{"id":291465,"date":"2025-07-24T23:37:26","date_gmt":"2025-07-24T23:37:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/291465\/"},"modified":"2025-07-24T23:37:26","modified_gmt":"2025-07-24T23:37:26","slug":"arzt-und-apotheker-am-landgericht-verurteilt-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/291465\/","title":{"rendered":"Arzt und Apotheker am Landgericht verurteilt \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Seit April 2025 standen ein Apotheker aus Leipzig sowie ein Facharzt aus dem Umland wegen Betrugs- und Untreuevorw\u00fcrfen vor dem Leipziger Landgericht: Der Pharmazeut hatte laut Anklage illegal Medikamente an die Praxis des Arztes geliefert. Letzterer habe Bescheinigungen \u00fcber Luftrezepte ausgestellt, die der Arzt bei den Krankenkassen abgerechnet und kassiert haben soll. Bereits im Juni wurde das Duo verurteilt.<\/p>\n<p>\u201eZu Risiken und Nebenwirkungen \u2026\u201c: Im gemeinhin bekannten Satz dienen Arzt oder Apotheker als Ansprechpartner f\u00fcr Patienten. Doch der Arzt und der Apotheker, die jetzt am Leipziger Landgericht verurteilt wurden, haben die Risiken ihres eigenen Handelns offenbar untersch\u00e4tzt. Der Mediziner (67) und der Pharmazeut (53) wurden bereits am 17. Juni zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe von jeweils elf Monaten verurteilt, erkl\u00e4rte das Landgericht auf LZ-Anfrage.<\/p>\n<p>Versto\u00df gegen Zuweisungsverbot<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft hatte dem Duo in ihrer Anklageschrift zum einen Betrug in 59 F\u00e4llen <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/faelle-unfaelle\/2025\/04\/mutmasslicher-abrechnungsbetrug-bei-krankenkassen-prozessbeginn-landgericht-621398\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zur Last gelegt<\/a>, was den Apotheker Holm L. betraf. Der mitangeklagte Fachmediziner war wegen 416 F\u00e4llen der Untreue vor Gericht gebracht worden.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/42785407564c4036b5936f8a217b8ebc.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/faelle-unfaelle\/2025\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/faelle-unfaelle\/2025\/07\/1\"\/><\/p>\n<p>Demnach sollen die Verd\u00e4chtigen bis Ende 2017 vier Jahre lang bei der Zulieferung teils hochpreisiger Medikamente kooperiert haben, indem Holm L. die Medizin direkt an den Arzt ausgab, der sie dann seinen Patienten aush\u00e4ndigte. Der Apotheker habe im Gegenzug die Unterlagen zur Abrechnung bei den Krankenkassen erhalten.<\/p>\n<p>Aus beh\u00f6rdlicher Sicht ein klarer Versto\u00df gegen das Zuweisungsverbot: Eine Arztpraxis darf in der Regel kein Rezept mit Bindung an eine bestimmte Apotheke ausstellen. So sollen der Wettbewerb erhalten und Patienten die freie Apothekenwahl gelassen werden.<\/p>\n<p>Angeklagte r\u00e4umten Fehler ein<\/p>\n<p>Einem zweiten Vorwurf nach habe der 67-j\u00e4hrige Arzt gelieferte Arzneien aus dem Bestand des Apothekers auf Rezepte geschrieben, aber nie Patienten damit behandelt. Holm L. habe dann auch hier erfolgreich Abrechnungen bei Krankenkassen eingereicht, die inhaltlich nicht \u00fcberpr\u00fcft wurden. Auf 171.689,65 Euro beziffert die Staatsanwaltschaft allein den durch diese mutma\u00dflichen Luftrezepte entstandenen Schaden, insgesamt soll er bei 412.923,27 Euro liegen.<\/p>\n<p>Die Angeklagten hatten w\u00e4hrend des Prozesses \u00fcber ihre Anw\u00e4lte Fehler einger\u00e4umt. Zugleich <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/faelle-unfaelle\/2025\/04\/prozess-zu-mutmasslichem-abrechnungsbetrug-erklarungen-angeklagte-621705\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">betonten sie<\/a>, sie h\u00e4tten auch im Sinne behandelter Patienten agiert: F\u00fcr diese, von denen nicht wenige betagt bzw. an Krebs erkrankt waren, sei eine Sofort-\u00dcbergabe bzw. -verabreichung der Medizin von Vorteil gewesen, weil es ihnen den \u201eb\u00fcrokratischen Irrsinn\u201c mehrerer Wege erspart habe, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Der 67-j\u00e4hrige Arzt gab zudem zu, dass die Dokumentation, wenn etwa Patienten nicht erschienen, in seiner Praxis l\u00fcckenhaft gewesen sei. Dennoch g\u00e4be es Nachweise, dass er sehr wohl Erkrankte etwa durch Spritzen behandelt habe, anders als von der Anklagebeh\u00f6rde unterstellt. Aus heutiger Sicht bereue er aber, sich auf den Deal mit dem Apotheker eingelassen zu haben, lie\u00df der bislang v\u00f6llig unbescholtene Mediziner \u00fcber seinen Rechtsanwalt ausrichten.<\/p>\n<p>Nur Teil der Vorw\u00fcrfe blieb \u00fcbrig, Urteile sind rechtskr\u00e4ftig<\/p>\n<p>Nach Abschluss des Prozesses wurde der Arzt noch wegen Untreue in 110 F\u00e4llen zu elf Monaten auf Bew\u00e4hrung und 10.000 Euro Geldauflage verurteilt. Apotheker Holm L. bekam das gleiche Strafma\u00df wegen 57-fachen Betrugs und soll dazu innerhalb eines Jahres 100 Stunden gemeinn\u00fctzige Arbeit leisten.<\/p>\n<p>Die Verteidigung hatte nach Gerichtsangaben jeweils auf Geldstrafen oder maximal Bew\u00e4hrung pl\u00e4diert. Die Staatsanwaltschaft wollte auf ein Jahr f\u00fcr den Arzt und zwei Jahre f\u00fcr den Apotheker hinaus, beides mit Bew\u00e4hrungschance.<\/p>\n<p>Auf eine Revision wurde aber verzichtet. Somit ist das Urteil vom 17. Juni bereits rechtskr\u00e4ftig. Gegen einen weiteren Arzt laufen indes gesonderte Ermittlungen: Dieser soll 2018 vor\u00fcbergehend ebenfalls Zulieferungen von Medizin durch Holm L. erhalten haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit April 2025 standen ein Apotheker aus Leipzig sowie ein Facharzt aus dem Umland wegen Betrugs- und Untreuevorw\u00fcrfen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":291466,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[1483,3364,29,30,4933,71,25627,859],"class_list":{"0":"post-291465","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-betrug","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-landgericht","13":"tag-leipzig","14":"tag-prozessbericht","15":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114910844948626590","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/291465","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=291465"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/291465\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/291466"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=291465"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=291465"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=291465"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}