{"id":292568,"date":"2025-07-25T10:01:17","date_gmt":"2025-07-25T10:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/292568\/"},"modified":"2025-07-25T10:01:17","modified_gmt":"2025-07-25T10:01:17","slug":"mit-visum-in-den-ukraine-krieg-wie-ein-chinese-als-soeldner-fuer-russland-kaempfte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/292568\/","title":{"rendered":"Mit Visum in den Ukraine-Krieg: Wie ein Chinese als S\u00f6ldner f\u00fcr Russland k\u00e4mpfte"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tu Haolei kommt in Milit\u00e4rkleidung zum Treffen in einem Teehaus im chinesischen Hinterland. Die Uniformhose hat er in ockerfarbene Kampfstiefel gesteckt, das Langarmshirt in Tarnfarben hat eingewebte Ellbogenschoner. Ein Jahr lang k\u00e4mpfte er als S\u00f6ldner an der Seite der russischen Invasionstruppen. Obwohl er schon seit ein paar Monaten zur\u00fcck ist von der Front in der Ostukraine, muss er noch jeden Tag an den Krieg denken. \u201eIch hatte ein paar enge Freunde, wir waren mehr als ein halbes Jahr lang Tag und Nacht zusammen. Einer hie\u00df Vadja, kam aus Moskau. Er starb durch einen Kopfschuss; seine Aug\u00e4pfel wurden vor meinen Augen herausgeschossen. Das war das erste Mal, dass ich so etwas Blutiges gesehen habe.\u201c Heute, sagt Tu, bereue er es zutiefst, dass er sich diesem Krieg angeschlossen habe.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tu ist einer von mehr als 155 chinesischen S\u00f6ldnern an der Seite der russischen Invasoren, die der ukrainische Geheimdienst ausfindig gemacht hat. \u201eWir wissen, dass es noch deutlich mehr sind\u201c, sagte <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Wolodymyr Selenskyj\" data-rtr-id=\"ef37325431a9763e620d5572d4ee117eb9265132\" data-rtr-score=\"111.6137129268776\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/wolodymyr-selenskyj\" title=\"Wolodymyr Selenskyj\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wolodymyr Selenskyj<\/a> im April. In Kiew lie\u00df der ukrainische Pr\u00e4sident damals zwei chinesische S\u00f6ldner vorf\u00fchren. Ukrainische Truppen hatten die beiden gefangen genommen, 31 und 33 Jahre alt, \u00e4hnlich wie Tu. Selenskyj sagte, Russland schalte Rekrutierungsanzeigen in chinesischen sozialen Netzwerken. Die ukrainische Liste der 155 chinesischen S\u00f6ldner liegt der F.A.S. vor. Auch Herr Tu ist darin zu finden, mit seinem richtigen Namen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tu sitzt leicht gebeugt am Tisch, die Ellbogen aufgest\u00fctzt, raucht und erz\u00e4hlt. Manchmal l\u00e4chelt er unsicher. Warum er sich den Russen angeschlossen habe? Er halte Selenskyj f\u00fcr \u201eekelhaft und heuchlerisch\u201c, antwortet Tu. Zudem hasse er Japan, und er hat gelesen, dass Japan der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Ukraine\" data-rtr-id=\"acb898af5ea66a22c43878bf8691be74ce4ecd86\" data-rtr-score=\"55.39541911618998\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/ukraine\" title=\"Ukraine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a> hilft. Es dauert etwas, bis er seine Geldprobleme erw\u00e4hnt. Bevor er an der Seite der Invasoren in den Krieg zog, f\u00fchrte Tu in China eine Autowerkstatt. \u201eIn der Pandemie durfte ich das Gesch\u00e4ft nicht weiterf\u00fchren. Es ist etwas peinlich, aber ich hatte noch eine Hypothek, und die zwei Jahre waren finanziell schwierig.\u201c Oft stritt er mit seiner Frau. \u201eIch wollte alles \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p>Zwei Monate Ausbildung<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Auf Douyin, dem chinesischen Tiktok, lockte ihn die Anzeige: als Krieger f\u00fcr die russische Armee, f\u00fcr umgerechnet 20.000 Yuan im Monat, mehr als 2000 Euro. Die Anzeige hat er immer noch auf dem Handy, das Kyrillisch mit chinesischer Sprachsoftware \u00fcbersetzt. Tu beantragte ein Touristenvisum f\u00fcr Russland, nahm einen Flug nach <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Moskau\" data-rtr-id=\"73caaad600dd20deecf8d317d7dd0544868aaff9\" data-rtr-score=\"36.8527974106612\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/moskau\" title=\"Moskau\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Moskau<\/a>, ging in eine Polizeistation und fragte nach dem Rekrutierungsb\u00fcro. Dann ging alles recht schnell. Nach der Musterung gab es einen Test \u00fcber seine Einstellung zum Nationalsozialismus, sagt er. Er behalf sich mit einer \u00dcbersetzungs-App auf dem Handy. \u201eMan musste nur sagen, dass Hitler und der Nationalsozialismus schlecht sind, dann hatte man bestanden.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Zwei Monate bildeten ihn die Russen aus. Auf einem Foto ist zu sehen, wie Tu an einer Schie\u00dfanlage steht, auf einem Video, wie er eine Panzerfaust abfeuert und lacht. Er brachte Vorkenntnisse mit. Mehrere Jahre lang war er bei der paramilit\u00e4rischen Bewaffneten Volkspolizei in China.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Mit dem Zug fuhr Tu dann in eine Kaserne in Brjansk nahe der Ukraine und Belarus. Bald ging es an die Front: 254. Motorsch\u00fctzenregiment, 144. Motorsch\u00fctzendivision, 20. Gardearmee. \u00dcberpr\u00fcfen lassen sich seine Angaben nicht endg\u00fcltig, aber sie sind stimmig. \u201eAnfangs geh\u00f6rten wir zu einer Art Reservetruppe, die dorthin musste, wo sie gebraucht wurde.\u201c Tu sagt, er war einfacher Fu\u00dfsoldat. Dass er in China schon beim Milit\u00e4r gewesen war, war den Russen egal: S\u00f6ldner kriegen keine besseren Positionen.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"Sonntagszeitung\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1752921913_22_latest.jpg\"\/><\/p>\n<p>Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/zeitung.faz.net\/meine-ausgaben\/fas\/\" class=\"Button\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">&#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n         <\/a><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Nach einem halben Jahr teilten ihn die Russen der Hauptangriffstruppe zu. Von angreifenden Einheiten wurden, anders als im R\u00fcckraum, jeden Tag Gefechtsberichte nach oben geschickt, sagt Tu. \u201eSelbst wenn die Verluste mehr als achtzig Prozent der Kompanie betrugen, war das kein Problem \u2013 man f\u00fcllte uns einfach mit neuen Rekruten auf.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tu scrollt auf seinem Handy durch eine Reihe von Aufnahmen eines befestigten Unterstands. In einer Ecke liegt ein Junge auf dem Boden. Er hat ein dunkelgraues Gesicht, seine Uniform ist seitlich vom Bein bis zur Brust zerfetzt. \u201eEr ist tot, ich zog ihn zu uns rein, nachdem ihn Streumunition traf\u201c, sagt Tu. \u201eDie Russen sind ziemlich mutig; manchmal denke ich sogar, dass sie etwas dumm sind: Sie h\u00e4tten doch warten k\u00f6nnen, bis die Bombardierung aufh\u00f6rt, bevor sie vorr\u00fccken.\u201c Tu sah viele Soldaten \u00fcber f\u00fcnfzig, manche sogar \u00fcber sechzig Jahre alt, er sah welche, die schielten, die lahmten, mit chronischen Krankheiten. \u201eSolche Zust\u00e4nde w\u00e4ren in China unm\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Zu Beginn seiner Kriegszeit traf Tu noch andere chinesische S\u00f6ldner. Tu erz\u00e4hlt von zwei Chinesen, die in der Heimat wegen Onlinebetrugs gesucht werden. Die beiden seien auf die russische Staatsb\u00fcrgerschaft aus gewesen, sagt er, die Moskau nach langer Dienstzeit in Aussicht stelle. Viele andere chinesische S\u00f6ldner h\u00e4lt Tu f\u00fcr reine Angeber. Er zeigt ein Foto aus der Kaserne im russischen Brjansk, wo sie vor dem Kampfeinsatz stationiert waren. Ein nur in schwarzer Unterhose bekleideter Chinese hockt auf dem Rasen zwischen den wei\u00dfen Geb\u00e4uden. Die Zigarette im Mund, vor sich ein tragbarer Satellitenempf\u00e4nger, den er mit dem Handy verbunden hat. \u201eDas ist er, wie er per Livestream vor seinen Followern so tut, als sei er voll dabei\u201c, sagt Tu voller Verachtung.<\/p>\n<p>Chinas Beh\u00f6rden kontrollieren nur lax<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Im chinesischen Internet nennt sich der Mann \u201eder Aufseher\u201c. Tu erz\u00e4hlt, dass sich viele chinesische Livestreamer nur als K\u00e4mpfer ausgeben. Sie posten gef\u00e4lschte Clips, pomp\u00f6se Videos, die sie von russischen Kan\u00e4len im Internet ziehen und als eigene ausgeben. Zuschauer im Internet bringen Werbeeinblendungen, und die bringen Geld. Manche vermeintlichen S\u00f6ldner verkaufen \u00fcber ihren Kanal direkt Produkte von Werbekunden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Nach Selenskyjs Vorf\u00fchrung der chinesischen S\u00f6ldner im April lie\u00dfen <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"China\" data-rtr-id=\"705657837f72060fe7cf7bde07d0a9c00e344da1\" data-rtr-score=\"47.804511526520905\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/china\" title=\"China\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Chinas<\/a> Beh\u00f6rden viele Douyin-Accounts sperren, auch den des \u201eAufsehers\u201c. Mittlerweile sind die Internetkontrollen aber wieder laxer geworden, es tauchen wieder mehr chinesische S\u00f6ldner-Videos auf. \u201eDer Aufseher\u201c etwa hat jetzt einen neuen Kanal auf der Konkurrenzplattform Kuaishou er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ein chinesischer S\u00f6ldner unter russischen Soldaten, zu sehen in den sozialen Medien.\" height=\"1024\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ein-chinesischer-soeldner.jpg\" width=\"768\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Ein chinesischer S\u00f6ldner unter russischen Soldaten, zu sehen in den sozialen Medien.Li Dafu\/Douyin<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tu sagt, von den vielen ausl\u00e4ndischen S\u00f6ldnern in der Anfangsphase waren bald nur noch drei in seinem Regiment. \u201eAusl\u00e4ndische Soldaten wurden schnell zerm\u00fcrbt\u201c, erinnert er sich, \u201edie Russen setzten uns oft f\u00fcr gef\u00e4hrliche Eins\u00e4tze ein.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Da waren zwei \u00c4gypter, die im Sch\u00fctzengraben ein offenes Feuer anz\u00fcndeten, um Konservendosen zu erhitzen, da die Russen wieder mal keinen Nachschub an Gaskanistern an die Front lieferten. \u201eEine Minute sp\u00e4ter legten zwei ukrainische Artilleriebesch\u00fcsse die gesamte Stellung in Schutt und Asche.\u201c Tus \u00dcberlebensregel: \u201eHalte dich fern von Helden und Idioten.\u201c Aus Nepal stammen wohl die meisten S\u00f6ldner auf russischer Seite. Nepal ist ein armes Land, S\u00f6ldner gilt dort vielen als Beruf. Von 15.000 nepalesischen Kombattanten in der Ostukraine wird berichtet. Auch aus den ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken kommen zahlreiche M\u00e4nner.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Anfang des Jahres berichtete der franz\u00f6sische Dienst \u201eIntelligence Online\u201c, dass die chinesische Botschaft in Moskau vom russischen Verteidigungsministerium wissen wollte, wie viele chinesische Staatsangeh\u00f6rige den russischen Streitkr\u00e4ften beigetreten seien. Peking habe keine schl\u00fcssige Antwort erhalten.<\/p>\n<p>China will Russland nicht verlieren sehen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Dass der China gegen\u00fcber zumeist sehr vorsichtige Selenskyj im April \u00f6ffentlich \u00fcber chinesische S\u00f6ldner sprach, zielte vermutlich auch auf einen anderen Adressaten ab: den chinakritischen amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump, der den ukrainischen Pr\u00e4sidenten kurz davor im Wei\u00dfen Haus gedem\u00fctigt hatte und den der ukrainische Pr\u00e4sident so wieder auf seine Seite ziehen wollte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Aus Amerika kam danach keine Reaktion, wohl aber aus dem chinesischen Au\u00dfenministerium. Das sprach von \u201egrundlosen Anschuldigungen\u201c und \u201epolitischen Man\u00f6vern\u201c. Peking \u201efordert seine B\u00fcrger stets auf, sich von bewaffneten Konfliktgebieten fernzuhalten und jegliche Beteiligung an bewaffneten Konflikten zu vermeiden\u201c, hie\u00df es. Das betreffe \u201einsbesondere die Teilnahme an milit\u00e4rischen Operationen jeglicher Parteien\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Gleichzeitig ist China der wichtigste Unterst\u00fctzer der russischen Kriegswirtschaft. Au\u00dfenminister Wang Yi sagte in Europa, Peking wolle Russland nicht verlieren sehen, weil die USA ihren Fokus sonst voll auf China richten w\u00fcrden. China kauft <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Russland\" data-rtr-id=\"1600ce7bdca92f9d620063165b2874ddee746c27\" data-rtr-score=\"161.42700971002049\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/russland\" title=\"Russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russlands<\/a> Energie und liefert nach westlichen Angaben kriegswichtige Bauteile wie Werkzeugmaschinen, Schie\u00dfpulver und zivile Drohnen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tu sagt, nach seiner R\u00fcckkehr sei er mehr als zehnmal von der chinesischen Polizei und der Staatssicherheit vorgeladen worden. \u201eSie interessierten sich vor allem f\u00fcr meine Beweggr\u00fcnde f\u00fcr die Teilnahme am Krieg und daf\u00fcr, ob ich Kontakt zu ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4ften oder Verbindungen zu ausl\u00e4ndischen Organisationen hatte.\u201c Die Beamten kopierten alle Daten auf seinem Telefon, die Staatssicherheit \u00fcberpr\u00fcfte seine Bankunterlagen und Anrufprotokolle. \u201eSie fragten mich auch, ob ich noch Kontakt zu Personen in Russland habe, ob ich die russische Staatsb\u00fcrgerschaft besitze und ob ich nach Russland zur\u00fcckkehren will.\u201c Am Ende h\u00e4tten sie keine Probleme festgestellt. Ohnehin h\u00e4lt Peking den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht f\u00fcr illegal. In China gibt es auch kein Gesetz, das eindeutig verbieten w\u00fcrde, sich Russland als S\u00f6ldner anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201ePrivat\u201c wollten die Ermittler dann noch von seinen Kriegserfahrungen wissen, sagt Tu. China interessiert sich sehr daf\u00fcr, wie Russland gegen westliche Waffen und Taktik abschneidet. Soweit bekannt, teilt Moskau diese Erfahrungen h\u00f6chst unwillig mit Peking. Es gibt Berichte von chinesischen Hackerangriffen auf das russische Milit\u00e4r.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tu sagt, er hatte Gl\u00fcck, auch weil er ein gutes Verh\u00e4ltnis zu seinem russischen Kommandeur hatte. \u201eEr hat mich nicht an andere Einheiten ausgeliehen.\u201c Anderen sei es schlechter gegangen. Ein S\u00f6ldner sei gar von einem russischen Befehlshaber erschossen worden, erz\u00e4hlt Tu. Oft habe es an Nachschub gefehlt. Russische Lastwagen seien zu laut, die Fahrer trauten sich teils nicht, an die Front zu fahren. Ein kasachischer S\u00f6ldner sei wegen der st\u00e4ndigen Wasserknappheit w\u00fctend gewesen und habe den Befehlshaber zur Rede gestellt. \u201eDer Kommandeur sagte ihm, er solle sich verpissen.\u201c Der S\u00f6ldner habe drohend seine Waffe gehoben. \u201eNach Monaten an der Front lagen die Nerven von allen v\u00f6llig blank\u201c, sagt Tu. \u201eDer Kommandeur z\u00f6gerte nicht \u2013 er zog seine Pistole und erschoss ihn, einfach so.\u201c<\/p>\n<p>Kommunikation per App<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Kommunikation sei schwierig gewesen. Obwohl Mobiltelefone an der Front eigentlich nicht erlaubt seien, habe er oft eine \u00dcbersetzungs-App genutzt. Wenn der eigentliche Angriff begann, benutzten alle nur sehr einfache W\u00f6rter: \u201enach vorne\u201c, \u201eStellung halten\u201c, \u201ezwei Leute links\u201c, \u201ezwei rechts\u201c. Tu merkte sich vor allem die Zahlen. F\u00fcr h\u00f6here Aufgaben waren S\u00f6ldner ohnehin nicht vorgesehen. An Lagebesprechungen selbst vor Angriffen durften sie nicht teilnehmen, aus Angst vor Geheimnisverrat.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tu sagt, unter h\u00f6chsten Verlusten seien sie allenfalls wenige Hundert Meter vorangekommen. \u201eWenn wir einmal in feindliches Gebiet vorgedrungen sind, erlaubte man uns keinen R\u00fcckzug mehr\u201c, sagt Tu. \u201eDas Ganze war sehr starr und sinnlos.\u201c Er erinnert sich an ein Gefecht, nach dem er \u00fcber mehr als 30 eigene Gefallene steigen musste.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Schusswaffen, die in chinesischen Internetvideos so h\u00e4ufig vorgezeigt werden, seien eher ein psychologischer Trost gewesen, erz\u00e4hlt Tu. Im eigentlichen Kampf k\u00e4men die Gewehre kaum zum Einsatz, sagt er. \u201eDer Krieg st\u00fctzt sich auf Artillerie und Drohnen.\u201c<\/p>\n<p>Zuhause erz\u00e4hlt er nur wenig<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Einmal h\u00e4tten ihn feindliche Drohnen in einem Dornengeb\u00fcsch festgenagelt. \u201eNormalerweise bin ich sehr ungeduldig, aber von 13 bis 21 Uhr blieb ich einfach platt auf der Erde liegen.\u201c In dieser Zeit habe er viel nachgedacht. \u201eIch hatte das Gef\u00fchl, dass ich an jenem 30. Mai 2024 h\u00e4tte sterben sollen.\u201c Das war gegen Ende seiner Vertragszeit, da zogen ihn die Russen noch mal extra an die vordere Front. \u201eAlles, was seitdem passiert, ist zus\u00e4tzliche Zeit, die ich mir verdient habe.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Seine einzige Verletzung ist ein H\u00f6rverlust auf dem rechten Ohr. \u201eIch genie\u00dfe mein jetziges Leben, und vielleicht habe ich deshalb das Verlangen verloren, voranzukommen \u2013 ich bin schon damit zufrieden, dass ich einfach nur am Leben bin.\u201c Heute ist Tu arbeitslos.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Langsam, sagt er, erz\u00e4hle er auch seiner Frau und seinem Kind von seinen Erlebnissen. Aber das meiste lasse er aus. \u201eSie haben so etwas nie erlebt und wollen einfach nicht verstehen, selbst wenn man davon erz\u00e4hlt.\u201c In China herrschte lange Zeit kein Krieg. Der letzte, den die Volksrepublik f\u00fchrte, war 1979 gegen Vietnam. China erlitt hohe Verluste. Tu findet, heute sei es f\u00fcr Chinesen kaum m\u00f6glich, die Gef\u00fchle eines Kriegsheimkehrers wie ihm wirklich nachzuempfinden. Mit seiner Schlaflosigkeit und den Gedankenspiralen f\u00fchlt er sich allein. Sein Fazit: F\u00fcr ihn pers\u00f6nlich hat der Einsatz als S\u00f6ldner sich nicht gelohnt. 20.000 Yuan pro Monat sei auch f\u00fcr Chinesen wie ihn nicht viel. Au\u00dferdem verliert der Rubel best\u00e4ndig an Wert, sodass sein Sold auf dem chinesischen Konto weiter schrumpfte. Und f\u00fcr Russland, glaubt Tu, lohnt der Krieg sich auch nicht. \u201eIch denke, Russland hat, was die Erreichung seiner Ziele betrifft, bereits verloren. Selbst wenn sie am \u00adEnde gewinnen, wird es ein kostspieliger Sieg sein.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Wochenlang hatte Tu sich nicht treffen wollen. Nun aber redet und redet er. Erst nach vier Stunden und acht Zigaretten hat er genug. Zum Abschied sagt er: \u201eEs hat mich sehr gefreut, dass ich endlich mal alles erz\u00e4hlen konnte.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tu Haolei kommt in Milit\u00e4rkleidung zum Treffen in einem Teehaus im chinesischen Hinterland. 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