{"id":289303,"date":"2025-07-24T03:52:20","date_gmt":"2025-07-24T03:52:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289303\/"},"modified":"2025-07-24T03:52:20","modified_gmt":"2025-07-24T03:52:20","slug":"traditionsbruch-moto-guzzi-baut-einstiegsmodell-produkte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289303\/","title":{"rendered":"Traditionsbruch: Moto Guzzi baut Einstiegsmodell \/ Produkte"},"content":{"rendered":"<p>\n        Moto Guzzi plant einen drastischen Schritt, um sein Modellangebot nach unten auszuweiten: Auf Basis eines Aprilia-Reihentwins entsteht ein Bike, das neue Kunden erobern und die Verkaufszahlen in neue Sph\u00e4ren heben soll.\n    <\/p>\n<p>Wir schreiben den Sp\u00e4tsommer 2023: Aprilia hat gerade die RS457 pr\u00e4sentiert. Ihr Reihenzweizylinder mit 457 Kubikzentimetern Hubraum basiert im Wesentlichen auf dem Antrieb der Aprilia RS 660 und geht damit, vereinfacht gesprochen, auf die hintere Zylinderbank einer Aprilia RSV4 zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sentation der RS 457 war der Auftakt zur Entwicklung einer ganzen Modellfamilie, denn ihr Motor bildet seither nicht nur die Basis f\u00fcr das A2-konforme Sportbike. Ende 2024 wurde zudem die Naked-Bike-Schwester Tuono 457 vorgestellt \u2013 und innerhalb des kommenden Jahres wird auf dieser Plattform auch ein Adventure-Bike folgen, die Tuareg 457. Allen drei Modellen gemein ist, dass sie bei Aprilia in Indien gefertigt werden.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug, denn in absehbarer Zeit folgt ein weiteres Modell auf dieser Plattform und das d\u00fcrfte f\u00fcr den Hersteller einer Sensation gleichen: Denn, in adaptierter Form, wird auch Moto Guzzi den Motor \u00fcbernehmen. Moto Guzzi und Aprilia geh\u00f6ren gemeinsam zur Piaggio-Gruppe und teilen sich eine Entwicklungsabteilung, die Wege f\u00fcr den Technologietransfer sind kurz. Damit wird Moto Guzzi erstmals einen Reihentwin zum Verkauf anbieten. Zwar gab es in den 1930ern schon Reihenmotoren bei den Italienern, doch diese waren nur f\u00fcr Motorsportmodelle gedacht und wurden normalen Kunden vorenthalten.<\/p>\n<p>Seither war die Marke aus Mandello del Lario vor allem f\u00fcr quer installierte, luftgek\u00fchlte V2-Motoren bekannt und wurde so stark damit in Verbindung gebracht, dass bereits die Einf\u00fchrung des wassergek\u00fchlten Antriebs in der V100 Mandello und der neuen Stelvio ein gro\u00dfer Sprung war. Auch dies war ein Grund, weshalb die ersten Sichtungen eines Guzzi-Reihentwin-Prototypen von zahlreichen Fachleuten zun\u00e4chst Aprilia zugeschrieben wurde. Auch der Autor dieser Zeilen hielt es seinerzeit f\u00fcr wahrscheinlicher, dass es sich um einen fr\u00fchen und gut verfremdeten Prototyp eines Aprilia-Einsteigertwins handelt, als um eine Moto Guzzi. Zu abwegig schien der Gedanke eines vom aggressiven Aprilia V4 abgeleiteten Guzzi-Reihentwins.<\/p>\n<p>Doch die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Inzwischen hat Aprilia die Tuono 457 eingef\u00fchrt, die mit ihrem Alu-Br\u00fcckenrahmen ein weiteres Modell in diesem Segment f\u00fcr die Venetier \u00fcberfl\u00fcssig macht. Obendrein entwickelt sich auch der Motorradmarkt selbst immer weiter. Die Verkaufszahlen nahezu aller westlichen, klassischen Motorradm\u00e4rkte schrumpfen, damit bekommt der asiatische Markt mit seinen zahlreichen Kunden f\u00fcr alle Hersteller mehr Gewicht.<\/p>\n<p>Und wer auf diesen M\u00e4rkten etwas auf sich h\u00e4lt, kommt mittelfristig an kleinen Reihenzweizylindern nicht vorbei. BMW hat sogar darauf verzichtet, f\u00fcr die bei TVS in Indien produzierte G310-Baureihe Nachfolgemodelle zu entwickeln und setzt anstatt auf deren Einzylinder k\u00fcnftig auf, Sie ahnen es, einen neu entwickelten Reihentwin mit knapp 450 Kubik. Diesen l\u00e4sst BMW abermals bei Kooperationspartner TVS fertigen. Und wie die Bayern, d\u00fcrfte Moto Guzzi f\u00fcr seinen Angriff im gleichen Segment auf seinen Partner vor Ort setzen: Konzernmutter Piaggio.<\/p>\n<p>Die Italiener betreiben eigene Produktionsanlagen im indischen Baramati. Dort laufen die Aprilia 457-Modelle vom Band und sichern so den kosteng\u00fcnstigen Zugang zum indischen Markt \u2013 zudem wird von dort aus der wichtige chinesische Markt beliefert. Diese beiden M\u00e4rkte d\u00fcrften die wichtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr die Entstehung der kleinen Guzzi sein, denn allein der indische und der chinesische Zweirad-Markt machen gemeinsam rund 80 Prozent des Weltmarktes aus. Jeder westliche Hersteller versucht Teile dieses Marktpotenzials f\u00fcr sich zu gewinnen. Und in Zeiten, in denen die restlichen M\u00e4rkte schrumpfen, ist es f\u00fcr hiesige Hersteller im Zweifel \u00fcberlebenswichtig, Modelle f\u00fcr und in Asien zu fertigen, die gleichzeitig auf dem Weltmarkt verkauft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>KTM hat diesen Weg vor 18 Jahren begonnen und l\u00e4sst seit jeher seine Einsteigerbaureihen in Pune bei Bajaj fertigen. Seit 2023 laufen auch Triumphs 400er-Modelle im gleichen Werk vom Band. BMW kooperiert seit 2013 mit TVS \u2013 die Inder produzieren f\u00fcr die Bayern seitdem alle Modelle unter 500 ccm und den Nahverkehrs-Scooter CE-02. Triumph und Ducati sichern sich zudem Zugang zum asiatischen Markt \u00fcber ihre Werke in Thailand, die f\u00fcr die Marken gleichzeitig zu wichtigen Teilen Kunden in aller Welt beliefern.<\/p>\n<p>Moto Guzzi d\u00fcrfte diesem Beispiel nun folgen. F\u00fcr die mit zuletzt rund 15.000 verkauften Einheiten vergleichsweise kleine Marke, w\u00e4re dies ein Schritt zu mehr Unabh\u00e4ngigkeit von seinen traditionellen M\u00e4rkten. Gleichzeitig sind daf\u00fcr andere Modelle vonn\u00f6ten als die aufw\u00e4ndig gefertigten Motorr\u00e4der, die Moto Guzzi seit jeher verkauft. Der asiatische Markt ist preissensibel und auch der Verkehr vor Ort hat andere Anforderungen. Gleichzeitig wird der Hubraumbereich zwischen 350 und 500 Kubik in westlichen M\u00e4rkten in allen Kundenschichten wichtiger. Der traditionelle, l\u00e4ngs eingebaute Guzzi-V2 ist f\u00fcr dieses Segment zu aufw\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Den Reihenzweizylinder von Konzernschwester Aprilia auf die eigenen Bed\u00fcrfnisse anzupassen ist die logische Folge, denn eine Eigenentwicklung w\u00e4re zu teuer. Doch nicht nur der Antrieb wird von Moto Guzzi \u00fcberarbeitet, auch das Chassis wird neu entwickelt. Der von uns gesichtete Prototyp hat, mit Ausnahme des Motors, nur wenig mit der inzwischen k\u00e4uflichen Schwester, der Tuono 457 gemeinsam. Es handelt sich zwar auch um ein Naked Bike, jedoch mit bequemer Sitzposition und komfortablerer Auslegung als die Aprilia. R\u00e4der und Bremsanlage sind der Schwester entnommen, doch da enden die Gemeinsamkeiten. Der Alu-Br\u00fcckenrahmen der Venetierin wird durch eine Stahlrohrkonstruktion ersetzt, an die ein entsprechender Heckrahmen verschraubt wird. Aus Stahl ist, wie bei der Aprilia, auch die Schwinge. Anders als bei dieser kommt an der Moto Guzzi jedoch ein au\u00dfenliegendes Federbein zum Einsatz, auch hier also eine Neukonstruktion. Neu ist auch die Vorderradgabel. Tankform und Lampeneinheiten vorn wie hinten an dem fr\u00fchen Prototyp haben klare Guzzi-Anleihen, die Gestaltung ist in einem so fr\u00fchen Entwicklungsstadium jedoch in aller Regel nicht final. Die Technik l\u00e4sst mehr R\u00fcckschl\u00fcsse auf die des fertigen Motorrads zu, denn die soll an diesen fr\u00fchen Erprobungstr\u00e4gern schlie\u00dflich verfeinert werden.<\/p>\n<p>Verfeinert werden muss, um trotz der f\u00fcr die Marke untypischen Technik als Moto Guzzi anerkannt zu werden, auch der Auftritt. Und der wird bei den Italienern zu einem wichtigen Teil auch durch den Sound bestimmt. Dies ist auch den Entwicklern der Marke vom Comer See bewusst, und so wird sich der Sound stark von dem der Aprilia-Schwester unterscheiden. Ziel ist ein sonorerer Klang gegen\u00fcber dem eher hochfrequenten Sound der Tuono 457 \u2013 wie dieser jedoch erreicht wird, ist noch unklar. Modifikationen an der Auspuffanlage sind wahrscheinlich \u2013 innermotorische \u00dcberarbeitungen d\u00fcrften diese erg\u00e4nzen. Ein leicht ver\u00e4nderter Kr\u00fcmmer-Verlauf und ein gr\u00f6\u00dferer K\u00fchler am Guzzi-Prototypen gegen\u00fcber dem Modell aus Noale unterst\u00fctzen diese These.<\/p>\n<p>Als Referenz dient f\u00fcr die Ingenieure die Benelli Leoncino 500 \u2013 ein Naked Bike mit Charme, das im deutschen Sprachraum noch wenig beachtet wird. Wie die Moto Guzzi, wird sie in Asien produziert: bei Konzernmutter QJ Motor. Wie die Moto Guzzi wurde sie jedoch in Italien konstruiert. Um die Aprilia-Schwester zu einem Erfolg werden zu lassen, wird Guzzi in jedem Fall das typische Flair der Marke mit dem Adler in das f\u00fcr die Italiener neue Segment \u00fcbertragen m\u00fcssen. Die Entwicklungsingenieure der Marke aus Mandello del Lario haben in der Vergangenheit regelm\u00e4\u00dfig bewiesen, dass sie dazu in der Lage sind. Gleichwohl ist die Herausforderung bei diesem Modell eine besonders Gro\u00dfe.<\/p>\n<p>Bleibt noch die Bezeichnung: Verschiedene Medien haben in der Vergangenheit berichtet, Moto Guzzi habe sich die weitere Nutzung des Namen \u00abEldorado\u00bb gesichert, m\u00f6glicherweise f\u00fcr das hier gezeigte Modell. Aus heutiger Sicht wirkt dies unwahrscheinlich, schlie\u00dflich war die Eldorado zu jedem Zeitpunkt ihrer Bauzeit am oberen Ende der Modellpalette angesiedelt. Als zuletzt knapp 330kg schwerer Cruiser mit 1,4 Litern Hubraum war sie das genaue Gegenteil des k\u00fcnftigen Einstiegsmodells. Doch die Historie der Italiener ist voll von passenden Namen. Ein Beispiel: Die \u00abAirone\u00bb. Sie war nach dem zweiten Weltkrieg die erste Guzzi, die in gro\u00dfen St\u00fcckzahlen produziert wurde und so zahlreiche neue Menschen auf einem Motorrad mobil gemacht hat. Nach der, h\u00f6chst subjektiven, Meinung des Autors w\u00e4re dies ein passender Name. Schlie\u00dflich soll die kleine Moto Guzzi die gleichen Ziele verfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Moto Guzzi plant einen drastischen Schritt, um sein Modellangebot nach unten auszuweiten: Auf Basis eines Aprilia-Reihentwins entsteht ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":289304,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,30,171,174,12760,173,172],"class_list":{"0":"post-289303","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-business","9":"tag-companies","10":"tag-companies-markets","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-markets","14":"tag-maerkte","15":"tag-prdoukte","16":"tag-unternehmen","17":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114906185433558214","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=289303"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289303\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/289304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=289303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=289303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=289303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}