{"id":288263,"date":"2025-07-23T18:10:12","date_gmt":"2025-07-23T18:10:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/288263\/"},"modified":"2025-07-23T18:10:12","modified_gmt":"2025-07-23T18:10:12","slug":"berlin-import-von-hunden-wohnungsknast-statt-strassenglueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/288263\/","title":{"rendered":"Berlin | Import von Hunden &#8211; Wohnungsknast statt Stra\u00dfengl\u00fcck?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; \u00abDas ist ein geretteter Stra\u00dfenhund\u00bb, hei\u00dft es in Deutschland immer \u00f6fter, wenn Hundebesitzer ihre Vierbeiner vorstellen. Etwa ein Viertel der rund 10,5 Millionen Hunde in Deutschland sollen inzwischen aus dem Ausland importiert sein &#8211; eine realistische Sch\u00e4tzung, wie Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund annimmt. Ein Gl\u00fcck f\u00fcr die armen Hundeseelen, mag man meinen. Doch f\u00fcr so manchen Vierbeiner bedeutet die vermeintliche Rettung Experten zufolge belastenden Wohnungsknast statt lebenslang genossener Freiheit &#8211; oder endet gar im Tierheim. Zudem haben Kriminelle den lukrativen Vermittlermarkt f\u00fcr sich entdeckt: Vermeintlich hilfsbed\u00fcrftige Hunde werden extra f\u00fcr diesen Markt produziert.<\/p>\n<p>Eine, die \u00fcber die Jahre sehr viele Stra\u00dfenhunde intensiv beobachtet und mit Menschen in deren Umfeld gesprochen hat, ist die Hundetrainerin Sarah Fink. \u00abIch erlebe Stra\u00dfenhunde h\u00e4ufig als sehr gl\u00fccklich\u00bb, schreibt sie im Buch \u00abDie geheime Welt der Stra\u00dfenhunde\u00bb. \u00abIch bin immer sehr zur\u00fcckhaltend, was das Mitnehmen von Hunden angeht\u00bb, lautet ihr R\u00e9sum\u00e9. Dabei flie\u00dfe auch ihre Erfahrung mit tausenden Kunden im Hundetraining ein. Manchen Hunden sei anzumerken, dass sie die Gefangenschaft \u2013 \u00abund nichts anderes ist es f\u00fcr manche Hunde, die seit Generationen frei leben\u00bb \u2013 sehr stresst.\u00a0<\/p>\n<p>Emp\u00f6rte Einwohner: Da will schon wieder einer einen Hund stehlen<\/p>\n<p>Hinzu komme, dass sehr viele vermeintliche Stra\u00dfenhunde etwa in Griechenland, Bulgarien und der T\u00fcrkei anders als vielfach angenommen sehr wohl feste Bezugspersonen h\u00e4tten, die sich um sie k\u00fcmmern. Deutlich h\u00e4ufiger als ernsthaft abgemagerte Hunde seien zu dicke Stra\u00dfenhunde zu sehen.\u00a0<\/p>\n<p>Sarah Fink hat in mehreren L\u00e4ndern Stra\u00dfenhunde mit Senderhalsb\u00e4ndern versehen, um mehr \u00fcber ihren Tagesablauf zu erfahren. Das Projekt stie\u00df immer wieder auf dasselbe Problem: Der f\u00fcr den Sender auserkorene Stra\u00dfenhund war doch keiner, sondern hatte mindestens eine feste Bezugsperson. Es habe fast keinen Hund gegeben, um den sich tats\u00e4chlich niemand k\u00fcmmerte &#8211; umgekehrt aber etliche Menschen, die auf die Versuche, einem Hund das Senderhalsband umzulegen, misstrauisch bis entr\u00fcstet reagierten. \u00abWeil sie oft die Erfahrung gemacht haben, dass Touristen ihre Hunde stehlen beziehungsweise &#8222;retten&#8220; in der Annahme, es seien Stra\u00dfenhunde.\u00bb<\/p>\n<p>Echten Stra\u00dfenhunden fehlt oft die entscheidende Pr\u00e4gung<\/p>\n<p>Bei einem echten Stra\u00dfenhund wiederum kann sich eine fehlende Pr\u00e4gung und Sozialisierung als nicht zu behebendes Problem erweisen, wie Schmitz erkl\u00e4rt. \u00abF\u00fcr eine gute Sozialisierung auf den Menschen ist entscheidend, dass ein Hund insbesondere in den ersten Lebenswochen positiven Umgang mit Menschen hat.\u00bb Hunde, die nicht mit dem streng geregelten Leben in einer Menschenwohnung im dicht besiedelten Deutschland sozialisiert wurden, k\u00f6nnen Experten zufolge schwere Verhaltensprobleme entwickeln oder unter gro\u00dfem Stress leiden.<\/p>\n<p>Typisch sind Schmitz zufolge zum Beispiel Angsthunde, die sich kaum anfassen lassen, schnappen und panisch an der Leine ziehen &#8211; was von K\u00e4ufern oft f\u00e4lschlicherweise als Hinweis auf erlittene Qu\u00e4lerei gewertet wird. Abtrainieren l\u00e4sst sich das nur m\u00fchsam oder auch gar nicht. Am Ende sitzt so mancher einst frei mit seinem Rudel lebende Hund lange Zeit oder f\u00fcr immer in einem deutschen Tierheim.\u00a0<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich mehrere Hunderttausend Importhunde j\u00e4hrlich<\/p>\n<p>Nach Daten des Trade Control and Expert Systems (TRACES) der EU wurden zwischen 2019 und 2022 allein aus Rum\u00e4nien, Spanien und Ungarn pro Jahr durchschnittlich fast 72.000 Hunde legal nach Deutschland importiert. Hinzu kommt eine immense Zahl illegal gehandelter Hunde &#8211; Sch\u00e4tzungen zufolge wom\u00f6glich mehrere Hunderttausend j\u00e4hrlich.\u00a0<\/p>\n<p>Teils w\u00fcrden von Kriminellen unter schlimmen Umst\u00e4nden produzierte Welpen als vermeintliche Tierschutzhunde verkauft, sagt Schmitz. In sozialen Medien werde zudem oft mit emotionalem Druck gearbeitet. Angeblicher Tierschutz sei ein lukratives Gesch\u00e4ft, warnt auch Tiertrainerin Sarah Fink. \u00abMit Mitleid macht man viel Geld und je schlimmere Bilder man zeigt, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt man.\u00bb<\/p>\n<p>Wie erkenne ich illegale Anbieter?<\/p>\n<p>H\u00e4ufigstes Herkunftsland f\u00fcr illegal gehandelte Hunde ist dem Tierschutzbund zufolge seit Jahren Rum\u00e4nien, auch aus Ungarn und Bulgarien kommen viele Tiere. Vielfach machen bei illegalen Transporten Menschen mit, die eigentlich nur helfen wollen: als sogenannte Flugpaten. Per Flugzeug transportierte Hunde werden dabei auf die Flugtickets gutwilliger Touristen gebucht.<\/p>\n<p>\u00abTierschutzvereine, die mit solchen Flugpatenschaften arbeiten, sind unseri\u00f6s\u00bb, warnt Schmitz. Vorsicht geboten sei auch bei Vereinen, die Hunde direkt vermitteln, also ohne Tierheim oder Pflegestelle als Zwischenstation. \u00abWenn irgendetwas nicht klappt, ist dann meist keine R\u00fcckgabe m\u00f6glich.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Misstrauisch sollte K\u00e4ufer auch machen, wenn ein vermeintlicher Tierschutzverein vor allem Welpen anbietet. Und, auch das sei sehr wichtig: Ein seri\u00f6ser Tierschutzverein bringe nie nur Tiere aus dem Land, sondern engagiere sich auch vor Ort, etwa mit Kastrationsprojekten. Generell seien Kastrationsprojekte der wichtigste Baustein im Tierschutz und das Einzige, was pauschal Sinn mache, betont Fink.<\/p>\n<p>Die Hundetrainerin lobt den Tierschutzverein Bansko Street Dogs in Bulgarien, der Hunde nicht einfach ins Ausland vermittle, sondern zuerst Pflegestellen vor Ort suche und teste, wie sich die Hunde in einer Wohnung verhalten. Schmitz nennt als Positiv-Beispiel den deutschen Tierschutzverein Tierhilfe Hoffnung, der das Tierheim Smeura in Rum\u00e4nien betreibt &#8211; das gr\u00f6\u00dfte Tierheim der Welt. Tausende Hunde werden dort auf dem Gel\u00e4nde einer ehemaligen Fuchsfarm beherbergt.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abIch finde, dass es definitiv Sinn macht, Hunde zu adoptieren, statt vom Z\u00fcchter zu kaufen\u00bb, meint Fink. \u00abWichtig ist nur, sehr gut darauf zu achten, woher man die Hunde adoptiert und was man damit f\u00f6rdert.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; \u00abDas ist ein geretteter Stra\u00dfenhund\u00bb, hei\u00dft es in Deutschland immer \u00f6fter, wenn Hundebesitzer ihre Vierbeiner&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":288264,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,663,30,1724,141,1584,1940,1938,12024,1458,84923,2631,72798,193],"class_list":{"0":"post-288263","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-europa","14":"tag-germany","15":"tag-gesellschaft","16":"tag-gesundheit","17":"tag-kriminalitaet","18":"tag-nachrichten-aus-berlin","19":"tag-news-aus-berlin","20":"tag-rumaenien","21":"tag-soziales","22":"tag-strassenhunde","23":"tag-tier","24":"tag-tierheime","25":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114903896821774147","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/288263","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=288263"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/288263\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/288264"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=288263"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=288263"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=288263"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}