{"id":292927,"date":"2025-07-25T13:20:12","date_gmt":"2025-07-25T13:20:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/292927\/"},"modified":"2025-07-25T13:20:12","modified_gmt":"2025-07-25T13:20:12","slug":"stadtrat-tritt-bei-muenchen-ist-bunt-aus-wegen-menschenkette-vor-der-synagoge-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/292927\/","title":{"rendered":"Stadtrat tritt bei \u201eM\u00fcnchen ist bunt\u201c aus \u2013 wegen Menschenkette vor der Synagoge &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Thomas Lechner bezieht gerne Stellung. Nach dem Anschlag auf eine Gewerkschaftsdemonstration im Februar organisierte der parteilose Politiker, der der Fraktion der Linken im Stadtrat angeh\u00f6rt, spontan eine Kundgebung vor der Feldherrnhalle und kritisierte Hetze gegen Migranten im Wahlkampf. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-drag-lesung-stadtrat-thomas-lechner-1.5865215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vor zwei Jahren erschien er im Stadtrat mit wallendem blonden Haar<\/a>, Lippenstift und Rock, um sich in der Debatte um eine Lesung von Draqk\u00fcnstlern f\u00fcr Kinder zu positionieren. Und k\u00fcrzlich beim Christopher Street Day in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> trat er in einem Kost\u00fcm auf, das eine Melone symbolisieren sollte, und animierte Teilnehmer dazu, \u201efree Palastine\u201c zu rufen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Auch bei Aktionen von \u201e<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen_ist_bunt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen ist bunt<\/a>\u201c engagierte sich der Kommunalpolitiker in den vergangenen Jahren. Doch jetzt hat Lechner \u00f6ffentlichkeitswirksam seinen Austritt aus dem Verein erkl\u00e4rt. Auf Facebook und seiner Website ver\u00f6ffentlichte er eine Bildmontage mit dem Logo der Organisation: \u201eM\u00fcnchen war einmal bunt\u201c, steht da. Darunter ist Lechners offener Brief an den Vorstand zu lesen. Er verurteile \u201eaufs Sch\u00e4rfste\u201c, in welche Richtung sich der Verein in den vergangenen Monaten entwickelt habe, schreibt der Stadtrat.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Was Lechner zu diesem Schritt veranlasste: \u201eM\u00fcnchen ist bunt\u201c und andere zivilgesellschaftliche Gruppen hatten in der vergangenen Woche zur Teilnahme an <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-synangoge-menschenkette-palaestinenser-demonstration-li.3285915\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einer Menschenkette zum Schutz der Synagoge am Sankt-Jakobs-Platz<\/a> aufgerufen, um sich mit j\u00fcdischem Leben in M\u00fcnchen zu solidarisieren. Dies war eine Reaktion auf eine Propal\u00e4stina-Demo, die nur wenige hundert Meter von der Synagoge entfernt stattfand, und zwar ausgerechnet am Freitagabend, wenn Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde in der Synagoge den Schabbat mit einem Gottesdienst einleiten. M\u00fcnchner Juden hatten die Demo <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-demo-freitag-palaestina-spricht-juden-synagoge-jakobsplatz-li.3285650\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">als kalkulierten Akt der Einsch\u00fcchterung und Bedrohung empfunden<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Doch Stadtrat Lechner meint, \u201eM\u00fcnchen ist bunt\u201c selbst habe mit dem Aufruf zur Teilnahme an der Menschenkette \u201eeine Initiative mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit durchgef\u00fchrt und somit gegen die selbst gesetzten Ziele und Werte versto\u00dfen\u201c. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist eine ideologische Einstellung: Menschen werten andere Menschen ab, weil sie etwa j\u00fcdisch, muslimisch, homosexuell oder Frauen sind. Es ist der maximale Vorwurf an einen Verein, der sich entschieden gegen Ausgrenzung wendet und f\u00fcr eine tolerante Stadtgesellschaft eintritt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Micky Wenngatz, Vorsitzende von \u201eM\u00fcnchen ist bunt\u201c, weist Lechners Vorwurf entschieden zur\u00fcck. Sie sagt, anstatt \u201edie berechtigten Sorgen der j\u00fcdischen Gemeinde\u201c ernst zu nehmen, verdrehe Lechner die Realit\u00e4t: \u201eAus einem klaren Zeichen gegen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Antisemitismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antisemitismus<\/a> konstruiert er einen Vorwurf des antimuslimischen Rassismus.\u201c Die Menschenkette habe sich nicht gegen Muslime oder Pal\u00e4stinenser gerichtet, sondern gegen eine Demonstration eines vom Verfassungsschutz beobachteten Netzwerks. Durch dessen Rhetorik und die bewusste Wahl der Route in der N\u00e4he der Synagoge sei dies als Provokation und Bedrohung empfunden worden \u2013 \u201ezu Recht\u201c, wie Wenngatz sagt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">An der Demo am Freitag vor einer Woche beteiligten sich rund 750 Menschen. Sie zogen mit Schildern, Trommeln und Pal\u00e4stina-Fahnen vom Rindermarkt ins G\u00e4rtnerplatzviertel und zur\u00fcck. Gefolgt waren sie dem Aufruf zur \u201eMarschdemo\u201c von \u201ePal\u00e4stina spricht\u201c, einer Gruppe, die der Verfassungsschutz beobachtet.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Wie auf Videos zu sehen ist, die verschiedene Dokumentationsstellen ver\u00f6ffentlichten, skandierten die Demonstrierenden lautstark antisemitische Parolen (\u201eZionisten sind Faschisten\u201c), w\u00fcnschten israelischen Soldaten den Tod (\u201eDeath, death to IDF\u201c) oder feierten Aktionen der Huthi-Miliz, die im Roten Meer immer wieder Frachtschiffe angreift und dabei Seeleute t\u00f6tet. Der Slogan der militanten Islamisten: \u201eTod f\u00fcr Amerika, Tod f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Israel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Israel<\/a>, Verflucht seien die Juden, Sieg dem Islam.\u201c Circa 150 Beamtinnen und Beamte des Polizeipr\u00e4sidiums M\u00fcnchen waren im Einsatz. Mit Absperrgittern und Kontrollstellen regelten sie den Zugang zum Sankt-Jakobs-Platz und sperrten den Oberanger als Verbindungsstra\u00dfe vom Rindermarkt zur Synagoge.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Polizisten sch\u00fctzen den Jakobsplatz mit der Synagoge vorsorglich, w\u00e4hrend eine Propal\u00e4stina-Demo wenige hundert Meter entfernt stattfindet.\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/845a179c-432b-4486-96b1-74cda38741e6.jpg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Polizisten sch\u00fctzen den Jakobsplatz mit der Synagoge vorsorglich, w\u00e4hrend eine Propal\u00e4stina-Demo wenige hundert Meter entfernt stattfindet. (Foto: Martin Bernstein)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Auch Lechner selbst marschierte bei der Demo mit. Auf Nachfrage schreibt er, sich an \u201ekeinen einzigen Angriff oder auch reale Bedrohung der Synagoge oder ihrer Mitglieder\u201c durch Demoteilnehmer erinnern zu k\u00f6nnen. \u201eM\u00fcnchen ist bunt\u201c habe einen n\u00f6tigen Schutz der Synagoge \u201eherbeikonstruiert\u201c und so den Demoteilnehmern einen \u201em\u00f6glichen Angriff\u201c unterstellt, so Lechners Vorwurf.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Micky Wenngatz sagt, Lechner versuche, zivilgesellschaftliche Initiativen wie \u201eM\u00fcnchen ist bunt\u201c zu diskreditieren. Dies h\u00e4lt sie f\u00fcr \u201egef\u00e4hrlich\u201c. Lechner schw\u00e4che damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt und spiele Demokratiefeinden in die H\u00e4nde. \u201eDer Schutz j\u00fcdischen Lebens ist kein Ausdruck von Spaltung, sondern von einer wehrhaften Demokratie\u201c. Wer diesen Schutz als Ausgrenzung empfinde, \u201esollte sich fragen, wem er sich in diesem Moment wirklich zuwendet und von wem er sich abwendet\u201c, so Wenngatz.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">In der kommenden Woche findet wieder eine Propal\u00e4stina-Demo in M\u00fcnchen statt, wieder in der Altstadt, wieder am Freitagabend um 18.30 Uhr zu Beginn des Schabbats. Das hat das Kreisverwaltungsreferat (KVR) der SZ best\u00e4tigt. In Gespr\u00e4chen mit der Beh\u00f6rde h\u00e4tten die Veranstalter angek\u00fcndigt, diesmal eine Route zu w\u00e4hlen, \u201edie nicht an der Synagoge vorbeif\u00fchrt\u201c, wie eine KVR-Sprecherin sagt. Ausgangs- und Schlusskundgebung sind am Marienplatz geplant. Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle hatte am Donnerstag gefordert, die Stadt M\u00fcnchen d\u00fcrfe \u201ekeine judenfeindlichen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Demonstrationen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Demonstrationen<\/a> mehr am oder beim Jakobsplatz\u201c genehmigen. \u201eEs kann nicht sein, dass J\u00fcdinnen und Juden wieder Angst haben, in M\u00fcnchen ihren Glauben zu leben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Thomas Lechner bezieht gerne Stellung. 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