{"id":289352,"date":"2025-07-24T04:22:14","date_gmt":"2025-07-24T04:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289352\/"},"modified":"2025-07-24T04:22:14","modified_gmt":"2025-07-24T04:22:14","slug":"china-europaeer-im-wuergegriff-wo-peking-sein-selbstbewusstsein-spielen-laesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289352\/","title":{"rendered":"China: \u201eEurop\u00e4er im W\u00fcrgegriff\u201c \u2013 Wo Peking sein Selbstbewusstsein spielen l\u00e4sst"},"content":{"rendered":"<p>Vor dem EU-China-Gipfel ist die Stimmung angespannt. Peking hat gute Gr\u00fcnde, Moskau im Ukraine-Krieg zu unterst\u00fctzen \u2013 Europa ist das ein Dorn im Auge. Ursula von der Leyen plant eine Zoll-\u00dcberraschung. Doch ein Erfolg ist alles andere als sicher.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Eigentlich sollte der EU-China-Gipfel in Br\u00fcssel stattfinden und zwei Tage dauern. Immerhin gibt es 50 Jahre diplomatischer Beziehungen zu feiern. Doch nun trifft man sich in Peking. Chinas Staatspr\u00e4sident Xi Jinping wollte nicht nach Europa kommen.  <\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde der Ablauf stark zusammengek\u00fcrzt. Es wird ein zweist\u00fcndiges Dinner geben, ein Treffen von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Ratspr\u00e4sident Antonio Costa mit Xi Jinping und dann noch eine schnelle Zusammenkunft mit Regierungschef Li Qiang. Der zweite Besuchstag wurde gestrichen. Man konnte sich auf kein gemeinsames Programm einigen.<\/p>\n<p>Die schwierigen Planungen f\u00fcr das Gipfeltreffen sind symptomatisch f\u00fcr das aktuelle Verh\u00e4ltnis: Chinas Beziehungen zur EU sind seit 2021 stark belastet. Damals verh\u00e4ngte Br\u00fcssel Sanktionen gegen Pekinger Funktion\u00e4re wegen Menschenrechtsverletzungen in der mehrheitlich von Uiguren bewohnten Provinz Xinjiang. China antwortete mit Vergeltungssanktionen. <\/p>\n<p>Seither h\u00e4ufen sich Handelskonflikte. Beide Seiten wissen zwar, dass sie sich als Handelspartner brauchen. Aber das ist kaum mehr als ein Minimalkonsens. <\/p>\n<p>\u201eDie EU wird weder als nat\u00fcrlicher noch als priorit\u00e4rer Partner gesehen, auch wenn sie ein sehr wichtiger Markt f\u00fcr China bleibt\u201c, schreibt <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.iss.europa.eu\/about-us\/author\/alice-ekman\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.iss.europa.eu\/about-us\/author\/alice-ekman&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Alice Ekman, Forschungsdirektorin beim EU Institute for Security Studies (EUISS)<\/a>. Vielmehr versuche Peking inzwischen, Allianzen mit starken Partnern im sogenannten Globalen S\u00fcden zu schmieden \u2013 als Gegengewicht zu Washington. <\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr die EU wird es ein Balanceakt sein, nicht zum Spielball der strategischen Rivalit\u00e4t zwischen den USA und China zu werden\u201c, sagt Gunnar Wiegand. Er war viele Jahre der verantwortliche EU-Spitzenbeamte f\u00fcr die Beziehungen zu China und Asien, heute ist er Gastwissenschaftler beim German Marshall Fund (GMF). Zu Beginn des Jahres hoffte Peking noch, die EU w\u00fcrde nach Amtsantritt von US-Pr\u00e4sident Donald Trump n\u00e4her an Peking heranr\u00fccken. \u201eDiese Hoffnung hat sich als Illusion erwiesen und wurde nicht erf\u00fcllt\u201c, sagt Wiegand.  <\/p>\n<p>Seltene Erden als starker Hebel<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article255969682\/China-vs-USA-Der-Streit-der-Supermaechte-koennte-noch-schlimm-entgleiten.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article255969682\/China-vs-USA-Der-Streit-der-Supermaechte-koennte-noch-schlimm-entgleiten.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Spannungen haben sich zuletzt sogar noch versch\u00e4rft.<\/a> Erst am Montag kritisierte das chinesische Handelsministerium die neuen EU-Sanktionen gegen Russland und ihre angeblich \u201enegativen Auswirkungen\u201c f\u00fcr Peking. Br\u00fcssel hatte erstmals zwei chinesische Banken sanktioniert. Dies st\u00fcnde \u201eim Gegensatz zu den Vereinbarungen, die zwischen den Anf\u00fchrern Chinas und der EU getroffen wurden\u201c, sagte ein Sprecher.  <\/p>\n<p>Der Ton war schon vorher scharf: Erst vor wenigen Wochen hatte von der Leyen China beim G-7-Gipfel in Kanada ein \u201eMuster von Dominanz, Abh\u00e4ngigkeit und Erpressung\u201c vorgeworfen. Die Sprecherin des chinesischen Au\u00dfenministeriums, entgegnete k\u00fchl, die \u201eMentalit\u00e4t der EU\u201c m\u00fcsse \u201ewieder ins Gleichgewicht gebracht werden\u201c. <\/p>\n<p>Drei Streitpunkte stehen im Vordergrund. <b>Erstens<\/b> die Export\u00fcbersch\u00fcsse Chinas im Handel mit der EU, die sich im vergangenen Jahr auf mehr als 300 Milliarden Euro beliefen. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256071712\/China-setzt-seine-Seltenen-Erden-als-Waffe-ein-und-Bayern-triff-es-hart.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256071712\/China-setzt-seine-Seltenen-Erden-als-Waffe-ein-und-Bayern-triff-es-hart.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Zweitens<\/b> die strengen Ausfuhrkontrollen f\u00fcr Seltene Erden<\/a>, die zu 70 Prozent in China abgebaut und zu 91 Prozent dort raffiniert werden. Die komplizierte Exportlizenzierung hat dazu gef\u00fchrt, dass die Ausfuhr Seltener Erden in die USA und die EU alleine im Mai um 80 Prozent zur\u00fcckgegangen ist. <\/p>\n<p><b>Drittens<\/b> die Z\u00f6lle der EU auf chinesische Elektroautos von bis zu 35 Prozent. In Peking werden diese Strafz\u00f6lle als europ\u00e4isches Einknicken vor Washington gewertet. Die chinesische F\u00fchrung will verhindern, dass sich die EU noch st\u00e4rker an der harten Linie der USA orientiert und beim anstehenden Gipfel erreichen, dass Europa die Z\u00f6lle aufhebt. Peking k\u00f6nnte Br\u00fcssel daf\u00fcr beim Handel mit Seltenen Erden und mit einem erleichterten Marktzugang entgegenkommen.<\/p>\n<p>Nach WELT-Informationen plant von der Leyen eine \u00dcberraschung. Auch auf Druck Berlins verhandelt die EU-Kommission schon seit Wochen dar\u00fcber, die in Peking verhassten Z\u00f6lle wieder aufzuheben, falls chinesische Unternehmen gleichzeitig zu sogenannten Preisverpflichtungen (\u201eprice undertakings\u201c) bereit sind. <\/p>\n<p>Im Klartext: <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article250483796\/China-plant-die-Europa-Offensive-und-die-ersten-Verlierer-stehen-schon-fest.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article250483796\/China-plant-die-Europa-Offensive-und-die-ersten-Verlierer-stehen-schon-fest.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Hersteller von Elektroautos in China w\u00fcrden in diesem Fall die Preise ihrer Autos freiwillig anheben<\/a>. F\u00fcr die europ\u00e4ischen Verbraucher w\u00fcrde sich nichts \u00e4ndern, aber die zus\u00e4tzlichen Einnahmen fl\u00f6ssen nicht mehr wie bisher an die Zollbeh\u00f6rden der EU, sondern an chinesische Unternehmen. Ob alle 27 EU-L\u00e4nder mitmachen w\u00fcrden, ist offen. Was China angeht, sind die Mitgliedstaaten gespalten.  <\/p>\n<p>China will eine russische Niederlage verhindern<\/p>\n<p>Bei dem Gipfel wird es nicht nur um Wirtschaft, sondern auch um Au\u00dfenpolitik gehen. Neben Taiwan, dem Iran und der Lage in Nahost steht insbesondere die Ukraine im Fokus. Die EU will erreichen, dass China kein \u00d6l mehr in Russland kauft. Au\u00dferdem soll die Volksrepublik keine Bauteile mehr aus Europa beziehen, die dann zur Waffenproduktion nach Russland weitergeleitet werden. <\/p>\n<p>China-Experte Wiegand sagt dazu: \u201eDiese Hoffnungen werden sich nicht erf\u00fcllen. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256044490\/Handelskonflikt-China-braucht-keine-Gespraeche-mit-den-USA-Peking-laesst-Trump-im-Zollstreit-auflaufen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256044490\/Handelskonflikt-China-braucht-keine-Gespraeche-mit-den-USA-Peking-laesst-Trump-im-Zollstreit-auflaufen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">China l\u00e4sst sich nichts vorschreiben.<\/a> Zudem hat China im Rahmen seiner globalen Ambitionen ein strategisches Interesse daran, dass Russland der engste Partner bleibt.\u201c<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich hatte Au\u00dfenminister Wang Yi in Br\u00fcssel Aufsehen ausgel\u00f6st, als er gegen\u00fcber der EU-Au\u00dfenbeauftragten Kaja Kallas anklingen lie\u00df, dass China eine Niederlage Russlands im Ukraine-Krieg verhindern wolle \u2013 aus Sorge, dass die USA  sich dann vollst\u00e4ndig auf China konzentrieren k\u00f6nnten. Diese ungew\u00f6hnlich offene Einlassung steht im Widerspruch zu Pekings \u00f6ffentlicher Selbstinszenierung als neutraler Vermittler. <\/p>\n<p>\u201eDass China jetzt so deutlich seine Solidarit\u00e4t mit Russland ausdr\u00fcckt, ist auch eine Reaktion auf Donald Trumps j\u00fcngstes Telefongespr\u00e4ch mit Putin\u201c, sagt Abiga\u00ebl Vasselier, die beim Berliner China-Thinktank Merics das au\u00dfenpolitische Beobachtungsprogramm leitet. \u201eTrump versucht so etwas wie einen umgekehrten Kissinger-Moment \u2013 also einen Keil zwischen Moskau und Peking zu treiben, indem er sich Russland ann\u00e4hert, \u00e4hnlich wie Kissinger die UdSSR schw\u00e4chen wollte, als er offizielle Beziehungen zu China aufnahm.\u201c  <\/p>\n<p>Dieser Strategie m\u00f6chte China zuvorkommen, indem es sein B\u00fcndnis zu Russland st\u00e4rkt. Das Ringen mit den USA ist aus Pekings Sicht auch der Kontext, in den sich das Verh\u00e4ltnis zu Europa einordnet.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr die chinesische F\u00fchrung ist Europa ein Hebel, aber auch ein Puffer im Verh\u00e4ltnis zu Washington\u201c, sagt Vasselier. Wenn die USA sich wirtschaftlich von China abkoppeln w\u00fcrden, w\u00e4re Europa ein wirtschaftlicher und technologischer Alternativpartner. Theoretisch k\u00f6nne Peking gegen\u00fcber Washington auch mit einer Hinwendung nach Europa drohen. Doch davon sei derzeit nichts zu sehen. \u201eUm sich Europa zuzuwenden, m\u00fcsste China Europa gegen\u00fcber gro\u00dfe Zugest\u00e4ndnisse machen. Das h\u00e4lt man in Peking derzeit nicht f\u00fcr n\u00f6tig. Man glaubt, dass man die Europ\u00e4er ohnehin schon im W\u00fcrgegriff hat.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor dem EU-China-Gipfel ist die Stimmung angespannt. 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