{"id":294512,"date":"2025-07-26T03:51:10","date_gmt":"2025-07-26T03:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/294512\/"},"modified":"2025-07-26T03:51:10","modified_gmt":"2025-07-26T03:51:10","slug":"zootiere-wieso-sollen-paviane-im-nuernberger-tiergarten-sterben-panorama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/294512\/","title":{"rendered":"Zootiere: Wieso sollen Paviane im N\u00fcrnberger Tiergarten sterben? &#8211; Panorama"},"content":{"rendered":"<p>Eine Auswilderung kommt laut Encke aus einem weiteren Grund nicht infrage: &#8222;Wir bringen mit den Affen Keime in die Umgebung, die f\u00fcr die wilden Guinea-Paviane t\u00f6dlich sein k\u00f6nnen. Das ist nur erlaubt, wenn es um den Wiederaufbau einer verschwundenen Population geht, ohne Ber\u00fchrung zu dort bereits bestehenden lebenden Tieren.&#8220;<\/p>\n<p> Warum hat es mit einem Umzug in andere Einrichtungen nicht geklappt? <\/p>\n<p>Nach der Ank\u00fcndigung des Tiergartens Anfang 2024 hatten mehrere Einrichtungen angeboten, die \u00fcberz\u00e4hligen Affen zu \u00fcbernehmen. Der Tiergarten hatte die Angebote gepr\u00fcft, am Ende aber abgelehnt.\u00a0<\/p>\n<p>Darunter war das Primatenschutzzentrum WAMS (Wales Ape and Monkey Sanctuary) in Wales, das nach eigenen Angaben Primaten und andere Tiere beherbergt. &#8222;Auf ein pers\u00f6nliches Schreiben hat der Direktor geantwortet, aber keine Angaben gemacht, ob oder wie viele Tiere das WAMS aufnehmen k\u00f6nnte oder wollte&#8220;, sagt Encke. &#8222;Die Fragen zu den Haltungsbedingungen hat er als entsetzlich und beleidigend betitelt und damit auch eine Beantwortung nicht mehr erwarten lassen.&#8220;<\/p>\n<p>Zuletzt war der Tiergarten au\u00dferdem mit einem indischen Zoo im Gespr\u00e4ch. &#8222;Es ist gescheitert daran, dass wir kritische Nachfragen zur Herkunft mancher Tiere nicht kl\u00e4ren konnten&#8220;, sagt Encke. Der Tiergarten k\u00f6nne nur mit Einrichtungen zusammenarbeiten, die sich an die internationalen Regeln hielten und bei denen Transparenz hinsichtlich der Herkunft ihrer Tiere bestehe, um zu vermeiden, dass Zoos einen Beitrag zum illegalen Wildtierhandel leisteten.<\/p>\n<p> Wie werden die Paviane get\u00f6tet und was passiert mit den toten Tieren? <\/p>\n<p>Der Tiergarten \u00e4u\u00dfert sich dazu nicht mehr. Die Reaktionen zu den Informationen h\u00e4tten &#8222;jedes tolerierbare Ma\u00df&#8220; \u00fcberschritten, hei\u00dft es zur Begr\u00fcndung. Grunds\u00e4tzlich w\u00fcrden alle Tiere tierschutzkonform und mit der schonendsten Methode get\u00f6tet.<\/p>\n<p> Wieso werden Guinea-Paviane in Zoos gez\u00fcchtet?\u00a0 <\/p>\n<p>Insgesamt leben gut 280 Guinea-Paviane in zehn europ\u00e4ischen Zoos, im N\u00fcrnberger Tiergarten seit 1942. Die Gruppe ist Teil des europ\u00e4ischen Erhaltungszuchtprogramms. Deren Ziel ist es, Reserve-Populationen von gef\u00e4hrdeten Arten in Zoos zu z\u00fcchten, um diese in Zukunft in gesch\u00fctzte Gebiete auswildern zu k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr alle Arten, die als Verantwortungsarten der Zoos, als Reservepopulationen oder besonders wertvolle Populationen definiert sind, liegt ein Erhaltungsgebot vor, das einen generellen Zuchtstopp\u00a0ausschlie\u00dft&#8220;, hei\u00dft es in einer Vorlage, die der Tiergarten f\u00fcr den N\u00fcrnberger Stadtrat zu dem Thema vorbereitet hatte. Dabei sei es unvermeidbar, dass \u00fcberz\u00e4hlige Tiere entstehen, die abgegeben oder get\u00f6tet werden m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Das Argument des Artenschutzes ist vorgeschoben&#8220;, sagt dagegen Laura Zodrow von Pro Wildlife. &#8222;Reservepopulationen machen nur dann Sinn, wenn Wiederauswilderungs-Programme existieren \u2013 davon ist bei den Guinea-Pavianen jedoch nicht die Rede.&#8220; Artenschutz finde vor Ort statt &#8211; durch Schutz von Lebensr\u00e4umen.<\/p>\n<p> Was sagt das Tierschutzgesetz zu einer T\u00f6tung von Zootieren? <\/p>\n<p>Das deutsche Tierschutzgesetz besagt, dass kein <a href=\"https:\/\/www.kurier.de\/thema\/Tier\" title=\"Tier\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tier<\/a> ohne vern\u00fcnftigen Grund get\u00f6tet werden darf, ohne diesen genauer zu definieren. Als vern\u00fcnftige Gr\u00fcnde gelten etwa das Schlachten von Nutztieren, Jagd, Fischerei, die Tierseuchenbek\u00e4mpfung und das Erl\u00f6sen eines leidenden Tiers.\u00a0<\/p>\n<p>Zur T\u00f6tung von Zootieren sagt das Tierschutzgesetz nichts. Auch deshalb hat der Tiergarten Anfang 2024 \u00f6ffentlich angek\u00fcndigt, einige Paviane t\u00f6ten zu wollen. Die Debatte, ob es daf\u00fcr einen vern\u00fcnftigen Grund gebe, m\u00fcsse in der Gesellschaft gekl\u00e4rt werden, sagt Encke.\u00a0<\/p>\n<p> Wie ist die T\u00f6tung der Paviane aus ethischer Sicht zu bewerten? <\/p>\n<p>Der Tiergarten will \u00fcberz\u00e4hlige Paviane t\u00f6ten, damit er diese f\u00fcr den Artenschutz weiter z\u00fcchten kann &#8211; eine absurde Logik, findet die Tierethikerin Judith Benz-Schwarzburg von der Veterin\u00e4rmedizinischen Universit\u00e4t Wien. &#8222;Die Hauptproblematik ist, dass Artenschutz ganz anders betrieben werden kann und dass dieses Argument grunds\u00e4tzlich fragw\u00fcrdig ist. Zoos betreiben in der Regel keine Auswilderung, und die dort gez\u00fcchteten Tiere w\u00e4ren daf\u00fcr ungeeignet.&#8220;<\/p>\n<p>Problematisch findet sie auch das Argument, dass Zoos die Menschen f\u00fcr den Artenschutz sensibilisieren und \u00fcber Wildtiere informieren sollen. &#8222;Die Interessen des einzelnen Tiers werden hinten angestellt. Es wird sozusagen daf\u00fcr verwendet, ein h\u00f6heres Gut &#8211; die Artenschutzbildung &#8211; zu erreichen.&#8220; Das k\u00f6nnten gute Bildungsprojekte aber auch, zumal Erhebungen gezeigt h\u00e4tten, dass sich Besucherinnen und Besucher selbst in modernen Vorzeigeanlagen\u00a0nur durchschnittlich 13 bis 41 Sekunden vor den Gehegen aufhielten.\u00a0<\/p>\n<p>Zoos sind nach Ansicht von Benz-Schwarzburg nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Diese seien ein koloniales Erbe wie die V\u00f6lkerschauen, bei denen bis in die 1950er Jahre Menschen aus anderen Kulturen gezeigt wurden. &#8222;Das ist in erster Linie eine Machtgeste, dass wir f\u00fchlende Lebewesen einfach ausstellen und unseren Blick verf\u00fcgbar machen k\u00f6nnen&#8220;, sagt die Wissenschaftlerin. &#8222;Wir haben aus guten Gr\u00fcnden aufgeh\u00f6rt, Menschen auszustellen. Aber mit welchem Recht machen wir das eigentlich weiterhin bei Tieren?&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p>  T\u00f6ten auch andere Zoos gesunde Tiere? <\/p>\n<p>Ja, in vielen Zoos werden extra Futtertiere gez\u00fcchtet, die als Mahlzeit f\u00fcr L\u00f6wen, Tiger und andere Fleischfresser vorgesehen sind. Aber auch \u00fcberz\u00e4hlige Zootiere werden get\u00f6tet und verf\u00fcttert. Der Deutsche Tierschutzbund spricht von einer &#8222;g\u00e4ngigen Praxis&#8220;.<\/p>\n<p>2014 etwa t\u00f6tete der Kopenhagener Zoo eine Giraffe namens Marius und verf\u00fctterte sie an L\u00f6wen. 2023 schlachtete der Leipziger Zoo einen Zebrahengst, f\u00fcr den sich kein Platz fand. Der Tiergarten N\u00fcrnberg verf\u00fcttert unter anderem Somali-Wildesel und Prinz-Alfred-Hirsche.<\/p>\n<p>Der N\u00fcrnberger Tiergarten informiere die Besucherinnen und Besucher auf Schautafeln dar\u00fcber, welches Tier wann verf\u00fcttert wurde, sagt Encke. Dass es nun einen Aufschrei bei den Pavianen gibt, liegt ihm zufolge daran, dass es sich um Affen &#8211; und damit um nahe Verwandte des Menschen &#8211; handelt: &#8222;Das ist eine sehr emotionale Geschichte.&#8220; Bei Huftieren sei die Akzeptanz gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p> Kommt es zu einer juristischen Auseinandersetzung? <\/p>\n<p>Die Organisationen Peta und Pro Wildlife haben angek\u00fcndigt, Strafanzeige zu stellen, sollte es zu T\u00f6tungen kommen. Der Tiergarten bereitet sich deshalb darauf vor, dass es zum Prozess kommen k\u00f6nnte. &#8222;Wir hoffen, dass es zu einer grunds\u00e4tzlichen Kl\u00e4rung kommt&#8220;, sagt Encke.<\/p>\n<p>Pro Wildlife sieht in dem Fall ein Grundsatzproblem: &#8222;Mit den Pavianen wird ein gef\u00e4hrliches Exempel statuiert &#8211; es wird nicht bei dieser einen Tierart bleiben, wenn diese Praxis des T\u00f6tens ungewollter Zootiere erst etabliert ist&#8220;, sagt Zodrow.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Auswilderung kommt laut Encke aus einem weiteren Grund nicht infrage: &#8222;Wir bringen mit den Affen Keime in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":294513,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1837],"tags":[772,3364,29,30,1724,5027,3783,2631,193],"class_list":{"0":"post-294512","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nuernberg","8":"tag-bayern","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesellschaft","13":"tag-kommune","14":"tag-nuernberg","15":"tag-tier","16":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114917506042370520","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/294512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=294512"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/294512\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/294513"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=294512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=294512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=294512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}