{"id":289831,"date":"2025-07-24T08:46:11","date_gmt":"2025-07-24T08:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289831\/"},"modified":"2025-07-24T08:46:11","modified_gmt":"2025-07-24T08:46:11","slug":"zukunft-der-wirtschaftsregion-go-east-go-west-fuer-stuttgart-der-rest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289831\/","title":{"rendered":"Zukunft der Wirtschaftsregion: Go East, go West \u2013 f\u00fcr Stuttgart der Rest?"},"content":{"rendered":"<p>Nahezu lautlos schweben die Karosserien durch die riesige Halle in der hochmodernen Mercedes-Fabrik in Sindelfingen. Immer wenn sie eine neue Station erreichen, bleiben sie stehen und werden mit weiteren Teilen best\u00fcckt: mit Scheiben, dem Cockpit, den Sitzen \u2013 und nat\u00fcrlich mit Fahrwerk, Getriebe und Motor. Bei dieser \u201eHochzeit\u201c werden die wichtigsten Komponenten zu einem Auto vereinigt.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/media.media.f46a8da3-76c4-4930-b9ae-e4ba337551cf.original1024.media.jpeg\"\/>     Die meisten Luxusmodelle von Mercedes werden in Sindelfingen gebaut \u2013 doch Auslastung und Absatz lassen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.    Foto: Stefanie Schlecht    <\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit allerdings wird in dieser Factory 56 viel seltener \u201egeheiratet\u201c als fr\u00fcher. Die t\u00e4glichen Schichten wurden gek\u00fcrzt, weil sich die gr\u00f6\u00dften Autos nicht mehr so gut verkaufen wie bisher. Dabei geht es um die Fahrzeuge, die dem Autobauer \u00fcber Jahrzehnte satte Gewinne und der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Region_Stuttgart\" title=\"Region Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Region Stuttgart<\/a> einen weit \u00fcberdurchschnittlichen Wohlstand verschafft haben. Vor allem vollelektrische Luxusautos, auf die Mercedes und andere deutsche Premium-Autohersteller in den vergangenen Jahren gesetzt haben, finden kaum K\u00e4ufer. Solche Modelle werden \u2013 im Gegensatz zur \u00fcbrigen Modellpalette \u2013 zu einem guten Teil nur in der Region Stuttgart gebaut und von hier aus in die ganze Welt verkauft.<\/p>\n<p>Die herausragende Stellung der Region als Fertigungsstandort von h\u00f6chster Qualit\u00e4t ist einzigartig. Doch nun zeigt sich die Kehrseite: Die Region ist auch besonders anf\u00e4llig, falls dieses kleine, hoch gewinntr\u00e4chtige Segment schw\u00e4chelt. Auch der vollelektrische Porsche Taycan, der ebenfalls in einer neuen, hochmodernen Fabrik im nur 25 Kilometer entfernten Zuffenhausen gebaut wird, schw\u00e4chelt massiv, nachdem seine Absatzzahlen jahrelang mit der Beschleunigung seines H\u00f6chstleistungsmotors hatten mithalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Region ist Krise gewohnt <\/p>\n<p>Dabei ist die Region in Sachen Krise einiges gewohnt. Anfang der Neunziger stand Porsche kurz vor der Pleite. Auch Mercedes baute damals in gewaltigem Ausma\u00df Stellen ab. So ging es immer wieder \u2013 und immer wieder erholten sich die Autobauer und ihre Zulieferer. Im Zuge der Finanzkrise ab 2008 wurde die Fertigung im Mercedes-Werk Sindelfingen wochenlang stillgelegt; auch die Pandemie sorgte ab 2020 f\u00fcr Einbr\u00fcche. Doch schon kurze Zeit sp\u00e4ter fuhren die Hersteller erneut Rekordgewinne ein. Eine Krise, darauf hatte sich das kollektive Ged\u00e4chtnis eingerichtet, ist das Startloch, von dem aus man zum n\u00e4chsten Boom durchstartet.<\/p>\n<p>Auch jetzt ist wieder Krise angesagt \u2013 doch ist sie auch diesmal nur eine Phase im ewigen Auf und Ab? Oder ist der heutige Abschwung von einer anderen Dimension? Klar ist: Manche der St\u00e4rken, denen die Region ihre Wirtschaftskraft zu verdanken hat, zeigen sich heute eher als Belastung. Die Verbrennungstechnologie, bei der den Ingenieuren der Region Stuttgart kaum jemand etwas vormachen kann, hat ihren Zenit erkennbar \u00fcberschritten \u2013 und beim E-Auto geben global andere den Ton an.<\/p>\n<p>Industrie verlagert nicht mehr lautlos <\/p>\n<p>Nicht nur beim Wettbewerb der Technologien, auch bei dem der Standorte verschiebt sich einiges. Donald Trumps Zollpolitik hat den \u00dcberlegungen der Autobauer, verst\u00e4rkt in den USA zu produzieren, neuen Schub gegeben. Auch Exporte nach China werden angesichts des massiven Preiskampfs immer unrentabler. Selbst innerhalb der EU entbrennt inzwischen ein heftiger Standortwettbewerb.<\/p>\n<p>\u201eGo East\u201c, sagte im Februar Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm und erkl\u00e4rte stolz, dass man nun das Werk im ungarischen Kecskem\u00e9t massiv erweitert \u2013 zulasten des Standorts Deutschland. Fr\u00fcher wurden solche Entscheidungen heimlich gef\u00e4llt \u2013 heute erkl\u00e4rt der Vorstand offensiv, dass in Ungarn die Faktorkosten \u2013 gemeint sind vor allem die L\u00f6hne \u2013 um 70 Prozent niedriger sind als in Deutschland. Und auch \u00fcber die USA ger\u00e4t Konzernchef Ola K\u00e4llenius geradezu ins Schw\u00e4rmen. Es sei \u201eunglaublich\u201c, welche Anreize die Politik f\u00fcr Investitionen biete. Zum \u201eGo East\u201c kommt das \u201eGo West\u201c.<\/p>\n<p>Die \u00f6konomische Monokultur, die sich in der Region entwickelt hat, erweist sich angesichts der globalen Verwerfungen als anf\u00e4llig gegen\u00fcber all den Ver\u00e4nderungen. Experten raten daher, die Kompetenzen der Region als N\u00e4hrboden f\u00fcr Unternehmen zu nutzen, die ihre gewachsenen F\u00e4higkeiten dann auch in anderen Branchen ausspielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Kompetenz f\u00fcr andere Branchen <\/p>\n<p>An einem Industriestandort wie der Region Stuttgart werden schlie\u00dflich nicht nur Autos produziert, sondern auch Maschinen und Anlagen, die auch f\u00fcr ganz andere Zwecke genutzt werden k\u00f6nnen: f\u00fcr erneuerbare Energien etwa oder f\u00fcr die Herstellung von Wasserstoff, vielleicht auch f\u00fcr die Aufbereitung von Trinkwasser, die angesichts der global immer schwierigeren Verf\u00fcgbarkeit von Wasser weiter an Bedeutung gewinnen d\u00fcrfte. Da sich auch im Anlagenbau Hard- und Software kaum noch trennen lassen, ist die produktnahe Informatik ebenfalls ein potenzieller Wachstumsfaktor. Auch die Kreativwirtschaft und die Gesundheitswirtschaft bieten nach Expertenansicht jenseits des Fahrzeugbaus Potenzial f\u00fcr die Region.<\/p>\n<p>   Monokultur birgt Risiken <\/p>\n<p>Einer der Experten zieht eine Analogie zur Forstwirtschaft: Ein Wald, der von einer Baumsorte dominiert wird, ist hoch anf\u00e4llig gegen Sch\u00e4dlinge und andere ung\u00fcnstige Einfl\u00fcsse. Ein Mischwald ist zwar nicht immun, aber viel widerstandsf\u00e4higer. Denn die Chance ist gro\u00df, dass zumindest ein Teil der B\u00e4ume den widrigen Einfl\u00fcssen standh\u00e4lt oder sogar von ihnen profitieren kann. Genau diese F\u00e4higkeit, Ver\u00e4nderungen standzuhalten und von ihnen zu profitieren, ist das, was die Region braucht.<\/p>\n<p>Dass ihr Schicksal noch sehr lange mit dem der Autobranche verbunden sein wird, l\u00e4sst sich aber nicht einmal durch eine noch so k\u00fchne Wirtschaftspolitik \u00e4ndern. Das Auto wird die DNA der Region Stuttgart noch lange pr\u00e4gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nahezu lautlos schweben die Karosserien durch die riesige Halle in der hochmodernen Mercedes-Fabrik in Sindelfingen. Immer wenn sie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":289832,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[83772,16887,3584,371,4694,1634,3364,29,30,23597,85282,1441,20642],"class_list":{"0":"post-289831","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-80-jahre-stz","9":"tag-abhaengigkeit","10":"tag-arbeitsplaetze","11":"tag-autoindustrie","12":"tag-automobile","13":"tag-baden-wuerttemberg","14":"tag-de","15":"tag-deutschland","16":"tag-germany","17":"tag-region-stuttgart","18":"tag-strukturbericht","19":"tag-stuttgart","20":"tag-wirtschaftsstandort"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114907341403972146","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289831","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=289831"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289831\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/289832"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=289831"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=289831"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=289831"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}