{"id":289167,"date":"2025-07-24T02:30:10","date_gmt":"2025-07-24T02:30:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289167\/"},"modified":"2025-07-24T02:30:10","modified_gmt":"2025-07-24T02:30:10","slug":"anstieg-der-todesfaelle-who-warnt-vor-katastrophe-fuer-hungernde-in-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289167\/","title":{"rendered":"Anstieg der Todesf\u00e4lle: WHO warnt vor Katastrophe f\u00fcr Hungernde in Gaza"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Menschen weinen im Gazastreifen vor Hunger. Augenzeugen berichten von Gewalt und Chaos bei der Ausgabe von Hilfsg\u00fctern. Kinder, Schwache und Alte gehen demnach meist leer aus. Israel weist die Schuld daran Hamas und UN zu. Nun schl\u00e4gt die WHO Alarm und verlangt Zugang zu Hungernden.<\/strong><\/p>\n<p>Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt im Gazastreifen vor einer t\u00f6dlichen Hungerkrise. &#8222;Die 2,1 Millionen Menschen, die im Kriegsgebiet Gaza gefangen sind, sehen sich neben Bomben und Kugeln mit einem weiteren Killer konfrontiert: dem Hungertod&#8220;, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. &#8222;Wir erleben t\u00e4glich einen Anstieg der Todesf\u00e4lle aufgrund von Unterern\u00e4hrung.&#8220;<\/p>\n<p>Seit Mitte Juli seien die Zentren \u00fcberf\u00fcllt, die Kinder mit akuter Unterern\u00e4hrung aufnehmen. Sie h\u00e4tten nicht gen\u00fcgend Spezialnahrung, um sie notd\u00fcrftig zu versorgen. Seit Anfang des Jahres seien mindestens 21 Kinder unter f\u00fcnf Jahren durch Mangelern\u00e4hrung gestorben. Diese F\u00e4lle habe die WHO selbst dokumentiert. Nach Angaben des Weltern\u00e4hrungsprogramms (WFP) lebt inzwischen ein Viertel der Bev\u00f6lkerung &#8222;unter hungernot\u00e4hnlichen Bedingungen&#8220;.<\/p>\n<p>Der sechsj\u00e4hrige Adam wache nachts vor Hunger oft weinend auf, sagt seine Mutter Sama Abu Dawud. &#8222;Ich m\u00f6chte nur eines &#8211; meinen Kindern warmes Brot geben&#8220;, sagt die 29-J\u00e4hrige. Ihr 14-j\u00e4hriger Bruder sei vor drei Monaten bereits an den Folgen seines Hungers gestorben. \u00c4rzte h\u00e4tten der Familie gesagt, dass seine Organe wegen Unterern\u00e4hrung versagt h\u00e4tten. Die Angaben der Pal\u00e4stinenserin, die in Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens lebt, k\u00f6nnen nicht unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcft werden. <\/p>\n<p>Ein Mann namens Mohammed Dschudi sagt, er habe seit Beginn des Gaza-Kriegs nach dem Hamas-Massaker im Oktober 2023 rund 30 Kilogramm abgenommen. Fr\u00fcher habe er mal 84 Kilogramm gewogen. Ihm sei nun st\u00e4ndig schwindelig, sagt der Vater von f\u00fcnf Kindern. Seine sechsj\u00e4hrige Tochter verliere wegen der Mangelern\u00e4hrung allm\u00e4hlich ihre Haare. &#8222;Wir sterben still und leise&#8220;, so der 37-J\u00e4hrige, dessen \u00c4u\u00dferungen sich ebenfalls nicht unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcfen lassen.<\/p>\n<p>Nur eine Mahlzeit am Tag <\/p>\n<p>Viele Anwohner des Gazastreifens erz\u00e4hlen, dass sie von nur einer Mahlzeit am Tag lebten. Lebensmittel auf den M\u00e4rkten seien v\u00f6llig \u00fcberteuert. Es gebe dort auch kaum mehr etwas zu kaufen. Die Menschen sind deshalb auf Hilfslieferungen angewiesen, von denen es aus ihrer Sicht viel zu wenige gibt.<\/p>\n<p>Anwohner berichten zudem von Gewalt und Chaos bei der Ausgabe von Hilfspaketen. Wenn Hilfe komme, verbreite sich die Nachricht per Mundpropaganda oder \u00fcber die sozialen Medien. Mohammed Salem sagt, viele Menschen machten sich dann auf den Weg: &#8222;Es k\u00f6nnte das einzige Essen sein, das man in der Woche bekommt.&#8220; Er berichtet, wie einmal M\u00e4nner in der Menge geschubst und ein Junge deshalb zusammengebrochen sei. &#8222;Die Leute sind einfach \u00fcber ihn r\u00fcber gestiegen.&#8220; Was aus dem Jungen geworden sei, wisse Salem nicht. Wer schwach oder alt sei, gehe im Kampf um Hilfsg\u00fcter leer aus, sagt der 41-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Nach Angaben des UN-Menschenrechtsb\u00fcros sind bereits mehr als 1000 Menschen umgekommen, als sie versuchten, an Lebensmittel zu kommen. 766 seien nahe den umstrittenen Verteilzentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) get\u00f6tet worden, andere in der N\u00e4he von Hilfskonvois, die oft von Verzweifelten gest\u00fcrmt werden, sagte Sprecher Thameen Al-Kheetan. <\/p>\n<p>&#8222;Nicht einmal Tiere w\u00fcrden so behandelt&#8220;<\/p>\n<p>Die 28-j\u00e4hrige Hiba al-Chatib berichtet, vor Kurzem habe ihr ein Mann seinen Ellenbogen hart in die Brust gerammt und ihr dann eine Kiste mit Essen gestohlen. Sie sagt, es sei ein Hilfspaket der GHF gewesen. Die Fahrer w\u00fcrden die Pakete einfach hinwerfen und dann wegfahren, niemand sei da, um sie zu verteilen, sagt die junge Frau. Andere Anwohner aus dem Gazastreifen best\u00e4tigen diese Schilderungen. Die Stiftung \u00e4u\u00dferte sich auf Anfrage nicht dazu.<\/p>\n<p>&#8222;Nicht einmal Tiere w\u00fcrden so behandelt werden&#8220;, sagt al-Chatib. In den Kisten bef\u00e4nden sich etwa Reis, Kichererbsen, Milchpulver, \u00d6l und Bohnen aus der Dose. Ein Paket reiche f\u00fcr ihre sechsk\u00f6pfige Familie vier Tage lang, sagt die junge Frau. Ihre Familie koche und esse nur einmal am Tag.<\/p>\n<p>Jeden Tag sterben Menschen aufgrund fehlender humanit\u00e4rer Hilfe, und wir beobachten, wie sich diese Situation von Tag zu Tag versch\u00e4rft&#8220;, sagte Ross Smith, Direktor f\u00fcr Noteins\u00e4tze beim WFP, Anfang der Woche in New York. &#8222;Die Unterern\u00e4hrung nimmt rapide zu&#8220;, teilte die Organisation diese Woche mit. &#8222;90.000 Frauen und Kinder ben\u00f6tigen dringend medizinische Behandlung.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Aushungern ist Kriegsverbrechen&#8220;<\/p>\n<p>In einem gemeinsamen Appell forderten mehr als 100 internationale Hilfsorganisationen Zugang zu den hilfsbed\u00fcrftigen Menschen im Gazastreifen. Vor den Toren Gazas, in Lagerh\u00e4usern &#8211; und sogar im Gazastreifen selbst &#8211; l\u00e4gen Tonnen von Lebensmitteln, sauberem Wasser, medizinischen Hilfsg\u00fctern, Unterk\u00fcnften und Treibstoffen ungenutzt herum, da humanit\u00e4re Organisationen keinen Zugang zu ihnen haben und sie nicht ausliefern k\u00f6nnen, hei\u00dft es in dem Schreiben der Organisationen. &#8222;Das Aushungern von Zivilisten als Kriegsmethode ist ein Kriegsverbrechen.&#8220;<\/p>\n<p>Die &#8222;Times of Israel&#8220; zitierte j\u00fcngst einen ranghohen israelischen Sicherheitsbeamten, wonach das Milit\u00e4r keine &#8222;Hungersnot&#8220; in Gaza festgestellt habe. Er sagte dem Bericht zufolge aber, dass es Ma\u00dfnahmen brauche, um die humanit\u00e4re Lage dort zu stabilisieren.<\/p>\n<p>Im Gazastreifen gebe es zwar Hunger, sagte ein israelischer Regierungssprecher. Daran sei aber nicht Israel Schuld. Die Hamas versuche, die Verteilung von Hilfsg\u00fctern an die Bev\u00f6lkerung zu verhindern und kapere Hilfstransporter und verkaufe sie zu horrenden Preisen an H\u00e4ndler weiter und bezahle davon ihre K\u00e4mpfer. <\/p>\n<p>Israel weist UN Schuld zu<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem sei dem israelischen Regierungssprecher zufolge, dass die UN Lastwagen, die bereits im Gazastreifen seien, nicht abholten und zu den Menschen br\u00e4chten. Die UN weisen dies zur\u00fcck. Vielmehr erhielten sie selten Erlaubnis zur Einreise von Hilfstransportern. <\/p>\n<p>Von Mitte Mai bis Mitte Juli seien mehr als 1600 Lastwagen mit UN-Hilfsg\u00fctern genehmigt worden und h\u00e4tten verteilt werden k\u00f6nnen. Das seien nicht einmal 30 Lastwagen pro Tag. Um die grundlegendsten Bed\u00fcrfnisse zu decken, sind laut dem UN-Nothilfeb\u00fcro (OCHA) aber mehr als 600 bis 650 pro Tag n\u00f6tig. Ein israelischer Regierungssprecher sagte, zwischen dem 19. und 22. Juli seien mehr als 4400 Lastwagen mit Hilfsg\u00fctern in den Gazastreifen gefahren.<\/p>\n<p>Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbeh\u00f6rde im Gazastreifen meldete, in den vergangenen 24 Stunden seien zehn Menschen an den Folgen von Hunger gestorben. Insgesamt seien deshalb bereits 111 Pal\u00e4stinenser ums Leben gekommen. Die Angaben lassen sich nicht unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcfen. <\/p>\n<p>Schwierige Einordnung der Lage<\/p>\n<p>F\u00fcr die Erkl\u00e4rung einer Hungersnot haben die Vereinten Nationen feste Richtlinien. Sie wird erkl\u00e4rt, wenn mindestens zwei von 10.000 Menschen t\u00e4glich durch Nahrungsmangel sterben, wenn mindestens 20 Prozent der Haushalte extremen Nahrungsmangel haben und wenn mindestens 30 Prozent der Kinder an akuter Unterern\u00e4hrung leiden. Im Gazastreifen ist angesichts der anhaltenden israelischen Angriffe und der st\u00e4ndigen Vertreibungen der Bev\u00f6lkerung allein die Pr\u00fcfung dieser Kriterien schwierig, so die UN.<\/p>\n<p>In Israels K\u00fcstenmetropole Tel Aviv protestierten am Dienstagabend laut der &#8222;Times of Israel&#8220; Tausende bei einem Marsch durch die Stadt gegen den Gaza-Krieg. Demonstranten h\u00e4tten dabei auch Fotos von Kindern aus dem Gazastreifen, die an den Folgen von Hunger gestorben sein sollen, gezeigt. Die Teilnehmer des Marschs trugen demnach auch Mehls\u00e4cke, um auf die Not im Gazastreifen aufmerksam zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Menschen weinen im Gazastreifen vor Hunger. 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