{"id":295150,"date":"2025-07-26T09:50:12","date_gmt":"2025-07-26T09:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/295150\/"},"modified":"2025-07-26T09:50:12","modified_gmt":"2025-07-26T09:50:12","slug":"neu-gelesen-sieben-luxemburger-buecher-auf-einen-blick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/295150\/","title":{"rendered":"Neu gelesen: Sieben Luxemburger B\u00fccher auf einen Blick"},"content":{"rendered":"<p>Luxemburgisch komplett zerlegt<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Von Nora Schloesser<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Dass Nico Helminger Spa\u00df daran hat, mit W\u00f6rtern zu jonglieren, mit Sprache zu spielen und sich an unkonventionelle Formen des Textschreibens wagt, hat er bereits mehrfach bewiesen. Wer dachte, dass der \u00c4ltere der Helminger-Br\u00fcder vor drei Jahren die Wortspielchen mit \u201eSaumes Kinoplakat\u201c auf die Spitze getrieben hat, irrt sich.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">\u201eGeckegen Hunneg\u201c ist n\u00e4mlich nicht weniger raffiniert. Dieses Mal nimmt sich Helminger der luxemburgischen Sprache an. In verschiedenen Sequenzen bricht er nicht nur jede Menge Regeln, sondern nimmt auch altbekannte Sprichw\u00f6rter auseinander. So wie die Waben die Grundlage des Bienenstocks bilden, gilt Sprache als Grundger\u00fcst der menschlichen Kommunikation. Doch Nico Helminger nimmt sie auseinander. Am\u00fcsant, aber etwas unzug\u00e4nglich \u2013 in etwa wie die Welt, die der langj\u00e4hrige Schriftsteller nachzuzeichnen versucht. Da kann es nur lauten: \u201eViru mam Abel\u201c.<\/p>\n<p>Nico Helminger: \u201eGeckegen Hunneg\u201c, \u00e9ditions guy binsfeld, 160 Seiten, 18 Euro.\u00a0<\/p>\n<p>Blick in den Kopf und hinter verschlossene T\u00fcren<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Von Michael Juchmes<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Ein Mann im Kampf gegen das Internet. Beinahe Loriot-artig wandern sonderbare B\u00fcrsten in seinen Warenkorb, etwa ein Exemplar aus Ziegenhaar. Die Milchsch\u00e4umerschlauchb\u00fcrste und die So\u00dfenb\u00fcrste sind dann doch zu viel des Guten. Genauso wie eine andere Idee, die sich im Kopf des Protagonisten festgesetzt hat\u00a0\u2026<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Bereits in der ersten Kurzgeschichte des Erz\u00e4hlbandes entf\u00fchrt Nora Wagener die Leserschaft in den Alltag einer gew\u00f6hnlichen Familie. Doch dort, wo Normalit\u00e4t herrscht, findet die 1989 geborene Autorin Skurriles, Einzigartiges, Relevantes. Insgesamt 13 Geschichten sind es an der Zahl, mal als Erz\u00e4hlung, mal in Blog-Form, mal in Briefform und doch immer ein wenig digital. Und die Sperber-Bussard-Frage? Die l\u00e4sst sich laut Nora Wagener nur mithilfe einer App beantworten\u00a0\u2026<\/p>\n<p>Nora Wagener: \u201eDie Sperber-Bussard-Frage\u201c, \u00e9ditions guy binsfeld, 192 Seiten, 23 Euro.\u00a0<\/p>\n<p>Luxemburgs koloniale Verstrickungen \u2013 jetzt auch auf Franz\u00f6sisch<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Von Marc Thill<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Nach dem gro\u00dfen Echo auf die deutsche Erstausgabe legt der Kolonialhistoriker Yves Schmitz sein Buch \u201eLuxemburg war nie eine Kolonialmacht \u2013 Eine kritische Einf\u00fchrung\u201c nun auch in franz\u00f6sischer \u00dcbersetzung vor. Damit macht er das Thema ebenfalls der internationalen Bev\u00f6lkerung des Landes zug\u00e4nglich, also gerade jenen Gruppen, die von der kolonialen Geschichte Europas am meisten betroffen sind.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Inhaltlich bleibt die Studie ebenso pr\u00e4zise wie provokant. Der Titel, ein Zitat des ehemaligen Au\u00dfenministers Eug\u00e8ne Schaus, ist das bitter-ironische Leitmotiv dieses Buches: Yves Schmitz dekonstruiert darin die vielfach wiederholte Behauptung, Luxemburg habe mit dem Kolonialismus nichts zu tun gehabt. Anhand konkreter historischer Fakten zeigt Schmitz, wie tief das Land in koloniale Macht- und Ausbeutungsstrukturen verstrickt war. Sein Buch ist ein fundamentales Werk, das der luxemburgischen Erinnerungskultur einen Spiegel vorh\u00e4lt und den Mythos der \u201eunschuldigen Nation\u201c eindrucksvoll zerschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Yves Schmitz, \u201eLe Luxembourg n\u2019a jamais \u00e9t\u00e9 une puissance coloniale\u201c, Capybarabooks und Richtung22, 192 Seiten, 20 Euro.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wort.lu\/kultur\/chris-lauer-wie-verfasst-man-eigentlich-ein-gedicht\/71548583.html\" class=\"RelatedTeaser_related-teaser__awFnD RelatedTeaser_related-teaser--image__oZDce read-more_withImage__1YJa_\" data-article-id=\"71548583\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>Lesen Sie auch:Chris Lauer, wie verfasst man eigentlich ein Gedicht?<\/p>\n<p><\/a>Punk im Roman verpackt<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Von Nora Schloesser<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">\u201eDe Bo, e Jong, dee mol e Meedche war, ass e Konzept ze vill fir d\u2019Duerf.\u201c Bo, eine der Hauptfiguren aus Cosimo Suglias \u201eRoserei\u201c ist transgender. Vielleicht sogar der erste transgender Junge in der luxemburgischen Literaturgeschichte? Doch nicht er allein steht im Fokus von Suglias erstem Roman. Ein Roman, dessen Klappentext bereits etwas kryptisch wirkt. Doch ebendieses Mysteri\u00f6se weckt Interesse.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Neben Bo gibt es auch noch George und Kamila \u2013 und eine seltsame, angeblich futuristische Statue, die jeden Tag woanders im Dorf auftaucht. Und einen neuen Geschichtslehrer, Herr Duchamp. Was es mit alldem auf sich hat, schildert der 1995 geborene Autor in seinem Erstlingswerk \u2013 bisher hat Suglia vor allem Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben \u2013 auf ganz besondere Weise. Immer wieder gibt es Referenzen zur Punkmusik. Schon allein deswegen wundern Zeilen wie \u201eMoshen ass bieden. Moshen ass d\u2019Ritual fir de Gott vun der Musek. Moshen ass w\u00e9i gudde Sex.\u201c nicht.<\/p>\n<p>Cosimo Suglia: \u201eRoserei\u201c, Op der Lay, 144 Seiten, 17,90 Euro.\u00a0<\/p>\n<p>Rein in die tiefste D\u00fcsternis Luxemburgs<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Von Daniel Conrad<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Leichte Kost ist das nicht \u2013 im Gegenteil: Hier werden Fans von \u201eDas Schweigen der L\u00e4mmer\u201c und Co. f\u00fcndig. Der ehemalige Soldat und heutige Luxemburger Polizist Chris Wetz hat in seinem Deb\u00fctroman hoffentlich keine pers\u00f6nlichen Erfahrungen einflie\u00dfen lassen \u2013 so plastisch wirkt der Horror, den sein Ermittler Mil Brandon erlebt. Der wird nicht nur durch neue Verbrechen an eine alte Entf\u00fchrungswelle erinnert, sondern muss auch noch den grausamen Tod seiner Frau verarbeiten.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">\u00dcberraschenderweise ist dieser erste Teil der Thriller-Reihe bei Point Nemo Publishing erschienen, dem Verlag von Anna Valentiny, der sich bisher eher als Fachverlag pr\u00e4sentiert hatte. \u201eIm Schatten der Sonne\u201c hat Valentiny als Lektorin aus Lust am Experiment und als Krimifan eng begleitet. Und gemeinsam f\u00fchren sie und Wetz den Leser in ein\u00a0Luxemburg voller d\u00fcsterer Geheimnisse um Kindesmissbrauch, grausame T\u00f6tungen und die Folgen psychischer Belastungen nach schwerer Gewalt \u2013 und zu Orten, die jeder Luxemburger kennt.\u00a0<\/p>\n<p>Chris Wetz: \u201eIm Schatten der Sonne\u201c, Point Nemo Publishing, 320 Seiten, 25 Euro.\u00a0<\/p>\n<p>Drei Menschen, drei Geschichten, ein Land<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Von Nora Schloesser<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Was tun, wenn man sich die (eigene) Zukunft nur schwer vorstellen kann? Wenn man irgendwie dort gelandet ist, wo man sich gerade befindet und sich insgeheim die Frage stellt, ob man eigentlich gl\u00fccklich ist?<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Damit besch\u00e4ftigen sich Samuel Hamens Figuren aus \u201eLTZBG\u201c. In seinem neuen Buch l\u00e4sst der Autor in drei verschiedenen Kapiteln jeweils anhand eines Monologs drei unterschiedliche Personen zu Wort kommen: ein mittdrei\u00dfigj\u00e4hriges Elternteil, ein Rentner und eine Unternehmerin. Sie alle werden aus ihrem Alltagstrott gerissen und werfen einen Blick auf die Gesellschaft, auf das Land, in dem sie leben. Auf Luxemburg.<\/p>\n<p>Samuel Hamen: \u201eLTZBG\u201c, \u00e9ditions guy binsfeld, 136 Seiten, 20 Euro.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wort.lu\/kultur\/diese-sommerlich-leichten-leseabenteuer-bereichern-den-urlaub\/71593113.html\" class=\"RelatedTeaser_related-teaser__awFnD RelatedTeaser_related-teaser--image__oZDce read-more_withImage__1YJa_\" data-article-id=\"71593113\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>Lesen Sie auch:Diese sommerlich-leichten Leseabenteuer bereichern den Urlaub<\/p>\n<p><\/a>Ein federleichter Tritt in die Schienbeine der Wirklichkeit<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Von Marc Thill<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Mit seinem neuen B\u00fcchlein \u201eMir f\u00e4llt ein Stein vom Herzen und zertr\u00fcmmert meinen dicken Zeh\u201c beweist Guy Rewenig einmal mehr, wie virtuos er mit Sprache jonglieren kann. In 61 Miniaturen entfaltet er ein grotesk \u00fcberzeichnetes Panorama unserer Gegenwart.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Ob es um ein Kind mit Vorliebe f\u00fcr Friedh\u00f6fe geht, einen Hahn mit Identit\u00e4tskrise oder ein Nilpferd, das aus seinem Wellensittichk\u00e4fig ausbrechen will\u00a0\u2013 Rewenigs Texte sind witzige Schlaglichter auf eine Welt, die zunehmend aus den Fugen ger\u00e4t. Zwischen surrealem Witz und schmerzhaftem Ernst balancierend trifft der scharf beobachtende Schriftsteller mit seinem unverkennbaren Stil stets einen Ton, der nachhallt,\u00a0der etwas schr\u00e4g, aber doch stets auch tiefsinnig ist. Wer lacht, tut dies oft mit einem Klo\u00df im Hals, und genau darin liegt die Kraft dieses schmalen, aber gewichtigen Buchs.<\/p>\n<p>Guy Rewenig, \u201eMir f\u00e4llt ein Stein vom Herzen und zertr\u00fcmmert meinen dicken Zeh\u201c, \u00e9ditions guy binsfeld, 96 Seiten, 17 Euro.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Illustration: Sabina Palanca \/ Koordination und Redaktion: Nora Schloesser<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Luxemburgisch komplett zerlegt Von Nora Schloesser Dass Nico Helminger Spa\u00df daran hat, mit W\u00f6rtern zu jonglieren, mit Sprache&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":295151,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-295150","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114918917642807150","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=295150"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295150\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/295151"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=295150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=295150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=295150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}