{"id":294726,"date":"2025-07-26T05:55:12","date_gmt":"2025-07-26T05:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/294726\/"},"modified":"2025-07-26T05:55:12","modified_gmt":"2025-07-26T05:55:12","slug":"gas-brief-wegen-klimaschutz-auflagen-katars-naechste-machtdemonstration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/294726\/","title":{"rendered":"Gas-Brief wegen Klimaschutz-Auflagen: Katars n\u00e4chste Machtdemonstration"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Katar will Europa kein Gas mehr liefern, sollte sich die EU-Kommission weigern, die wichtigsten Klimaschutz-Auflagen aus ihrer Lieferkettenrichtlinie zu streichen. Die schriftliche Androhung des Embargos und eine Liste mit konkreten \u00c4nderungsvorschl\u00e4gen zur EU-Richtlinie liegen WELT AM SONNTAG vor.  Die EU-Kommission best\u00e4tigte, dass ein entsprechendes Schreiben eingegangen sei. <\/p>\n<p>Ohne die Lieferungen von verfl\u00fcssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) des Emirats sind die f\u00fcr 2028 geplanten Gassanktionen der EU gegen Russland nach Experteneinsch\u00e4tzung nicht durchzuhalten. Au\u00dferdem drohen h\u00f6here Gaspreise in Europa.<\/p>\n<p>In dem am 21. Mai an die Regierung von Belgien verschickten vierseitigen Schreiben droht der Energieminister von Katar, Saad Sherida Al-Kaabi, offen mit einem Lieferstopp. Die EU m\u00fcsse weitere \u00c4nderungen an der Lieferkettenrichtlinie vornehmen, sonst \u201ewird der Staat Katar und QatarEnergy ernsthaft alternative M\u00e4rkte au\u00dferhalb der EU f\u00fcr unser LNG und andere Produkte in Betracht ziehen m\u00fcssen, die ein stabileres und unternehmensfreundlicheres Gesch\u00e4ftsumfeld bieten\u201c.<\/p>\n<p>Der dem Klimaschutz gewidmete Artikel 22 der EU-Richtlinie, genannt \u201eCorporate Sustainability Due Diligence Directive\u201c (CSDDD), enthalte \u201eoffensichtliche Unstimmigkeiten und Spannungen\u201c mit den in Katar geltenden Gesetzen und Standards.<\/p>\n<p>Das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Recht jedes Staates, sich eigene Klimaschutzziele zu setzen, werde von der EU missachtet. Die \u201ehohen Geldbu\u00dfen, Strafen und die zivilrechtliche Haftung bei Nichteinhaltung von Artikel 22\u201c stellten ein Risiko dar, das die F\u00e4higkeit QatarEnergys unterminiere, \u201eweiterhin LNG und andere Produkte an die EU zu liefern\u201c.<\/p>\n<p>Belgien reguliert den europ\u00e4ischen LNG-Hafen Zeebrugge. Nach Informationen von WELT AM SONNTAG soll Katars Androhung eines Lieferstopps aber auch anderen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/europaeische-union\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/europaeische-union\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU-Staaten<\/a> zugegangen sein. Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium erkl\u00e4rte auf Nachfrage, man \u00e4u\u00dfere sich \u201ezu etwaiger vertraulicher Korrespondenz mit anderen Staaten grunds\u00e4tzlich nicht\u201c. Der Abgeordnete der Union im Europaparlament, Christian Ehler, teilte jedoch mit: \u201eDas Schreiben der Katarer hat unser B\u00fcro in Br\u00fcssel bereits erreicht, und es wird an einer politischen L\u00f6sung innerhalb der EU gearbeitet.\u201c <\/p>\n<p>Die EU will bis 2050 klimaneutral werden, diese Jahreszahl ist im Weltklima-Abkommen von Paris jedoch nicht festgeschrieben. \u201eIch bin davon \u00fcberzeugt, dass Unternehmen nicht gezwungen werden sollten, sich zwischen den Klimapolitiken ihres eigenen Staates und den EU-Vorschriften entscheiden zu m\u00fcssen\u201c, hei\u00dft es in dem Schreiben Kaabis. <\/p>\n<p>Bereits auf dem sogenannten Doha-Forum Ende 2024 hatte Kaabi erkl\u00e4rt, Katar strebe keine kurzfristige Klimaneutralit\u00e4t an. Strafzahlungen von bis zu f\u00fcnf Prozent des globalen Umsatzes und zivile Haftungsrisiken, die sich aus der europ\u00e4ischen Lieferkettenrichtlinie ergeben, seien deshalb nicht akzeptabel.<\/p>\n<p>Er werde \u201edie EU sicher nicht mit Fl\u00fcssigerdgas beliefern, um ihren Energiebedarf zu decken, und dann mit unseren gesamten weltweiten Einnahmen bestraft werden\u201c, zitierte die \u201eQatar Tribune\u201c den Minister aus der Veranstaltung. Das Schreiben stellt nun eine weitere Eskalationsstufe im Streit zwischen Doha und Br\u00fcssel dar. <\/p>\n<p>Katar ist drittwichtigster Lieferant der EU<\/p>\n<p>Laut der Statistikbeh\u00f6rde Eurostat deckte Katar im ersten Quartal dieses Jahres 10,8 Prozent des europ\u00e4ischen Bedarfs an LNG. Das Emirat ist damit drittwichtigster Versorger hinter den USA (50,7 Prozent) und Russland (17 Prozent). Wird Russland wie geplant ab sp\u00e4testens 2028 sanktioniert, w\u00e4hrend sich Katar vom europ\u00e4ischen Markt abwendet, m\u00fcsste die EU also mehr als ein Viertel aller Fl\u00fcssiggasimporte ersetzen. Eine Ausweitung der LNG-Lieferungen aus den USA k\u00f6nnte wegfallende Mengen in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung nicht kompensieren.<\/p>\n<p>Zudem w\u00fcrde der LNG-Anteil der USA bei einem Wegfall der katarischen Lieferungen schnell Richtung 60 Prozent steigen und Europa damit erneut abh\u00e4ngig von einem einzigen Lieferland werden. Die EU ist ohnehin stark auf Fl\u00fcssiggas angewiesen: Machte LNG 2021 noch 20 Prozent der Gasimporte aus, waren es 2024 bereits 37 Prozent. Nach dem vollst\u00e4ndigen Stopp russischer Pipeline-Lieferungen Anfang dieses Jahres liefern nur noch Norwegen und Algerien gr\u00f6\u00dfere Mengen per Pipeline: Norwegen allein deckt fast 53 Prozent der europ\u00e4ischen Gasimporte ab. Ein Lieferstopp Katars w\u00fcrde den Grad der Abh\u00e4ngigkeit noch vergr\u00f6\u00dfern. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/daniel-wetzel\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/daniel-wetzel\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Daniel Wetzel<\/b><\/a><b> ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet \u00fcber Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universit\u00e4t K\u00f6ln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Katar will Europa kein Gas mehr liefern, sollte sich die EU-Kommission weigern, die wichtigsten Klimaschutz-Auflagen aus ihrer Lieferkettenrichtlinie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":294727,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[15323,175,170,169,29,7736,22226,1213,30,579,59183,10347,171,174,173,172],"class_list":{"0":"post-294726","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-balken-inbox","9":"tag-business","10":"tag-companies","11":"tag-companies-markets","12":"tag-deutschland","13":"tag-europaeische-union-eu","14":"tag-fluessiggas","15":"tag-gas","16":"tag-germany","17":"tag-katar","18":"tag-kc_makro","19":"tag-lage","20":"tag-markets","21":"tag-maerkte","22":"tag-unternehmen","23":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114917993927192697","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/294726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=294726"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/294726\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/294727"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=294726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=294726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=294726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}