{"id":28941,"date":"2025-04-13T15:53:23","date_gmt":"2025-04-13T15:53:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28941\/"},"modified":"2025-04-13T15:53:23","modified_gmt":"2025-04-13T15:53:23","slug":"the-amateur-im-kino-rache-ist-nicht-nur-was-fuer-profis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28941\/","title":{"rendered":"\u201eThe Amateur\u201c im Kino: Rache ist nicht nur was f\u00fcr Profis"},"content":{"rendered":"<p>Oscar-Preistr\u00e4ger Rami Malek war schon Bond-Schurke und Freddie Mercury. Jetzt ist er in die Rolle eines nerdigen Datenanalysten geschl\u00fcpft, der nach einem tragischen Verlust Killer werden will. Sein Prinzip: Learning by doing.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wer hat behauptet, Rache sei s\u00fc\u00df? Rache ist eine emotionale Herausforderung. Im Fall des Films \u201eThe Amateur\u201c ist es Charlie Heller (Rami Malek), \u00fcber den der Drang nach Vergeltung kommt, nachdem seine Ehefrau Sarah bei einem Terrorangriff als Geisel genommen und kurz darauf erschossen wird. So weit, so psychologisch nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Blo\u00df ist Heller nicht der geborene Racheengel. Er ist ein zwanghafter Nerd, der bei der CIA Daten dechiffriert. Er arbeitet in einem dieser fensterlosen Sichtbetonb\u00fcror\u00e4ume, die in Langley, Virginia, wahrscheinlich genauso aussehen, wie man sie aus den vielen Film-CIA-B\u00fcros von \u201eHomeland\u201c bis \u201eBerlin Station\u201c kennt. \u00dcber Hellers Bildschirme huschen Codes und kryptische Zahlenkolonnen.<\/p>\n<p>Daheim ist Kontrastprogramm. Charlie Heller lebt in einem Farmhaus auf dem Land, zur Arbeit f\u00e4hrt er mit einem Saab, in seiner Garage bastelt er an einem verbeulten Propellerflugzeug, das ihm Sarah (Rachel Brosnahan) zum Geburtstag geschenkt hat. Zum Abschied, bevor sie zu einer Konferenz in London aufbricht, schenkt sie ihm \u201eein Puzzle f\u00fcr meinen T\u00fcftler\u201c. Besser lernen wir sie nicht kennen; bald wird Sarah dem Plot von \u201eThe Amateur\u201c geopfert werden.<\/p>\n<p>Vertuschungen bei der CIA<\/p>\n<p>Nichtsahnend chattet Heller im B\u00fcro mit der Informantin Inquiline (Caitr\u00edona Balfe) und kommt einer anderen \u00fcblen Geschichte auf die Spur. Ein amerikanischer Drohnenangriff in Syrien ist gr\u00fcndlich schiefgegangen, die CIA verheimlicht die Sache. F\u00fcr Heller werden sich die Top-Secret-Dokumente sp\u00e4ter als Druckmittel erweisen. Denn als er von seinen Vorgesetzten \u00fcber die Ermordung seiner Frau unterrichtet wird, sie aber nichts weiter unternehmen wollen, weil es \u201eum eine gr\u00f6\u00dfere Sache\u201c geht, und den traumatisierten Witwer zur Psychotherapeutin schicken, fasst er einen Plan.<\/p>\n<p>Er recherchiert zur Geiselnahme in London, wertet mit forensischen Geheimdienstmethoden die Bilder von \u00dcberwachungskameras aus und identifiziert die Verantwortlichen f\u00fcr den Tod seiner Frau. Heller will Rache nehmen, und daf\u00fcr soll die CIA ihn zum Agenten ausbilden, anderenfalls werde er die dunklen Geheimnisse aus Syrien an die \u00d6ffentlichkeit bringen. Seine in Vertuschung ge\u00fcbten Chefs \u2013 \u201eDeckel drauf\u201c \u2013 gehen darauf ein, aber nur zum Schein.<\/p>\n<p>In Camp Perry, wo die Nationalgarde das Schie\u00dfen lehrt, beginnt die Ausbildung des schm\u00e4chtigen Kryptografen. Er scheitert schon beim Abfeuern einer Pistole auf Pappkameraden. \u201eDu wirst nie ein Killer\u201c, stellt Colonel Henderson (Laurence Fishburne) fest. Beim Bombenbau stellt sich Heller mit seinem IQ von 170 besser an, auch beim Austricksen seines Aufpassers. <\/p>\n<p>Bald ist er selbst Gejagter, von der CIA und von den Terroristen, als der erste Racheakt nach einigen Anfangsschwierigkeiten gelungen ist. Der Trip f\u00fchrt ihn nach London, Paris und Marseille, nach Istanbul, wo ihm Inquiline aus der Patsche hilft, nach Madrid, ins rum\u00e4nische Constanta und am Ende an die russische K\u00fcste, um zu vollenden, was er begonnen hat.<\/p>\n<p>\u201eThe Amateur\u201c-Regisseur drehte auch \u201eSlow Horses\u201c<\/p>\n<p>Rache ist s\u00fc\u00df, weil die Bestrafung eines Menschen, der das Vertrauen missbraucht hat, Wohlbefinden ausl\u00f6st, indem das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird. Das haben Neurowissenschaftler herausgefunden. Aber vollzogen ist sie bitter. Rache kann den R\u00e4cher auffressen \u2013 auch das geh\u00f6rt zur Wahrheit. Im Kino ist der Topos zwar ges\u00e4ttigt, aber noch lange nicht durchgespielt: Rami Malek als Charlie Heller versucht dem Genre eine neue Variante hinzuzuf\u00fcgen. <\/p>\n<p>F\u00fcr den James-Bond-Widersacher (in \u201eKeine Zeit zu sterben\u201c) und <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article189629171\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article189629171&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oscar-Preistr\u00e4ger<\/a> (f\u00fcr die Darstellung des Freddie Mercury in \u201eBohemian Rhapsody\u201c) ist Rache keine vordergr\u00fcndig emotionale Angelegenheit. Verlust und Wut sind nur Trigger, die ein inneres Programm in Gang setzen. Was ihn treibt, sind die Steine in diesem Puzzle aus Geheimnis und Zufall zusammenzusetzen: Vergeltung als Intelligenzpr\u00fcfung.<\/p>\n<p>Also l\u00e4sst Regisseur James Hawes, der die gefeierte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/plus242665505\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/plus242665505&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erste Staffel von \u201eSlow Horses\u201c<\/a> gedreht hat, Heller auch kaum Zeit, die f\u00fcnf Phasen der Trauer zu durchlaufen. Leugnen, zornig werden, den Schicksalsschlag mit sich verhandeln, deprimiert sein, dar\u00fcber wisse er alles, l\u00e4sst Heller die Psychologin in der Therapiestunde abtropfen, am Ende (seiner Rache) komme die Zustimmung, denkt er nur. <\/p>\n<p>Aber je k\u00fchler er seine Strafaktion verfolgt, desto k\u00e4lter l\u00e4sst es den Zuschauer. Es liegt wohl auch daran, dass Sarah im Film eine so blasse Rolle spielt, nur noch in vereinzelten Flashbacks auftaucht. Dabei m\u00f6chte man doch nicht nur Spannung (die wird gut aufgebaut), sondern mitleiden!<\/p>\n<p>So wie damals mit Charles Bronson, als er das erste Mal rotsah. Im New-Hollywood-Thriller von 1974 gibt er den Archetypus des R\u00e4chers, den ein brutaler Angriff auf seine Familie in die Lynchjustiz treibt. Unerreicht nahe geht einem auch Choi Min-sik in seiner Rolle im Film \u201eOldboy\u201c von 2003. Man f\u00fchlt, wie ihm erst die Rachsucht hilft, in schuldloser Gefangenschaft nicht den Verstand zu verlieren. <\/p>\n<p>Und dem eleganten Grafen von Monte Christo will man <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article255225476\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article255225476&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mit jeder neuen Verfilmung<\/a> wieder auf seine Vergeltungstour folgen. Schon um als sein Partner in Crime an dem Genuss teilzuhaben, die K\u00f6pfe rollen zu lassen. Alles Rache-Profis, verglichen mit dem Amateur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Oscar-Preistr\u00e4ger Rami Malek war schon Bond-Schurke und Freddie Mercury. Jetzt ist er in die Rolle eines nerdigen Datenanalysten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28942,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[1778,29,214,16267,30,95,16268,1777,16266,4247,215,16265],"class_list":{"0":"post-28941","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-cinema","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-fishburne","12":"tag-germany","13":"tag-kino","14":"tag-laurence","15":"tag-movie","16":"tag-rache","17":"tag-spielfilme","18":"tag-unterhaltung","19":"tag-woeller-marcus"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114331465334687769","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28941","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28941"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28941\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28942"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28941"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28941"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}