{"id":28966,"date":"2025-04-13T16:05:25","date_gmt":"2025-04-13T16:05:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28966\/"},"modified":"2025-04-13T16:05:25","modified_gmt":"2025-04-13T16:05:25","slug":"fuenf-jahre-brexit-unzufriedenheit-in-allen-lagern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/28966\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Jahre Brexit: Unzufriedenheit in allen Lagern"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 31.01.2025 04:45 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Heute vor f\u00fcnf Jahren verlie\u00df das Vereinigte K\u00f6nigreich die EU. Seitdem ist es ruhiger geworden um das Thema. Doch kaum ein Brite sieht den Brexit als Erfolg &#8211; aus sehr unterschiedlichen Gr\u00fcnden.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/mareike-aden-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Mareike Aden\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mareike-aden-102.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Fr\u00fchst\u00fccksspeck zischt auf dem Grill von Imbissbesitzer Dave Brent. Seit mehr als 15 Jahren verkauft er seine Bacon-Burger in der Markthalle der englischen Kleinstadt Melton Mowbray.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBeim Referendum stimmte Brent f\u00fcr den Brexit, so wie die meisten Bewohner der 26.000-Einwohnerstadt in der N\u00e4he von Nottingham. Das w\u00fcrde er wieder tun &#8211; aber er hatte sich mehr erhofft. &#8222;Die Einwanderung ist au\u00dfer Kontrolle. Dabei sind wir doch jetzt Herr \u00fcber unsere eigenen Grenzen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLaut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sehen nur elf Prozent der Briten den Brexit eher als Erfolg. Doch die Umfrage zeigt auch: Zwei Drittel der Brexit-W\u00e4hler von damals finden es immer noch richtig, dass das Land die EU verlassen hat. Auch wenn viele sich mehr versprochen haben.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Dave Brent hatte sich mehr vom Brexit erhofft. &#8222;Die Einwanderung ist au\u00dfer Kontrolle. Dabei sind wir doch jetzt Herr \u00fcber unsere eigenen Grenzen&#8220;, meint er.\n                    <\/p>\n<p>    Vier Prozent weniger Wachstum<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNeben der Markthalle beginnt die allw\u00f6chentliche Schafauktion. F\u00fcr ihre Schafe erzielen die Bauern dank der international hohen Nachfrage gerade Rekordpreise. Auch die meisten Bauern aus Melton und Umgebung waren und sind f\u00fcr den Brexit. &#8222;Es ist eigentlich alles gut gelaufen &#8211; nur die Subventionen fehlen nat\u00fcrlich&#8220;, sagt Landwirt Ken Kitchen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFast alle hier sagen: Dass sie und das gesamte Land in einer schwierigen Lage seien, liege nicht am Brexit, sondern an der Labour-Regierung, die seit dem Sommer im Amt ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nInsgesamt leidet das Vereinigte K\u00f6nigreich weiter an Wachstumsschw\u00e4che. Der Brexit, den die konservative Regierung 2020 unter Boris Johnson vollgezogen hat, trifft die britische Wirtschaft zus\u00e4tzlich. Das Office for Budget Responsibility (OBR), das die Staatsfinanzen \u00fcberwacht und analysiert, rechnet auf mittlere Sicht mit vier Prozent weniger Wachstum durch den Brexit.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die meisten Bauern aus Melton und Umgebung waren und sind f\u00fcr den Brexit.\n                    <\/p>\n<p>    Handel mit der EU aufgegeben<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nImmerhin: Der so wichtigen Dienstleistungsbranche, insbesondere rund um die Finanzbranche, hat der Brexit offenbar kaum geschadet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSchlechter sieht es beim Handel aus. Langfristig sei laut OBR mit 15 Prozent weniger Handelsvolumen zu rechnen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen haben den Handel mit der EU aufgegeben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch Combie Cryan, der 2018 eine kleine Brauerei in Melton mitgegr\u00fcndet hat, w\u00fcrde seine Biere gern wieder nach Italien, Frankreich oder Spanien verkaufen. Doch das sei einfach zu aufwendig und teuer. Er sagt: &#8222;Als Unternehmer suche ich mir andere M\u00e4rkte. Vor allem bricht mir das Herz, dass meine Kinder eines Tages nicht mehr \u00fcberall in Europa leben k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        F\u00fcr Brauer Combie Cryan lohnt es sich nicht mehr, sein Bier in die EU zu verkaufen. Es sei zu aufwendig und teuer.\n                    <\/p>\n<p>    &#8222;Rechtspopulistische und rassistische \u00c4u\u00dferungen wurden normalisiert&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDen Abend lassen viele Meltoner in der Kneipe ausklingen. Im Crown Pub sitzt ein Gr\u00fcppchen von Mitgliedern der eher kleinen Liberaldemokratischen Partei. Einer von ihnen ist der Arzt Hamish McAuley. &#8222;Die meisten negativen Brexit-Folgen sind den Menschen gar nicht aufgefallen, oder sie glauben, es lag eben an der Pandemie. Die kam ja gleich danach&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie LibDems werben als einzige Partei derzeit f\u00fcr einen Wiedereintritt in die EU.\u00a0Labour-Premier Keir Starmer sucht zwar die Ann\u00e4herung an die EU, aber den Brexit an sich stellt die Regierung nicht infrage &#8211; wohl auch aus Furcht vor der vergifteten Debatte von damals. McAuley kann das sogar verstehen: &#8222;Jede Art der Ann\u00e4herung an die EU wird Labour vom Brexit-Lager ja jetzt schon als Verrat ausgelegt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNeben ihm sitzt Jane Eason. Auch sie hat Freunde \u00fcber Brexit-Streitereien verloren, erz\u00e4hlt sie. Eine Kontaktaufnahme sei zwecklos. &#8222;Die w\u00fcrden sowieso nie zugeben, dass es ein Fehler war und dass sie den L\u00fcgen mancher Politiker auf den Leim gegangen sind.&#8220; McAuley nickt und sagt:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    Die Brexit-Debatte hat langfristig Grenzen verschoben. Rechtspopulistische und rassistische \u00c4u\u00dferungen wurden normalisiert. Das beeinflusst unsere ganze Politik bis heute.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Rechtspopulisten erstmals vor Labour und Konservativen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn der Tat liegt in landesweiten Umfragen derzeit die Partei Reform UK des Rechtspopulisten und Brexit-Wortf\u00fchrers Nigel Farage erstmals vor der sozialdemokratischen Labour Party und den konservativen Tories.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Brexit sei gescheitert, niemand sei entt\u00e4uschter als er, wettert Farage gern und verweist dann vor allem auf die seit dem EU-Austritt in der Tat gestiegenen Einwanderungszahlen aus L\u00e4ndern au\u00dferhalb der EU &#8211; die das Land dringend braucht. Bei der Parlamentswahl im Sommer <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/farage-wahl-grossbritannien-100.html\" title=\"Rechtspopulist Farage zieht ins britische Parlament ein\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">hat Farage es das erste Mal ins britische Parlament geschafft<\/a> und mit ihm eine Handvoll weiterer Reform-Abgeordneter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch da Reform der Regierung im Nacken sitzt, muss Labour weiter den Spagat versuchen: mit einer Ann\u00e4herung an die EU f\u00fcr mehr Wachstum &#8211; doch ohne dabei die Brexit-Debatte wieder vollst\u00e4ndig zu entfachen. Auch in Melton Mowbray haben die Brexit-Gegner deshalb verstanden: Sie sind raus aus der EU, und das wird auf absehbare Zeit so bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 31.01.2025 04:45 Uhr Heute vor f\u00fcnf Jahren verlie\u00df das Vereinigte K\u00f6nigreich die EU. 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