{"id":292920,"date":"2025-07-25T13:16:17","date_gmt":"2025-07-25T13:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/292920\/"},"modified":"2025-07-25T13:16:17","modified_gmt":"2025-07-25T13:16:17","slug":"die-fahrradfreundlichste-grossstadt-deutschlands-was-diese-stadt-besser-macht-als-alle-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/292920\/","title":{"rendered":"Die fahrradfreundlichste Gro\u00dfstadt Deutschlands: Was diese Stadt besser macht als alle anderen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-utopia-abstract abstract\">Finanzzentrum und Wolkenkratzer \u2013 Frankfurt am Main kann mehr: Die hessische Metropole wurde zur fahrradfreundlichsten Gro\u00dfstadt Deutschlands gew\u00e4hlt. Utopia.de hat nachgefragt, wie die Stadt den Fahrradverkehr konkret f\u00f6rdert und wie sie Radfahren noch sicherer machen will.<\/p>\n<p>Wer an die Stadt Frankfurt am Main denkt, denkt wahrscheinlich an ihre Hochhausskyline, das Finanzzentrum und die weltbekannte Gr\u00fcne So\u00dfe \u2013 an ihre gute Fahrradinfrastruktur weniger. Doch die hessische Metropole hat <a href=\"https:\/\/utopia.de\/adfc-test-diese-staedte-und-gemeinden-in-deutschland-sind-die-fahrradfreundlichsten_823867\/\" data-url-cache=\"no\" data-org-href=\"https:\/\/utopia.de\/adfc-test-diese-staedte-und-gemeinden-in-deutschland-sind-die-fahrradfreundlichsten_823867\/\" data-org- target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im ADFC Fahrradklima-Test<\/a> bei den St\u00e4dten \u00fcber 500.000 Einwohner:innen gerade den Titel \u201efahrradfreundlichste Stadt\u201c gewonnen, noch vor Hannover und Bremen. Die Befragten lobten in der Fahrradstadt Frankfurt vor allem neue Radwege, die M\u00f6glichkeit zur Fahrradmitnahme im \u00d6PNV und die Wegweiser f\u00fcr Radelnde.<\/p>\n<p>\t\t\tFrankfurt am Main gewinnt beim ADFC Fahrradklima-Test<\/p>\n<p>Utopia.de hat mit Wolfgang Siefert (Die Gr\u00fcnen), Stadtrat und Dezernent f\u00fcr Mobilit\u00e4t in Frankfurt am Main, dar\u00fcber gesprochen, wie die Stadt den Radverkehr konkret f\u00f6rdert \u2013 und was andere St\u00e4dte davon lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Frankfurts Mobilit\u00e4ts-Dezernent im Utopia-Interview<\/p>\n<p><strong>Utopia.de: Wie sieht Ihr pers\u00f6nlicher Arbeitsweg aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wolfgang Siefert<\/strong>: Ich wohne \u2013 daf\u00fcr, dass ich in einer Gro\u00dfstadt lebe \u2013 relativ nah an meinem Arbeitsplatz. Meinen circa zwei Kilometer langen Arbeitsweg fahre ich zu 99 Prozent mit dem Rad oder \u00d6PNV, weil man damit in Frankfurt einfach am schnellsten unterwegs ist.<\/p>\n<p>            Wolfgang Siefert        <\/p>\n<p>Wolfgang Siefert (Die Gr\u00fcnen) ist Stadtrat und Dezernent f\u00fcr Mobilit\u00e4t in Frankfurt am Main. Im Gespr\u00e4ch mit Utopia.de berichtet er dar\u00fcber, wie die Mainmetropole zur Fahrradstadt wird.<\/p>\n<p><strong>Das ist in vielen Gro\u00dfst\u00e4dten so, auch wenn die Radinfrastruktur oft ausbauf\u00e4hig ist. Seit wie vielen Jahren st\u00e4rkt Frankfurt gezielt den Fahrradverkehr in der Stadt?<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Meilenstein war 2009, als der damalige Verkehrsdezernent ein Radfahrb\u00fcro als eigene Organisationseinheit innerhalb der Verwaltung einrichtete. Zuvor waren Verkehrsplanungen in Frankfurt prim\u00e4r aufs Auto ausgelegt, sekund\u00e4r auf die Schiene. Die Fahrradfahrer mussten sehen, wo sie bleiben. Das Radfahrb\u00fcro begann, Ma\u00dfnahmen f\u00fcr den Radverkehr umzusetzen, namentlich viele Radabstellanlagen und Schutzstreifen an Stra\u00dfen, bei denen das relativ leicht zu l\u00f6sen war. Nach zehn Jahren aber gerieten die Ma\u00dfnahmen ins Stocken, weil alle schnellen und leicht durchf\u00fchrbaren Verbesserungen erledigt waren.<\/p>\n<p>\t\t\tAufs Radfahrb\u00fcro folgte ein Radentscheid<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie dem Ausbau des Radverkehrs wieder Schwung verliehen?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr viele Frankfurterinnen und Frankfurter fuhren damals schon Fahrrad, ohne dass es fl\u00e4chendeckend sichere Radwege gab. 2018 sammelte die B\u00fcrgerinitiative \u201eRadentscheid\u201c 40.000 Unterschriften f\u00fcr eine bessere Radinfrastruktur.<\/p>\n<p><strong>Ein ziemlicher Erfolg.<\/strong><\/p>\n<p>Damit der Radentscheid mit seinem Anliegen Erfolg haben konnte, erarbeiteten wir gemeinsam mit der B\u00fcrgerinitiative 2019 einen Antrag f\u00fcr die Stadtverordnetenversammlung, der sich \u201eFahrradstadt Frankfurt\u201c nennt und angenommen wurde. Alle erfolgreichen Ma\u00dfnahmen, die wir die vergangenen sechs Jahre umgesetzt haben, gehen auf diesen Antrag zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wie die \u201eFahrradstadt Frankfurt\u201c entstand<\/p>\n<p><strong>Was genau steht im <\/strong><a href=\"https:\/\/www.stvv.frankfurt.de\/download\/NR_895_2019.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><strong>Antrag \u201eFahrradstadt Frankfurt\u201c<\/strong><\/a><strong>?<\/strong><\/p>\n<p>Der Antrag nennt unter anderem eine \u00dcbersicht von Hauptstra\u00dfen und Nebenstra\u00dfen, die fahrradfreundlich umzugestalten sind und schreibt unter anderem vor, dass die Stadt mindestens 2.000 Fahrradabstellpl\u00e4tze im Jahr schaffen muss. Um das alles realisieren zu k\u00f6nnen, wurden Personalstellen und Budget f\u00fcr den Ausbau des Fahrradverkehrs festgeschrieben ebenso wie Planungsstandards f\u00fcr eine wirklich sichere, nutzerfreundliche Radinfrastruktur. Zum Beispiel legt der Antrag zum ersten Mal fest, dass ein Radweg in Frankfurt am Main 2,30 Meter oder \u2013 in den f\u00fcr Frankfurt typischerweise sehr eng bebauten Stra\u00dfen \u2013 in Ausnahmef\u00e4llen 2 Meter breit ist. Au\u00dferdem sieht der Antrag vor, dass Hauptverkehrsstra\u00dfen entweder einen gesch\u00fctzten Radweg oder Tempo 30 haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"532\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciIHZpZXdCb3g9IjAgMCA2NDMgNTMyIj48L3N2Zz4=\" data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/senckenberganlage-nachher.jpg\" class=\"wp-image-834766 utimgrszr lazyload\" title=\"Die Senckenberganlage in Frankfurt a.M. nach der Umgestaltung.\" alt=\"Die Senckenberganlage in Frankfurt a.M. nach der Umgestaltung.\" data-attachment-id=\"834766\"\/>Die Senckenberganlage in Frankfurt a.M. hat nach der Umgestaltung ein breiten, rotmarkierten Radweg. (Foto: Stadt Frankfurt)<\/p>\n<p><strong>Welche Ma\u00dfnahmen des Antrags wurden bis jetzt konkret realisiert?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr viele, wenn auch noch nicht alle. Seit 2019 haben wir gut 10.000 Fahrradabstellpl\u00e4tze im Stadtgebiet geschaffen und \u00fcber 40 Kilometer sichere Radwege. Von den geforderten fahrradfreundlichen Nebenstra\u00dfen haben wir die Achse Kettenhofweg\/Robert-Mayer-Stra\u00dfe, den Oeder Weg und Gr\u00fcneburgweg bereits umgesetzt. Die anderen befinden sich in unterschiedlichen Planungsst\u00e4nden. Wir haben mehrere Hauptverkehrsstra\u00dfen umgestaltet, darunter die Friedberger Landstra\u00dfe, Kurt-Schumacher-Stra\u00dfe, Mainkai, Sch\u00f6ne Aussicht und zuletzt die Eschersheimer Landstra\u00dfe. Im Antrag werden auch Stra\u00dfen genannt, bei denen sich sp\u00e4ter herausgestellt hat, dass sich ein Umbau nur schwer realisieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Weil die Stra\u00dfen sehr schmal sind?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, da Frankfurt nie Residenzstadt, sondern immer nur Kaufmannsstadt war, haben wir sehr schmale Stra\u00dfenquerschnitte und schmale B\u00fcrgersteige. Im Zweifel m\u00fcssen deshalb f\u00fcr den Radumbau eine Fahrspur, Parkpl\u00e4tze oder beides wegfallen. Vor einer Neugestaltung berechnen wir mit Verkehrsmodellen und Z\u00e4hlungen, ob der Verkehr auch nach Umsetzung der Ma\u00dfnahmen gut funktionieren w\u00fcrde. Ist das nicht der Fall, wird auch nicht umgebaut. Wir bewegen uns klar in Richtung Mobilit\u00e4tswende, aber immer mit R\u00fccksicht darauf, dass nicht jede und jeder vom Auto auf den Umweltverbund umsteigen kann.<\/p>\n<p>\t\t\t\u201eMobilit\u00e4tswende, aber mit R\u00fccksicht darauf, dass nicht jeder von Auto umsteigen kann\u201c<\/p>\n<p><strong>Um zu einer Fahrradstadt zu werden, sind Stra\u00dfenumgestaltungen aber doch unerl\u00e4sslich.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, aber es gibt viele Wege dorthin. Wir gestalten neben den Hauptstra\u00dfen auch Nebenstra\u00dfen um und machen sie zu Fahrradstra\u00dfen. Bei den Hauptstra\u00dfen arbeiten wir mit sogenannten Cycle-Lane-Separators, also provisorischen baulichen Trennelementen von Fahrrad- und Autospuren, mit Markierungen und mit roter Farbe. Das sind bestandsnahe L\u00f6sungen, die wenig bauliche \u00c4nderungen erfordern. Da das relativ schnell geht, konnten wir in f\u00fcnf Jahren \u00fcber 40 Kilometer Radwege abmarkieren. Wir wollten gerade die viel befahrenen Hauptstra\u00dfen m\u00f6glichst schnell und gro\u00dfr\u00e4umig umgestalten, um den Verkehr insgesamt zu beruhigen und die Aufenthaltsqualit\u00e4t zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"482\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciIHZpZXdCb3g9IjAgMCA2NDMgNDgyIj48L3N2Zz4=\" data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/hanauer_obermainanlage.jpg\" class=\"wp-image-834769 utimgrszr lazyload\" title=\"Hanauer_Obermainanlage\" alt=\"Cycle-Lane-Separators wie an der Hanauer Obermainanlage trennen Radweg und Autospur.\" data-attachment-id=\"834769\"\/>Cycle-Lane-Separators wie an der Hanauer Obermainanlage trennen Radweg und Autospur. (Foto: Stadt Frankfurt)<\/p>\n<p><strong>Fahrradspuren farblich zu markieren und provisorisch abzutrennen, geht schneller und ist g\u00fcnstiger. Doch wirklich sicher ist Radfahren in der Stadt erst, wenn Radwege baulich vom Autoverkehr getrennt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Wir entschieden uns nicht nur aus Zeit- und Geldgr\u00fcnden f\u00fcr die Schraubl\u00f6sungen mit Separatoren, die durchaus eine bauliche Trennung der Stra\u00dfenspuren darstellen. Der Vorteil provisorischer L\u00f6sungen ist, dass man Dinge ausprobieren und weiter verbessern kann. Nachjustieren zu k\u00f6nnen ist bei gr\u00f6\u00dferen Ver\u00e4nderungen wichtig, weil jede Stra\u00dfe \u2013 je nach Struktur und Nutzung \u2013 anders funktioniert und sich nicht alles am Rei\u00dfbrett durchplanen l\u00e4sst. Jede Radwegeplanung wird fr\u00fchzeitig in einem gr\u00f6\u00dferen st\u00e4dtischen Gremium besprochen; auch mit der Frankfurter Feuerwehr, die auch f\u00fcr die Rettungsdienste zust\u00e4ndig ist und immer ein Vetorecht hat. So achten wir zum Beispiel darauf, dass die Rettungsdienste mit ihren Fahrzeugen \u00fcber unsere Radwege ausweichen k\u00f6nnen. Auch daf\u00fcr sind die \u00fcberfahrbaren Cycle Lane Seperators gut geeignet.<\/p>\n<p><strong>Schaut man allerdings nach Berlin, wo man tempor\u00e4r Fahrradstra\u00dfen errichtet hat, sieht man wie schnell das eine neue Regierung so etwas wieder zur\u00fcckbauen kann.<\/strong><\/p>\n<p>Das kann in Frankfurt mit einer neuen Mehrheit nat\u00fcrlich auch passieren. Der Unterschied zwischen Frankfurt und Berlin oder auch Darmstadt und Gie\u00dfen ist aber, dass dort mit tempor\u00e4ren Modellversuchen gearbeitet wurde. \u201eProvisorisch\u201c hei\u00dft aber nicht zwingend \u201etempor\u00e4r\u201c. Wir hingegen setzen nur Projekte um, die laut Stra\u00dfenverkehrsordnung bereits heute erlaubt sind. Dadurch m\u00fcssen wir Kompromisse eingehen, aber so sind zum einen alle Anordnungen dauerhaft und m\u00fcssen eben nicht nach Ablauf einer Modellprojektphase zur\u00fcckgedreht werden und zum anderen ist das Risiko gering, erfolgreich verklagt zu werden.<\/p>\n<p>Fahrradstadt Frankfurt will l\u00fcckenlose Radinfrastruktur<\/p>\n<p><strong>Als einer der gr\u00f6\u00dften Kritikpunkte im aktuellen und auch vorangegangenen ADFC Fahrradklima-Test wurde die mangelnde Sicherheit genannt, die verhindert, dass mehr Menschen Fahrrad fahren. Was tut die Stadt Frankfurt, um den Radverkehr noch sicherer zu machen?<\/strong><\/p>\n<p>Dass wir laut Fahrradklima-Test die fahrradfreundlichste Metropole sind, ist toll. Unsere Note war allerdings 3,49 \u2013 das ist noch nicht \u201esehr gut\u201c. An Verkehrsknotenpunkten wie Kreuzungen sto\u00dfen unsere provisorischen Ma\u00dfnahmen tats\u00e4chlich an ihre Grenzen. Hier ist oft ein Umbau von Ampelanlagen, Verkehrsinseln oder der gesamten Kreuzung n\u00f6tig, um die verschiedenen Verkehrsarten deutlich zu trennen. Ich glaube, die Frankfurterinnen und Frankfurter kritisieren, dass gerade an solchen Knotenpunkten noch viele L\u00fccken gibt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"468\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciIHZpZXdCb3g9IjAgMCA2NDMgNDY4Ij48L3N2Zz4=\" data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/mainufer_1-scaled.jpg\" class=\"wp-image-834772 utimgrszr lazyload\" title=\"Am Mainufer l\u00e4sst es sich angenehm mit dem Rad fahren.\" alt=\"Am Mainufer l\u00e4sst es sich angenehm mit dem Rad fahren.\" data-attachment-id=\"834772\"\/>Am Mainufer l\u00e4sst es sich angenehm mit dem Rad fahren. (Foto: Stadt Frankfurt)<\/p>\n<p><strong>L\u00fccken, die Sie in Zukunft schlie\u00dfen m\u00f6chten?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Da unser Fokus bislang auf den in die Innenstadt zulaufenden Hauptstra\u00dfen lag, ist nun auch in den Au\u00dfenstadtteilen noch viel zu tun. Die bereits umgebauten 40 Kilometer Radwege empfinden alle als sehr sicher, daran wollen wir anschlie\u00dfen. Doch wir sind noch lange nicht am Ende \u2013 trotz des ersten Platzes beim Fahrradklima-Test. Derzeit arbeiten wir gezielt an Ma\u00dfnahmen f\u00fcr den Pendlerverkehr, indem wir Beschl\u00fcsse f\u00fcr Radschnellwege vorbereiten.<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00f6st die Stadt Konflikte zwischen Rad-, Auto- und Fu\u00dfverkehr, die Umgestaltungen oft mit sich bringen?<\/strong><\/p>\n<p>Technisch l\u00f6sen wir es, indem wir Fl\u00e4chen f\u00fcr Radverkehr, Fu\u00dfverkehr und Autos trennen. Die Fl\u00e4chenkonkurrenz besteht in der Gro\u00dfstadt trotzdem. Dem Argument, mit weniger Autospuren g\u00e4be es mehr Stau, entgegne ich: Keineswegs. Wir sorgen daf\u00fcr, dass noch mehr Menschen Fahrrad fahren, weil sie sich dabei sicher f\u00fchlen. Menschen auf dem Rad nehmen, ebenso wie der Fu\u00dfverkehr und \u00d6PNV, viel weniger Platz in Anspruch als ein Auto, in dem oft nur eine einzige Person sitzt. Und jeder, der Fahrrad f\u00e4hrt, macht auf den Stra\u00dfen Platz f\u00fcr diejenigen, die Auto fahren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\t\t\tFrankfurter:innen bewerten Stra\u00dfenumbauten positiv<\/p>\n<p><strong>Welche R\u00fcckmeldungen erhalten Sie von den Einwohner:innen in Bezug auf die umgesetzten Ma\u00dfnahmen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich auf Umfragen und nicht besonders auf laute Einzelstimmen schaue, haben wir eine deutliche Mehrheit hinter dem, was wir machen. Jede Umgestaltung zu fahrradfreundlichen Nebenstra\u00dfen lassen wir wissenschaftlich begleiten und die Vorher-Nachher-Befragungen zeigen, dass die Bewohner diese gro\u00dfteils gut finden, auch die Gewerbetreibenden. Die Forschungsergebnisse zur Umgestaltung des Gr\u00fcneburgwegs zur fahrradfreundlichen Nebenstra\u00dfe, die wir im Fr\u00fchjahr vorgestellt haben, zeigen, dass rund 65 Prozent aller Befragten die Gesamtma\u00dfnahme positiv sehen. Die Menschen f\u00fchlen sich in der Fahrradstra\u00dfe insgesamt sicherer, die Anzahl der Unf\u00e4lle mit Beteiligung von Radfahrenden und zu Fu\u00df Gehenden ist zur\u00fcckgegangen. <\/p>\n<p><strong>Die Ver\u00e4nderungen konnten also auch Kritiker:innen \u00fcberzeugen? <\/strong><\/p>\n<p>Ver\u00e4nderungen vor der eigenen Haust\u00fcr \u00e4ngstigen viele Menschen in Krisenzeiten besonders. Dass sie positiv sein k\u00f6nnen, muss sich manchmal erst beweisen. In der verkehrsberuhigten T\u00f6ngesgasse, einer Einkaufsstra\u00dfe neben der gro\u00dfen Shoppingmeile Zeil, waren viele Gewerbetreibende vor der Umgestaltung sehr skeptisch. Heute fordern viele Gesch\u00e4ftsleute dort angesichts der viel attraktiveren, ruhigeren und gr\u00fcneren Situation, dass wir die T\u00f6ngesgasse komplett f\u00fcr Pkw sperren. Die verkehrliche Ver\u00e4nderung scheint sich also f\u00fcr die Wirtschaft gelohnt zu haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"430\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciIHZpZXdCb3g9IjAgMCA2NDMgNDMwIj48L3N2Zz4=\" data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/grueneburgweg_1-scaled.jpg\" class=\"wp-image-834778 utimgrszr lazyload\" title=\"Der Gr\u00fcneburgweg ist jetzt eine fahrradfreundliche Nebenstra\u00dfe.\" alt=\"Der Gr\u00fcneburgweg ist jetzt eine fahrradfreundliche Nebenstra\u00dfe.\" data-attachment-id=\"834778\"\/>Der Gr\u00fcneburgweg ist jetzt eine fahrradfreundliche Nebenstra\u00dfe. (Foto: Stadt Frankfurt)<\/p>\n<p><strong>Mehr Rad- und weniger Autoverkehr verringert auch die Schadstoffemissionen. Konnten sie bereits positive Auswirkungen auf die Umwelt nachweisen?<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge eines Luftreinhalteplans beschloss die Stadt neben dem Radverkehrsausbau weitere Verkehrsberuhigungsma\u00dfnahmen wie die Einf\u00fchrung einer Umweltzone und ordnete an vielen Stellen Tempo 40 statt Tempo 50 und in den allermeisten Wohnvierteln Tempo 30 an. Seit zwei Jahren halten wir die Luftreinhaltewerte ein. Das gesamte Ma\u00dfnahmenb\u00fcndel zeigt also Wirkung. Die Konzepte, die wir im Radverkehr umsetzen, sind dabei ein wichtiger Baustein.<\/p>\n<p><strong>Wie stellen Sie sicher, dass die Menschen in Frankfurt auch im Sommer bei Hitze gut mit dem Rad fahren k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Hitze betrifft alle Verkehrsteilnehmer. Wir entsiegeln Stra\u00dfen und haben bereits sch\u00f6ne entsiegelte Gr\u00fcnfl\u00e4chen in der Stadt. An sensiblen Bereichen verbauen wir aufgehellten Asphalt, der allerdings verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig teuer ist und stellen kostenlose Trinkwasserbrunnen auf. Auch Pedelecs helfen, dass Menschen bei hei\u00dfem Wetter weiter Rad fahren k\u00f6nnen, ohne ins Schwitzen zu geraten und nicht ins Auto steigen.<\/p>\n<p>Mobilit\u00e4tsexperte r\u00e4t: Mit einfachen Ma\u00dfnahmen loslegen<\/p>\n<p><strong>Welche Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen sich andere<\/strong> <strong>deutsche Gro\u00dfst\u00e4dte von Frankfurt abschauen?<\/strong><\/p>\n<p>Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist unser Ansatz, nicht gleich \u00fcberall den Goldstandard bauen zu wollen, sondern erst einmal schnell und pragmatisch ein gro\u00dfr\u00e4umiges Radwegenetz zu schaffen. Die Menschen interessiert kein einzelnes sch\u00f6nes Stra\u00dfenst\u00fcck, sie haben ein Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnis und wollen z\u00fcgig, sicher und komfortabel von A nach B kommen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir Angebote mit fl\u00e4chigen L\u00f6sungen schaffen. Akzeptanz f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen schaffen wir auch, indem wir mit unseren Radvehrskehrsplanungen immer auch die Bed\u00fcrfnisse der Fu\u00dfg\u00e4ngerinnen und Fu\u00dfg\u00e4nger ber\u00fccksichtigen. Ein eigener Radweg holt die Radfahrerinnen und Radfahrer auch von den Fu\u00dfwegen herunter.<\/p>\n<p><strong>Wo m\u00f6chten Sie bei der Mobilit\u00e4tswende in Frankfurt in f\u00fcnf Jahren stehen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00e4re gerne so weit, dass wir die L\u00fccken an Kreuzungen geschlossen und ein durchg\u00e4ngiges Fahrradwegenetz haben. Nach einem Jahrhundert autofreundlicher Politik braucht es einen Perspektivwechsel. Mir ist es wichtig, dass alle Verkehrsteilnehmenden Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr aufbringen, dass es auch andere Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse gibt, die ebenso berechtigt sind wie die eigenen.<\/p>\n<p>** mit ** markierte oder orange unterstrichene Links zu Bezugsquellen sind teilweise Partner-Links: Wenn ihr hier kauft, unterst\u00fctzt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserl\u00f6s. <a href=\"https:\/\/utopia.de\/partner-links-faq\/\" target=\"_blank\" data-url-cache=\"yes\" data-org-href=\"https:\/\/utopia.de\/partner-links-faq\/\" data-org- rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a>.<\/p>\n<p>War dieser Artikel interessant?<\/p>\n<p>\n\t\t\t\t<strong>Vielen Dank f\u00fcr Dein Feedback!<\/strong><br \/>Wir sch\u00e4tzen Deine Meinung sehr, denn sie hilft uns dabei besser zu werden!            <\/p>\n<p>\t\t\t\t<strong>Vielen Dank f\u00fcr Dein Feedback! \ud83e\udd17 Dir gef\u00e4llt der Artikel?<\/strong>                <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Finanzzentrum und Wolkenkratzer \u2013 Frankfurt am Main kann mehr: Die hessische Metropole wurde zur fahrradfreundlichsten Gro\u00dfstadt Deutschlands gew\u00e4hlt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":292921,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1829],"tags":[29,1234,2050,2051,30,2052,2134,9182,19804,4520],"class_list":{"0":"post-292920","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankfurt-am-main","8":"tag-deutschland","9":"tag-fahrrad","10":"tag-frankfurt","11":"tag-frankfurt-am-main","12":"tag-germany","13":"tag-hessen","14":"tag-interview","15":"tag-staedte","16":"tag-verkehrsmittel","17":"tag-verkehrswende"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114914065399287186","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/292920","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=292920"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/292920\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/292921"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=292920"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=292920"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=292920"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}