{"id":29236,"date":"2025-04-13T17:45:24","date_gmt":"2025-04-13T17:45:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/29236\/"},"modified":"2025-04-13T17:45:24","modified_gmt":"2025-04-13T17:45:24","slug":"atomkraft-in-frankreich-franzoesischer-rechnungshof-kritisiert-kernkraftausbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/29236\/","title":{"rendered":"Atomkraft in Frankreich: Franz\u00f6sischer Rechnungshof kritisiert Kernkraftausbau"},"content":{"rendered":"<p>21.01.2025 \u2013 Wer eine Renaissance der Atomkraft in Deutschland bef\u00fcrwortet, sollte sich den Bericht des franz\u00f6sischen Rechnungshofes ganz genau durchlesen. Von billiger Atomkraft kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Pr\u00fcfer sprechen von strukturell bedingten Mehrkosten und anhaltenden finanziellen Risiken.<\/p>\n<p>Nach 17 Jahren Bauzeit ging in Flamanville vor kurzem der Druckwasserkernreaktor der neuen Generation EPR2 in Betrieb. 23,7 Milliarden Euro hat der Bau gekostet, urspr\u00fcnglich geplant waren 3,3 Milliarden. Jetzt l\u00e4uft das Kraftwerk im Probebetrieb, doch schon bald muss der Reaktordeckel ausgetauscht und daf\u00fcr der Reaktor abgeschaltet werden. Unter Volllast wird das Kraftwerk vorerst nicht laufen. Per Gerichtsbeschluss sollte die Rentabilit\u00e4t des Reaktors \u00fcberwacht werden. Doch der Betreiber EDF \u2013 inzwischen vollst\u00e4ndig verstaatlicht \u2013 h\u00fcllt sich bis heute in Schweigen hinsichtlich konkreter Zahlen. Nun hat der <a href=\"https:\/\/www.ccomptes.fr\/sites\/default\/files\/2025-01\/20250114-La-filiere-EPR%20-une-dynamique-nouvelle-des-risques-persistants_0.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">franz\u00f6sische Rechnungshof selbst gerechnet<\/a> und drastische Ma\u00dfnahmen vorgeschlagen.<\/p>\n<p>Entscheidungen \u00fcber weitere Investitionen aufschieben<\/p>\n<p>Die Investitionsentscheidung f\u00fcr das EPR-Programm \u2013 <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/politik\/frankreich-baut-atomkraft-aus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">geplant sind mindestens sechs weitere Kernkraftwerke<\/a> mit EPR-Reaktoren in Frankreich \u2013 soll so lange aufgeschoben werden, bis Ertragszahlen aus Flamanville vorliegen.<\/p>\n<p>Die enormen Kosten\u00fcberschreitungen bei den EPR-Projekten in Flamanville an der Nordk\u00fcste Frankreichs, Olkiluoto (Finnland) und Hinkley Point im Vereinigten K\u00f6nigreich machen das Kernkraftwerksprogramm zum finanziellen Fiasko \u2013 das EPR2-Programm droht zu scheitern. Allein f\u00fcr den Reaktorbau in Hinkley Point, der nach dem R\u00fcckzug des chinesischen Mitgesellschafters mehrheitlich von EDF finanziert wird, steht f\u00fcr letztes Jahr eine Wertminderung von rund 11 Milliarden Euro in den B\u00fcchern.<\/p>\n<p>Zur\u00fcckhaltung bei internationalen Projekten<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich schmolz das Vertrauen in die Technologie der EPR-Reaktoren aufgrund technischer Defekte bei Reaktoren in China und Finnland. Auch diese St\u00f6rungen waren mit enormen Mehrkosten verbunden. Beim EPR-Kernkraftwerksprojekt im britischen Sizewell sind bereits jetzt Verz\u00f6gerungen eingetreten, noch bevor der Investitionsentscheid gefallen ist. EDF sollte sich deshalb nicht in Sizewell finanziell engagieren, empfiehlt der Rechnungshof. \u00dcberhaupt sollte sich der staatliche Energiekonzern bei internationalen Atomprojekten zur\u00fcckhalten. Zumindest soll sichergestellt sein, dass neue internationale Projekte quantifizierbare Gewinne generieren und sich nicht negativ auf den Zeitplan des EPR2-Programms in Frankreich auswirken.<\/p>\n<p>Wie wirtschaftlich die in Planung befindlichen EPR-Reaktoren sein werden, ist heute nicht absehbar. Industrieprojekte dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung brauchen aber klare Zielpfade und Rahmenbedingungen, um private Investoren anzusprechen. Diese Voraussetzungen sind derzeit nicht erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Rechnungshof kommt zu dem Ergebnis, das bei einer durchschnittlichen Auslastung von 85 Prozent der Strom aus dem Reaktor in Flamanville zum Preis von 12,2 Cent pro Kilowattstunde verkauft werden m\u00fcsste, um eine Rendite von 4 Prozent zu erreichen. Sollen 7 Prozent Rendite flie\u00dfen, m\u00fcsste der Preis 17,6 ct\/kwh betragen. Bei 9 ct\/kwh oder weniger betr\u00e4gt nach dieser Rechnung die Rendite nur zwei Prozent \u2013 oder f\u00e4llt ganz aus. Weitere Unw\u00e4gbarkeiten stecken im Detail \u2013 beispielsweise in der Auslastungsentwicklung der gesamten franz\u00f6sischen Kernkraftwerkslandschaft.<\/p>\n<p>Neben den hohen Risiken bei St\u00f6rf\u00e4llen und der ungekl\u00e4rten und teuren Endlagerung ist die Kernkraft auch finanziell existierenden Energieerzeugungstechnologien weit unterlegen. pf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"21.01.2025 \u2013 Wer eine Renaissance der Atomkraft in Deutschland bef\u00fcrwortet, sollte sich den Bericht des franz\u00f6sischen Rechnungshofes ganz&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":29237,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,6303,548,663,3934,3980,156,13,54,14,15,12],"class_list":{"0":"post-29236","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-atomenergie","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-france","15":"tag-frankreich","16":"tag-headlines","17":"tag-industrie","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114331905035073221","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29236","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29236"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29236\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29236"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29236"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}