{"id":291909,"date":"2025-07-25T03:46:12","date_gmt":"2025-07-25T03:46:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/291909\/"},"modified":"2025-07-25T03:46:12","modified_gmt":"2025-07-25T03:46:12","slug":"viereinhalb-jahre-auf-der-walz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/291909\/","title":{"rendered":"Viereinhalb Jahre auf der Walz"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gartenarbeiten nach einem Zyklon in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/neuseeland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neuseeland<\/a>, das Bauen sternf\u00f6rmiger D\u00e4cher w\u00e4hrend starken Schneetreibens in der Schweiz, Lehrstunden bei einem Meister am Fu\u00dfe des Berges Fuji in Japan \u2013 Robin Miller hat in den vergangenen vier Jahren viel erlebt und insgesamt 17 L\u00e4nder der Erde kennengelernt. Erm\u00f6glicht hat ihm das sein <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/beruf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beruf<\/a>, denn: Miller ist Tischler und war auf der traditionellen Walz.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Viereinhalb Jahre war er auf Wanderschaft. Heute ist er 29 Jahre alt und muss sich jetzt wieder an ein Leben ohne die Walz-Regeln gew\u00f6hnen. Von diesen gibt es einige: Kein Geld f\u00fcr Reise und Unterkunft ausgeben, \u201eau\u00dfer es geht \u00fcbers Meer hinaus\u201c, kein <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/handy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Handy<\/a> besitzen und besonders wichtig: Man darf sich seiner Heimat in einem Umkreis von 60 Kilometern nicht n\u00e4hern. \u201eDie 60 Kilometer Bannmeile gelten beim Rolandschacht\u201c, der Gesellenvereinigung, der Robin Miller angeh\u00f6rt. \u201eDas nicht konsequent zu beachten, w\u00e4re unehrenhaft\u201c, erkl\u00e4rt der 29-J\u00e4hrige, und weiter: \u201eJeder der losgeht, will es auch ehrlich durchziehen\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Als Walz bezeichnet man die traditionellen Wanderjahre der Handwerker, die sie nach dem Abschluss ihrer Lehre absolvieren k\u00f6nnen, um ihren Horizont zu erweitern. Seit 2015 z\u00e4hlt die Walz zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Eigentlich dauert die Wanderschaft drei Jahre und einen Tag, doch Miller machte sich im Oktober 2020 auf \u2013 w\u00e4hrend des zweiten Corona-Lockdowns. Wegen der damit einhergehenden Einschr\u00e4nkungen entschied er sich, seine Wanderschaft zu verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr den D\u00fcsseldorfer stand schon seit dem Beginn seiner Ausbildung fest, dass er nach seinem Abschluss auf Wanderschaft gehen m\u00f6chte. Inspiration sei ein Familienmitglied gewesen, das auch auf der Walz war. Neben den genannten Regeln bestimmten auch weitere Traditionen den Alltag der Handwerker auf der Walz. Das betrifft etwa ihre Kleidung: Die Kluft zeigt farblich die Zugeh\u00f6rigkeiten an. So ist Millers Kluft schwarz, da er als gelernter Tischler zum Holzgewerk z\u00e4hlt, seine Ehrbarkeit \u2013 ein schmales Stoffband, das \u00e4hnlich einer Krawatte getragen wird \u2013 ist blau, was anzeigt, dass er zu den Rolandsbr\u00fcdern geh\u00f6rt. In sogenannten Charlottenburgern wird das Gep\u00e4ck der Gesellen eingewickelt und so verpackt. Zus\u00e4tzlich gibt es einen Wanderstock, den Stenz, der einen auf der Walz begleitet sowie einen Hut, der f\u00fcr die Freiheit der Wandergesellen steht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Miller sagt, er habe in den vergangenen Jahren nicht nur von seinen verschiedenen Lehrmeistern profitiert, sondern auch von dem digitalen Entzug. Die N\u00e4he der menschlichen Interaktion im analogen Raum habe er zu sch\u00e4tzen gelernt. \u201eHeutzutage \u2013 ich habe es fr\u00fcher nicht anders gemacht \u2013 sitzen viele Leute nur noch mit dem Handy rum. Oder sie laufen auch noch w\u00e4hrenddessen weiter. Die verpassen alle irgendwie das Leben.\u201c Man profitiere nat\u00fcrlich auch schlicht dadurch, dass man \u201eeinfach viel von der Welt sieht und viel mitnehmen kann\u201c, schw\u00e4rmt der Rolandsbruder. Um \u2013 ohne <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/smartphone\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Smartphone<\/a> in der Tasche \u2013 mit ihrer Familie sprechen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Handwerker andere Menschen nach ihrem Telefon fragen. \u201eLeben bedeutet, auf neue Leute zuzugehen\u201c, sagt Miller. Auf die Offenheit seines Gegen\u00fcbers sei man w\u00e4hrend der Walz angewiesen. \u201eLeute kennenzulernen, die so hilfsbereit sind, das ist schon was Besonderes.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mehr noch als andere L\u00e4nder, hat ihn sein Aufenthalt in Japan fasziniert. Wegen der gro\u00dfen deutsch-japanischen Gemeinschaft in D\u00fcsseldorf sei ihm schon vor Walz-Beginn klar gewesen, dass er dort auf jeden Fall hinwolle. \u201eWeil man auch einfach \u2013 was das Handwerk betrifft \u2013 extrem viel mitnehmen kann.\u201c Das Land sei bekannt \u201ef\u00fcr besonders hochwertige und kunstvolle Holzverbindungen im Handwerk.\u201c In Japan habe auch die Suche nach Betrieben und Unterk\u00fcnften immer gut funktioniert, alle seien sehr offen und gastfreundlich gewesen. So wurde sein geplanter Ein-Tages-Besuch bei einem Meister in der N\u00e4he des Berges Fuji schnell zu einem dreiw\u00f6chigen Aufenthalt, bei dem er am meisten habe mitnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nun ist Miller wieder zu Hause. Der Tischler erz\u00e4hlt, dass ihn die Heimkehr etwas nerv\u00f6s gemacht habe, er habe leichtes Herzklopfen gehabt. \u201eAm Ende habe ich mich gefreut, alle wiederzusehen. Irgendwie konnte ich mich trotzdem wieder gut darauf einstellen.\u201c Nichtsdestotrotz sei es nach wie vor ein bisschen ungewohnt, wieder daheim zu sein. Es gilt als Tradition, dass bei der Heimkunft als letzter Schritt ein Stempel der Heimatstadt f\u00fcr das Wanderbuch abgeholt wird, das die Wanderer w\u00e4hrend ihrer Reise f\u00fchren. So schloss Miller seine Walz mit einem Besuch im Rathaus der Stadt D\u00fcsseldorf ab. Nach den viereinhalb Jahren hat er 132 Seiten darin gef\u00fcllt, mit Stempeln von St\u00e4dten, von Handwerkskammern und anderen Institutionen. Auch die Arbeitszeugnisse werden dort gesammelt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nun stehen erst mal viele Termine in seinem Kalender: Krankenkasse, Anmeldung, Versicherung \u2013 vieles muss er jetzt organisieren. Um seine gelernten F\u00e4higkeiten nun anzuwenden, geh\u00f6rt dazu auch die Suche nach einer Arbeitsstelle. Langfristig will Miller sich gerne selbstst\u00e4ndig machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gartenarbeiten nach einem Zyklon in Neuseeland, das Bauen sternf\u00f6rmiger D\u00e4cher w\u00e4hrend starken Schneetreibens in der Schweiz, Lehrstunden bei&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":291910,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[53450,3364,29,3405,30,372,51760,1209,12879,20623,18831,85717,83956,85718],"class_list":{"0":"post-291909","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-wanderschaft","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-duesseldorf","12":"tag-germany","13":"tag-japan","14":"tag-miller","15":"tag-nordrhein-westfalen","16":"tag-robin","17":"tag-tischler","18":"tag-unterwegs","19":"tag-viereinhalb","20":"tag-walz","21":"tag-wanderjahre"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114911824178897843","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/291909","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=291909"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/291909\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/291910"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=291909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=291909"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=291909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}