{"id":29003,"date":"2025-04-13T16:23:26","date_gmt":"2025-04-13T16:23:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/29003\/"},"modified":"2025-04-13T16:23:26","modified_gmt":"2025-04-13T16:23:26","slug":"frankreich-algerien-konflikt-zu-westsahara-bis-zum-gewaltaufruf-auf-tiktok-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/29003\/","title":{"rendered":"Frankreich-Algerien-Konflikt zu Westsahara: Bis zum Gewaltaufruf auf Tiktok &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">All dieser Hass auf der Plattform Tiktok. Die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden haben in den vergangenen Wochen sieben sogenannte Influencer festgenommen, die in Kurzvideos dort Brandreden auf <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Frankreich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a> gehalten haben und zu Gewalt aufriefen, auch zu Mord. Es sind Algerier oder Doppelb\u00fcrger mit Zehntausenden Followern, kleine Stars in der algerischen Diaspora Frankreichs. Sie treten mit Pseudonymen auf: \u201eDJ Rafik\u201c, \u201eImad Tintin\u201c oder \u201eZazou Youcef\u201c. Gemeinsam haben sie auch, dass sie pl\u00f6tzlich radikal und politisch aktiv geworden sind. Zumindest waren sie davor so nicht sonderlich aufgefallen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Kann es sein, wie das in Frankreich viele vermuten, dass diese Influencer zur Hetze angestiftet wurden in einer konzertierten antifranz\u00f6sischen Operation \u2013 und zwar aus Algier?<\/p>\n<p>Ein spektakul\u00e4rer diplomatischer Eklat<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Auch Frankreichs rechter Innenminister Bruno Retailleau stellt sich die Frage. Er will sich das Treiben der Tiktoker nicht l\u00e4nger bieten lassen, weil man diesen Leuten, wie er sagt, \u201enichts durchgehen lassen darf\u201c. Einer von ihnen sollte nach <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Algerien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Algerien<\/a> abgeschoben werden. \u201eDoualemn\u201c, b\u00fcrgerlich Boualem Naman, 59, arbeitet als Reinigungsfachkraft an einer Schule in Montpellier, auf Tiktok folgen ihm 138 000 Menschen. Retailleau entsandte zwei Beamte, die ihn auf dem Flug begleiteten. Doch Algerien wies seinen B\u00fcrger noch auf dem Flugplatz ab, ohne weitere Erkl\u00e4rung. \u201eDoualemn\u201c und die Beamten mussten mit der n\u00e4chsten Maschine nach Paris zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Das war ein spektakul\u00e4rer diplomatischer Eklat, Retailleau sprach vom Versuch einer \u201eErniedrigung\u201c. Und gleichzeitig war es nur eine mindere Episode eines viel tieferen Zerw\u00fcrfnisses zwischen der fr\u00fcheren Kolonie und der ehemaligen Kolonialmacht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die Zeit vergeht einfach nicht zwischen Algier und Paris, auch mehr als sechs Jahrzehnte nach der Unabh\u00e4ngigkeit Algeriens nicht.\u00a0 Und wie immer, wenn sich die beiden L\u00e4nder streiten, verl\u00e4uft die Debatte leidenschaftlich und grunds\u00e4tzlich, mit pauschalen Unterstellungen und viel Propaganda. Es ist ein bisschen wie unter alten Verwandten, die nicht ohneeinander k\u00f6nnen, aber auch nicht miteinander. Es ist zu viel passiert in ihrer unseligen, gemeinsamen Geschichte, inklusive eines langen Kriegs mit vielen Opfern.<\/p>\n<p>Macron galt als Freund Algeriens \u2013 bis er ein Sakrileg beging<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Begonnen hat der neuerliche Streit schon im vergangenen Sommer. Frankreichs Pr\u00e4sident hatte in einem Brief eine historische Konzession an <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Marokko\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marokko<\/a> gemacht, Algeriens Nachbarn und gro\u00dfen Rivalen im Maghreb. Emmanuel Macron schrieb in dem Brief, dass die Zukunft der ehemals spanischen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Westsahara\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Westsahara<\/a>, auf die beide L\u00e4nder einen Anspruch erheben, marokkanisch sei \u2013 autonom zwar, aber eben marokkanisch. F\u00fcr Algerien, das in seinem S\u00fcdosten seit den 1970er-Jahren mehr als 150 000 Fl\u00fcchtlinge aus der Westsahara und K\u00e4mpfer der saharauischen Befreiungsfront Polisario beherbergt, beging Macron da ein Sakrileg.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Diese offizielle Parteinahme Frankreichs in dem Konflikt um den rohstoffreichen Streifen W\u00fcste am Atlantik \u2013 das ist f\u00fcr Algerien so etwas wie ein Treuebruch f\u00fcr immer. Macron reiste dann im Herbst mit einem halben Dutzend Ministern und einer Reihe Unternehmern nach Marokko und wurde wie ein Freund empfangen. Die vielen Polemiken der vergangenen Jahre, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/westsahara-macron-marokko-lux.PE5Ddk5wwctbgHtMpkqATy\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das kalte Verh\u00e4ltnis Macrons zu Marokkos K\u00f6nig Mohammed VI. \u2013 alles war mit einem Schlag weg<\/a>. F\u00fcr Marokko ist die Westsahara eine nationale Existenzfrage, zumal politisch. Die Franzosen sicherten sich bei der Gelegenheit Gro\u00dfauftr\u00e4ge f\u00fcr ihre Industrie in Marokko, einem der dynamischsten M\u00e4rkte Afrikas.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Nun kann man sich fragen, warum Paris es mit seiner klaren Positionierung zur Westsahara in Kauf nahm, Algerien so dramatisch zu br\u00fcskieren, dass es seinen Botschafter aus Paris abzog. Macron, so die Deutung in Frankreich, hat irgendwann die Geduld mit den Algeriern verloren. Als er 2017 Pr\u00e4sident wurde, hatte er noch als \u201eami de l\u2019Alg\u00e9rie\u201c gegolten, als Freund Algeriens. Kein franz\u00f6sischer Staatschef vor ihm hatte deutlichere Worte f\u00fcr die Kolonialisierung gefunden. W\u00e4hrend der Wahlkampagne beschrieb er sie einmal als \u201eVerbrechen gegen die Menschlichkeit, eine wahre Barbarei\u201c. Doch seine Initiativen zur Aufarbeitung der Kolonialzeit und zur Vers\u00f6hnung misslangen. Das lag auch daran, dass sie den Algeriern nicht weit genug gingen. K\u00f6nnen sie je weit genug gehen?<\/p>\n<p>Algier macht Frankreich auch zum S\u00fcndenbock, um Kritik an der eigenen Machtelite abzuwehren<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die alte algerische Machtelite setzt Frankreich immer gern als Schlagsack ein, wenn sie innenpolitisch unter Druck ger\u00e4t, als idealen S\u00fcndenbock \u2013 wie jetzt, wo sich eine neue B\u00fcrgerbewegung formiert, die im Netz mit dem Hashtag \u201eWir sind unzufrieden\u201c firmiert. Wieder wirft Algier (und werfen die Influencer auf Tiktok) den Franzosen vor, sie steckten hinter dem Aufstand, ihre Geheimdienste mischten sich in algerische Angelegenheiten ein und lie\u00dfen sich dabei auch von ber\u00fchmten algerischen Regimekritikern leiten. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/boualem-sansal-saada-arbane-kamel-daoud-lux.Jx2ZuYLEcEJnTMwY7VrruN\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Einen von ihnen, den franko-algerischen Schriftsteller und Oppositionellen Boualem Sansal, h\u00e4lt Algerien seit November fest<\/a> \u2013 wegen angeblicher \u201eGef\u00e4hrdung der nationalen Sicherheit\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Sansal ist 75 Jahre alt und krank. Zuweilen wird er aus seiner Zelle in ein Krankenzimmer verlegt. Doch alle Appelle aus Europa, ihn freizulassen, verpufften bisher. \u201eAlgerien verliert seine Ehre\u201c, sagt Macron, und mit diesem Kommentar tr\u00e4gt er eher nicht zur Bes\u00e4nftigung bei.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Mittlerweile ist die Lage derma\u00dfen angespannt, dass Innenminister Retailleau und mit ihm die gesamte Rechte und extreme Rechte Frankreichs eine Revision des historischen Migrationsabkommens von 1968 fordern. Es erleichtert bisher den Algeriern die Einreise nach Frankreich f\u00fcr Familienzusammenf\u00fchrungen und f\u00fcr die Suche nach einem Job: Auch f\u00fcr lange Aufenthalte brauchen sie kein Visum. Nun soll dieser Deal bald nicht mehr gelten?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Retailleau baut gerade seine wachsende Beliebtheit auf dieser Forderung auf. Jeden Tag wiederholt er sie, ebenfalls sehr demagogisch. Ein solches Abkommen kann n\u00e4mlich nur dann ge\u00e4ndert werden, wenn beide Vertragspartner einverstanden sind. Das liegt in der Natur von Vertr\u00e4gen. Algier aber denkt nicht daran, jetzt schon gar nicht \u2013 warum sollte es auch?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"All dieser Hass auf der Plattform Tiktok. 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