{"id":289405,"date":"2025-07-24T04:52:09","date_gmt":"2025-07-24T04:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289405\/"},"modified":"2025-07-24T04:52:09","modified_gmt":"2025-07-24T04:52:09","slug":"ns-terror-in-muenchen-abschiedsbriefe-aus-der-todeszelle-in-stadelheim-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289405\/","title":{"rendered":"NS-Terror in M\u00fcnchen: Abschiedsbriefe aus der Todeszelle in Stadelheim &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Sie schrieben kurz vor ihrer Hinrichtung in der M\u00fcnchner Haftanstalt Stadelheim letzte Worte an M\u00fctter, Ehepartner oder Kinder\u00a0\u2013 doch die Briefe wurden oft nicht zugestellt. Mehr als 50 Abschiedsbriefe solcher von im NS-Regime zum Tode verurteilten Menschen werden im Staatsarchiv <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> aufbewahrt. Mit einem europaweiten Suchprojekt wollen die Staatlichen Archive Bayerns und die Arolsen Archives nun Hinterbliebene ausfindig machen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">\u201eLiebe Tante und Taufpatin! Ich schreibe Euch einen letzten Brief, denn heute am 2.11.42 um 5 Uhr nachmittags geht mein Leben zu Ende\u201c, beginnt etwa ein Schreiben des Inhaftierten Jan Stephinak. \u201eWie Ihr wisst, gehe ich unschuldig in den Tod, weil die Strafen f\u00fcr Polen so sind.\u201c Nur wenige Minuten sp\u00e4ter war der 19-J\u00e4hrige der Akte zufolge tot.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Zugestellt wurde der Brief nie \u2013\u00a0denn er liegt bis heute einer von 844 Hinrichtungsakten bei, die die Grausamkeit der NS-Diktatur dokumentieren und die Interessierte im Staatsarchiv einsehen k\u00f6nnen. Bei einem Pressegespr\u00e4ch am Mittwoch wurden einige dieser Briefe gezeigt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Johannes Fleischmann aus F\u00fcrth schrieb im November 1941 an seine Mutter: \u201eWen das Urteil vollstrekt wird, so kann ich mit ruhigem Gewissen sagen. Ich bin der angebliche Dieb, Aber das Gericht sind die M\u00f6rder.\u201c Zwei Franzosen namens Ren\u00e9 Blondel und Victor Douillet richteten einen Abschiedsbrief nicht an Angeh\u00f6rige, sondern an den Gef\u00e4ngnisdirektor \u2013\u00a0ob sie \u201eHerr Diktator\u201c oder \u201eHerr Direktor\u201c in ihrer Anrede schrieben, ist &#8211; wohl mit Absicht &#8211; nicht klar lesbar. Unter anderem folgten diese Worte: \u201esie k\u00f6nnen diesen Brief an Hitler schicken und ihm sagen: alle franzosen schei\u00dfen auf euch\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Mit einem europaweiten Netzwerk von Freiwilligen wird nun nach den Adressaten der Briefe und den Familien gesucht, auch \u00fcber soziale Medien. \u201eDie Menschen in den Todeszellen nutzten ihre letzten Stunden meist, um sich von ihren Liebsten zu verabschieden\u201c, sagte die Direktorin der Arolsen Archives, Floriane Azoulay. \u201eUnsere Aufgabe heute ist es, die Adressaten der Briefe und die Angeh\u00f6rigen zu suchen, um den zu Unrecht Verurteilten ihren letzten Wunsch zu erf\u00fcllen, denn das wurde damals nicht gemacht. F\u00fcr die Familien kann das ungeheuer wichtig sein.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/adolf-hitler-atombombe-wissenschaftler-buch-mark-walker-li.3281617\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;wie_nah_hitler_dem_bau_der_atombombe_war&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;geschichte_muenchens&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3281617&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedemuenchenadolf-hitler-atombombe-wissenschaftler-buch-mark-walker-li3281617\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/51e3af38-c5e3-41f5-a31a-404c2d478c52.jpg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Neues Buch von Historiker Mark Walker<\/p>\n<p>:Wie nah Hitler dem Bau der Atombombe war<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs spitzte sich das atomare Wettr\u00fcsten mit den USA zu. Wie die Nazis unterlagen, beschreibt der Historiker Mark Walker eindrucksvoll \u2013 und wirft hochaktuelle Fragen nach der Verantwortung der Wissenschaft auf.<\/p>\n<p>SZ PlusVon Martina Scherf<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die Arolsen Archives sind nach eigenen Angaben das weltweit gr\u00f6\u00dfte Archiv zu den Opfern und \u00dcberlebenden des <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Nationalsozialismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nationalsozialismus<\/a>. Das internationale Zentrum \u00fcber NS-Verfolgung sitzt im nordhessischen Bad Arolsen.\u00a0In K\u00fcrze wolle man mit zwei Familien in Polen Kontakt aufnehmen, erkl\u00e4rte Azoulay. Die Angeh\u00f6rigen sollen auf Wunsch Kopien der Briefe erhalten. Das Staatsarchiv M\u00fcnchen hatte die Akten zuvor systematisch durchgesehen, digitalisiert und die Abschiedsbriefe identifiziert. Der Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, Bernhard Grau, sagte, den Hingerichteten solle nun Gesicht, Namen und Stimme verliehen werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die meisten der in Stadelheim hingerichteten Frauen und M\u00e4nner, von denen Abschiedsbriefe \u00fcberliefert sind, stammten demnach aus Deutschland. Aber auch Menschen aus Polen, Frankreich, Tschechien und weiteren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern z\u00e4hlen zu den Opfern. Sie waren zwischen 19 und 81 Jahre alt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die Haftanstalt Stadelheim war laut den Staatsarchiven im Nationalsozialismus eine \u201ezentrale Hinrichtungsst\u00e4tte\u201c und z\u00e4hlt damit zu den Hauptorten des NS-Unrechts in M\u00fcnchen. Mehr als 1000 Menschen wurden demnach dort bis 1945 hingerichtet, meist mit einem Fallbeil. Unter den Opfern waren auch Mitglieder der Widerstandsgruppe Wei\u00dfe Rose, darunter die Geschwister Hans und Sophie Scholl.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Zwischen 1933 und 1945 wurde die Justiz f\u00fcr die Ziele des NS-Regimes instrumentalisiert und damit Teil des Unrechtssystems. F\u00fcr den Machterhalt und zur Einsch\u00fcchterung der Bev\u00f6lkerung wurden f\u00fcr kleinere Delikte drakonische Strafen verh\u00e4ngt. Die Vorw\u00fcrfe lauteten etwa \u201eHerabsetzung des Deutschtums\u201c oder \u201e\u00c4u\u00dferungen gegen den Nationalsozialismus\u201c. Andere Menschen wurden wegen ihres Glaubens oder politischen Engagements verfolgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sie schrieben kurz vor ihrer Hinrichtung in der M\u00fcnchner Haftanstalt Stadelheim letzte Worte an M\u00fctter, Ehepartner oder Kinder\u00a0\u2013&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":289406,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,30,2989,2986,6209,85187,1268,57,2988,149],"class_list":{"0":"post-289405","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-geschichte","12":"tag-geschichte-muenchens","13":"tag-jva","14":"tag-jva-stadelheim","15":"tag-muenchen","16":"tag-nationalsozialismus","17":"tag-ns-verbrechen","18":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114906421294544215","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289405","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=289405"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289405\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/289406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=289405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=289405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=289405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}