{"id":289864,"date":"2025-07-24T09:04:24","date_gmt":"2025-07-24T09:04:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289864\/"},"modified":"2025-07-24T09:04:24","modified_gmt":"2025-07-24T09:04:24","slug":"roman-doris-knecht-ja-nein-vielleicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/289864\/","title":{"rendered":"Roman &#8211; Doris Knecht: &#8222;Ja, nein, vielleicht&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/size=966x543.png\" alt=\"Doris Knecht: Ja, nein, vielleicht; \u00a9 Hanser Berlin\" title=\"Doris Knecht: Ja, nein, vielleicht; \u00a9 Hanser Berlin\" id=\"2021824982\"\/><\/p>\n<p>Hanser Berlin<\/p>\n<p>Bild: Hanser Berlin <a class=\"ico ico_download\" href=\"https:\/\/rbbmediapmdp-a.akamaihd.net\/content\/7c\/e6\/7ce62f2d-3d3a-4182-8b91-7f61bb65ce20\/6e22c871-3008-46a3-bb35-a4e82105efcf_cc2e66e7-6d72-41a9-bd74-a777b8572996_256k.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Download (mp3, 15 MB)<\/a><br \/>\n\tRoman<br \/>\n\t &#8211; <\/p>\n<p>\t\tDoris Knecht: &#8222;Ja, nein, vielleicht&#8220;<\/p>\n<p>Fast jeder kennt die kleinen Zettelchen, die zu Schulzeiten durch die Sitzreihen im Klassenzimmern gereicht werden: &#8222;Willst du mit mir gehen? Kreuze an: Ja, nein, vielleicht&#8220;. Mit Mitte 50 sieht sich eine Frau pl\u00f6tzlich wieder mit pubert\u00e4ren Tagtr\u00e4umen konfrontiert und der Frage: Soll sie, die erfolgreiche Single-Frau, wirklich noch mal einen Mann in ihr Leben lassen? &#8222;Ja, nein, vielleicht&#8220;?<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\tWer I Wie I Was<\/p>\n<ul>\n<li class=\"manualteaser first last count1 odd layoutlinkboxteaser layoutstandard doctypeteaser\">\n<p><b>Von<\/b> Doris Knecht<\/p>\n<p><b>Titel<\/b> &#8222;Ja, nein, vielleicht&#8220;<\/p>\n<p><b>Verlag<\/b> Hanser Berlin<\/p>\n<p><b>Erscheinungsjahr<\/b> 2025<\/p>\n<p><b>ISBN<\/b> 978-3-446-28288-9<\/p>\n<p><b>Seiten<\/b> 240<\/p>\n<p><b>Preis<\/b> 24,00 Euro<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text\"\/><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst klingt der neue Roman der \u00d6sterreicherin Doris Knecht nach turbulenter Liebesgeschichte und nettem Unterhaltungsroman. Tats\u00e4chlich entfaltet er aber schon auf der ersten Seite seine tiefere Dimension. Ein Besuch beim Zahnarzt offenbart der Ich-Erz\u00e4hlerin ihre eigene Verg\u00e4nglichkeit. Ein Zahn ist unrettbar verloren, weder Implantat, Krone oder Br\u00fccke k\u00f6nnen ihn ersetzen, zu sehr hat sich der Knochen schon zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p>&#8222;Als ich die Zahnarztpraxis verlasse und zu Fu\u00df zu meiner kleinen Stadtwohnung gehe, bevor ich wieder in mein Haus aufs Land fahre, denke ich ans Sterben. Vielleicht zum ersten Mal. Ich werde alt. Ich bin schon alt, in einem fr\u00fcheren Jahrhundert w\u00e4re ich wahrscheinlich l\u00e4ngst tot. Es ist nicht so, dass ich nicht merke, dass ich \u00e4lter werde, dass ich schon weit \u00fcber f\u00fcnfzig bin, aber bisher spielte das keine Rolle. Jetzt wird mir pl\u00f6tzlich klar, dass man manche meiner Teile nicht mehr reparieren kann.&#8220;<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1262804366\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tWer braucht schon einen Mann im Leben?<\/p>\n<p>Der Blick auf die \u00e4lter werdende Frau &#8211; sei es der von au\u00dfen oder der eigene &#8211; setzt den Ton. Humorvoll und ironisch, gleichzeitig leichtf\u00fc\u00dfig und gesellschaftskritisch seziert Doris Knecht das Leben einer Single-Frau, Mutter von erwachsenen, l\u00e4ngst ausgezogenen Zwillingen und Schriftstellerin Mitte 50, die sich pl\u00f6tzlich mit der Frage konfrontiert sieht: Bin ich noch mal bereit f\u00fcr die romantische Liebe? Will ich mein Leben wieder mit einem Mann teilen?<\/p>\n<p>Eigentlich ist sie zufrieden mit sich:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, sehe ich eine Frau Mitte fu\u0308nfzig, mit grau melierten Haaren, gesund, stark, fit genug, scho\u0308n genug, ich bin zufrieden mit ihr.&#8220;<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_461749766\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tTeenager reloaded<\/p>\n<p>Aber als sie in einem Supermarkt auf dem Land in Friedrich hineinl\u00e4uft, mit dem sie vor 20 Jahren eine On-Off-Aff\u00e4re in New York hatte, f\u00fchlt sie sich wieder wie ein Teenager. Sie verf\u00e4llt in Tagtr\u00e4ume und wartet auf Nachrichten, die nicht kommen. Sie putzt sogar das Haus f\u00fcr den Fall, das Friedrich unangemeldet vorbeischaut.<\/p>\n<p>Die Begegnung l\u00f6st Erinnerungen und Sehnsucht aus. Wie w\u00e4re es, wieder als Paar durch die Welt zu gehen? Sie verabreden sich, knutschen, gehen auf ein Konzert, und sie stellt fest: es f\u00fchlt sich gut an &#8222;wieder mal an einem M\u00e4nnerarm zu h\u00e4ngen&#8220;, und &#8222;man wird weniger gejudged, wenn man zu einem Mann geh\u00f6rt&#8220;, das habe sie kurz nach der Trennung von ihrem Ex gemerkt. Eine Frau, die allein lebt und zufrieden damit ist, scheint auch im 21. Jahrhundert immer noch suspekt. Die Ich-Erz\u00e4hlerin \u00e4rgert sich aber auch \u00fcber sich selbst.<\/p>\n<p>&#8222;Immer erz\u00e4hlte ich mir selber M\u00e4rchen \u00fcber die M\u00e4nner, die mich interessierten oder von denen ich glaubte, dass sie mich interessieren sollten und dass sie sich f\u00fcr mich interessierten, weil sie nun mal irgendwie in mein Leben gedrungen waren. Schnitzte sie mir zurecht, machte sie spannnender, als sie waren, und dann kam ich davon nicht mehr runter. (&#8230;) Ja, kann man machen, machen Frauen so, aber doch nicht in meinem Alter, das war doch l\u00e4cherlich und peinlich, gut, dass niemand davon wusste.&#8220;<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1789685936\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tDer autofiktionale Blick auf die \u00e4lter werdende Frau<\/p>\n<p>Wie schon in ihrem letzten Roman &#8222;Eine vollst\u00e4ndige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe&#8220; schreibt Doris Knecht hier autofiktional. Die vier Schwestern und die Kinder der Ich-Erz\u00e4hlerin, die Zwillinge Max und Mila, tauchen wieder auf, ebenso wie enge Freundinnen. Zus\u00e4tzlich zur Rahmen-Geschichte um Friedrich und die Frage, ob sie einem Mann in ihrem Leben Platz einr\u00e4umen m\u00f6chte, muss sie sich als Trauzeugin um die Hochzeitsvorbereitungen f\u00fcr ihre beste Freundin<\/p>\n<p>Therese k\u00fcmmern und der Lebenskrise ihrer j\u00fcngsten Schwester Paula auf die Spur kommen. Au\u00dferdem baut Doris Knecht eine Meta-Ebene \u00fcber die Entstehung des Textes ein. Ihre Verlegerin und ihre Agentin tauchen in der Handlung auf, ebenso wie Reflexionen \u00fcber das Schreiben. Zum Beispiel dar\u00fcber, wie #MeToo ihren eigenen Blick aufs Frau-Sein ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>&#8222;Dass ich Friedrich diesen unm\u00f6glichen Zungenkuss angeh\u00e4ngt hatte, ganz selbstverst\u00e4ndlich, erschreckte mich. Es machte mir bewusst, wie sehr ich oder das Ich, das sich amour\u00f6s und sexuell mit M\u00e4nnern auseinandersetzt, in den Neunzigern sozialisiert ist.&#8220;<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1858140034\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tEin Buch mit Tiefgang, W\u00e4rme und Humor<\/p>\n<p>Wer schon Romane von Doris Knecht gelesen hat, wei\u00df, wie unterhaltsam sie gro\u00dfe zwischenmenschliche und gesamtgesellschaftlliche Fragen mitten ins Leben hineinplatzieren kann. So ging es in &#8222;Die Nachricht&#8220; 2021 nicht nur um eine Witwe, die langsam wieder ihr Gl\u00fcck findet, sondern auch um Frauenverachtung und digitale Gewalt. In &#8222;Wald&#8220; (2015) um eine Frau, die nach Krise und Bankrott allein und mittellos zur Selbstversorgerin auf dem Land wird; oder in ihrem f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominierten Deb\u00fct &#8222;Gruber geht&#8220; (2011) um einen Manager und Workaholic, der nach einer Tumordiagnose sein Leben umkrempelt.<\/p>\n<p>In &#8222;Ja, nein, vielleicht&#8220; verkn\u00fcpft Doris Knecht die pers\u00f6nliche Suche einer \u00e4lter werdenden Frau nach dem, was im Leben noch z\u00e4hlt, mit Kritik an dem Blick der Gesellschaft auf Frauen jenseits der 50. Der Roman feiert die Freundschaft und die Unabh\u00e4ngigkeit und st\u00fcrzt die romantische Liebe von ihrem Sockel ohne bitter oder resigniert zu sein, stattdessen passiert dies l\u00e4ssig und lebensfroh.<\/p>\n<p>Romantische Liebe ist sch\u00f6n, aber Frau braucht sie nicht f\u00fcr ein erf\u00fclltes Leben.<\/p>\n<p>&#8222;Ja, nein, vielleicht&#8220; liest sich locker weg, hat dabei aber viel Tiefe, Humor, W\u00e4rme und auch Melancholie. Ein Buch, das perfekt ins Urlaubsgep\u00e4ck passt!<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_968937323\"\/><\/p>\n<p>Nadine Kreuzahler, radio3<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox_445507771\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\tMehr<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.radiodrei.de\/themen\/literatur\/index.html\" class=\"uebersicht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1752207490_127_size=320x180.png\" alt=\"radio3 Themeneseite Literatur \u00a9 Christne Sch\u00f6niger\/colourbox\" title=\"radio3 Themeneseite Literatur \u00a9 Christne Sch\u00f6niger\/colourbox\" id=\"articlesContList_teaserbox_445507771_teaserList_manualteaser_1633329867_94072200\"\/><\/a><\/p>\n<p>Christne Sch\u00f6niger\/colourbox<\/p>\n<p>\t\t<a href=\"https:\/\/www.radiodrei.de\/themen\/literatur\/index.html\" class=\"uebersicht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n\t\t\tLiteratur<\/p>\n<p>\t\t<\/a><\/p>\n<p>Auf unserer Literatur-Seite finden Sie die beliebten radio3-Lesungen und unseren Literatur-Podcast &#8222;Orte und Worte\u201c. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Sie unsere t\u00e4glichen Buch-Besprechungen nachh\u00f6ren und Rezensionen f\u00fcr B\u00fccher lesen. Sie finden hier alles zu unseren Reihen &#8222;Comic des Monats\u201c und den radio3-&#8222;Sachb\u00fcchern des Monats\u201c. Vielf\u00e4ltige Gedichte der Reihe &#8222;kurz und gut\u201c k\u00f6nnen Sie hier nach Belieben anh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Stand vom 24.07.2025<\/p>\n<p><a class=\"ico ico_arrow_wide_up\" title=\"An den Anfang\" href=\"#top\">  <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hanser Berlin Bild: Hanser Berlin Download (mp3, 15 MB) Roman &#8211; Doris Knecht: &#8222;Ja, nein, vielleicht&#8220; Fast jeder&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":289865,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-289864","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114907412220713061","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289864","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=289864"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289864\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/289865"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=289864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=289864"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=289864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}