{"id":294428,"date":"2025-07-26T03:04:13","date_gmt":"2025-07-26T03:04:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/294428\/"},"modified":"2025-07-26T03:04:13","modified_gmt":"2025-07-26T03:04:13","slug":"warum-wir-nicht-gluecklich-werden-wenn-wir-uns-auf-die-welt-nicht-einlassen-koennen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/294428\/","title":{"rendered":"Warum wir nicht gl\u00fccklich werden, wenn wir uns auf die Welt nicht einlassen k\u00f6nnen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Wie lebt man ein erf\u00fclltes Leben? Wie bekommt man es \u00fcberhaupt? Was muss man daf\u00fcr tun? Oder muss man gar nichts daf\u00fcr tun? Eigentlich sind das alles Fragen, die sich sp\u00e4testens in der Pubert\u00e4t stellen und mit dem Schulabschluss akut werden. Nur: Kein Mensch bereitet einen auf diese wichtigsten Weichenstellungen vor. Und so sah sich Radiomoderator Wilm H\u00fcffer dazu angeregt, einmal ein ganzes Buch \u00fcber Hingabe zu schreiben. Ein durchaus vertrackter Begriff. Aber ohne Hingabe gibt es kein erf\u00fclltes Leben. Selbst wenn es viele nicht glauben.<\/p>\n<p>Der Begriff ist hochaktuell \u2013 gerade weil er unsere vom Kommerz und Wettbewerbsdenken beherrschte Gesellschaft scheinbar \u00fcberholt ist, Teil einer vergangenen Welt, in der sich Menschen noch Ideen, Aufgaben oder schlicht dem Dienst an der Gemeinschaft widmeten. Alles von gestern?<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/f3e4b591014e4feab4c5d54757280005.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/07\/1\"\/><\/p>\n<p>Wenn man sich die derzeitige Politik so anschaut: Ja. Der Egoismus triumphiert. R\u00fccksichtslosigkeit wird als Tugend verkauft. Jeder denkt nur an sich. Was man braucht, kann man sich ja im Internet bestellen. Und dann wird man gl\u00fccklich \u2026<\/p>\n<p>Wird man nat\u00fcrlich nicht, stellt H\u00fcffer fest, der auf seiner Suche nach dem richtigen Weg gl\u00fccklich zu werden nat\u00fcrlich auch auf die Existenzialisten des 20. Jahrhunderts \u2013 und insbesondere Sartre \u2013 zu sprechen kommt. Jene Gedankenpal\u00e4ste, auf denen die heutigen Anspr\u00fcche von Selbstverwirklichung beruhen.<\/p>\n<p>Die aber vor allem den Weg zur Erf\u00fcllung im eigenen Kopf suchen. Egoshooter nennt sie H\u00fcffer. Nicht ganz unbegr\u00fcndet. Er geht bis zu Ren\u00e9 Descartes und seinem ber\u00fchmten<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cogito_ergo_sum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> \u201eCogito ergo sum\u201c<\/a> zur\u00fcck, das seit dem Jahr 1641 in philosophischen Debatten f\u00fcr maximale Verwirrung sorgt.<\/p>\n<p>Selber schuld<\/p>\n<p>Es ist eine Kurzformel, die schon die Radikalismen der Zukunft andeutet. Und damit auch die Zerrissenheit des heutigen Menschen zwischen den radikalen Anspr\u00fcchen, in denen er sich gestresst und verloren f\u00fchlt. Denn wer \u2013 wie H\u00fcffer \u2013 die Folgen dieses Denkens, man sei erst deshalb da, weil man denkt, dechiffriert, merkt bald, dass Descartes damit das Wesentliche aus unserem Dasein einfach rausretuschiert hat.<\/p>\n<p>Darauf kommt H\u00fcffer erst sp\u00e4t. Er meint es wirklich ernst mit seinen Lesern. Denn er wei\u00df, wie dieses \u201eCogito ergo sum\u201c fest in den K\u00f6pfen sitzt, eng verschwistert mit dem Spruch \u201eJeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied\u201c und den politisch etablierten Vorw\u00fcrfen an alle, die nie auf einen gr\u00fcnen Zweig kommen, dass sie selbst schuld w\u00e4ren an ihrem Versagen.<\/p>\n<p>Sie h\u00e4tten sich eben nicht selbst verwirklicht. Als stecke unser Leben schon als Schablone in unseren K\u00f6pfen und wir m\u00fcssten nur daran gehen, es einfach in die Welt zu setzen. R\u00fccksichtslos.<\/p>\n<p>Was aber vielen Menschen nicht gelingt. Denn wir sind \u2013 das hat Descartes an dieser Stelle einfach ausgeblendet, nicht voraussetzungslos in der Welt. So allein, wie es der Spruch andeutet, schon mal gar nicht. Wir sind nicht mal allein wir selbst. Denn wer sich auch nur ein bisschen genauer anschaut, wie aus einem Neugeborenen ein lebendiger, taten- und ideenreicher Mensch wird, der sieht, dass die Ich-Werdung von Anfang an ein gemeinschaftlicher Prozess ist.<\/p>\n<p>Wir werden erst dadurch, dass wir von und mit anderen lernen. Was \u00fcbrigens auch bedeutet, dass wesentliche Teile unseres Ichs ohne die Gemeinschaft, die uns geformt hat, nicht denkbar sind. Wir sind von Anfang an ein gemeinschaftliches Wesen. Das ignorieren freilich die Prediger des Egoismus ganz bewusst. Denn diese Ignoranz kommt ihnen zupass. Sie erm\u00f6glicht erst eine solche Gesellschaft der R\u00fccksichtslosen, Raffgierigen und Gef\u00fchllosen, die wir haben.<\/p>\n<p>Wie konnte das passieren?<\/p>\n<p>Kurz aufatmen. Denn: Diesen Teil der Geschichte erw\u00e4hnt H\u00fcffer nicht. Das ist schade. Denn genau hier wird die soziale zur politischen Dimension, wird aus einem (bewusst) falschen Denken \u00fcber menschliche Selbstentfaltung ein ganzer Topos ideologischer Vorbehalte, die unsere Gesellschaft verw\u00fcsten, kaltherzig und unsolidarisch machen.<\/p>\n<p>Das musste hier gesagt sein. Weil das eben auch in all die Prozesse der Selbstfindung hineinwirkt, die H\u00fcffer beschreibt. Die markanten Beispiele entnimmt er bekannten Werken der Weltliteratur. Denn nat\u00fcrlich haben sich Autorinnen und Autoren immer schon Gedanken dar\u00fcber gemacht, warum so viele Menschen ein verfehltes Leben leben. In dem sie verzweifeln, am Ende versagen und trotzdem nicht wissen, wie das passieren konnte.<\/p>\n<p>Wobei H\u00fcffer eben auch akribisch feststellen kann, dass die Entwicklung zum Egoshooter nur das eine Extrem ist, in das die Menschen der Gegenwart geraten auf ihrer Jagd nach dem einzig richtigen und wahren Gl\u00fcck. Oft genug endet die Jagd in Orientierungslosigkeit, dem Gef\u00fchl, einem gescheiterten Lebensplan nachgejagt zu haben und nun auf dem Gipfel des Erfolges zu merken, dass etwas fehlt.<\/p>\n<p>Das Gl\u00fcck nicht zu haschen ist. Steckt die Vorstellung von dem, was uns gl\u00fccklich macht, doch nicht in unserem Kopf? Ist es v\u00f6llig sinnlos, sich in der Jugend darauf zu konzentrieren, all die Dinge anzupacken, die man schon immer machen wollte?<\/p>\n<p>Dass das allein nicht gen\u00fcgt, ist Thema von ganzen Bergen weltbekannter Romane \u2013 von Stendhal bis Updike. Die Schicksale einiger dieser gescheiterten Helden nimmt H\u00fcffer sehr genau unter die Lupe, folgt den Intentionen der Autoren, um deutlich herauszuarbeiten, warum all diese Helden an ihren eigenen Anspr\u00fcchen scheiterten. Und dabei sogar die tats\u00e4chlichen Alternativen verpassten, ein erf\u00fclltes und akzeptiertes Leben zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die falsche Freiheit<\/p>\n<p>Auch das so eine Stelle, die H\u00fcffer nur kurz streift, die aber eigentlich ein eigenes Buch wert w\u00e4re: Wie wir in dem Glauben, wir w\u00fcrden nur radikalen eigenen Ideen folgen, tats\u00e4chlich den falschen Erwartungen und Anspr\u00fcchen einer Gesellschaft folgen, die Menschen ganz selbstverst\u00e4ndlich in Schubladen sortiert \u2013 und danach auf- und abwertet.<\/p>\n<p>Auch damit haben viele der Romanfiguren zu k\u00e4mpfen. Das wird mit Julien Sorel in Stendhals Roman <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rot_und_Schwarz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eRot und Schwarz\u201c<\/a> genauso deutlich wie mit Constanze Chatterley in D. H. Lawrence Roman <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lady_Chatterley\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eLady Chatterley\u201c<\/a>. Es ist eben nicht nur die Unf\u00e4higkeit dieser tragischen Heldinnen und Helden, die sie am Ende scheitern l\u00e4sst, sondern es sind auch die starren Konventionen einer Gesellschaft, die ihren Mitgliedern sehr wohl sehr enge Grenzen setzt, innerhalb derer sie agieren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Im Grunde kann man H\u00fcffers Buch auch als Bilanz eines Scheiterns lesen \u2013 des Scheiterns der individuellen Befreiungsbewegungen seit dem 19. Jahrhundert. Gescheitert an Schranken, Grenzen und oft unausgesprochenen Moralvorstellungen einer Gesellschaft, in der Freiheit fast immer falsch verstanden wird.<\/p>\n<p>Was dann wieder mit dem zu tun hat, was H\u00fcffer so gr\u00fcndlich untersucht. Denn wenn er das Wort Hingabe umkreist und das, was es tats\u00e4chlich bedeutet, dann umkreist er eigentlich auch unseren Begriff von Freiheit. Was eben noch deutlicher wird, wenn er immer weiter auf unsere Vorstellungen von Hingabe eingeht \u2013 und die meist falsch verstandenen Konnotationen.<\/p>\n<p>Was auch mit den Missverst\u00e4ndnissen beim Thema Hingabe zu tun hat. Das Wort ist gerade im Deutschen moralisch \u00fcberladen, wird meist mit sexueller H\u00f6rigkeit, mit devoter Untert\u00e4nigkeit oder v\u00f6lliger Selbstaufgabe in Verbindung gebracht. Womit auch hier deutlich wird, dass unsre Interpretation des Begriffs ins Extrem tendiert. Und so auch praktiziert wird.<\/p>\n<p>Wollen und K\u00f6nnen<\/p>\n<p>Es bleibt ja nicht bei Constanze Chatterleys gescheitertem Versuch, sich in v\u00f6lliger sexueller Hingabe aus ihren gesellschaftlichen Fesseln zu befreien. Gerade das 20. Jahrhundert war gepr\u00e4gt von Ideologien, die von ihren Anh\u00e4ngern v\u00f6llige Hingabe verlangten.<\/p>\n<p>Und auch dieser Mechanismus ist vielen Menschen wie eine Kr\u00fccke im Leben \u2013 die v\u00f6llige Opferung f\u00fcr eine Sache, eine Ideologie, einen Staat erl\u00f6st \u2013 scheinbar \u2013 von der schieren Not, dem eigenen Leben selbst einen Sinn zu geben.<\/p>\n<p>Logisch, dass H\u00fcffer sehr viel Energie darauf verwendet, diese extremen Vorstellungen von Hingabe zu sezieren. Und nach und nach dahin zu kommen, wo sich die beiden scheinbaren Extreme vereinen \u2013 das \u201einnere Bild\u201c von dem, was wir sein m\u00f6chten, mit den \u00e4u\u00dferen Bedingungen, die erm\u00f6glichen, was wir sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Denn wer nur ein bisschen dar\u00fcber nachdenkt, merkt ja nicht nur, dass wir von Anfang an gemeinschaftliche Wesen sind und die vorgefundene Welt die Bedingungen vorgibt, innerhalb derer wir etwas werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der merkt auch, dass es gerade diese Verflechtung mit den Menschen um uns herum ist, die uns \u00fcberhaupt erst das Instrumentarium in die Hand gibt, wir selbst werden zu k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen gar nichts werden, wenn uns das nicht viele, viele andere Menschen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Wir sind eben auch, was wir mit Hilfe anderer geworden sind. Und wir werden das, was uns die Hilfe anderer erm\u00f6glicht. Wir k\u00f6nnen gar nicht anders. Auch wenn es die Egoshooter unter uns anders sehen und r\u00fccksichtslos ihre Mitmenschen ausnutzen, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Und dann oft genug in Schleifen enden, die letztlich auch wieder nur vom Scheitern erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Denn \u2013 auch das wird deutlich \u2013 unser Gef\u00fchl, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, h\u00e4ngt eben nicht nur vom Cogito in unserem Kopf ab. So sehr, wie wir auf andere angewiesen sind, ein erf\u00fclltes Leben zu gestalten, so sehr sind wir auch auf ihre Anerkennung angewiesen.<\/p>\n<p>Ohne Hingabe geht es nicht<\/p>\n<p>Was eben auch hei\u00dft: Erf\u00fcllung finden wir nicht in den einsamen Pl\u00e4nen, die wir im Kopf schmieden und dann ohne R\u00fccksicht auf Verluste umsetzen. Das funktioniert nicht. Denn auch zur Umsetzung unserer Lebenstr\u00e4ume brauchen wir die Gemeinschaft. Und da wird es spannend, denn genau da sind wir auf die Angebote unserer Mitwelt angewiesen, die Einladungen, uns auf Dinge, Wege, Menschen einzulassen.<\/p>\n<p>Oder eben: uns hinzugeben. Hingabe eben nicht als Verzicht auf jede pers\u00f6nliche Selbstentfaltung, sondern als Weg zur Verwirklichung unserer Tr\u00e4ume und W\u00fcnsche, indem wir uns tats\u00e4chlich hingeben. Auch an Menschen.<\/p>\n<p>Man merkt es an dieser Stelle, dass es \u2013 neben dem gro\u00dfen fragilen Feld erlebter Freiheit \u2013 auch um das Thema Vertrauen geht. Noch so eine T\u00fcr in ein v\u00f6llig anderes Buch, das unsere Gesellschaft einmal unter diesem Blickwinkel beleuchten w\u00fcrde \u2013 wie sehr der um sich greifende Egoismus, der verbreitete Glaube, jeder h\u00e4tte das Recht, seine Interessen unbedingt gegen alle anderen durchzusetzen, sofort Dinge wie Misstrauen und Angst im Gefolge hat.<\/p>\n<p>Denn diese Art, sein Ich unbedingt durchzusetzen, sorgt daf\u00fcr, dass wir einander nicht mehr vertrauen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen uns nicht mehr darauf verlassen, dass wir von Anderen respektiert und r\u00fccksichtsvoll behandelt werden.<\/p>\n<p>Man merkt schon: Wenn man H\u00fcffers Gedankenwege weitergeht, kommt man zu einer ziemlichen Generalkritik an einer v\u00f6llig von sich selbst abgekommenen Gesellschaft, die ausgerechnet das, was Menschen tats\u00e4chlich erst Halt und Zutrauen gibt, fortw\u00e4hrend zerst\u00f6rt. Es in eine Ware verwandelt, die sich immer weniger Menschen leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Einsamkeit<\/p>\n<p>Dabei macht gerade H\u00fcffers akribische Untersuchung deutlich, dass wir ohne die Menschen um uns herum nicht einmal die Chance h\u00e4tten, irgendetwas, was uns wichtig ist, zu verwirklichen. Die Selbstverwirklichung gibt es nur in der Gemeinschaft \u2013 und in der Akzeptanz, dass eben nicht alles allein auf unserem Mist gewachsen ist.<\/p>\n<p>Dass wir zu einem gro\u00dfen Teil erst durch unsere Mitwelt wurden, was wir sind. Und dass wir unser Menschsein nur verwirklichen k\u00f6nnen, wenn wir uns nicht nur unseren Kopfgeburten hingeben, sondern auch der Gemeinschaft, mit der wir sie gemeinsam umsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Niemand schafft etwas allein aus sich heraus. Und niemand wird gl\u00fccklich, wenn er sich einer Aufgabe, einer T\u00e4tigkeit, anderen Menschen nicht hingeben kann. Denn wenn er das nicht kann, bleibt er einsam. Findet sich \u2013 wie die Figuren Kafkas \u2013 in endlosen Schleifen des Nicht-Wahrgenommen-Werdens wieder. Die Vorstellungen, die wir im Kopf tragen, sind nicht das, was wir in der Welt vorfinden.<\/p>\n<p>Einen goldenen Weg, f\u00fcr unsere W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume im Leben Erf\u00fcllung zu finden, gibt es nicht, kann H\u00fcffer feststellen. Wir leben mit der Janusk\u00f6pfigkeit der eigenen Person, sind hin- und hergerissen. \u201eEgomanie und Devotion sind immer das Ergebnis radikaler Versuche, die Spannung des eigenen Lebens aufzuheben\u201c, schreibt H\u00fcffer.<\/p>\n<p>\u201eMan fl\u00fcchtet sich in die Selbstbespiegelung, weil die Kompromisse des Lebens allzu deprimierend wirken, oder begn\u00fcgt sich mit den toten Routinen des Alltags, weil die eigenen W\u00fcnsche ohnehin unerreichbar scheinen.\u201c<\/p>\n<p>Gefangen im Dilemma?<\/p>\n<p>Dieses Dilemma macht viele Menschen mutlos. Und so unterlassen sie lieber alle Versuche, an ihrem Dilemma etwas zu \u00e4ndern. Und dabei geh\u00f6rt in unserem Leben eben auch dazu, dass selbst die Dinge scheitern k\u00f6nnen, die wir von ganzem Herzen wollen.<\/p>\n<p>Unser Lebe ist kein Zustand, der irgendwann an einen Punkt der vollsten Zufriedenheit kommt. \u201eEs gilt also, sich aufzurappeln und von neuem nach Balance zu suchen\u201c, kann Wilm H\u00fcffer letztlich feststellen. Und die findet man eben auch nicht bei sich allein. Dazu braucht es ein Gef\u00fchl, wie wir uns dabei mit anderen verorten und verbinden.<\/p>\n<p>\u201eDaher f\u00fchrt die eigene Abw\u00e4gung immer auch zu der Frage, ob sich eine Aufgabe so ausf\u00fchren, Verantwortung so wahrnehmen l\u00e4sst, dass sie zu jener Welt einen Beitrag leisten kann. Hingabe gewinnt ihren gr\u00f6\u00dften Wert, wenn sie eine gemeinsame Chance des Gelingens er\u00f6ffnet, eine gemeinschaftliche Verantwortung f\u00fcr das Ganze zum Leben erweckt.\u201c<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte ein Motto f\u00fcr unsere korrumpierte Gegenwart sein, in der das Egoshooting scheinbar die Ma\u00dfst\u00e4be setzt f\u00fcr ein \u201egelingendes Leben\u201c, das sich allein an materielle Ma\u00dfst\u00e4be bindet, aber vergisst, dass es menschliche Erf\u00fcllung nur in der Hingabe an ein Gemeinsames gibt. Das es zu finden gilt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens da merkt man, dass all unsere Selbstachtung eben auch davon abh\u00e4ngt, ob und wie wir von anderen gesehen werden. Wahrgenommen werden. Hingabe wird \u2013 wenn man sich nicht selbst verleugnet \u2013 mit Resonanz belohnt. Noch so ein Wort, das \u00fcber den Rahmen des Buches hinausweist. In eine Welt, in der immer mehr Menschen nach Resonanz lechzen, die sie in eine Welt der Egoshooter einfach nicht mehr bekommen.<\/p>\n<p><strong>Wilm H\u00fcffer <a href=\"http:\/\/www.lehmanns.de\/isbn\/ISBN: 9783150115480@liz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Hingabe<\/a><\/strong> Reclam, Ditzingen 2025, 24 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie lebt man ein erf\u00fclltes Leben? Wie bekommt man es \u00fcberhaupt? Was muss man daf\u00fcr tun? 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