{"id":289008,"date":"2025-07-24T00:59:14","date_gmt":"2025-07-24T00:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289008\/"},"modified":"2025-07-24T00:59:14","modified_gmt":"2025-07-24T00:59:14","slug":"kunst-und-oekologie-holunder-hortensien-oder-dill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289008\/","title":{"rendered":"Kunst und \u00d6kologie: Holunder, Hortensien oder Dill"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Fragen der \u00d6kologie erscheinen der Politik wider besseres Wissen derzeit zweitrangig. In der Welt der Kunst steht das Thema weiterhin auf der Agenda. So wundert es nicht, dass der Badische Kunstverein in Karlsruhe sich des Themas annimmt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">\u00dcberraschend ist aber, dass eine speziell f\u00fcr Karlsruhe kuratierte Schau des wiederentdeckten rum\u00e4nischen Avantgardek\u00fcnstlers Stefan Bertalan m\u00f6glich wurde. Ihr Titel \u201eIch habe 130 Tage mit einer Sonnenblume gelebt\u201c sagt alles \u00fcber den K\u00fcnstler. Er bezieht sich auf Arbeiten aus den 1970ern und belegt den Respekt, den Bertalan seinem Gegenstand entgegenbrachte \u2013 ein Ansatz, der heute wieder aufgegriffen wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Hunderte von Zeichnungen und Fotografien zeugen von der universalen Bildung Bertalans, von seinem Interesse an Kybernetik, Bionik und Informatik, Wissenschaftsgebieten, die in den 1960ern neu waren. Der 1930 in Transsilvanien Geborene suchte mit solchen Modellen im Kopf nach \u00fcbergreifenden Mustern und Systemen nat\u00fcrlicher Formen.<\/p>\n<p>      Kandinsky, Klee und Vasarely<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Inspiriert von Wassily Kandinsky, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ausstellung-ueber-Engel-der-Geschichte\/!6088569\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paul Klee<\/a> und Victor Vasarely, konstruierte er kristalline Formen, die sich jedoch nur als Grundlage einer sehr viel umfassenderen Forschungsarbeit und Reflexion erwiesen. Bertalan lehrte zun\u00e4chst an einem Gymnasium in Timi\u0219oara, wo er eine an das Bauhaus angelehnte, interdisziplin\u00e4re Lehrmethode einf\u00fchrte. Seit 1970 wirkte er am Fachbereich Architektur der Universit\u00e4t und wurde zur zentralen Figur der Kunstszene.<\/p>\n<p>Die Ausstellung<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\"><strong>Stefan Bertalan:<\/strong> \u201eIch habe 130 Tage mit einer Sonnenblume gelebt\u201c. Badischer Kunstverein, Karlsruhe, bis 23. November<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Die Naturwissenschaften als Ansatzpunkte der Kunst waren offenbar in der Ceau\u015fescu-Diktatur unverd\u00e4chtig. Lange konnte Bertalan ungehindert seiner k\u00fcnstlerischen Arbeit nachgehen. Er gr\u00fcndete nacheinander zwei K\u00fcnstlergruppen, mit deren Mitgliedern er neue Wege beschritt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Diese Freiheit endete f\u00fcr ihn 1981, nachdem er einen Ausreiseantrag gestellt hatte. Er wurde aus seinen \u00c4mtern entfernt und musste aufs Land ziehen. Die Isolation verst\u00e4rkte seine ohnehin schon intensive Zwiesprache mit der Natur. 1986 emigrierte er nach Deutschland, wo er bis 2012 zur\u00fcckgezogen in \u00d6hringen bei Heilbronn lebte.<\/p>\n<p>      Bleistiftzeichnungen und Fotografien<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Er befasste sich mit den Bl\u00fctenst\u00e4nden des Holunders, von Hortensien oder Dill, den Strukturen von Bl\u00fctenbl\u00e4ttern und von Samenst\u00e4nden. Er begann zu beobachten, wie Pflanzen und Insekten auf ihr Umfeld reagieren. Was er sah, hielt er in Bleistiftzeichnungen und Fotografien fest, die Kunstvereinsleiterin Anja Casser f\u00fcr die Karlsruher Ausstellung zu neuen Serien zusammenstellte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">Die Exponate stammen aus dem Nachlass Bertalans, der von der Galerie Esther Schipper betreut wird, und aus einer M\u00fcnchener Privatsammlung. Anja Casser k\u00e4mmte nahezu das gesamte Werk nach Korrespondenzen durch, die Aufschluss \u00fcber seine Arbeitsweise geben: \u201eWir wollten verstehen, wie Stefan Bertalan sich den Pflanzen forschend und k\u00fcnstlerisch gen\u00e4hert hat, und warum seine Kommunikation mit der Natur auf Augenh\u00f6he bis heute noch aktuell ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">In seinen sp\u00e4ten Zeichnungen haben Kartoffeln, Zwiebeln oder Bl\u00e4tter pl\u00f6tzlich Augen oder Beine. Manche dieser Zeichnungen werden zum Spiegel seiner Befindlichkeit. \u201enur wurzeln bin ich noch\u201c kritzelte er auf ein Blatt, auf dem er mehrere anthropomorphe Figuren skizzierte.<\/p>\n<p>      K\u00fcnstler und Pflanzen verschmelzen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">Die schlanken, sich t\u00e4nzerisch windenden Stauden mit Bl\u00e4tterkleid wirken illustrativ, als suche der K\u00fcnstler nach einem Bild f\u00fcr seine ver\u00e4nderte Identit\u00e4t als <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schau-zu-Ikebana-Kunst-in-Muenchen\/!6076623\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bruder der Pflanzen.<\/a> \u00dcberzeugender gelang Bertalan die Verbildlichung seiner Identifikation mit der Welt der Pflanzen in einer Fotoarbeit, bei der sein Antlitz mit einem bereits gelichteten Fruchtstand einer verbl\u00fchten Sonnenblume verschmilzt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">Die Vorstellung, dass sich Menschen mit Pflanzen identifizieren, erscheint absurd. Und doch gewann <a href=\"https:\/\/taz.de\/Roman-von-Nobelpreistraegerin-Han-Kang\/!6054012\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die koreanische Schriftstellerin Hang Kang<\/a> mit ihrem Roman \u201eDie Vegetarierin\u201c voriges Jahr den Literaturnobelpreis. Er erz\u00e4hlt von einer jungen Frau, die zum Entsetzen ihres Umfelds aufh\u00f6rt Fleisch zu essen und das Bewusstsein einer Pflanze entwickelt. Bertalan h\u00e4tte das Buch gefallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fragen der \u00d6kologie erscheinen der Politik wider besseres Wissen derzeit zweitrangig. 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