{"id":290415,"date":"2025-07-24T14:05:16","date_gmt":"2025-07-24T14:05:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/290415\/"},"modified":"2025-07-24T14:05:16","modified_gmt":"2025-07-24T14:05:16","slug":"in-sachsens-schulen-galt-auch-bisher-die-deutsche-rechtschreibung-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/290415\/","title":{"rendered":"In Sachsens Schulen galt auch bisher die deutsche Rechtschreibung \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Im Grunde brachte es der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im S\u00e4chsischen Landtag, Gerald Eisenbl\u00e4tter, am Mittwoch, dem 23. Juli, auf den Punkt, als er sagte: \u201eSprache entwickelt sich best\u00e4ndig weiter. Niemand sollte zum Gendern gezwungen werden, aber es ist auch kein Fehler. Es w\u00e4re besser, wenn der Kultusminister sein Engagement dem Lehrermangel und einer soliden Finanzierung von Bildung widmen w\u00fcrde, anstatt einen \u00fcbertriebenen Kampf gegen das Gendern zu f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>Anlass seiner Wortmeldung war die \u00fcberarbeitete \u201eVerwaltungsvorschrift (VwV) Rechtschreibung in Schulen\u201c, die zum 1. August 2025 an Sachsens Schulen in Kraft. Damit gelten auch k\u00fcnftig an allen \u00f6ffentlichen Schulen im Freistaat Sachsen die Vorgaben des Amtlichen Regelwerks der deutschen Rechtschreibung. Sonderzeichen wie Gendersternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I d\u00fcrfen dann nicht nur im schulischen Bereich, sondern auch in offiziellen Schreiben keine Anwendung mehr finden,<a href=\"https:\/\/medienservice.sachsen.de\/medien\/news\/1089183\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> meldete das Kultusministerium am 23. Juli.\u00a0<\/a><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/316344269c714b79a3bff3236bc86448.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/leipzig-bildet\/2025\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/leipzig-bildet\/2025\/07\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Stattdessen sollen im Sinne einer besseren Verst\u00e4ndlichkeit geschlechtsbezogene Paarformen wie \u201eSch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler\u201c, geschlechtsneutrale Formulierungen oder Passivformen zum Einsatz kommen. Und \u2013 so betont das S\u00e4chsische Kultusministerium: Verst\u00f6\u00dfe gegen die amtliche Rechtschreibung werden in schriftlichen Arbeiten als Fehler markiert und bei der Bewertung ber\u00fccksichtigt. Das aber wieder ist nicht neu.<\/p>\n<p>\u201eGute Bildung braucht eine klare Sprache\u201c, betont Kultusminister Conrad Clemens bei der Gelegenheit. \u201eDeshalb folgen wir weiterhin den Empfehlungen des Rats f\u00fcr deutsche Rechtschreibung und geben unseren Schulen, aber vor allem unseren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, verl\u00e4ssliche Regeln. So schaffen wir eine Lernumgebung, in der alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler erfolgreich lernen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Es gilt: Das amtliche Regelwerk<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.rechtschreibrat.com\/regeln-und-woerterverzeichnis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Amtliche Regelwerk,<\/a> das vom Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung erstmals 2006 herausgegeben wurde, ist Grundlage der deutschen Rechtschreibung. Mit seinen Empfehlungen tr\u00e4gt der Rat dazu bei, die Einheitlichkeit und damit Verst\u00e4ndlichkeit der Rechtschreibung im deutschsprachigen Raum so weit wie m\u00f6glich zu sichern.<\/p>\n<p>Der Rat hat Genderzeichen nicht in das amtliche Regelwerk der deutschen Sprache aufgenommen und dar\u00fcber hinaus am 14. Juli 2023 klargestellt, dass Sonderzeichen im Wortinneren nicht zum Kernbestand der deutschen Orthografie geh\u00f6ren. Auch die Kultusministerkonferenz hat die Rechtschreibregelungen als verbindliche Regeln an Schulen beschlossen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/vorschrift.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-630008 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/vorschrift.jpg\" alt=\"Die Regelung in der aktuell g\u00fcltigen Fassung der Verwaltungsvorschrift zur Rechtschreibung. Screenshot: LZ\" width=\"2250\" height=\"800\"  \/><\/a>Die Regelung in der aktuell g\u00fcltigen Fassung der Verwaltungsvorschrift zur Rechtschreibung. Screenshot: LZ<\/p>\n<p>Sachsen hat seine \u201e<a href=\"https:\/\/www.revosax.sachsen.de\/vorschrift\/14067\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Verwaltungsvorschrift (VwV) Rechtschreibung in Schulen\u201c<\/a> zuletzt 2023 ge\u00e4ndert. Aber wer glaubt, dass darin das Gendern in irgendeiner Form zur Vorschrift wurde, der irrt. Auch diese Vorschrift verweist auf die Empfehlungen des Rats f\u00fcr deutsche Rechtschreibung: \u201eDie Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung in der Fassung von 2006 mit den Nachtr\u00e4gen des Rates f\u00fcr deutsche Rechtschreibung im Bericht vom Dezember 2010 ist die verbindliche Grundlage der deutschen Rechtschreibung an allen \u00f6ffentlichen Schulen.\u201c<\/p>\n<p>Es geht also gar nicht um die von Clemens angef\u00fchrten \u201everl\u00e4sslichen Regeln\u201c f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Die haben sich \u00fcberhaupt nicht ge\u00e4ndert. Die Vorschrift richtet sich ganz allein an die im Schuldienst T\u00e4tigen: Ihnen wird nun eindeutig das Verwenden von Genderzeichen untersagt.<\/p>\n<p>Dass das Abweichen von den offiziellen Rechtschreibregeln als Fehler bewertet wird, ist \u00fcberhaupt nicht neu.<\/p>\n<p>Der missverstandene Sinn von Sprache<\/p>\n<p>Aber der Leipziger CDU-Bildungspolitiker Holger Gasse interpretiert die Neuformulierung der Verwaltungsvorschrift so: \u201eIch begr\u00fc\u00dfe die erneute klarstellende Regelung zur Rechtschreibung in unseren Schulen ausdr\u00fccklich. Es ist schlimm genug, dass es einer Verwaltungsvorschrift bedarf, um die Vorgaben des Amtlichen Regelwerks der deutschen Rechtschreibung in Schulen f\u00fcr verbindlich zu erkl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p>Da hat er wohl die alte Verwaltungsvorschrift nicht mal gelesen.<\/p>\n<p>\u201eDie Gleichberechtigung von Frau und Mann ist mir pers\u00f6nlich und den Kolleginnen und Kollegen meiner Fraktion wichtig. Aber ebenso wichtig ist uns unsere Muttersprache! Sie ist Ausdruck unserer Kultur und Tradition und damit ein wesentlicher Pfeiler unseres Selbstverst\u00e4ndnisses. Sie zu pflegen und zu erhalten, sehen wir deshalb als unsere Verpflichtung an\u201c, meint Gasse noch.<\/p>\n<p>Und gibt dann zu erkennen, dass er den Sinn von Sprache doch noch nicht so richtig erfasst hat: \u201eWer auf das Gendern besteht, instrumentalisiert Sprache zur Positionierung und Politisierung. Damit beraubt er sie aber ihrer eigentlichen Aufgabe, n\u00e4mlich uns Menschen miteinander zu verbinden, indem wir uns verst\u00e4ndigen.\u201c<\/p>\n<p>Stimmt schon: Sprache ist zur Verst\u00e4ndigung da. Aber zur Verst\u00e4ndigung geh\u00f6rt nun einmal auch, dass genau deshalb Sprache auch \u201ezur Positionierung und Politisierung\u201c verwendet werden muss. Was denn sonst? Handzeichen? Piktogramme? Sprache ist genau das Feld, auf dem sich Menschen kenntlich machen, Gemeinsamkeiten und Differenzen artikulieren. Sprache ist kein Eiapopeia. Was eigentlich gerade Politiker wissen sollten.<\/p>\n<p>Aber gerade dieser Positionierung und die Meldung aus dem Kultusministerium zeigen eigentlich, dass es einige Amtstr\u00e4ger gibt, die ihre Schwierigkeiten haben mit dem deutlichen und eindeutigen Sprechen. Und den Text dann \u2013 \u00dcberraschung! \u2013 \u201ezur Positionierung und Politisierung\u201c nutzen. Vielleicht sogar ohne es zu merken. Obwohl Holger Gasse es eigentlich gemerkt haben sollte, als er schrieb: \u201eEs ist schlimm genug, dass es einer Verwaltungsvorschrift bedarf, um die Vorgaben des Amtlichen Regelwerks der deutschen Rechtschreibung in Schulen f\u00fcr verbindlich zu erkl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p>Der Blick in alle Fassungen der Verwaltungsvorschrift aus den letzten Jahren zeigt: In Sachsens Schulen galt immer das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung. Ohne Ausnahme. Egal welche CDU-Minister, welche CDU-Ministerin das Kultusministerium gerade leiteten. Immer hatte die CDU ihre Hand drauf. Und da kommt man dann zu Gerald Eisenbl\u00e4tter und seiner Kritik an den tats\u00e4chlichen Unterlassungen im s\u00e4chsischen Bildungssystem: dem \u201eLehrermangel und einer soliden Finanzierung von Bildung\u201c.<\/p>\n<p>Der institutionalisierte \u201eKampf gegen das Gendern\u201c lenkt nur vom Eigentlichen ab. Wof\u00fcr er wohl auch inszeniert ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Grunde brachte es der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im S\u00e4chsischen Landtag, Gerald Eisenbl\u00e4tter, am Mittwoch, dem 23.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":290416,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[3364,29,1385,30,4693,44656,71,85384,859],"class_list":["post-290415","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-gendern","tag-germany","tag-kommentar","tag-kultusministerium","tag-leipzig","tag-rechtschreibung","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114908595842512228","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/290415","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=290415"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/290415\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/290416"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=290415"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=290415"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=290415"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}