich in die Ukraine zur\u00fcckgekommen \u2013 und habe gesehen, wie sich die m\u00e4nnliche Gesellschaft vor meinen Augen gespalten hat. Bewusst kann ich mich selbst auf keine der beiden Seiten stellen. Den meisten meiner Freunden geht es \u00e4hnlich wie mir.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Die erste Kategorie ist die der Soldaten. Was soll schwierig sein an einer Beziehung zu einem Mann, der das Land verteidigt? Aber in der Ukraine herrscht seit \u00fcber drei Jahren Krieg, und eine Front von mehr als 970 Kilometern L\u00e4nge ist keine abstrakte Gr\u00f6\u00dfe. Wenn dein Partner in der Armee ist, bist du in Gedanken t\u00e4glich bei ihm. Du fragst dich st\u00e4ndig: Wo ist er? Geht es ihm gut? Wann seht ihr euch wieder? Kommt er irgendwann ins zivile Leben zur\u00fcck? Und m\u00f6chte er das \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7815905\/1200\/Yuliia-min-1.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Yuliia-min-1.jpeg\" alt=\"Die ukrainische Journalistin Yuliia Shchetyna\" loading=\"lazy\" title=\"Die ukrainische Journalistin Yuliia Shchetyna\" height=\"241\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Bild:<br \/>\nprivat<\/p>\n<p>\nYuliia Shchetyna\n<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\">Ukrainische Journalistin und Produzentin aus der Region Cherson, 28 Jahre, lebt in Kyjiw. Master in Kulturwissenschaften. Seit 2022 arbeitet sie an einem Nachrichten- und Analyseprojekt \u00fcber das Leben der Menschen im S\u00fcden der Ukraine w\u00e4hrend des Krieges. Als Produzentin erstellt sie das Geschichts-Projekt \u201eDeokupowana istoriia\u201c (Befreite Geschichte) \u00fcber russische Mythen im S\u00fcden der Ukraine.<\/p>\n<p>      Angst vorm Tod des Partners<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"5\">Meine Klassenkameradin Yuliia hat vor sieben Jahren geheiratet, sie hat zwei Kinder. Gleich nach dem 24. Februar ist ihr Mann zur Armee gegangen. Fast die ganze Zeit war er an der Front. Als die Verbindung zu ihm abbrach, rief Yuliia mich an. Wir sprachen \u00fcber Allt\u00e4gliches, aber ich sp\u00fcrte die ganze Zeit, wie besorgt sie war. Um ihn, die Kinder und ihre gemeinsame Zukunft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Kolumne-ueber-leben\/!t6097729\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/38748032-1.jpeg\" loading=\"lazy\" height=\"242\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>\u00fcber leben<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\">F\u00fcr die Menschen in der Ukraine ist der Krieg ein Teil ihres Alltags geworden. Trotz der Todesangst vor Luftangriffen und K\u00e4mpfen geht das Leben weiter: Die Menschen gehen zur Arbeit, zur Schule und zur Uni. Sie lieben, lachen, heiraten, bekommen Kinder, machen Urlaub. Sie trauern, sorgen sich \u2013 und hoffen auf Frieden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"6\">Einmal hat sie ihn mit den Kindern besucht, in einem kleinen Ort im Donbass. Sie wollten drei Tage zusammen verbringen. In der ersten Nacht wurde der Ort beschossen. Sie verbrachten diese Nacht im Korridor, am Morgen fuhr sie zur\u00fcck. Yuliia hat davon erz\u00e4hlt und ich war emp\u00f6rt: Wie konnte sie mit den Kindern so nah an die Front fahren?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"7\">Aber ich habe mich nicht getraut, das laut zu sagen. Es ist nicht mein Leben, ich habe kein Recht dar\u00fcber zu urteilen. Soldatenfrauen sind diejenigen, die in st\u00e4ndiger Angst leben. Was h\u00e4lt sie aufrecht? Wahrscheinlich die Liebe. Liebe ist ihre einzige zuverl\u00e4ssige Waffe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/!p5062\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/tzrecherchefond-GrafikLupe-beta3-1.png\" loading=\"lazy\" height=\"484\" type=\"image\/png\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Recherchefonds Ausland e.V.<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">Dieser Artikel wurde m\u00f6glich durch die finanzielle Unterst\u00fctzung des Recherchefonds Ausland e.V. Sie k\u00f6nnen den Recherchefonds durch eine Spende oder Mitgliedschaft f\u00f6rdern.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">\n              <strong><br \/>\n                <a href=\"https:\/\/taz.de\/!p5062\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">\u27a1 Erfahren Sie hier mehr dazu<\/a><br \/>\n              <\/strong>\n            <\/p>\n<p>      Angst vor der Einberufung<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"9\">Zur zweiten Kategorie geh\u00f6ren diejenigen, die sich dr\u00fccken. Die, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Rekrutierung-im-Krieg-gegen-Russland\/!6048135\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die jahrelang ihren Wohnbezirk nicht mehr verlassen<\/a>. Oder ein irres Geld daf\u00fcr bezahlen, um ins Ausland zu kommen. Ich verurteile sie nicht. Nicht jeder ist bereit, eine Waffe in die Hand zu nehmen. Aber k\u00f6nnte ich mit so einem Mann zusammen sein? Wahrscheinlich nicht. Ich kann mir kein Leben als junger, aktiver Mensch vorstellen, das sich auf die eigenen vier W\u00e4nde beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"10\">Meine Freundin Mascha hat sechs Monate vor Kriegsbeginn geheiratet. Jetzt haben sie und ihr Mann ein sechs Monate altes Baby, sie wohnen in der N\u00e4he von Kyjiw. Sie m\u00f6chte gerne reisen, ihre Freunde treffen, ihre Eltern besuchen. Aber ihr Leben beschr\u00e4nkt sich auf ihr direktes Umfeld, weil sie nicht m\u00f6chte, dass ihr Mann zum Milit\u00e4r muss. Ich verstehe sie. Und gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, wie man so leben kann.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"11\">Ja, ich habe zwei Extreme beschrieben. Als ich gerade in die Ukraine zur\u00fcckgekommen war, schien es mir, dass ich nur zwischen diesen beiden Polen w\u00e4hlen konnte. Und das machte mir Angst. Sich verlieben \u2013 und st\u00e4ndig Angst haben. Sich verlieben \u2013 und jedes Mal verlegen werden, wenn jemand fragt: \u201eUnd wo ist dein Mann?\u201c Jetzt sehe ich, dass es auch andere Geschichten gibt. Es gibt M\u00e4nner, die einen Aufschub bekommen haben, in systemrelevanten Betrieben arbeiten, ehrenamtlich t\u00e4tig sind und die Gesellschaft auf andere Weise unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>      Weichen stellen f\u00fcr die n\u00e4chste Generation<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"13\">All das sind nur meine pers\u00f6nlichen \u00dcberlegungen, die nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr das Leben s\u00e4mtlicher Ukrainerinnen und Ukrainer sind. Nur meine Erfahrungen und die meiner Freunde. Aber ich denke, es ist gerade jetzt sehr wichtig dar\u00fcber zu sprechen, wie der Krieg Beziehungen und Vorstellungen von Partnerschaft und Liebe ver\u00e4ndert. Weil auch das die Dinge sind, die eine neue Generation von Ukrainern pr\u00e4gen werden. Daher ist es heute wohl das Wichtigste, echte, aufrichtige Liebe zu erkennen. Denn das ist es, was uns uns in diesen schwierigen Zeiten zusammen h\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"14\">Aus dem Ukrainischen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Gaby-Coldewey\/!a23976\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gaby Coldewey<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"D ie M\u00e4nner in der Ukraine lassen sich meiner Meinung nach aktuell grob in zwei Kategorien einteilen: diejenigen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":288037,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-288036","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114903425203431538","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/288036","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=288036"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/288036\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/288037"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=288036"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=288036"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=288036"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}