{"id":289267,"date":"2025-07-24T03:27:10","date_gmt":"2025-07-24T03:27:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289267\/"},"modified":"2025-07-24T03:27:10","modified_gmt":"2025-07-24T03:27:10","slug":"koeln-andere-eltern-im-zdf-wenn-paedagogik-zu-profilneurose-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289267\/","title":{"rendered":"K\u00f6ln | \u00abAndere Eltern\u00bb im ZDF: Wenn P\u00e4dagogik zu Profilneurose wird"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">K\u00f6ln (dpa) &#8211; Es gibt Ereignisse im Leben, \u00fcber die man mehr h\u00f6rt und liest, als man je erleben m\u00f6chte. Ein Elternabend geh\u00f6rt dazu. Kaum ein schulischer Termin ist so umrankt von kolportierten Schauergeschichten \u00fcber Eltern, die einen informativen Austausch \u00fcber den Wandertag mal eben zu einer Grundsatzdiskussion \u00fcber die richtige Weltanschauung hocheskalieren.<\/p>\n<p>Im Film \u00abAndere Eltern &#8211; Die 1. Klasse\u00bb, der am Donnerstag um 20.15 Uhr (24. Juli, 20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist, wird dieses Grauen potenziert, denn dort ist sozusagen immer Elternabend. Die Kom\u00f6die erz\u00e4hlt von einer Clique Gro\u00dfstadt-Eltern, die sich in eine schlingernde Grundschule mehr oder weniger einkaufen: im Gegenzug f\u00fcr eine gro\u00dfz\u00fcgige Geldspende d\u00fcrfen sie ganzj\u00e4hrig und ganz direkt bei Didaktik, Stundenplan und Theater-AG mitreden. Kurzerhand unterrichten sie selbst &#8211; trotz fehlender p\u00e4dagogischer Ausbildung.<\/p>\n<p>Veronica Ferres als genervte Direktorin<\/p>\n<p>Dass das tendenziell keine gute Idee ist, liegt nahe. Auch Schauspiel-Star Veronica Ferres (60, \u00abDas Superweib\u00bb) sieht das so &#8211; sie spielt in der Kom\u00f6die die entnervte Schuldirektorin. \u00abIch glaube, als Eltern ist man zu emotional involviert, um objektiv und entspannt zu unterrichten\u00bb, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. \u00abIch bewundere jede Mutter und jeden Vater, die das im Homeschooling durchgezogen haben!\u00bb<\/p>\n<p>Der Stoff ist interessant, die Entstehungsgeschichte der Kom\u00f6die aber auch. Manch einer wird sich wom\u00f6glich an zwei hochgelobte Staffeln der Serie \u00abAndere Eltern\u00bb des Senders TNT Comedy (heute: Warner TV Comedy) erinnern, die im Free-TV bei ZDFneo liefen. Schon darin wurde das Milieu der sogenannten Helikopter-Eltern ausgeleuchtet, die sich anma\u00dfen, alles besser zu wissen als p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte. Zun\u00e4chst ging es um eine Kita. Der Film kn\u00fcpft an diese Erz\u00e4hlung an. Nun ist die Schule dran.<\/p>\n<p>Zudem arbeiteten die Schauspieler in \u00abAndere Eltern &#8211; Die 1. Klasse\u00bb ohne Drehbuch. Sie improvisierten. Das passt zum Stil des Films, der als sogenannte Mockumentary angelegt ist: Doku-Optik, erfundener Inhalt.<\/p>\n<p>\u00abEs war ein bisschen wie Theater ? nur mit Kamera\u00bb, sagt Veronica Ferres. \u00abWir kannten die groben Szenenideen, aber es gab keine festgelegten Dialoge. Man kommt ans Set, bekommt die Situation erkl\u00e4rt ? und dann geht?s los.\u00bb Vorbereiten k\u00f6nne man sich auf diesen Job nur bedingt.<\/p>\n<p>Gendern als Erziehungsauftrag<\/p>\n<p>Umso erstaunlicher ist, wie gut Regisseur Lutz Heineking jr. und das Ensemble die Befindlichkeiten, Sprachcodes und Missverst\u00e4ndnisse der Eltern-Szene treffen, die sie zeigen wollen. Gleich zu Beginn sagt Vater Jannos (Jasin Challah) zum Beispiel zwei S\u00e4tze, die man exakt so auf gro\u00dfst\u00e4dtischen Spielpl\u00e4tzen viele Male geh\u00f6rt hat. Der erste lautet: \u00abIn erster Linie haben wir uns sehr, sehr viele Schulen angeschaut.\u00bb Der zweite: \u00abWir haben unsere Wunschschulen nicht bekommen.\u00bb<\/p>\n<p>Gezeigt werden Eltern, die ihre eigene Sinnsuche auf die Schullaufbahn ihrer Kinder projizieren. Ern\u00e4hrung, Klima, Achtsamkeit &#8211; alles wird irgendwie mit in die Schule gebracht. Vater Jannos erkl\u00e4rt etwa, dass seine Aufgabe haupts\u00e4chlich darin bestehe, den Kindern das Gendern beizubringen: \u00abGendern steht im Vordergrund.\u00bb Krampfhaft ist er bem\u00fcht, der vielfach eingeforderte moderne Mann zu sein &#8211; wirkt dabei aber massiv verunsichert.\u00a0<\/p>\n<p>Als Gegenpol gibt es einen altgedienten Lehrer mit dem Namen Walter Kleefisch, stilecht im speckigen Leder-Sakko. Gespielt wird er von Henning Krautmacher, der einst S\u00e4nger der Band \u00abH\u00f6hner\u00bb war &#8211; einer Institution im K\u00f6lner Karneval. Schon dadurch strahlt die Figur eine gewisse Resistenz gegen neumodischen Schnickschnack aus.<\/p>\n<p>Satire mit Ortskenntnis<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise wird all das sehr organisch, lustig und nicht effekthascherisch erz\u00e4hlt. Der Film hat nichts von einem Comedy-Programm, das die vermeintlich unverbesserlichen Lastenrad-Fahrer aus den Gro\u00dfst\u00e4dten verh\u00f6hnt &#8211; die gibt es ja auch. Er geht stattdessen liebevoll mit seinen Figuren um, auch wenn er sie scheitern l\u00e4sst. Nur der Handlungsh\u00f6hepunkt rund um gestohlenes Pferdesperma vergaloppiert sich etwas.<\/p>\n<p>Wie detailverliebt gearbeitet wurde, l\u00e4sst sich schon daran erkennen, dass die Macher die Schaupl\u00e4tze sehr genau zu kennen scheinen. Die Kom\u00f6die spielt im K\u00f6lner Stadtteil Nippes, dem \u00abEldorado der Helikopter-Eltern\u00bb, wie es hei\u00dft. Ganz am Ende fragt Vater Jannos: \u00abWollen wir den neuen Ramen-Laden auf der Neusser ausprobieren?\u00bb. Auf der Neusser Stra\u00dfe in K\u00f6ln-Nippes haben zuletzt tats\u00e4chlich mehrere L\u00e4den f\u00fcr japanische Nudelsuppen aufgemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00f6ln (dpa) &#8211; Es gibt Ereignisse im Leben, \u00fcber die man mehr h\u00f6rt und liest, als man je&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":289268,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[29,441,30,1420,2549,62,1209,966,6406,84605],"class_list":{"0":"post-289267","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-deutschland","9":"tag-fernsehen","10":"tag-germany","11":"tag-koeln","12":"tag-leute","13":"tag-medien","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-schule","16":"tag-tv-ausblick","17":"tag-zum-24-juli"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114906087001503189","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289267","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=289267"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289267\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/289268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=289267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=289267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=289267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}