{"id":29417,"date":"2025-04-13T19:23:09","date_gmt":"2025-04-13T19:23:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/29417\/"},"modified":"2025-04-13T19:23:09","modified_gmt":"2025-04-13T19:23:09","slug":"esslinger-huettenstreit-vor-dem-petitionsausschuss-wenig-hoffnung-fuer-mehmet-suemengens-huette-und-sein-soziales-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/29417\/","title":{"rendered":"Esslinger H\u00fcttenstreit vor dem Petitionsausschuss: Wenig Hoffnung f\u00fcr Mehmet S\u00fcmengens H\u00fctte und sein soziales Projekt"},"content":{"rendered":"<p>Beim Ortstermin des Petitionsausschusses macht der stellvertretende Ausschussvorsitzende Andreas Kenner dem Eigent\u00fcmer Seyit Mehmet S\u00fcmengen wenig Hoffnung: Seine H\u00fctte in einer Streuobstwiese bei Wiflingshausen muss wohl weichen.<\/p>\n<p>Hier das Recht, dort das Rechtsempfinden: So die Stimmungslage beim Ortstermin vor der Gartenh\u00fctte von Seyit Mehmet S\u00fcmengen in einer Streuobstwiese bei Wiflingshausen. Dem Recht nach darf an der fast fertigen H\u00fctte seit Ende Juni 2023 nicht weitergebaut werden. Sie d\u00fcrfte eigentlich gar nicht mehr stehen. Die Stadt <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Esslingen\" title=\"Esslingen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Esslingen<\/a> und das Regierungspr\u00e4sidium erachten sie als Schwarzbau im Landschaftsschutzgebiet, der abzurei\u00dfen sei. <\/p>\n<p> Dagegen wehrt sich nicht nur S\u00fcmengens Rechtsempfinden, sondern auch das seiner Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer aus der Nachbar- und B\u00fcrgerschaft. Deshalb hat der St\u00fccklesbesitzer den Petitionsausschuss des Landtags angerufen. Dieser machte sich am Freitag vor Ort ein Bild, vertreten durch den stellvertretenden Vorsitzenden, den Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Kenner, und die Gr\u00fcnen-Obfrau im Ausschuss, die Heilbronner Abgeordnete Gudula Achterberg. Auf Beh\u00f6rdenseite waren zu der Freilicht-Ausschusssitzung Mitarbeiter von Stadt und Kreis Esslingen, Regierungspr\u00e4sidium und Umweltministerium geladen. Dem Petenten konnte Kenner indes kaum Hoffnung machen: \u201eIch sehe im Ausschuss keine Mehrheit.\u201c<\/p>\n<p>Indes hat der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Abriss\" title=\"Abriss\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abriss<\/a>bescheid in der Bev\u00f6lkerung hohe Wellen des Unverst\u00e4ndnisses geschlagen. Denn S\u00fcmengen hat nicht einfach ein Gartenh\u00e4usle ins Landschaftsschutzgebiet geklotzt, sondern nur neu aufgebaut, was eingest\u00fcrzt war. Aus Sicht der Beh\u00f6rden ein unzul\u00e4ssiger Neubau. Zwar stand die morsche alte H\u00fctte aus der Nachkriegszeit unter Bestandsschutz. Aber was nicht mehr besteht, genie\u00dft auch keinen Schutz. Oder wie Philipp Leder, Leiter der h\u00f6heren Baurechtsbeh\u00f6rde beim Regierungspr\u00e4sidium, erkl\u00e4rte: \u201eDer Bestandsschutz erlischt mit dem Abbruch.\u201c Auch wenn es kein geplanter war. Alles danach gilt als Neubau. Auch wenn es, wie S\u00fcmengens H\u00fctte, auf demselben Fundament und in kleineren Abmessungen errichtet wird.<\/p>\n<p>Keine Baugenehmigung <\/p>\n<p>S\u00fcmengen machte keinen Hehl daraus, dass er um keine Baugenehmigung ersucht habe, da er davon ausgegangen sei, es handle sich um eine blo\u00dfe Reparatur. Ein Passant sah das offenbar anders, erstattete Anzeige und brachte so die Paragrafenlawine ins Rollen, die das H\u00e4uschen voraussichtlich vom Hang fegt. Selbst wenn S\u00fcmengen beim st\u00e4dtischen Baurechtsamt vorstellig geworden w\u00e4re, h\u00e4tte das \u201ewahrscheinlich auch nichts ge\u00e4ndert\u201c, sagte Michael Kretzschmar, stellvertretender Leiter der Abteilung Naturschutz im Umweltministerium. Denn die Rechtslage, so die Beh\u00f6rdenvertreter, sei eindeutig, die Stadt Esslingen zurecht eingeschritten.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/media.media.307ee124-4537-4270-bbdf-c134dd5a7cfa.original1024.media.jpeg\"\/>     Auch etliche Unterst\u00fctzer S\u00fcmengens waren zu dem Ortstermin erschienen.    Foto: Robin \/ Rudel    <\/p>\n<p>Hingegen verstehen S\u00fcmengen und seine Unterst\u00fctzer die Welt und den Rechtsstaat nicht mehr. Und wie immer kochen die Emotionen hoch, wenn Gesetze an Empfindungen r\u00fchren. Erst recht, wenn ein Sympathietr\u00e4ger wie S\u00fcmengen betroffen ist. Mehmet, wie ihn seine Freunde nennen, ist \u00f6kologisch und sozial engagiert, ein Idealist, was die Nutzung von H\u00fctte und Grundst\u00fcck anbelangt. Kindern und Jugendlichen will der fr\u00fchere Erziehungsbeistand sein Gel\u00e4nde zug\u00e4nglich machen. Aus seiner Arbeit mit schwer erziehbaren Jugendlichen wisse er, sagt der 62-J\u00e4hrige, dass \u201esie kommunikativer und ansprechbarer werden, wenn sie drau\u00dfen im Freien sind\u201c.<\/p>\n<p> Er selbst f\u00fchlt sich an seine Kindheit in einem anatolischen Dorf erinnert, er ist \u00fcberzeugt, dass allen Kindern der Kontakt mit der Natur guttut. Grundsch\u00fcler der Hainbachschule haben bei ihm unter Anleitung der Agendagruppe Streuobstwiesen Insektenhotels gebaut, im ungem\u00e4hten Gras Fauna und Flora erkundet. Das w\u00fcrde er gern fortsetzen, au\u00dferdem die Wiese selbst samt der umgebenden Hecken bewirtschaften. Dazu brauche es das H\u00e4uschen, und \u201edie alte H\u00fctte hat doch auch niemanden gest\u00f6rt\u201c, sagt S\u00fcmengen und sch\u00fcttelt den Kopf.<\/p>\n<p>Unmut und Kompromissvorschl\u00e4ge <\/p>\n<p>Die mit ungef\u00e4hr zwei Dutzend B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern vertretene \u00d6ffentlichkeit sch\u00fcttelte nicht nur den Kopf, sondern tat ausdr\u00fccklich ihren Unmut kund. In der starren Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen zeige sich \u201edas sture, dumme Deutschland\u201c, wetterte ein Mann. Eine Frau forderte energisch eine Ausnahmeregelung, ein weiterer Mann einen Kompromiss: \u201eBestandsschutz f\u00fcr das Fundament, und die H\u00fctte wird noch einmal etwas verkleinert.\u201c So und \u00e4hnlich \u00e4u\u00dferten sich noch mehr der Anwesenden. Einer trug ein Pappschild, auf dem er auf die Pflege von Streuobst und die n\u00f6tigen Voraussetzungen hinwies. <\/p>\n<p> Konflikt zwischen Landschaftsschutz und Bewirtschaftung <\/p>\n<p>Selbst ein Vertreter des st\u00e4dtischen Baurechtsamts, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, r\u00e4umte den Konflikt zwischen Landschaftsschutz und Bewirtschaftung ein, die doch einzig die zu sch\u00fctzende Landschaft erh\u00e4lt. Aber vom Naturschutz seien eben m\u00f6glichst wenige Bauten \u00fcber 20 Kubikmeter gew\u00fcnscht. Auch Ministeriumsvertreter Kretzschmar lie\u00df einer Verst\u00e4ndnisbekundung (\u201eEmotional ist das wohl schwer nachvollziehbar\u201c) ein gro\u00dfes Aber folgen: \u201eWenn diese H\u00fctte genehmigt w\u00fcrde, w\u00e4re nach dem Prinzip \u201aGleiches Recht f\u00fcr alle\u2019 das Landschaftsschutzgebiet tot.\u201c Sprich: \u00fcbers\u00e4t mit Gartenlauben. <\/p>\n<p>Angesichts des b\u00fcrgerschaftlichen Rechtsverdrusses ritt auch die Ausschuss-Obfrau Achterberg eine Lanze f\u00fcr Gesetz und Ordnung: \u201eDas Naturschutzgesetz kommt allen zugute. Wir d\u00fcrfen das nicht aush\u00f6hlen. Es gibt Beispiele von Landschaftsschutzgebieten, wo aus Geschirrh\u00fctten immer gr\u00f6\u00dfere H\u00e4user geworden sind.\u201c Derweil h\u00e4tte sich S\u00fcmengen fast in noch eine Paragrafenfalle man\u00f6vriert: Dass er beim Zusammenbruch der alten H\u00fctte mehr als eine Tonne Asbest entsorgt habe, brachte ihm zwar den Applaus des Publikums ein. Aber auch den R\u00fcffel eise weiteren Anonymus\u2019 des Esslinger Gr\u00fcnfl\u00e4chenamts, dass sich hier ebenfalls die \u201eLegalit\u00e4tsfrage\u201c stelle. Asbestentsorgung ist nur Fachbetrieben gestattet.<\/p>\n<p> Rettung durch Flederm\u00e4use? <\/p>\n<p>Am Ende res\u00fcmierte Andreas Kenner f\u00fcr den Petitionsausschuss \u201ebei aller Sympathie\u201c f\u00fcr S\u00fcmengens ideelle Motive: \u201eWir m\u00fcssen uns an das Recht halten.\u201c Doch die Dissonanz zwischen Recht und Rechtsempfinden blieb unaufgel\u00f6st. Das Einzige, was die H\u00fctte vor dem Naturschutz noch retten kann, ist der Naturschutz. An ihr nisten Flederm\u00e4use. Sie sind streng artengesch\u00fctzt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Beim Ortstermin des Petitionsausschusses macht der stellvertretende Ausschussvorsitzende Andreas Kenner dem Eigent\u00fcmer Seyit Mehmet S\u00fcmengen wenig Hoffnung: Seine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":29418,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[8546,1634,6764,16487,3364,29,3439,13948,30,16486,16489,5321,1441,16485,16488],"class_list":{"0":"post-29417","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-abriss","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-baurechtsamt","11":"tag-bestandsschutz","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-esslingen","15":"tag-gartenhuette","16":"tag-germany","17":"tag-landschaftsschutzgebiet","18":"tag-regierungspraesidium","19":"tag-stadt-esslingen","20":"tag-stuttgart","21":"tag-suemengen","22":"tag-wiflingshausen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114332290547801952","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29417","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29417"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29417\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29418"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}