{"id":292946,"date":"2025-07-25T13:30:10","date_gmt":"2025-07-25T13:30:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/292946\/"},"modified":"2025-07-25T13:30:10","modified_gmt":"2025-07-25T13:30:10","slug":"schau-zu-emma-jungs-malerei-in-zuerich-sie-malen-sich-ins-unbewusste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/292946\/","title":{"rendered":"Schau zu Emma Jungs Malerei in Z\u00fcrich: Sie malen sich ins Unbewusste"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Leicht k\u00f6nnte man vorbei\u00adgehen an dem sandfarbenen Haus. <a href=\"https:\/\/taz.de\/100-Jahre-Dada\/!5271852\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das Cabaret Voltaire liegt im Z\u00fcrcher Niederdorf<\/a>, mitten im touristischen Zentrum, wo sich in schmalen G\u00e4sschen Boutiquen und Caf\u00e9s aneinanderreihen. Von au\u00dfen erinnert eine Marmortafel an der Wand zur Spiegelgasse, an das, was sich dort im Jahr 1916 zugetragen hat, eine nur wenige Monate andauernde Episode in der Geschichte des Geb\u00e4udes, die dieses aber weltber\u00fchmt gemacht hat: \u201eIn diesem Haus wurde am 5. Febr. 1916 das Cabaret Voltaire er\u00f6ffnet und der Dadaismus begr\u00fcndet\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Heute ist es an der Kunsthistorikerin Salome Hohl, den Geist von Dada lebendig zu halten, mit der Gegenwart in Beziehung zu setzen. Seit 2020 leitet sie als Direktorin das Haus, das vieles in einem ist: K\u00fcnstlerkneipe, Bibliothek, B\u00fchne und Ausstellungsraum. \u201eTage und N\u00e4chte\u201c hei\u00dft die aktuelle Sonderausstellung, die Werke der Psychoanalytikerin Emma Jung und der zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstlerin Rebecca Ackroyd zusammenbringt, in die inneren Welten von beiden hineinf\u00fchrt. Was Jungs Psychoanalyse und Dada verbindet? Das Unbewusste hervorholen wollen Beide.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Bekanntschaft mit Ackroyd, geboren 1987, h\u00e4tte man im vergangenen Jahr <a href=\"https:\/\/taz.de\/Rundgang-ueber-die-Biennale-von-Venedig\/!6003127\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">w\u00e4hrend der Kunstbiennale in Venedig<\/a> gemacht haben k\u00f6nnen. Surreal anmutende Skulpturen aus Kunstharz und Alltagsmaterialien sowie Malerei hatte sie dort auf ihre \u201eMirror Stage\u201c gebracht. Im Winter folgte eine Einzelausstellung in der Kestner Gesellschaft in Hannover. F\u00fcr die Zeichnungen, Malereien, Gedichte und weiteren Papierarbeiten Emma Jungs aber ist es eine Premiere. Nie zuvor wurden Werke Jungs irgendwo in einer Ausstellung gezeigt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Jung, geboren 1882, gestorben 1955, war sie die Frau von Carl Gustav Jung. Sie so einzuf\u00fchren, f\u00fchlt sich nach dem Besuch von \u201eTage und N\u00e4chte\u201c ebenso notwendig wie falsch an. Dass sie weit mehr war als \u201edie Frau von\u201c, kommuniziert diese Schau erfolgreich. Andererseits ist es gerade spannend, Emma Jungs Arbeit, ihre Kosmologie, ihre symbolhaft aufgeladenen Bilder in Abgrenzung <a href=\"https:\/\/taz.de\/Weltkulturgeschichte-in-Bremen\/!5927813\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zu dem nicht unumstrittenen C.\u2009G.\u2006Jung zu betrachten<\/a>, dessen Geburtstag sich am 26. Juli zum 150. Mal j\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Die Ausstellung<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\">\u201eTage und N\u00e4chte\u201c. Cabaret Voltaire, Z\u00fcrich. Bis 2. November<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"5\">Emma Jungs Werk wird gerade erst neu entdeckt, nicht nur im Z\u00fcrcher Niederdorf: Bei Princeton University Press erschien k\u00fcrzlich eine erste umfassende Publikation \u00fcber das Schaffen Jungs, \u201eDedicated to the Soul\u201c (2025). Jungs erste Arbeit, das kann man einer lesenswerten Brosch\u00fcre zur Ausstellung entnehmen, war eine psychologische Deutung des M\u00e4rchens \u201eDie zwei Br\u00fcder\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Seit 1910 war sie Teil der Z\u00fcrcher Gruppe der Psychoanalytischen Vereinigung, sp\u00e4ter umbenannt in \u201eVerein f\u00fcr Analytische Psychologie\u201c, ab 1916 erste Pr\u00e4sidentin des von C.\u2006G. Jung angeregten Psychologischen Clubs. Im Fokus ihres beruflichen Interesses lag vor allem der Prozess der \u201eIndividuation\u201c, der Entwicklung eines Menschen zur eigen- und selbstst\u00e4ndigen Pers\u00f6nlichkeit also, was sich aus vielen ihrer Zeichnungen und Malereien herauslesen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>      Vulkan unterm Sternenhimmel<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Vor Ort ist es noch interessanter, diese direkt zu studieren. Einem Kind in blauem Kleid begegnet man da unter anderem, das an eine schwere Holzt\u00fcr klopft oder dunklen Kr\u00e4hen gegen\u00fcbersteht, einer Schutzmantelmadonna, die jedoch keine Menschen, sondern einen Baum voller V\u00f6gel und bl\u00fchende Blumen unter sich birgt, einem Vulkan unterm Sternenhimmel, aus dem tiefblaue Lava flie\u00dft, Mauern und Gitterst\u00e4ben, einem Skorpion, der auf ein Kreuz blickt, sodass sich die Form eines Schwerts \u2013 des Grals? \u2013 ergibt, einer z\u00fcngelnden Schlange, Ornamentalem, Planetarem, Abstraktem.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Als Kunst sind diese nicht entstanden, Jung zeichnete, malte, schrieb, um Zugang zu ihrem Unbewussten zu erlangen. So lesen kann man sie aber, \u00c4hnlichkeiten zu Zeitgenossinnen wie Emma Kunz oder Olga Fr\u00f6be-Kapteyn ergeben sich da, oder auch zu <a href=\"https:\/\/taz.de\/Die-Malerin-Hilma-af-Klint\/!5065222\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hilma af Klimt<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">Ackroyd wiederum hat sich in Vorbereitung intensiv mit Jungs Skizzenheften und Notizb\u00fcchern besch\u00e4ftigt, mit ihrem \u201eSchwarzen Buch\u201c besonders, das Haus der Jungs in K\u00fcsnacht besucht, hat sich nicht ganz freiwillig sogar an ihre Praxis angepasst: Nachdem Ackroyd ihr Atelier in Berlin verloren hatte, konzentrierte sie sich wie Jung aufs kleine Format, hielt in Zeichnungen Tr\u00e4ume und Visionen fest.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">Wie Kommentare auf Jung \u00adwirken auch Ackroyds intensiv riechende Skulpturen aus Bienenwachs, zusammengesetzt aus Taucherk\u00f6pfen, F\u00fc\u00dfen, H\u00e4nden, Kameras, S\u00e4gebl\u00e4ttern. Scheinbar den Bezug zur \u00adRealit\u00e4t \u00fcbernimmt schlie\u00dflich ein Karussell gefundener Dias. Sie zeigen Knochenstrukturen oder den Weltraum, Dinge also, die zwar existieren, uns aber eher selten unter die Augen kommen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">\u201eWas begraben in der Tiefe, wie mag es ans Licht gelangen?\u201c, so beginnt ein Gedicht Jungs auf einem Bildzyklus von 1917\/18. Was Emma Jungs erstaunliches Werk betrifft, ist die Ausstellung hoffentlich ein erster Schritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leicht k\u00f6nnte man vorbei\u00adgehen an dem sandfarbenen Haus. 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