{"id":288274,"date":"2025-07-23T18:16:29","date_gmt":"2025-07-23T18:16:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/288274\/"},"modified":"2025-07-23T18:16:29","modified_gmt":"2025-07-23T18:16:29","slug":"kunstausstellung-im-freibad-parasitaerer-glamour-am-beckenrand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/288274\/","title":{"rendered":"Kunstausstellung im Freibad: Parasit\u00e4rer Glamour am Beckenrand"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\u201eBitte nicht ber\u00fchren\u201c-Schilder gibt es in diesem Kunstraum nicht. Warum auch \u2013 das Weddinger Humboldthain ist schlie\u00dflich kein Museum, sondern ein Freibad. Eins, an dem zwischen Becken und Liegefl\u00e4che eben mal ein kantiges Servergestell aus der Wiese sprie\u00dft. Was merkw\u00fcrdig fehl am Platz wirkt, ist die bewusst positionierte Installation der K\u00fcnstlerin Rosanna Marie Pondorf.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Zwischen die knapp zwei Meter hohen schwarzen Metallstreben hat sie eine transparente Kunststoffplane mit ertastbaren Symbolen gespannt, die an Emojis erinnern. Ein Fragment der digitalen Welt, das pl\u00f6tzlich greifbar im analogen Raum steht \u2013 und genauso gut zum Aufh\u00e4ngen nasser Badehandt\u00fccher genutzt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Wie die sieben anderen Installationen auf dem Freibadgel\u00e4nde ist Pondorfs Maschinenfragment \u00fcber den Sommer dem Gem\u00fct der Badeg\u00e4ste ausgesetzt. Zum neunten Mal bringt <a href=\"https:\/\/taz.de\/Freibad-mit-Kulturkiosk\/!5526881\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das Kunstprojekt \u201eTropez\u201c<\/a> Kunst dorthin, wo niemand danach gefragt hat: an einen begrenzten Ort, der gleichzeitig Mikrokosmos der Gesellschaft ist. Menschen aus allen sozialen Milieus kommen her, um der Stadthitze zu entfliehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Kunst steht dabei nicht auf dem Plan. Und trotzdem ist sie da \u2013 nistet sich ein zwischen Schlie\u00dff\u00e4chern, Kiosk und Badebecken. Ein bisschen wie ein Parasit. So lautet auch das Motto der diesj\u00e4hrigen Tropez-Ausgabe.<\/p>\n<p>      Mit triefender Pommesschale<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Anders als Zecken oder L\u00e4use wollen die Tropez-Parasiten aber niemandem schaden, sondern nur spielen: mit Abl\u00e4ufen und Erwartungen. Mal tun sie das ganz offensichtlich, mal subtil. Vor dem Kiosk, der Info-Punkt der Ausstellung ist, thront die Sitzbank der K\u00fcnstlerin Melike Kara, die sich neben St\u00fchlen und Tischen zum Freibadinventar tarnt: Unter einer milchigen Gelschicht hat sie zarte Blumenmotive und schwarz-wei\u00dfe Archivaufnahmen der kurdischen Diaspora arrangiert.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">\u201eKann ich mich hier hinsetzen?\u201c, fragen Badeg\u00e4ste vorsichtig. Andere machen einfach \u2013 mit nasser Bademontur und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Hype-um-Freibadpommes\/!6023605\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">triefender Pommesschale in der Hand<\/a>. \u201eDas ist auch gut so. Aber im besten Fall kommt man nat\u00fcrlich ins Gespr\u00e4ch\u201c, sagt die Kuratorin Sophie Boysen. Besonders gut funktioniere das auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des Beckens, beim \u201eMini-Tropez\u201c. An dem kleinen gr\u00fcnen Gartenh\u00e4uschen kann man sich Schl\u00e4ger f\u00fcr die benachbarte Minigolfanlage ausleihen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Die f\u00fcnf Bahnen sind Kunstwerke, scheinen aber keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste bei den G\u00e4sten auszul\u00f6sen. Stattdessen wird mit so viel Hingabe gespielt, dass sich die unf\u00f6rmige Enten-Skulptur von \u201eGoose Game\u201c schon nach wenigen Wochen vom Feld verabschieden musste.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Nicht alle Arbeiten sind so verspielt. \u00dcber das Gel\u00e4nder des Bademeisterh\u00e4uschens quellen durchsichtige, mit Glitzer gef\u00fcllte Plastikschwimmreifen. Sie sind in sattem Schwarz mit wahllos wirkenden Begriffsketten bedruckt: \u201eSecure the Sweat Waterproof Mattifying Primer\u201c. F\u00fcr ihre Installation hat die K\u00fcnstlerin Maya Man einen Kosmetik-Onlineshop unter dem Suchwort \u201eWaterproof\u201c durchgek\u00e4mmt. Was willk\u00fcrlich klingt, hat in der dort bezauberten Welt durchaus System: Frauen sollen zu jeder Zeit gegen Wasser und Schwei\u00df gewappnet sein.<\/p>\n<p>      Absurde Werbesprache<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">So absurd wie die Werbesprache ist auch die dazugeh\u00f6rige Performance. Anfang Juni steht die K\u00fcnstlerin mit Laptop und Handy auf der Bademeisterplattform und wird zu Youtuberin, die ihre heute physische Community f\u00fcr ein \u201eGet ready with me\u201c begr\u00fc\u00dft. Ein QR-Code f\u00fchrt auf eine Webseite, auf der nacheinander Produktnamen aufploppen: Leuchtet der eigene Bildschirm pink auf, hei\u00dft es, laut vorlesen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">Die Skulptur der K\u00fcnstlerin Tilhenn Klapper hat im Gegensatz dazu nur wenig mit Glamour zu tun. Sie h\u00e4ngt einfach da, an den \u00c4sten einer gro\u00dfen Platane. Erst auf den zweiten Blick sind die k\u00f6rperartigen W\u00fclste als in Strumpfhosen eingewickelte, holzgeschnitzte Flederm\u00e4use erkennbar. Sie sind die einzigen echten Parasiten \u2013 oder zumindest die, denen der Begriff unterstellt wird. Horrorfilme haben ihnen einen schaurigen Ruf beschert, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Fledermaeuse-vom-Aussterben-bedroht\/!5920051\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">obwohl sie t\u00e4glich unsichtbare Nachtschichten dr\u00fccken, Pflanzen best\u00e4uben und Insekten regulieren<\/a>. Jetzt h\u00e4ngen sie am helllichten Tag mitten auf der Freibadwiese.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">Die Kunst im Humboldthain <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kunstprojekt-Tropez-in-Berliner-Freibad\/!5866943\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dr\u00e4ngt sich nicht auf, sondern ist einfach da<\/a>. Mal mehr, mal weniger fl\u00fcssig vermischt sie sich mit dem allt\u00e4glichen Schmelztiegel des Berliner Freibads. Und l\u00f6st auf dem Weg zum Kiosk oder Sprungbrett ein kurzes Jucken aus. Wie ein Parasit eben. Nur dass der Wirt hier auch profitieren darf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eBitte nicht ber\u00fchren\u201c-Schilder gibt es in diesem Kunstraum nicht. 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