{"id":29129,"date":"2025-04-13T17:05:22","date_gmt":"2025-04-13T17:05:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/29129\/"},"modified":"2025-04-13T17:05:22","modified_gmt":"2025-04-13T17:05:22","slug":"berlin-rente-soll-sicher-sein-doch-um-welchen-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/29129\/","title":{"rendered":"Berlin | Rente soll sicher sein &#8211; doch um welchen Preis?"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Berlin (dpa) &#8211; Rente: Stabil. Das ist die Botschaft, die Union und SPD mit ihrem Koalitionsvertrag setzen wollen. Das Rentenniveau soll bis 2031 bei 48 Prozent gesichert werden, Besch\u00e4ftigte k\u00f6nnen nach 45 Berufsjahren wie bisher vorzeitig in Rente gehen und das Rentenalter 67 wird nicht weiter erh\u00f6ht. Neu dazu kommen sollen eine \u00abFr\u00fchstart-Rente\u00bb, eine \u00abAktivrente\u00bb und bessere M\u00fctterrenten f\u00fcr Frauen mit Geburten vor 1992. Aber passt das alles zusammen &#8211; und reicht es aus?\u00a0<\/p>\n<p>Wo setzt die Kritik an den Rentenpl\u00e4nen an?<\/p>\n<p>\u00abNun droht schon in dieser Legislaturperiode ein deutlicher Beitragssatzanstieg auf 20 Prozent\u00bb, warnt der Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter. Heute sind es 18,6 Prozent. \u00abDas hei\u00dft noch h\u00f6here Arbeitskosten f\u00fcr die Arbeitgeber und noch weniger Netto f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten\u00bb, sagt Kampeter der Deutschen Presse-Agentur.\u00a0<\/p>\n<p>Auch Sozialexperte Jochen Pimpertz vom arbeitgebernahen Forschungsinstitut IW warnt: \u00abDie neue Koalition steuert in ernsthafte Finanzierungsschwierigkeiten hinein.\u00bb Aus Sicht der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm verpasst der Koalitionsvertrag die Chance, \u00abdie gesetzliche Rentenversicherung langfristig zukunftsfest zu machen\u00bb, wie sie der \u00abAugsburger Allgemeinen\u00bb sagte.\u00a0<\/p>\n<p>Ganz anders, aber nicht weniger scharf f\u00e4llt die Kritik der Linken aus. Ein Rentenniveau von 48 Prozent, das sei \u00abnichts anderes als eine Fortschreibung von Altersarmut\u00bb, kritisiert Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek. Schon jetzt lebe jeder f\u00fcnfte Rentner in Armut. \u00abAnstatt dieses Elend zu zementieren, muss das Rentenniveau endlich wieder auf 53\u00a0Prozent erh\u00f6ht werden\u00bb, fordert sie.\u00a0<\/p>\n<p>Was bedeutet die Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent?<\/p>\n<p>Das Rentenniveau ist nur eine abstrakte Rechengr\u00f6\u00dfe. Sie beschreibt das Verh\u00e4ltnis von Durchschnittseinkommen und einer \u00abStandardrente\u00bb. Was die Pl\u00e4ne der k\u00fcnftigen Koalitionspartner bedeuten, erkl\u00e4rt Gundula Ro\u00dfbach, Pr\u00e4sidentin der Deutschen Rentenversicherung, so: \u00abDie Renten werden bis 2031 weiter der Lohnentwicklung folgen &#8211; ohne demografischen Abzug.\u00bb Ro\u00dfbach \u00e4u\u00dfert sich im \u00fcbrigen positiv \u00ab\u00fcber das klare Bekenntnis zur st\u00e4rksten S\u00e4ule der Alterssicherung\u00bb im Koalitionsvertrag.\u00a0<\/p>\n<p>Doch die Alterung der Gesellschaft setzt das System unter Druck. In den kommenden Jahren werden immer weniger Besch\u00e4ftigte in die Rentenkasse einzahlen &#8211; immer mehr Menschen bekommen Altersbez\u00fcge. Nach offiziellen Berechnungen w\u00fcrde das Rentenniveau ohne \u00c4nderung von heute 48 Prozent bis 2030 auf 46,9 und 2045 auf 44,9 Prozent sinken. Anders gesagt: Die Renten w\u00fcrden weniger stark steigen im Vergleich zu den Einkommen der Erwerbst\u00e4tigen. Die SPD setzte durch, dass es vorerst nicht weiter abw\u00e4rts geht. Ihr Argument: Beim Rentenniveau ist die Schmerzgrenze erreicht.<\/p>\n<p>Aber wenn &#8211; wie geplant &#8211; ein h\u00f6heres Rentenniveau gesetzlich vorgegeben wird, muss die Regierung bei den n\u00e4chsten Rentenerh\u00f6hungen jedes Jahr nachsteuern &#8211; so dass die Rente mit den L\u00f6hnen mith\u00e4lt. Die Renten fallen dann etwas h\u00f6her aus als ohne den Eingriff.<\/p>\n<p>Was bedeuten die Pl\u00e4ne f\u00fcr Beitragszahler?<\/p>\n<p>Die Stabilisierung des Rentenniveaus kostet viele Milliarden Euro im Jahr. Diese sollen aber nicht aus der Rentenkasse kommen: \u00abDie Mehrausgaben, die sich daraus ergeben, gleichen wir mit Steuermitteln aus\u00bb, hei\u00dft es im Koalitionsvertrag.\u00a0<\/p>\n<p>Der von Arbeitnehmern und Arbeitgebern h\u00e4lftig gezahlte Rentenbeitrag von heute 18,6 Prozent d\u00fcrfte trotzdem steigen. Der Wirtschaftswissenschaftler Martin Werding rechnete in der \u00abWirtschaftswoche\u00bb vor, dass der Satz ohne Zusatzkosten 2027 auf 19,7 Prozent steigen w\u00fcrde und bis 2035 auf 21,2 Prozent. W\u00fcrde die Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent aus der Rentenkasse bezahlt, l\u00e4ge der Beitragssatz 2035 nach seinen Berechnungen noch einmal 0,4 Punkte h\u00f6her.<\/p>\n<p>Was kostet die verbesserte M\u00fctterrente?<\/p>\n<p>Mehrkosten von etwa f\u00fcnf Milliarden Euro im Jahr werden von der geplanten Verbesserung der M\u00fctterrente erwartet. Und auch dieses Geld soll aus der Staatskasse kommen. Angek\u00fcndigt ist, dass Frauen mit Geburten vor 1992 drei volle Rentenpunkte je Kind angerechnet bekommen &#8211; so wie Frauen mit Geburten nach diesem Jahr. Betroffene Rentnerinnen k\u00f6nnten also etwas mehr Geld bekommen, sobald der Koalitionsplan in Gesetzesform gegossen ist.\u00a0<\/p>\n<p>Wie geht es langfristig weiter?<\/p>\n<p>Die langfristige Finanzierung der Rente bleibt im Koalitionsvertrag vage. \u00abNur eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik, eine hohe Besch\u00e4ftigungsquote und eine angemessene Lohnentwicklung erm\u00f6glichen es, dies dauerhaft zu finanzieren\u00bb, hei\u00dft es.\u00a0<\/p>\n<p>IW-Experte Pimpertz ist skeptisch. Die Rentenpl\u00e4ne \u00abdurch Mehreinnahmen durch Wachstum und mehr Besch\u00e4ftigung zu finanzieren, d\u00fcrfte schwierig werden\u00bb. Vielmehr f\u00fcrchtet der Forscher eine \u00abNegativspirale\u00bb, in der die hohe Ausgabenlast die Wirtschaftsdynamik hemmt und so der Bedarf an Steuer- und Beitragsgeld umso h\u00f6her wird. 2029 will Schwarz-Rot die Entwicklung \u00fcberpr\u00fcfen. Vorher soll eine Rentenkommission bis etwa 2027 das ganze System unter die Lupe nehmen.\u00a0<\/p>\n<p>Was ist die \u00abFr\u00fchstart-Rente\u00bb?<\/p>\n<p>\u00abWir wollen f\u00fcr jedes Kind vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr, das eine Bildungseinrichtung in Deutschland besucht, pro Monat zehn Euro in ein\u00a0<br \/>individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot einzahlen\u00bb, hei\u00dft es im Koalitionsvertrag. Starten soll \u00abFr\u00fchstart\u00bb schon 2026. Ab dem 18. Lebensjahr kann man bis zum Renteneintritt durch private Einzahlungen bis zu einem j\u00e4hrlichen H\u00f6chstbetrag selbst weiter sparen. Die Ertr\u00e4ge aus dem Kapital sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei sein. Ausgezahlt wird es dann mit Erreichen der Regelaltersgrenze. Die AfD kritisiert den Plan als \u00abAlibiprojekt\u00bb. \u00dcber die Zeit komme zu wenig Geld zusammen, meint Sozialpolitikerin Ulrike Schielke-Ziesing. Allerdings: H\u00f6here Einzahlungen k\u00e4men den Staat teuer.<\/p>\n<p>Was hat es mit der \u00abAktivrente\u00bb auf sich?<\/p>\n<p>Ziel von Union und SPD ist, dass \u00e4ltere Menschen m\u00f6glichst lange berufst\u00e4tig bleiben: Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht und freiwillig weiterarbeitet, soll sein Gehalt bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei erhalten. Verbessert werden laut den Pl\u00e4nen auch die Hinzuverdienstm\u00f6glichkeiten bei der Hinterbliebenenrente.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Rente: Stabil. 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