{"id":294772,"date":"2025-07-26T06:19:12","date_gmt":"2025-07-26T06:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/294772\/"},"modified":"2025-07-26T06:19:12","modified_gmt":"2025-07-26T06:19:12","slug":"oesterreichs-aussenministerin-irgendwann-tuermen-sich-die-saerge-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/294772\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreichs Au\u00dfenministerin: \u201eIrgendwann t\u00fcrmen sich die S\u00e4rge in Russland\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Beate Meinl-Reisinger ist die erste liberale Au\u00dfenministerin \u00d6sterreichs. Im Interview erkl\u00e4rt sie, warum es f\u00fcr Russland immer schwerer wird, den Krieg in der Ukraine fortzuf\u00fchren. An Israel stellt sie im Nahost-Konflikt eine klare Forderung.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">N nur vier Stunden hat Beate Meinl-Reisinger geschlafen. \u00d6sterreichs Au\u00dfenministerin kam erst sp\u00e4t von Regierungsgespr\u00e4chen aus Rom zur\u00fcck \u2013 im Billigflieger. Damit sie Zuhause niemanden st\u00f6rt, schlief sie im leeren Bett ihrer Tochter. Seit kurz vor sieben Uhr sitzt die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article255585744\/Oesterreich-Dreier-Koalition-von-OEVP-SPOE-und-Neos-startet.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article255585744\/Oesterreich-Dreier-Koalition-von-OEVP-SPOE-und-Neos-startet.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chefin der liberalen Partei Neos<\/a> schon wieder im B\u00fcro. <\/p>\n<p><b>WELT AM SONNTAG: <\/b>Frau Ministerin, was bedeutet Freiheit f\u00fcr Sie?<\/p>\n<p><b>Beate Meinl-Reisinger: <\/b>Es geht mir um Freiheit von staatlichem Zwang und um die Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben zu f\u00fchren. Allerdings mit der Einschr\u00e4nkung: Freiheit bedingt auch ein Regelwerk, das daf\u00fcr Sorge tr\u00e4gt, dass jeder Einzelne auch ein Maximum an Freiheit leben kann. <\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>In Amerika gewinnt der Libertarismus an Zustimmung. Was unterscheidet Liberalismus in Europa vom <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/plus255557950\/Donald-Trump-Das-libertaere-Missverstaendnis.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/plus255557950\/Donald-Trump-Das-libertaere-Missverstaendnis.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Libertarismus in Amerika<\/a>?<\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger:<\/b> Es w\u00e4re m\u00f6glicherweise erquicklicher f\u00fcr Sie, sich mit Philosophen dar\u00fcber zu unterhalten. <\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Die Antwort einer liberalen Spitzenpolitikerin ist in diesem Fall aber interessanter. <\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger: <\/b>Ich habe Ayn Rand gelesen. Ich verstehe auch viele Grundgedanken des Libertarismus. Ich bin aber keine Libert\u00e4re. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das, was wir in Amerika gerade erleben, als libert\u00e4r bezeichnet werden kann. Das speist sich zwar aus libert\u00e4rem Gedankengut, wird aber h\u00e4ufig auf uns\u00e4gliche Weise kombiniert mit einem Tech-getriebenen, teilweise religi\u00f6s \u00fcberh\u00f6hten oligopolistischen Autoritarismus, der fast schon monarchistische Z\u00fcge in sich tr\u00e4gt. Andererseits verstehe ich die Kritik von sogenannten Libert\u00e4ren an einem hypertrophen Wokeismus, dieser linken Identit\u00e4tspolitik, die keine freie Gesellschaft schafft. <\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Es d\u00fcrfte Sie schmerzen, dass Liberale nur noch drei Regierungen in der EU anf\u00fchren.  <\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger: <\/b>Das geht ans Eingemachte. Jetzt ist die Zeit, in der b\u00fcrgerschaftliches Engagement hochgehalten und eingefordert werden muss. Lethargie, das Einigeln ins Private und der R\u00fcckzug ins neue digitale Biedermeier \u2013 also die permanente Ablenkung durch digitale Medien, die vor allem diejenigen belohnen, die am lautesten schreien und am radikalsten sind \u2013 d\u00fcrfen sich in liberalen Demokratien nicht noch mehr breitmachen. <\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Macht eine Brandmauer gegen rechts und links Sinn? <\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger:<\/b> Es kommt darauf an, wie weit man die Brandmauer zieht. Ich w\u00fcrde Gesetzentw\u00fcrfe der teilweise rechtsextremen FP\u00d6 in \u00d6sterreich durchaus unterst\u00fctzen, wenn ich sie inhaltlich f\u00fcr richtig hielte. Aber ich w\u00fcrde niemals mit dieser Partei koalieren oder sie in der Regierung sehen wollen. <\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Sprechen wir \u00fcber Au\u00dfenpolitik. Wird es bald einen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg geben?<\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger:<\/b> Eines ist klar: Die Ukraine will Frieden, Russland nicht. Falls Putin wirklich an Frieden interessiert w\u00e4re, w\u00fcrde er jetzt Waffenstillstandgespr\u00e4che beginnen. US-Pr\u00e4sident Trump hat Putin die Krim und mehrere \u00f6stliche Oblaste sozusagen auf dem Silbertablett serviert, zudem noch eine Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato ausgeschlossen. Und was macht Putin? Er \u00fcberzieht das Land weiterhin mit einem Vernichtungskrieg. <\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Russland hat an der Front das Momentum. <\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger: <\/b>Das Momentum? Da bin ich mir nicht so sicher. Russland erleidet enorme Verluste.<\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Die scheinen Putin egal zu sein.<\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger: <\/b>Irgendwann t\u00fcrmen sich die S\u00e4rge in Russland. Hinzu kommt die desastr\u00f6se Wirtschaftslage. Es wird immer schwerer f\u00fcr den Kreml, diesen Krieg fortzuf\u00fchren. Putin wei\u00df, dass ihm die Zeit davonl\u00e4uft. Darum f\u00fchrt er den Krieg jetzt mit dieser brutalen Intensit\u00e4t.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Sie waren k\u00fcrzlich f\u00fcr mehrere Tage in Nahost unterwegs. Warum?<\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger:<\/b> In Wien oder Br\u00fcssel zu sitzen und den Konfliktparteien aus der Ferne etwas auszurichten, das reicht nicht. \u00d6sterreich steht an der Seite Israels. Wir verstehen den Kampf Israels gegen die existenziellen Bedrohungen von au\u00dfen. Aber wir m\u00fcssen als Freunde Israels der Regierung in Jerusalem jetzt auch sagen: Wir k\u00f6nnen die humanit\u00e4re Lage in Gaza so nicht mehr hinnehmen. Das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht in Gaza muss uneingeschr\u00e4nkt eingehalten werden. <\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>\u00d6sterreich fordert zusammen mit mehr als zwei Dutzend Staaten \u2013 <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article688337c90e680a76f4e9514e\/Macron-Vorstoss-Bundesregierung-plant-kurzfristig-keine-Anerkennung-von-Palaestinenserstaat.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article688337c90e680a76f4e9514e\/Macron-Vorstoss-Bundesregierung-plant-kurzfristig-keine-Anerkennung-von-Palaestinenserstaat.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland und die USA geh\u00f6ren nicht dazu<\/a> \u2013 ein Ende des Gaza-Kriegs.<\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger:<\/b> Ganz wesentlich daf\u00fcr w\u00e4re aber auch die Freilassung der verbliebenen israelischen Geiseln und das Ende der Terrororganisation Hamas. Das Fenster f\u00fcr Frieden in der Region ist jetzt aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden offen. Israel sollte diese Chance ergreifen. <\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Der Direktor der Diplomatischen Akademie, Emil Brix, hat vorgeschlagen, \u00fcber einen Beitritt \u00d6sterreichs zur Nato nachzudenken. Sind Sie daf\u00fcr?<\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger:<\/b> Klar ist: Neutralit\u00e4t allein sch\u00fctzt uns nicht. Was \u00d6sterreich vor dem Hintergrund einer zunehmend unsicheren sicherheitspolitischen Lage in der Welt und eines zunehmend aggressiven Russland sch\u00fctzt, sind Investitionen in unsere eigene Verteidigungsf\u00e4higkeit, aber auch in Partnerschaften. Ich bin grunds\u00e4tzlich sehr offen daf\u00fcr, eine \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber die sicherheits- und verteidigungspolitische Zukunft \u00d6sterreichs zu f\u00fchren. F\u00fcr einen Beitritt zur Nato gibt es derzeit zwar keine Mehrheiten im Parlament und in der Bev\u00f6lkerung, aber eine solche Debatte kann trotzdem sehr fruchtbar sein. <\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Es w\u00e4re auch eine Debatte \u00fcber die heilige Kuh der \u00d6sterreicher, die Neutralit\u00e4t. <\/p>\n<p><b>Meinl-Reisinger:<\/b> Es ist nicht so, dass ich mit fliegenden Fahnen in die Nato wollte. Aber wir k\u00f6nnen uns auch nicht zur\u00fccklehnen und sagen: Wenn wir niemandem etwas tun, tut uns auch niemand etwas. Das w\u00e4re naiv. Die Welt hat sich ver\u00e4ndert. Aber ich m\u00f6chte ausdr\u00fccklich sagen: Wir haben mit der EU bereits einen Partner, der uns im Ernstfall sch\u00fctzt. Zugleich leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur europ\u00e4ischen Sicherheit. Wir sind mit Soldaten in zahlreichen friedensstiftenden EU-Missionen unterwegs und tun alles, um die gemeinsame europ\u00e4ische Sicherheits- und Verteidigungspolitik finanziell, milit\u00e4risch und politisch zu unterst\u00fctzen. Insofern hat sich die Neutralit\u00e4t \u00d6sterreichs seit dem EU-Beitritt im Jahr 1995 schon sp\u00fcrbar ver\u00e4ndert. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/christoph-schiltz\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/christoph-schiltz\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Christoph B. Schiltz<\/b><\/a><b> ist Korrespondent in Br\u00fcssel. Er berichtet unter anderem \u00fcber Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU, die europ\u00e4ische Migrationspolitik, die Nato und \u00d6sterreich.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Beate Meinl-Reisinger ist die erste liberale Au\u00dfenministerin \u00d6sterreichs. 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